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Geld für Kleinprojekte

Programm neu aufgelegt: Region profitiert


Die beiden Kommunalen Arbeitsgemeinschaften Integrierte Ländliche Entwicklung (ILE) Altmühltal und Fränkisches Seenland-Hahnenkamm beteiligen sich erneut an dem vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten aufgelegten und vom Amt für Ländliche Entwicklung Mittelfranken angebotenen Programm „Regionalbudget für Kleinprojekte“. Den beiden Regionen steht vorbehaltlich der Genehmigung für das Jahr 2022 je ein Programm mit dem Umfang von 100.000 EUR zur Verfügung. Auch für die folgenden Jahre hat Staatsministerin Kaniber eine Fortführung dieses sehr bewährten Programms angekündigt.

Die beiden Vorsitzenden der Kommunalen Arbeitsgemeinschaften, 1.Bgm´in Dr. Dr. Kristina Becker (Altmühltal) und 1.Bgm. Karl-Heinz Fitz (Fränkisches Seenland-Hahnenkamm), sehen in diesem Förderangebot eine gute Chance, um eine Vielzahl kleinerer Projekte aufgreifen und umsetzen zu können, die über andere Förderprogramme meist keine oder kaum Unterstützung erfahren konnten. Die Fördermittel in Höhe von 100.000 € je ILE-Region setzen sich zu 90 % aus dem Haushalt des Freistaats Bayern und jeweils zu 10 % aus den Haushalten der beteiligten Kommunen zusammen.
Gefördert werden jeweils Kleinprojekte, deren Gesamtinvestitionskosten netto 20.000 EUR nicht überschreiten. Für diese Kosten kann eine Zuwendung pro Einzelprojekt bis zu max. 80 %, jedoch höchstens 10.000 EUR netto beantragt werden.
Für die Entscheidung über die Auswahl der Projekte wurde in jeder ILE-Region eine Projekt-Arbeitsgruppe eingerichtet, in der sich Vertreter oder Vertreterinnen öffentlicher Einrichtungen, von Vereinen oder Zweckverbänden, Unternehmen oder auch fachlich ausgewiesene Einzelpersonen befinden.

Bis zum 15. Februar 2022 können entsprechende Anträge bei der Verwaltungsgemeinschaft Altmühltal (91802 Meinheim, Hauptstr. 37) für die Kommunen Langenaltheim, Solnhofen, Pappenheim, Treuchtlingen, Markt Berolzheim, Meinheim, Dittenheim, Alesheim oder bei der Verwaltungsgemeinschaft Gunzenhausen (91710 Gunzenhausen, Frankenmutherstr. 2) für die Kommunen Markt Absberg, Muhr am See, Gunzenhausen, Pfofeld, Theilenhofen, Haundorf, Markt Gnotzheim, Markt Heidenheim, Polsingen, Westheim und Auhausen eingereicht werden.

Gefördert werden können nur Kleinprojekte, die der Umsetzung des Integrierten Ländlichen Entwicklungskonzeptes dienen. Dies sind Projekte mit Schwerpunkten in u.a. den folgenden Bereichen:

  • Unterstützung bürgerschaftlichen Engagements
  • Begleitung von Veränderungsprozessen auf örtlicher Ebene
  • Verbesserung der Lebensverhältnisse der ländlichen Bevölkerung
  • Umsetzung ländlich angepasster Infrastrukturmaßnahmen
  • Sicherung und Verbesserung der Grundversorgung ländlicher Bevölkerung

Alle tatsächlich bewilligten Projekte müssen dann bis zum 30. September 2022 komplett umgesetzt sein. Zu diesem Zeitpunkt muss auch die Abrechnung zur Fördermittelauszahlung vorliegen. Bis dahin sind die Projekte von den Maßnahmenträgern vorzufinanzieren.

Antragsberechtigt sind Kommunen, Zweckverbände, Vereine oder auch Unternehmen.

Die Antragsformulare sind über die Kommunen zu beziehen oder unter www.stmelf.bayern.de/foerderwegweiser (Link: Ländliche Entwicklung à Regionalbudget) direkt herunterzuladen. Sie können aber auch über die ILE-Umsetzungsbegleitung digital bezogen werden (dieter.popp@futour.com).

DIETER POPP, Regionalberater

DNA des Naturparks

Klimafreundlicher Tourismus im Altmühltal

Auf der Mitgliederversammlung des Tourismusverbands Naturpark Altmühltal wurden die Urkunden für die Schlaufenwege, die sich 2021 einer erneuten Qualitätskontrolle unterzogen, an die Gemeinden übergeben. Links (v.u.n.o.): Landrat und erster Vorsitzender des Tourismusverbands Naturpark Altmühltal Alexander Anetsberger, Christian Wagner, Bürgermeister von Kipfenberg, Christoph Würflein, Geschäftsführer des Tourismusverbands Naturpark Altmühltal, Mitte: Rita Böhm, Bürgermeisterin von Kinding, Samantha Timm und Manfred Preischl, Leiterin der Tourist-Info und Bürgermeister von Greding, Andreas Brigl, Bürgermeister von Titting, Katrin Hradetzky vom Tourismusbüro Berching sowie der Berchinger Bürgermeister Ludwig Eisenreich, rechts: Dr. Dr. Kristina Becker, Bürgermeisterin von Treuchtlingen, Helmut Schloderer, Bürgermeister von Beilngries, und Jörg Nowy, Bürgermeister von Essing. Foto: Naturpark Altmühltal

Wie hat die Tourismusregion Naturpark Altmühltal das zweite Corona-Jahr überstanden? Erste Antworten auf diese Frage lieferte die Mitgliederversammlung des Tourismusverbands Naturpark Altmühltal am Dienstag, den 23. November 2021 in Eichstätt. Dabei richtete sich der Blick aber auch in die Zukunft und auf aktuelle Trends – wie den nachhaltigen Tourismus. Hier sieht Christoph Würflein die Region in einer Vorreiterrolle. Während die Entwicklung und Umsetzung eines nachhaltigen und klimaschonenden Tourismus in den meisten in- und ausländischen Destinationen erst jetzt in den Fokus rücke, so der Geschäftsführer des Naturpark Altmühltal, sei dieser im Naturpark Altmühltal seit den 1980er Jahren im Tourismuskonzept verankert und ein „Teil der DNA“.

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie waren im Tourismus auch 2021 deutlich spürbar, wie der vorläufige Saisonbericht, der auf der Mitgliederversammlung präsentiert wurde, zeigt. So verzeichnete der Naturpark Altmühltal von Januar bis September 2021 ein Minus von 8,6 Prozent bei den Gästeankünften und von 5,9 Prozent bei den Übernachtungen. Damit fiel der Rückgang jedoch geringer aus, als dies bayernweit der Fall war. Im August lag die Zahl der Übernachtungen mit 225.721 sogar deutlich über dem Wert von 2019. „Im Bereich Urlaub und Erholung geht es deutlich aufwärts“, urteilte Landrat Alexander Anetsberger, der erste Vorsitzende des Tourismusverbands Naturpark Altmühltal. „Bei Tagungen und Geschäftsreisen bleibt die Nachfrage jedoch sehr verhalten. Hier wird sich in Zukunft wohl einiges ändern.“

Als großes Problem für das Gastgewerbe zeichnet sich jedoch der Personalmangel ab. Viele Mitarbeiter haben wegen Lockdowns und Kurzarbeit die Branche gewechselt. Die Schwierigkeiten, Ersatz zu finden, hemmen die Erholung nach der Corona-Krise. „Wir sind uns des Problems bewusst und werden versuchen, hier neue Impulse zu setzen“, versprach Anetsberger. Dafür werde man das Gespräch mit Branchenvertretern suchen. Positiv zu bemerken ist dagegen, dass der Naherholungs- und Ausflugstourismus zu weniger Konflikten und „Overcrowding“ führte als noch 2020.

Vorreiter in Sachen nachhaltiger Tourismus

Besonders stark stieg 2021 das Interesse für Camping- und Wohnmobilurlaub – auch wenn der regenreiche Sommer für leichte Abstriche sorgte – und damit für naturnahen Tourismus. Auch das Thema Nachhaltigkeit rückt für die Urlauber stärker in den Mittelpunkt, wobei die Region hier gut aufgestellt ist. Mitte der 1980er Jahre leistete der Fachbereich Geografie der Katholischen Universität Eichstätt Pionierarbeit bei der wissenschaftlichen Bearbeitung des Konzeptes eines „sanften“ – heute würde man sagen nachhaltigen – Tourismus. Der Naturpark Altmühltal war dabei oft eingebunden und diente als Praxisbeispiel. Auch im 2017 erarbeiteten Tourismuskonzept der Region spielen Nachhaltigkeit und Entschleunigung eine zentrale Rolle. Daher wurden Aspekte der Nachhaltigkeit und des Klimaschutzes in vielen Bereichen bei Investitionen und Marketing bereits berücksichtigt, etwa bei der Förderung naturbezogener und nachhaltiger Angebote wie Wandern oder Radfahren, bei Umweltbildung und Besucherlenkung, bei der Unterstützung inhabergeführter Gastronomie- und Hotelbetriebe sowie im Bereich der regionalen Produkte. „Natürlich gibt es auch noch Raum für Verbesserungen, zum Beispiel bei der Mobilität oder bei den Unterkünften, wo Angebote wie Klima- oder Biohotels bisher fehlen“, räumte Würflein ein.

Im Bereich der klimafreundlichen Mobilität könnte das Förderprogramm der Bayerischen Staatsregierung „Tourismus in Bayern – Fit für die Zukunft“ einen Fortschritt bringen: Wer im Tourismus tätig ist, kann dadurch Zuschüsse für Ladepunkte für E-Autos und E-Bikes erhalten. Daneben werden Investitionen von Privatvermietern mit unter 25 Betten gefördert – ein Bereich, in dem der Naturpark Altmühltal in den vergangenen Jahren Anbieter verloren hat. Die Corona-Krise sieht der Geschäftsführer des Tourismusverbands Naturpark Altmühltal dabei jedoch nicht als Ursache, sondern vielmehr als Anlass: Wer zum Beispiel mangels Nachfolge schon über eine Betriebsaufgabe nachgedacht habe, habe diesen Schritt nun schneller beschlossen.

Neue Zielgruppen und ein verbesserter Webauftritt

Seinen Marketingschwerpunkt legt der Naturpark Altmühltal auch 2022 auf das Radfahren. Mit der Eröffnung des GeoRadwegs Altmühltal soll die Region einen neuen Leuchtturm zusätzlich zum beliebten Altmühltal-Radweg bekommen. Außerdem wurden spezielle Angebote für neue Zielgruppen entwickelt – etwa für Gravel-Biker. Die geländegängigen Rennräder verzeichnen derzeit mit die höchsten Steigerungsraten bei den Verkaufszahlen im Bereich Fahrräder. Zudem seien beim Graveln weniger Konflikte mit dem Naturschutz oder den Wanderern zu erwarten als beim Mountainbiken, wie Würflein betonte. Zusammen mit einem Journalisten wurden nun elf Tourenvorschläge ausgearbeitet, die teilweise schon online sowie in der neuen Radkarte der Region präsentiert werden. Dasselbe gilt für die neuen Rennradtouren im Naturpark Altmühltal.

Beim Wandern steht nach wie vor die Qualität des Angebots im Fokus. Für mehrere der Schlaufenwege am Altmühltal-Panoramaweg stand eine erneute Qualitätsprüfung an. Diese wird alle drei Jahre durchgeführt. Der „Sulztal-Wanderweg“ (Schlaufe 22) zwischen Beilngries und Berching, der „Schwarzachtal-Panoramaweg“ (Schlaufe 19) zwischen Greding und Kinding, der Kindinger „Burgenweg im Anlautertal“ (Schlaufe 18), der „Ritter- und Römerweg“ (Schlaufe 17) in Titting sowie der „Mühlenweg“ (Schlaufe 16) in Kipfenberg wurden 2021 überprüft und überzeugten erneut. Auf der Mitgliederversammlung wurden die entsprechenden Urkunden an die Vertreter der Gemeinden übergeben.

Für die kommende Saison hat der Naturpark Altmühltal außerdem die Überarbeitung seines Internetauftritts in Angriff genommen. Ein Ziel ist dabei die Verbesserung der Barrierefreiheit, das Angebot soll aber auch an die aktuellen Ansprüche der Nutzer angepasst werden. Videos und Animationen, neue Inhalte wie Reportagen und Interviews sowie eine bessere Präsentation der Markenkernwerte sollen die Website – und damit auch die Destination – attraktiver machen.

Gute Nachrichten gab es bei der Vorstellung des Werbe- und Finanzplans für 2022: Die 35 Mitgliedsgemeinden und -städte des Tourismusverbands erwartet erneut eine historisch niedrige Umlage von nur 1 Euro. Hintergrund ist die Auflösung der Rücklagen des Verbands. Bis 2009 hatte dieser über den Tourismusverband Franken Zuschüsse aus dem 5b-Phasing-Out-Programm der Europäischen Union erhalten. Diese Fördermittel wurden nach Auszahlung in Absprache mit dem Vorstand als Rücklage behalten, um für etwaige Rückforderungen durch die EU zur Verfügung zu stehen. Negative Erfahrungen anderer Tourismusverbände machten dieses Vorgehen notwendig. Seit 2015 können die Mittel jedoch sukzessive aus der Rücklage entnommen und dem laufenden Haushalt zugeführt werden.

Inzidenz auf 658

Häufungen von Infektionen in Heimen

Die 7-Tage-Inzidenz hat mit 658,1 am heutigen Tag im Landkreis einen neuen Höchststand erreicht. Vor allem die Situation in den Heimen wird dabei zunehmend kritisch. Im gesamten Landkreis sind in sechs Einrichtungen Corona-Infektionen gemeldet worden. Betroffen sind dabei sowohl Bewohnerinnen und Bewohner als auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Bei den betroffenen Einrichtungen handelt es sich um das Regens Wagner- Haus in Treuchtlingen, die Lebenshilfe Altmühlfranken in Weißenburg, die Lebenshilfe Förderstätte in Weißenburg, Diakoneo-Wohnen in Polsingen, das Haus Altmühltal in Pappenheim sowie den Seniorenhof in Pleinfeld.

Das beschriebene Infektionsgeschehen in den Einrichtungen trägt zwar zur Dynamik der Corona-Situation bei, kann aber nicht als alleinige Ursache ausgemacht werden. In betroffenen Einrichtungen werden zum Teil – je nach Infektionsgeschehen – Quarantänen angeordnet.

„Die Bewohnerinnen und Bewohner der Einrichtungen sind besonders schutzbedürftig. Wir werden uns deshalb verstärkt darum kümmern, das Infektionsgeschehen vor Ort einzudämmen. Dabei wird das Gesundheitsamt die Einrichtungen so gut wie möglich unterstützen“, erklärt Landrat Manuel Westphal.

  

Umbruch und Aufbruch

Historikerin Eva Karl: Ländliche Gesellschaft im Nationalsozialismus und der Aufbauphase

Für 29,90 Euro im Buchhandel erhältlich.

Der Historische Verein für Mittelfranken hat seinen Band 27 der „Mittelfränkischen Studien“ herausgebracht, der sich der ländlichen Gesellschaft im Altlandkreis und der Stadt Dinkelsbühl von 1943-1948 zwischen Ende und Aufbruch widmet. Autorin ist die Historikerin Dr. Eva Karl, die am Institut für Zeitgeschichte (IfZ) in München-Berlin die nationalsozialistische Diktatur wissenschaftlich angeht.  Mit ihrer Dissertation „Zusammenbruch-Umbruch-Aufbruch“ hat sie 2016 das Geschichtsstudium an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg abgeschlossen. Derzeit arbeitet sie an einer Studie „Coburg in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts“. Der vorliegende Band ist sehr umfangreich (618 Seiten). Er ist für 29.90 Euro im Buchhandel erhältlich (ISBN 978-3-96049-093-7).

Das Dinkelsbühler Land war zu Anfang des letzten Jahrhunderts ausgesprochen agrarisch  (66 Prozent landwirtschaftlich orientiert) und protestantisch (84 Prozent gehörten der evangelisch-lutherischen Kirche an) geprägt.  Die Autorin spricht von einer „Provinzgemeinschaft“. Zu ihr gehörte Wassertrüdingen (neben Dinkelsbühl das zweite städtische Zentrum) mit seinem Hesselberg-Umland. In diesem Beitrag soll speziell  auf die Situation in diesem Landstrich eingegangen werden, zumal  sich der Hesselberg, das Altmühltal und der Hahnenkamm nicht nur naturräumlich ähnlich sind.

Fakten, Ereignisse und Episoden  werden von Eva Karl zuhauf genannt. Von dem gesellschaftlichen und politischen Umfeld im ländlichen Westmittelfranken wissen nicht nur die Historiker, dass es für die NS-Propaganda besonders empfänglich war. Bei der  entscheidenden Reichstagswahl 1933, die zur Machtergreifung Hitlers geführt hat, stimmten 71,5 Prozent der Landkreisbevölkerung für die NSDAP (in Bayern war es nur 43,9 Prozent und in Mittelfranken 51,6 Prozent). Zehn Tage nach dem hitlerschen Durchbruch legten die Dinkelsbühler dem „Führer“ die Ehrenbürgerschaft zu Füßen.

Gefährlich: Politische Witze

Wenn auch die Kriegszeiten nicht danach waren, Witze zu machen – vor allem politische – , so kursierte 1943 dieser: „Nächste Woche wird Fleisch billiger, denn dann werden all die Ochsen geschlachtet, die noch an den Sieg glauben“. Wie gefährlich es war, sich systemkritisch zu äußern, das erfuhr eine Wassertrüdingerin im Dezember 1944, als sie für die Aussage, es habe sich „ausgehitlert“, ein Jahr ins Gefängnis musste.

Dinkelsbühl als Lazarettstadt zu deklarieren (und somit vor feindlichen Angriffen zu schützen) schlug fehl. Deshalb kam es bei Luftangriffen 1943/44 sowie im Frühjahr 1945 zu Bombardements, die 90 Prozent der Gebäude beschädigten, darunter den Wassertrüdinger Bahnhof . Es gab 400 Verletzte und einen Toten. Bei einem Tieffliegerangriff wurde am 8. April 1945 auch der Oberschwaninger Bürgermeister während einer Lkw-Fahrt getötet.

Von den 27000 Einwohnern des Landkreises im Jahr 1944 waren 3000 Zwangsarbeiter (davon 50 Prozent Frauen).  Sie waren den fränkischen Familien zugewiesen und lebten in Lagern (bis 1957). In Dorfkemathen erzählt man sich heute noch, dass damals russische Kriegsgefangene Holzspielzeug bastelten und auf der Gugelmühle feierten 1943 Polen, Italiener und Franzosen gemeinsam Weihnachten. Für aufmüpfiges Verhalten, Raub oder Mord mussten die Gefangenen schwer büßen. Ein Exempel statuierten die Nazis beispielsweise an zwei geflohenen Ostarbeitern, die sich an beerenpflückende Frauen heranmachten und ihnen sowohl die Vesperbrote wie die gesammelten Beeren stahlen.  Einer von ihnen wurde von der Gendarmerie an Ort und Stelle erschossen, weil er sich der Festnahme widersetzte. „Rassistisch unwürdige“ Ausländer, die mit deutschen Frauen Sexualkontakt hatten, landeten im Konzentrationslager und die Frauen wurden im Dorf öffentlich zur Schau gestellt.

4000 Paar Schuhe gehortet

Nach dem Krieg herrschte die Notwirtschaft überall. Tauschgeschäfte, Rationierung und Hamsterfahrten auf das Land gehörten zum Alltag. Ein Dinkelsbühler Schuhwarengeschäftsinhaber, der  4000 Paar Schuhe hortete und sie somit der öffentlichen Zuteilung entzog, bekam vier Jahre Zuchthaus aufgebrummt.  In der Zentralmolkerei und am Friedhof eingelagerte Stoffe und Schuhe, Bohnenkaffee und Lederwaren wurden nach dem Eintreffen der amerikanischen Besatzungstruppen verteilt, auch das Speiseöl, das in drei Kesselwagen und vier Waggons deponiert war.

Zu den prägendsten Gestalten der Zeit gehörte der Wassertrüdinger Bürgermeister Ernst Ittameier (ab 1928), der zugleich NSDAP-Kreisleiter war. Dass er dem am 1. März 1945 abgesprungenen Feindflieger Jack Nider Beckman keine menschliche Behandlung gewährte, das rächte sich später. Der deutsche Pilot hatte den Luftkampf über Dennenlohe und Unterschwaningen nicht überlebt. Ein Bauer fand ihn bei Kröttenbach. Der US-Kampfflieger indes wurde mit dem Spaten geschlagen und von Volkssturmführer Georg Eckstein von hinten erschossen. Ernst Ittameier indes gab sich zuweilen generös (sein Schwager und Assistent Karl Kattinger war weitaus gefürchteter) und stellte einige Bürger unter seinen pesönlichen Schutz. Sogar der pensionierte Steueramtmann Ernst Richter, der mit einer Volljüdin verheiratet war, durfte sich mit ihn in der Öffentlichkeit zeigen.

Nazifreundliche „Deutsche Christen“

Eva Karl stellt fest: „Evangelische Frömmigkeit und völkischer Nationalismus bildeten in Franken eine Synthese“.  Die protestantischen Pfarrer Georg Bräuninger in Königshofen und Karl Brunnacker in Mönchsroth sowie der Ehinger Friedrich Schemm waren bei den nazifreundlichen  „Deutschen Christen“ engagiert. Der Kirchenkampf tobte auch auf dem Land: Der aus Döckingen stammende Brunnacker wurde von der Landeskirche seines Dienstes enthoben, weil er seinem Nachfolger den Zutritt zur Kirche verwehrte und gegen Landesbischof Hans Meiser agierte. Von Depressionen geplagt nahm sich Brunnacker 1934 das Leben. Bei den DC-Leuten galt er als Märthyrer und bei seiner Beerdigung auf dem heimatlichen Friedhof waren unter den rund 3000 Trauergästen auch der Nazi-Reichsbischof Müller und der stellvertretende fränkische Gauleiter Karl Holz.  Zurückhalten mussten sich die Meiser- treuen Gottesmänner, um sich vor Nachstellungen zu schützen. Zu den Mutigen zählte der Unterschwaninger Pfarrer, der die Aussage des „Frankenführers“ Julius Streicher zurückwies, Hitler sei  die „höchste Offenbarung“. Der Lentersheimer Pfarrer Karl Popp wehrte sich gegen die Abschaffung eines Feiertags und musste 100 Reichsmark berappen, weil er trotz Verbot weiterhin seinen Gottesdienst hielt.

Als sich  in der Stadt und in den Landgemeinden  die im Rückwärtsgang befindlichen  Wehrmachtseinheiten  einquartierten, wurde die meisten die ausweglose Lage bewusst.  Dennenloher Frauen versorgten ein  durchziehendes Kriegsgefangenenkommando mit Essen. In Dinkelsbühl verhinderten die Schutzzeichen entsprechend der Genfer Konvention und ein geschicktes Verhalten von Apotheker Dr. Fritz Schmidt (zugleich Schutzbezirkskommandeur) die Bombardierung der Stadt. Die SS gab jedenfalls  ihren Plan auf, die Stadt zu verteidigen und verschanzte sich sieben Kilometer vor der Stadt. Erleichterung für die Zivilbevölkerung: Am 20. April 1945 läuteten die Glocken – zu Hitlers Geburtstag und zugleich zur Ankunft der US-Besatzer. Der Ortsgruppenleiter von Dinkelsbühl vernichtete alle Akten und flüchtete, im Keller der „Goldenen Gans“ agierte notgedrungen die Stadtverwaltung.  Ein weißes Fahnenmeer motivierte die Amerikaner, auf dem Marktplatz ein Feuer zu entfachen und ausgiebig zu zechen. Aber in Lehengütigen, Zwernberg und Oberradach meinten die letzten Wehrmachtssoldaten, die US-Armee aufhalten zu können, doch sie wurden aus der Luft angegriffen. Dorfkemathen galt als ein Nazidorf. Dort schoss ein evakuierter Saarländer vom Schulhaus aus auf die anrückenden Feinde. Im Gegenfeuer starben drei Menschen und Gebäude wurden in Brand gesetzt. Beachtlich: Französische Zwangsarbeiter konnte die Amerikaner davon abhalten, weitere Zerstörungen vorzunehmen. Und wieder waren Frauen unter den Mutigen: In Beyerberg zersägten sie die Panzersperren und gingen im Zorn auf den Volkssturmführer los.

Parteibücher vergraben

Bis Ende April waren alle Ortschaften von den Besatzern eingenommen. In Wassertrüdingen führte der älteste Stadtrat Konrad Stettenfeld die Verhandlungen mit den US-Offizieren. Die Menschen entledigten sich der Nazi-Vergangenheit und ihrer Enbleme, vergruben Parteibücher und Wertgegenstände.  Ein Zehnjähriger kam ums Leben als er mit Waffen spielte und im Dinkelsbühler Rathaus starben sieben Burschen als es beim Sortieren abgelieferter Waffen eine Explosion gab. Zu den Besatzungsgeschichten zählt auch die Klage des Weidelbacher pfarrers: „Deutsche Frauen und Mädchen werfen sich für lumpige Zigaretten und Schokolade würdelos dem Feind hin, sogar den schwarzen Amerikanern“.

Die folgende Entnazifizierung  (zunächst durch die Amerikaner, dann durch deutsche Behörden) bot im ganzen Land Gelegenheit zu persönlichen Rachefeldzügen.  Die Denunziation zeigte eine „hässliche Blüte“, wie Dekan Greiner bemerkte.  Die einstigen lokalen Herrscher hatten sich zu verantworten – oder sie entzogen sich der Gerichtsbarkeit durch Freitod , so der Dinkelsbühler SA-Obersturmführer Andreas Strebel, der sich im örtlichen Gefängnis erhängte.  Kreisleiter Ernst Ittameier hatte sich zunächst im Oettinger Forst versteckt, wurde aber aufgegriffen und verhaftet. Ihm konnte später ein Kriegsverbrechen gegen den kanadischen Kampflieger nachgewiesen werden, so dass er am 5. November 1948 in Landsberg hingerichtet wurde.  Sein Assistent Karl Kattinger tötete im August seine Frau, seine beiden Kinder und sich selbst.

Bei den Spruchkammerverfahren ging es um 136 „nazistische Tätigkeiten“. Wegen falscher Angaben musste sich vor den amerikanischen Entnazifizierern auch Baron Ludwig von Süßkind verantworten. Später übernahmen deutsche Spruchkammern die Verfahren. Es gab die sogenannten Persilscheine, u.a.  für einen  Dinkelsbühler Arbeitgeber, der von einem Mitarbeiter bei der Gestapo angezeigt worden war, der aber später nichts mehr davon wissen wollte.  Zudem kam der US-Militärgouverneur Robert Waley 1948 zur Ansicht, dass ein Großteil der Unverbesserlichen nicht vom demokratischen System überzeugt ist und weiterhin an die prinzipielle Richtigkeit des Nationalsozialismus glaubt.

Im Kreis gab es 11500 Flüchtlinge und Evakuierte

11500 Evakuierte und Flüchtlinge waren bei Kriegsende im Kreis Dinkelsbühl registriert. Die  Bevölkerung stand ihrer Aufnahme  und Einquartierung betont reserviert gegenüber und übte sich zuweilen in sozialer Deklassierung: „Die sollen heim, wer weiß, was sie ausgefressen haben.“ Damals hielten sich an die 6000 „Displaced Persons“ (DP) – vorwiegend Russen und Polen – in den Landkreisen Dinkelsbühl und Feuchtwangen auf, also Zivilisten, die infolge des Kriegs außerhalb ihrer Heimat leben mussten.  Manche von ihnen wähnten sich als Befreier und wollten an der Feindnation Rache nehmen. In Beyerberg drangen polnische DPs in ein Haus ein, raubten den Besitzer und seine Tochter aus und stachen sie nieder.

Wie  die Statistik besagt, leben im Jahr 1948 genau 11930 Flüchtlinge und Vertriebene im Landkreis, allein 5682 Sudetendeutsche.  Das waren 22 Prozent der Wohnbevölkerung.  35 Prozent hausten in Flüchtlingslagern, beispielsweise in Voggendorf, wo zeitweise  1044 in einem eigens errichteten Barackendorf lebten. Viele kleine Orte waren mit der Flüchtlingsaufnahme überfordert, so beispielsweise Dennenlohe, wo unter den 224 Einwohnern die 144 Einheimischen die Minderheit darstellten. Von den Neubürgern kamen Schilderung der Autorin Eva Karl rund 60 Prozent mit ihren Verhältnissen zurecht, 40 Prozent waren krank und mittellos. Viele hatten alles verloren. Sie trafen auf Einheimische, die nichts verloren hatten. Dennoch war von den Bauern zu hören: „Alle wollen essen, schimpfen aber auf die Bauern“. Die Habenichtse galten unter den Einheimischen nicht als Volksgenossen, sondern als Fremde.  Wer sich den Besatzer-Anweisungen hinsichtlich der Einquartierung widersetzte, der spürte dies am eigenen Leib. So zum Beispiel musste der Weiltinger Apotheker für ein Jahr ins Zuchthaus.

Korruptionswirtschaft in der Notzeit

Natürlich griff in der argen Notzeit auf dem Lande die Versorgungskriminalität um sich. Ein Dinkelsbühler Lokführer, der mit 29 anderen in seiner Wohnung „schwarz“ schlachtete, musste für dreieinhalb Jahres ins Zuchthaus und obendrein noch 5000 Euro Reichsmarkt bezahlen. Die Hamsterer aus Nürnberg, Fürth oder Augsburg  wurden als Bedrohung empfunden. Tauschgeschäfte waren an der Tagesordnung („Geige gegen Wintermantel“), weshalb Landrat Gehring 1948 resigniert feststellen musste, dass die Korruptionswirtschaft „auf der ganzen Linie gesiegt hat“.

Dinkelsbühl, das mittelalterliche Juwel,  hatte noch Glück, dass nur 2,2 Prozent der Wohnungen im Krieg zerstört wurden. Das war zugleich der geringste Zerstörungsgrad unter den mittelfränkischen Städten (Nürnberg: 50 Prozent). Ab 1947 waren die deutschen  Kreiswohnungsämter für die Verteilung zuständig. In den Dörfern ging der Bürgermeister von Haus zu Haus.  Kreisflüchtlingskommissar Goos war ein verständnisvoller Mann: „Die gute Stube zur Unterbringung von Flüchtlingen ist wichtiger, als dass sie im Lauf der Zeit von Motten zerfressen wird.“ Er schickte eine Familie, die sich weigerte, für sechs Monate in ein Flüchtlingslager und eine Bäuerin für drei Monate ins Gefängnis, die einem Flüchtling ein kleineres Zimmer zuwies als dies der Kommissar verfügt hatte.  Die Wohnungsnot war frappierend, in der kleinen Gemeinde Zwernberg kamen im Durchschnitt  3,9 Personen auf ein Zimmer.  „Die Bevölkerung ist apathisch gegenüber den Zwangsmaßnahmen des demokratischen Staats“, konstatierte der enttäuschte Landrat Pezold.

Mit der Währungsreform am 20. Juni 1948 füllten sich wieder die Schaufenster und das Kopfgeld von 60 DM versetzte die Menschen in einem „Kauftaumel“.  Die Vertriebenen  aus dem Sudetenland erwiesen sich als findige Geschäftsleute.  Es formierten sich 228 Flüchtlingsbetriebe, von denen nur zwölf mehr als fünf Mitarbeiter hatten. Sie stellten 49 Prozent der Gesamtbetriebe im Kreis. Auch im kommunalpolitischen Erwachen meldeten sich die Neubürger zu Wort und kamen bei der ersten Kreistagswahl auf 6,7 Prozent („Union der Ausgewiesenen und Entrechteten“).  In einigen Gemeinden setzten sich die neuen Gemeinderäte 50:50 zusammen (Ehingen, Gerolfingen, Veitsweiler, Dürrwangen).  Von den neuen (und vielfach alten) 64 Bürgermeistern waren 51 Bauern. Aus Politikverdrossenheit wollten sich viele Männer in den Dörfern nicht engagieren, Frauen spielten diesbezüglich ohnehin noch keine Rolle.

WERNER FALK

Flyer kommt gut an

Fränkische WasserRadweg präsentiert sich auf der Eurobike

Der neue Flyer im Fokus: Jessica Pitterle (Produktmanagerin) präsentiert den Fränkischen WasserRadweg auf der Messe Eurobike in Friedrichshafen. Copyright: Archiv Fränkischer WasserRadweg/Wegener

Endlich wieder Messe-Zeit: Als eine der ersten internationalen Messen ist die Eurobike in Friedrichshafen über die Bühne gegangen. Im Rahmen des Radreisemarkts „Holiday on Bike“ präsentierte das Team den Fränkischen WasserRadweg mit einem eigenen Stand.
Im Zentrum stand dabei der handliche, neue Flyer zur Route. Die Neuauflage ist pünktlich zum Start der Messesaison erschienen. Leser erfahren alles rund um die fast 460 Kilometer lange Strecke durch die Urlaubslandschaften Fränkisches Seenland, Naturpark Altmühltal und Romantisches Franken. „Die Resonanz von den Besuchern an den zwei Tagen war sehr gut“, berichtet Jessica Pitterle, Produktmanagerin des Fränkischen WasserRadwegs. Vor Ort führte das Team nette, persönliche Gespräche und informierte über die Rundtour, die fast durchgehend am Fluss- oder Seeufer entlang, zur Burgromantik und in historische Städte führt.
Alle Fragen zum Fränkischen WasserRadweg und den Besonderheiten der Strecke werden direkt mit dem Flyer beantwortet. Die dort abgebildete Übersichtskarte erleichtert die individuelle Planung, Tourentipps geben weitere Hilfestellungen. Vor allem interessant waren für die Besucher die drei Alternativen zur großen Runde, die durch zwei Querverbindungen möglich werden: die Rundtour West (182 Kilometer) im Zeichen romantischer Städte, die Rundtour Ost (175 Kilometer), die unter anderem am historischen Ludwig-Donau-Main-Kanal verläuft, und die Seenrunde (143 Kilometer).
Während der zwei Tage brachte das Team des Fränkischen WasserRadwegs den Besuchern die Vorzüge des Flyers näher und präsentierte den Fernradweg so auch einem internationalen Publikum. Denn zum Branchentreffen in Friedrichshafen kamen insgesamt 18770 Fachbesucher und 13424 Fahrradfans – unter den Fachbesuchern waren dabei nicht nur Gäste aus dem deutschsprachigen Raum, sondern auch aus Ost- und Südeuropa sowie den USA, dem Nahen Osten und Asien.
Im kommenden Jahr zieht die Messe Eurobike und damit auch der Radreisemarkt „Holiday on Bike“ um und findet vom 13. bis 17. Juli 2022 erstmals in Frankfurt statt. Schon jetzt ist sicher: Auch dann wird das Team des Fränkischen WasserRadweg dabei sein und diesen mit seinen vielfältigen Tourmöglichkeiten präsentieren.

Perle des Naturschutzes

Finanzzusage des Bundes für Altmühltal

Das ist der Abschnitt, um den es geht. Das „Mittelfränkische Altmühltal“ wird jetzt auch vom Bund gefördert. Sechs Millionen Euro gibt es in den nächsten zehn Jahren.

Durchweg positive Eindrücke vom Landkreis Ansbach und dem Nachbarlandkreis Weißenburg-Gunzenhausen nimmt Annette Hagius von ihrem Besuch mit zurück ins Bundesamt für Naturschutz in Bonn. Die Fachbetreuerin hielt sich vier Tage vor Ort auf, um sich über das vom Bund stark geförderte Naturschutzprojekt „chance.natur – Lebensraum Mittelfränkisches Altmühltal“ zu erkundigen.

Annette Hagius sagte, in den Genuss einer Förderung durch das Programm „chance.natur“ kämen nur „Perlen des Naturschutzes“. Eine solche sei zweifelsohne das Projektgebiet, das von Colmberg im Norden bis nach Treuchtlingen im Süden reicht: eines der bedeutendsten Feucht- und Nasswiesengebiete und das größte zusammenhängende Wiesenbrütergebiet Süddeutschlands. Es reiht sich ein in insgesamt 83 Projekte, die bislang seit 1979 vom Bund auf diesem Weg finanziell unterstützt worden sind. Sie alle, so Hagius, seien „repräsentativ und bedeutsam für ganz Deutschland“.

Annette Hagius bewertet das Altmühltal

Mit einem Umfang von rund sechs Millionen Euro innerhalb der nächsten zehn Jahre ist „chance.natur – Lebensraum Mittelfränkisches Altmühltal“ mit Abstand das größte und wichtigste Naturschutzprojekt in der Region. Als Träger arbeiten die Landkreise Ansbach und Weißenburg-Gunzenhausen sowie der Landschaftspflegeverband Mittelfranken und der Landesbund für Vogelschutz zusammen. Sie übernehmen gemeinsam den Rest der Kosten, die von den Zuschussgebern – neben dem Bund auch das Bayerische Umweltministerium und der Bayerische Naturschutzfonds – nicht getragen werden.

Wie stark das Projekt auf Kooperation und Einvernehmen setzt, wird nicht allein an der Zahl der Träger deutlich. Auch die Zielsetzung geht weit über die Stabilisierung der rapide gesunkenen Wiesenbrüterbestände hinaus. So sollen unter anderem auch artenreiche Wiesen erhalten, der Wasserrückhalt im Gebiet verbessert und ein Konzept zur Lenkung der Besucher entwickelt werden.

Das Projektgebiet umfasst 19 Kommunen und rund 7000 Hektar Fläche. Kernzone ist das Feuchtgebiet Wiesmet. Hier laufen bereits seit Jahrzehnten Bemühungen, im Einvernehmen mit den Landwirten den Schutz der Wiesenbrüter voranzubringen. Die Flächen werden naturschonend und extensiv bewirtschaftet, die Landwirte erhalten dafür einen Ausgleich. Erfahrungen aus dem Wiesmet, so die Zielsetzung, sollen nach Möglichkeit im gesamten Projektgebiet umgesetzt und noch verfeinert werden.

Beim Termin vor Ort dankte stellvertretender Landrat Hans Henninger für den kräftigen Zuschuss des Bundes, ohne den das Projekt nicht umzusetzen wäre. Manuel Westphal, Landrat des Landkreises Weißenburg-Gunzenhausen, sprach von einer ganz besonderen Form der Zusammenarbeit über Gemeinden und Landkreisgrenzen hinweg. Er begrüßte es, dass Grundeigentümer und Flächennutzer ausdrücklich in die Planungen eingebunden werden und man hier mehr auf Freiwilligkeit setze. Für Stefanie Schwarz von der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt Ansbach bietet das Projekt die Chance, bereits Begonnenes mit Kontinuität und Know-How fortzusetzen. Bisher hätten die Kapazitäten dafür leider nicht ausgereicht, bedauerte sie.

Projektleiter ist Diplom-Biologe Dietmar Herold. Er arbeitet nun zunächst an einem Pflege- und Entwicklungsplan, der alle notwendigen Maßnahmen flächengenau aufzeigt. In einer weiteren Analyse soll ermittelt werden, wo und welche Chancen es für Landwirte und die Erholungsnutzung gibt. Ein drittes Konzept soll neue Möglichkeiten der Vermarktung und Wertschöpfung aus der extensiven Grünlandbewirtschaftung aufzeigen. „Es geht hier nicht nur um den Verlust von ein ,paar Vögeln‘. Das Verschwinden der Vögel steht für den Verlust von natürlicher Vielfalt und Lebensqualität für Tier und Mensch“, unterstreicht Herold.

Bildunterschrift: Annette Hagius vom Bundesamt für Naturschutz in Bonn besuchte das Projektgebiet von „chance.natur – Lebensraum Mittelfränkisches Altmühltal“.

Foto: Landratsamt Ansbach/Fabian Hähnlein

Grafik: Das Projektgebiet von „chance.natur – Lebensraum Mittelfränkisches Altmühltal“.

Quelle: „chance.natur – Lebensraum Mittelfränkisches Altmühltal“

Erfolgreicher Messeauftritt

Naturpark Altmühltal war auf Caravan-Salon

Die Urkunde für den neuen Eichstätter Qualitätsweg nahm Thomas Hollweck (links) von der Tourist-Information in Düsseldorf von Boris Bicic und Ute Dicks, der Geschäftsführerin des Deutschen Wanderverbands, entgegen. (Foto: Tourist-Information Eichstätt)

Persönliche Gespräche mit vielen wanderbegeisterten Messebesuchern, dazu die Verleihung des Siegels „Qualitätsweg Wanderbares Deutschland“ an eine weitere Route der Region: Der Messeauftritt auf dem Caravan Salon in Düsseldorf war für den Naturpark Altmühltal ein voller Erfolg.

Mit eigenem Hygienekonzept und Zugang nur für Besucher, die entweder nachweislich gegen Corona geimpft, genesen oder negativ getestet waren, lief die 60. Auflage der Caravan- und Reisemesse in Düsseldorf problemlos ab. Trotz der Auflagen zog es 185.000 Besucher auf das Messegelände – und sie interessierten sich nicht nur für Campingfahrzeuge. Zum ersten Mal waren in der Halle 3 über den gesamten Messezeitraum Anbieter aus den Bereichen „Equipment & Outdoor“ sowie „Travel & Nature“ vertreten. Dieses neue Konzept löst die Messe Tour Natur ab, die bisher an nur drei Tagen im Rahmen des Caravan Salons stattfand.

So präsentierte sich auch der Naturpark Altmühltal dieses Jahr am Stand der „Top Trails of Germany“. Von Freitag, den 3. September 2021, bis Sonntag, den 5. September 2021, sogar mit eigenem Personal der Urlaubsregion, um die zahlreichen interessierten Besucher am Stand zu beraten.

Eichstätter Rundstrecke ist jetzt Qualitätsweg

Wie das Naturpark-Team feststellte, hat das ohnehin starke Interesse am Thema Wandern in der Corona-Pandemie noch einmal zugenommen. Deshalb ist es besonders erfreulich, dass die Region jetzt auch mit einem weiteren „Qualitätsweg Wanderbares Deutschland“ aufwartet. Wie üblich nutzte der Deutsche Wanderverband die Messe in Düsseldorf dazu, die Urkunden an die neuen und nachzertifizierten Siegelträger zu vergeben. Darunter war diesmal der Eichstätter Panoramaweg (Nr. 7). Die rund 11,5 Kilometer lange Strecke rund um die Bischofsstadt im Zentrum des Naturpark Altmühltal überzeugte durch ihre abwechslungsreiche Wegführung mit Naturerlebnissen von Buchenwald bis Trockenrasen, durch traumhafte Aussichten sowie durch die vielen Sehenswürdigkeiten, zu denen unter anderem die Willibaldsburg, das Kobenzl-Schlösschen und die ehemalige Klosterkirche Notre Dame mit dem Informationszentrum Naturpark Altmühltal gehören. Im Naturpark Altmühltal gibt es bereits mehrere „Qualitätswege Wanderbares Deutschland“, darunter der bekannte Altmühltal-Panoramaweg, der Urdonautalsteig, die Zeugenbergrunde in Neumarkt i.d.OPF. sowie der Rundweg „Um den Kalvarienberg“ in Greding. Drei Wanderwege in Thalmässing sind zudem als Premiumwege des Deutschen Wanderinstituts ausgezeichnet.

„Altmühlfranken“ stärken

Kreisversammlung der FDP im Parkhotel Gunzenhausen

Nach der Wahl von drei neuen Beiratsmitgliedern ist die Vorstandschaft des FDP-Kreisverbands Weißenburg-Gunzenhausen nun wieder komplett. Außerdem hat Robin Dienst (Treuchtlingen) von Lukas Gerhardt (Pleinfeld) die Funktion des Schatzmeisters übernommen.

Auf ihrer Mitgliederversammlung im Parkhotel Altmühltal wählten die Mitglieder unter der Leitung des stellvertretenden Bezirksvorsitzenden Markus Lüling (Lauf) Julia Bernwald (Gunzenhausen), Dr. Thomas Kestler (Weißenburg) und Lukas Gerhardt (Pleinfeld)  als Beisitzer.  Somit ist das Gremium nach dem Verzicht von Susanne Geilhardt (Pleinfeld) und Winni Rathsmann  (Muhr am See) wieder  vollständig.

Auf dem Landesparteitag ist der Kreisverband künftig mit seinem Kreisvorsitzenden Thomas Geilhardt (Pleinfeld), Timo Jungwirth (Gunzenhausen-Aha) sowie Alan Canepa (Weißenburg) vertreten, Ersatzleute sind Jürgen Meyer (Gunzenhausen), Julia Bernwald (Gunzenhausen)und Susanne Geilhardt (Pleinfeld).  Auf dem Bezirksparteitag sind Thomas Geilhardt (Ronald Nowotsch, Ramsberg), Alan Canepa (Jürgen Meyer) und Timo Jungwirth (Lukas Gerhardt) stimmberechtigt.

Dr. Hermann Drummer, der Weißenburger Ortsvorsitzende, kündigte seinerseits die Vorlage eines Tourismuskonzepts für Altmühlfranken an, in dem die touristischen Highlights quasi als „Erlebniskette“ ausgewiesen werden. Wichtig ist ihm, eine Markenentwicklung herbeizuführen.

Nach Ansicht von Werner Falk, dem Vorsitzenden der FDP-Kreistagsfraktion, soll die Marke „Altmühlfranken“ stärker in das fortzuschreibende Leitbild des Tourismusverbands Fränkisches Seenland und auch des Landkreises Eingang finden. Für ihn ist das Seenland unter den 16 fränkischen Tourismusregionen gut platziert (9. Rang). Für unbefriedigend hält er es, dass nach wie vor die Übernachtungen in den vielen kleinen Beherbergungsbetrieben  (bis neun Betten) nicht in die amtliche Statistik Eingang finden, so dass die Zahlen des Statistischen Landesamts differenziert zu sehen sind.  Erfasst werden bisher nur die Übernachtungen in den gewerblichen Betrieben (10 und mehr Betten). Derzeit gibt es im Fränkischen Seenland 367 Übernachtungsbetriebe, davon 292 Ferienwohnungen, 20 Pensionen und 55 Gasthöfe und Hotels.

In einem Beschluss, der auf Antrag von Alan Canepa (Weißenburg) zustande gekommen ist, fordert der Kreisverband eine zeitnahe Vereinfachung der umweltgerechten Modernisierung von Miethäusern. Im Einkommensteuergesetzes sollen demnach energetische Modernisierungsmaßnahmen nach KfW-Standards künftig von der 15-%-Grenze für Immobilienanschaffungen innerhalb von drei Jahren ausgeschlossen werden, wenn das Objekt selbst älter als zehn Jahre alt ist.

Mit dem Ranger unterwegs

Faszination Steinbruch – Leben am Extremstandort

Steinbrüche wirken auf den ersten Blick oft kalt und lebensfeindlich, doch hier lohnt es sich genauer hinzuschauen, denn sie stecken voller Überraschungen.

Am Sonntag, 29. August, zeigen die Naturpark-Rangerinnen Birgitta Hohnheiser und Ann-Katrin Frisch was sich alles in den Steinbrüchen versteckt und wie sich die Pflanzen und Tieren an diesen Extremstandort angepasst haben. Treffpunkt ist um 13.15 Uhr am Bahnhof in Solnhofen. Dauer 3-4 Stunden.

Eine Anmeldung für die kostenlose Führung ist notwendig und kann telefonisch beim Informationszentrum Naturpark Altmühltal unter 08421/9876-0 oder online www.naturpark-altmuehltal.de/fuehrungen/ erfolgen.

Druckfrische Radkarte

Neue Rundtouren-Tipps und beliebte Fernstrecken

Die neue Radkarte mit 15 Rundtouren sowie Tipps für Rennradfahrer und Gravelbiker präsentierte der Tourismusverband Naturpark Altmühltal am Schäferwagen an der Schernfelder Brücke: Klaus Dorsch, Magenta 4, Christoph Würflein, Geschäftsführer, Landrat und Vorsitzender Alexander Anetsberger, Bürgermeister Wolfgang Roßkopf, Benjamin Hübel, Projektleiter Infozentrum Naturpark Altmühltal, Clemens Henle, Redakteur. Fotografin: Vanessa Schärl, Tourismusverband Naturpark

Radeln ist eine der Lieblingsaktivitäten von Urlaubern und Ausflüglern im Naturpark Altmühltal. Doch die Ansprüche haben sich in den vergangenen Jahren gewandelt, denn viele sind jetzt mit E-Bikes unterwegs. Und auch Rennradler oder Gravelbiker zieht es in die Region. Um ihren Interessen entgegenzukommen, gibt der Naturpark Altmühltal jetzt eine neue Radkarte heraus, die neben bekannten Fernstrecken auch viele Rundtourenvorschläge enthält.

Der Geschäftsführer Christoph Würflein und der Vorsitzende des Tourismusverbands Naturpark Altmühltal, Alexander Anetsberger, haben sie am 12. August in Eichstätt vorgestellt.   „Anstiege spielen für die E-Bike-Fahrer keine Rolle mehr. Viele bevorzugen jedoch ein festes Quartier und möchten nicht jeden Tag die Unterkunft wechseln“, erklärte Alexander Anetsberger. Neue Rundtourenvorschläge sollen es den Urlaubern deshalb ermöglichen, verschiedene Ecken des Naturparkgebiets zu erkunden, ohne umziehen zu müssen. Insgesamt 15 solche Rundtourentipps hat der Naturpark Altmühltal für die neue Karte zusammengestellt und teilweise ganz neu konzipiert. Sie sind zwischen 53 und 164 Kilometer lang. Bis zum Saisonstart 2022 sollen sie durchgehend mit einem eigenen Signet beschildert werden. Die GPX-Daten der Strecken können die Radler schon jetzt über die Naturpark-Website herunterladen. Die Tourentipps führen nicht nur von Wemding bis Kelheim in alle Ecken der Region, sondern bedienen auch verschiedene Interessen. Mal steht das Naturerlebnis entlang verschiedener Flüsse im Mittelpunkt, mal führt die Strecke zu Sehenswürdigkeiten aus der römischen Antike sowie aus Gotik, Renaissance und Barock oder zu verschiedenen Brauereien. Jeweils eine Tour für Gravelbiker und Rennradfahrer wurde in die Karte aufgenommen.

Für erstere wurden bereits insgesamt elf Touren im ganzen Naturpark-Gebiet ausgearbeitet, die auf der Naturpark-Website demnächst vorgestellt werden. Das Angebot für die speziellen Interessen soll in Zukunft noch weiter wachsen. Der Bereich Radfahren auf der Homepage wird dafür überarbeitet und erweitert. Altmühltal-Radweg bleibt Paradestrecke Neben den neuen Rundtouren enthält die Radkarte auch die bekannten Langstrecken der Region. Ein wichtiges Zugpferd ist dabei nach wie vor der beliebte Altmühltal-Radweg, der ausführlich vorgestellt wird. Darüber hinaus sind der neue GeoRadweg Altmühltal sowie die Fernstrecken Tauber Altmühl Radweg, Donauradweg, Limes-Radweg und Fränkischer WasserRadweg eingezeichnet.

Mittels QR-Codes können die Radler nähere Informationen zu diesen Routen abrufen. Zusätzlich enthält die Karte Service-Informationen. So finden die Radler zum Beispiel die Bahnhöfe an den Strecken oder sehen, wo eine der mittlerweile 8 Radservice-Stationen des Naturpark Altmühltal verfügbar ist, an denen sich kleinere Reparaturen selbst durchführen lassen. Bei der Ausarbeitung der Karte wurde der Naturpark Altmühltal vom Ingenieurbüro für Kartographie Stefan Krabichler aus Schernfeld und der Kommunikationsagentur Magenta 4 aus Eichstätt unterstützt.

Die Gravelbike-Touren wurden von dem Journalisten Clemens Henle ausgearbeitet. Anetsberger bedankte sich bei den Beteiligten für die gute Zusammenarbeit. Die neue Radkarte ist ab Freitag, 20. August, im Informationszentrum vom Naturpark Altmühltal erhältlich.