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Dreckbärenalarm in Gunzenhausen!

Öffentliche Toiletten werden absichtlich verunreinigt


Starke Nerven und Survival-Kenntnisse sollten Sie mitbringen, wenn Sie in diesen Tagen eine der öffentlichen Toiletten in Gunzenhausen aufsuchen möchten. Denn es ist schlichtweg Wahnsinn, was dort seit Wochen immer wieder passiert. Vandalismus, Verunreinigung und Zerstörung gab´s ja schon immer, doch mittlerweile werden mit voller Absicht Fäkalien an Wände geschmiert, Schüsseln bis zum Rand mit Fremdkörper gefüllt und Räume unter Wasser gesetzt. Menschen die solche Dinge im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte tun, haben als Kinder zu nah an der Wand geschaukelt. Anders lässt sich solch ein Verhalten nicht erklären. Für die Stadt Gunzenhausen ist das nicht nur ärgerlich, wir sprechen von einem riesigen Reinigungsaufwand und dementsprechend von hohen Kosten. Zudem sind die WC-Anlagen ständig gesperrt, da Putztrupps für klar Schiff sorgen müssen. Toll für all diejenigen, die in dieser Zeit dringend ein Klo brauchen.
„Letztlich können wir nur an den gesunden Menschenverstand appellieren“, so Erster Bürgermeister Karl-Heinz Fitz. „Was Wenige möglicherweise lustig finden, schadet der Gemeinschaft und ist unsolidarisch. In Konsequenz werden wir die zusätzlichen Kosten an die Steuerzahler weitergegeben müssen. Und falls sich an der Situation nichts ändert, dann werden wir über die Schließung der Anlagen nachdenken. Öffentliche Toiletten sind keine
Pflichtaufgabe der Kommune. Wir lassen uns nicht von einzelnen Querulanten auf der Nase herumtanzen.“
Für die Putztrupps ist die Reinigung eine Zumutung und definitiv nichts für schwache Nerven. Künftig werden die Toiletten noch engmaschiger kontrolliert und Beschädigungen zur Anzeige gebracht.
Nähere Informationen zur Stadt Gunzenhausen erhalten Sie im Internet unter www.gunzenhausen.de.

Was ist Geriatrie?

Aktuelles zum Thema Altersmedizin am 25. Juni in Gunzenhausen

Chefarzt Dr. med. Markus Wach informiert in seinem Vortrag über die Entwicklung der Altersmedizin und beleuchtet die Möglichkeiten der stationären akutgeriatrischen und rehabilitativen Versorgung. Bild: Klinikum Altmühlfranken

Die Geriatrie, auch bekannt als Altersmedizin, befasst sich mit den Erkrankungen älterer Menschen ab ca. dem 70. Lebensjahr und ist ein noch relativ junges medizinisches Fachgebiet. Wenngleich viele Menschen in dieser Altersphase noch rüstig sind und selbstbestimmt ihr Leben organisieren, gibt es nicht wenige, die unter Mehrfacherkrankungen leiden.

Chronische Erkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes, Osteoporose oder Arthrose können durch zusätzliche akute Krankheitsereignisse oder Stürze, die mit Brüchen einhergehen, schnell zur Gebrechlichkeit führen.

Chefarzt Dr. Wach, Internist und Geriater, zeigt in seinem Vortrag die Entwicklung der Altersmedizin zu ihrer heutigen Leistungsfähigkeit auf und beleuchtet die Möglichkeiten der stationären akutgeriatrischen und rehabilitativen Versorgung. Der Geriater erläutert am Beispiel des Zentrums für Altersmedizin am Klinikum Altmühlfranken in Gunzenhausen, welche wohnortnahen Möglichkeiten es zur geriatrischen Behandlung gibt.

Darüber hinaus zeigt Dr. Markus Wach konkrete Beispiele auf, wann der Einsatz von Altersmedizin sinnvoll und weshalb dieses Feld immer Teamarbeit ist: Neben der ärztlichen Versorgung spielen pflegerische Aspekte der aktivierenden Pflege, Physiotherapie, Ergotherapie oder Sprach- und Stimmtherapie (Logopädie) neben Experten aus dem Bereich Psychologie und Sozialarbeit eine entscheidende Rolle am Therapieerfolg.

Im Anschluss an die Vortragsveranstaltung nimmt sich Chefarzt Dr. Markus Wach gerne Zeit für weitere Fragen.

Der Vortrag findet am Dienstag, 25. Juni 2024, im Rahmen der Vortragsreihe „Gesundheit im Dialog“ um 19.00 Uhr im Konferenzraum „Brombachsee“ im EG des Klinikums Altmühlfranken Gunzenhausen statt.

Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Alle Interessierten sind herzlich eingeladen!

Einige Keuchhusten-Fälle

Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen meldet Infektionen

Derzeit werden dem Gesundheitsamt am Landratsamt Weißenburg-Gunzenhausen vermehrt Fälle von Keuchhusten (Pertussis) gemeldet. Diese Entwicklung zeichnet sich derzeit auch überregional ab. Die bakterielle Infektionskrankheit ist hochansteckend und wird durch Tröpfchen übertragen. Das Gesundheitsamt empfiehlt die Überprüfung des Impfschutzes. 

Die Krankheitszeichen sind zu Beginn leichte Erkältungsbeschwerden und im Verlauf vorrangig krampfartige Hustenanfälle. Vor allem bei Säuglingen können schwere Komplikationen auftreten. Daher ist es wichtig, dass Personen aus dem Umfeld von Neugeborenen geimpft sind.

Laut Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) sollen sowohl Kinder als auch Erwachsene gegen Keuchhusten geimpft sein. Gemäß dem Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention ist das Ziel eine möglichst frühzeitige und vollständige Grundimmunisierung der besonders gefährdeten Säuglinge und Kleinkinder sowie Auffrischimpfungen im Vorschul- und Jugendalter. Die Impfung Erwachsener dient zum einen als Selbstschutz sowie auch als Herdenschutz für die besonders gefährdeten Jüngsten. Abwehrstoffe gegen Keuchhusten können Neugeborene nur durch eine Impfung der Mutter einige Wochen vor der Geburt bekommen, daher wird für Schwangere eine Impfung zu Beginn des letzten Schwangerschaftsdrittels empfohlen.

Laut Robert Koch Institut sollten ungeimpfte Personen nach Kontakt mit einem Erkrankten vorsorglich mit einem Antibiotikum behandelt werden. Des Weiteren wird empfohlen, dass enge Bezugspersonen zu gefährdeten Gruppen wie Säuglingen und ungeimpften Kleinkindern nach Kontakt mit einem Erkrankten trotz Impfung vorsorglich antibiotisch behandelt werden sollten.

Das Gesundheitsamt empfiehlt allen Bürgern, ihren Impfschutz beim Hausarzt überprüfen zu lassen, insbesondere, wenn Kontakt zu Säuglingen und Schwangeren besteht und die Impfung gegebenenfalls auffrischen zu lassen.

Bei Fragen und Anliegen können sich die Bürgerinnen und Bürger des Landkreises unter 09141 902-401 an das Gesundheitsamt wenden.

Weitere Informationen zu Keuchhusten finden Sie unter https://www.infektionsschutz.de/erregersteckbriefe/keuchhusten/.

Sicherheitswacht von damals

Die Nachtwächter Gunzenhausens in vergangenen Jahrhunderten

Man kennt die „Schwarzen Sheriffs“, die in den Städten ihre Runden drehen, um „für die öffentliche Sicherheit und Ordnung“ zu sorgen, wie es auch die Polizei tut. Ihre Kompetenzen sind allerdings begrenzt. Sie dürfen Personen ansprechen und Daten ermitteln, aber sie können über keine Strafen verfügen. Gunzenhausen hat auch eine Sicherheitswacht. Den Begriff der Sicherheitswacht hat es aber schon vor deren Einsatz in Bayern ab 1994 gegeben – und zwar als Nachfolger der Nachtwächter bis nach dem Ersten Weltkrieg.

Werner Neumann ist den Nachtwächtern von Gunzenhausen auf die Spur gegangen. Er hat die Namen der Männer eruiert, die in der Kernstadt, der Unteren und Oberen Vorstadt ihren Dienst verrichteten. Darunter sind im neuen Jahrbuch „Alt-Gunzenhausen“ viele Namen zu lesen, die heute noch im Einwohnerverzeichnis gemeldet sind: beispielsweise Deuerlein, Hertlein, Vorbrugg, Huber, Baron, Braun, Meyer oder Hummel.  In ihrem Diensteid bekundeten sie: „Ich schwöre zu Gott, dass ich in den Hauptgassen und Nebengässlein fleißig  nachschauen will, ob keine verdächtige, auf Diebereien, aber auch gefährliche Zänkereien, allerlei Frevel, Tumult, Feuersgefahr oder sonst dergleichen Unfall zu verspüren sind“. Sie versicherten, sich „eines nüchternen und ehrbaren Lebenswandels befleißigen zu wollen“.

Der Nachtwächter hatte – so eine Magistratsverpflichtung von 1876 – an 16 Plätzen die Stunden zu rufen, auf Feuer und Licht „besonders Acht zu haben“, offene Türen dem Hauseigentümer sofort anzuzeigen und sich gegenüber den Einwohnern „bescheiden und höflich“ zu benehmen.  Auch die Straßenlaternen waren von ihm zu kontrollieren.

Eine Änderung gab es 1897, als der Magistrat (heute: Verwaltung) und die Gemeindebevollmächtigten (heute: Stadträte)  eine neue Instruktion für die drei Sicherheitswächter beschlossen. Das „Gunzenhäuser Anzeigeblatt“ berichtete: „Endlich wird auch in Gunzenhausen der veraltete Brauch, die Nachtstunden laut pfeifend und singend durch die Nachtwächter ansagen zu lassen, von der Bildfläche verschwinden. Es ist diese Neuerung mit Freude zu begrüßen, denn es kann doch auch nichts Verkehrteres geben, als dass Derjenige, welcher berufen ist, über die Nachtruhe der schlafenden Einwohner zu wachen und sie vor Dieben zu schützen, lärmend durch die Straßen zieht.“ Folglich traten die Männer künftig als „Stillwache“ auf und mussten keinen „Warnruf“ mehr von sich geben. Zudem wurden „patent. Wächter-Controle-Uhren“ installiert. Jeder Wächter hatte sechs Stationen in eineinhalb Stunden zu durchlaufen und ein in der Uhr befindliches Kontrollblättchen zu markieren. Eine Ausnahme gab es dennoch für den Fall, dass ein Wächter „insulfiert“ (beleidigt) oder bedroht wurde: er durfte mit der Pfeife Notrufe machen, so dass die andern beiden Wächter oder Polizeimannschaften „zueilen“ konnten.

Mit der Einberufung der Männer zum Militärdienst während des Ersten Weltkriegs war ein Ersatz für sie schwer zu finden.  Wie Werner Neumann recherchiert hat, funktionierten die Nachtwächterdienste 1919 nicht mehr.

WERNER FALK

Das Jahrbuch „Alt-Gunzenhausen“ ist für 25 Euro im Buchhandel erhältlich. In der 480 Seiten starken Jubiläumsausgabe sind 21 Beiträge von 18 Autoren enthalten.

Grüne verlieren stark

Ergebnis der Europawahl in Altmühlfranken

Erwartungsgemäß hat die CSU bei der Europawahl am 9. Juni 2024 die meisten Stimmen im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen bekommen: 43,3 %. Das sind aber 1,9 % weniger als  vor fünf Jahren. Zweitstärkste Partei ist die AfD geworden 13,2 % (5,6 % mehr). Drittstärkste Gruppe ist die SPD mit 9,6 % (- 0,5%). Dahinter rangieren: Grüne 8,5 % (-7,8 %), die Freien Wähler 7,6% (+1,6 %), BSW (Bündnis Sarah Wagenknecht) 4,3 %, FDP 2,6 % (+0,3 %), ÖDP 2,2 % (-1,1 %), Linke 1,1 % (-1,1 %).

Auffallend sind die hohen Resultate für die AfD. Sie hat in Haundorf die meisten Stimmen geholt (15,7 %), aber auch in Heidenheim (15,6 %), Langenaltheim (15,5 %), Treuchtlingen (15,3 %) und in Meinheim (15,1 %) sowie Pappenheim (15,1 %) sind ihre Anteile hoch.  

Zum 13. Mal Stadtradeln

Aktion läuft in Gunzenhausen vom 7. bis 27. Juli

Bereits zum 13. Mal beteiligt sich die Stadt Gunzenhausen am STADTRADELN, der Aktion des Klimas-Bündnisses, die jährlich an 21 aufeinanderfolgenden Tagen stattfindet. In Gunzenhausen schwingen sich die Teilnehmer vom 7. bis 27. Juli 2024 auf den Sattel, um möglichst viele Radkilometer für die Umwelt und den Klimaschutz zu sammeln. Ziel der Kampagne ist es, einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten, ein Zeichen für vermehrte Radförderung und mehr Lebensqualität in der Kommune zu setzen und Spaß beim Radfahren zu haben! Jeder Kilometer zählt, ob privat oder beruflich. Wo die Radkilometer zurückgelegt werden ist nicht relevant, denn Klimaschutz endet an keiner Stadt- oder Landesgrenze. STADTRADELN ist als Wettbewerb konzipiert, so dass mit Spaß und Begeisterung das Thema Fahrrad vorangebracht wird.

Der Startschuss in Gunzenhausen fällt am Sonntag, 7. Juli 2024, um 14.00 Uhr auf der Bürgerfestbühne am unteren Marktplatz. Teilnehmen können Radlerinnen und Radler, die in Gunzenhausen wohnen, arbeiten, zur Schule gehen oder Mitglied in einem Gunzenhäuser Verein sind. Möglichst viele Menschen sollen dafür gewonnen werden, auch im Alltag auf das Fahrrad umzusteigen. Anmeldungen sind bereits jetzt möglich unter www.stadtradeln.de.

Ab zwei Personen kann ein eigenes Team gebildet werden. Einzelne Radler können sich dem Offenen Team sowie dem Team der lokalen Agenda 21 anschließen.

Die Agenda 21 bietet im Rahmen der dreiwöchigen Aktion wie in den Vorjahren ein buntes Rahmenprogramm an. Bereits am Samstag, 29. Juni 2024, findet auf dem Marktplatz der jährliche Aktionstag der Agenda 21 statt, bei dem sich Interessierte über Themen rund um das Radfahren und auch über die Aktion STADTRADELN informieren können. Das ausführliche STADTRADELN-Programm für Gunzenhausen ist unter www.stadtradeln.de/gunzenhausen zu finden.

Ansprechpartnerin für alle Fragen rund ums STADTRADELN bei der Stadt Gunzenhausen ist Sabine Sauer, Telefon 09831/508-111, E-Mail: gunzenhausen@stadtradeln.de. Für die Agenda 21 wenden Sie sich bitte an Ingrid Pappler, Tel. 09831/3131. Hintergrundinformationen zur Kampagne gibt es unter www.stadtradeln.de.

Aufstieg und Niedergang

Lothar Hiemeyer beschreibt das renommierte Gunzenhäuser Handelshaus Faulstich

Ludwig Faulstich war der Gründer des Großhandelshauses. Foto: Stadtarchiv

Die alten Gunzenhäuser reden vom „Faulstichs-Haus“, wenn sie das prächtige Geschäftshaus am Marktplatz 17 meinen, in dem später die Familie Zuber ihr Großhandelsunternemen betrieben hat. Deshalb ist auch vom „Zubers-Haus“ die Rede. Heute hat das Gebäude eine Mehrfachnutzung durch das Schuhhaus Hofmann, des Notariat von Dr. Christian Vedder/Dr. Heike Stiebitz, das Kompetenzzentrum für Körper und Bewusstsein von Imke Götz, der Firma „Welt der Tracht“ und der Psychologiepraxis von Claudia Birzer. Die Familie Faulstich war sehr vermögend und das ihr über mehrere Generationen geleitete Großhandelsunternehmen hatte internationale wirtschaftliche Beziehungen. Der Lokalhistoriker Lothar Hiemeyer kennt dessen Aufstieg und Niedergang. In der aktuellen Ausgabe von „Alt-Gunzenhausen“ skizziert er detailreich die Geschichte des Hauses.

Mit dem Lebküchner Johann Georg Faulstich tritt 1721 der erste Träger dieses Namens mit Bürgerrecht in Gunzenhausen auf. Dessen Sohn Johann Nikolaus wollte eigentlich eine Färberei aufbauen, bekam dafür aber keine Zulassung, so dass er sich für eine „Krämershandlung“ in der Sonnenstraße 2 entschied. Wie Hiemeyer nach aufwändigen Recherchen feststellt, war das die eigentliche Basis für den Erfolg des Handelshauses Faulstich. Wiederum dessen Sohn Johann Joachim führte ab 1775 eine „Spezerei“ (mit Salzhandel). Von nun an wird die Familiengeschichte kompliziert, denn es treten gleich vier Faulstichs in Erscheinung (I, II, III und IV genannt).

Besagter Ludwig I heiratete die Merkendorfer Pfarrerstochter Regina Zellfelder, die aber bald starb, so dass er die Nördlingerin Rosina Caroline Erhard ehelichte, die ihm vier Kinder schenkte.  1841 erwarb er das großräumige Haus am Marktplatz 17, das heute die oben erwähnten Firmen beherbergt. Der Kolonialwarenhandel wurde ergänzt durch Gewürze, Saatgut,  Zucker, Kakao, Tabak und Reis. Der Siegeszug des Kaffees traf somit auch in Gunzenhausen ein. Die Rösterei Faulstich war neben „Kathreiner“ die größte in Bayern. Nebenher vermittelte der Chef auch Schiffspassagen für auswanderungswillige Deutsche nach Amerika. Die Söhne Ludwig II und Friedrich setzten das Werk des Vaters fort. Beide waren gesellschaftlich engagiert und gehörten zu den Gründern der Feuerwehr, des Turnvereins und des Vereins von Altertumsfreunden (heute: für Heimatkunde). Die Faulstichs gehörten zur elitären Casino-Gesellschaft, ihre Hausdame war omnipräsent.


Die Initialen LF zieren bis heute den Eingang. Foto: Falk

Ludwig III studierte an der Handelshochschule Leipzig und unternahm eine Schiffsreise nach Amerika, um neue geschäftliche Kontakte anzubahnen. Der junge Mann trat in die Fußstapfen der Vorgänger, die alle den „ehrbaren Kaufmann“ verkörperten, eine ehrliche, sittliche und moralische Einstellung gegenüber Mitarbeitern und Kunden hatten. Ludwig III nahm Frieda Bestelmeyer, die erst 19 Jahre alte und somit minderjährige Bahnhofrestaurateurstochter. Sie brachte eine „Aussteuer“ von 25000 Mark in bar in die Ehe ein. Ihr Schwiegervater erhielt vom bayerischen König den Ehrentitel „Kommerzienrat“. Der ließ sich nicht lumpen und spendete fleißig, damit Wilhelm II. seinen Krieg finanzieren konnte.

Wie Lothar Hiemeyer  eruierte, hat das Unternehmen den Ersten Weltkrieg gut überstanden. Ludwig III übernahm  nach seines Vaters Tod die alleinige Verantwortung, aber er war nach dem Urteil der restlichen Familie nicht der geborene Unternehmer. Er holte sich einen „Compagnon“ in die Geschäftsführung und näherte sich mehr oder minder offensichtlich Elsa Seller, der Jugendfreundin seiner Frau. Das Verhältnis führte nicht nur zu einer Ehekrise, auch die Öffentlichkeit bekam die Liason mit der Dame mit.  Dass sie eine Jüdin war, das gefiel natürlich den herrschenden Nazis in der Stadt gar nicht. Sie sprachen von „rasseschänderischem Verkehr“. Der Druck auf die junge Frau war so stark, dass sie sich 1937 im Amtsgerichtsgefängnis erhängte. Ludwig III war nur kurze Zeit in Haft, aber er roch sozusagen den Braten und verkaufte eine Immobilie nach der anderen.  Es kam 1937 zum Verkauf an die Kaufmannseheleute Zuber. Die Faulstichs mussten mit ihren beiden Töchtern in das kleine Häuschen neben dem Blasturm (heute: Vorgeschichtsmuseum) um, das ihre Hausdame von ihren Ersparnissen erworben hatte.  Ludwig III verlor den Lebensmut und erhängte sich 63-jährig am 16. Mai 1941, seine Ehefrau Frieda, die von manchem Nachkriegs-Gunzenhäuser als „schrullige Alte“ empfunden wurde, fand 1968 im Familiengrab ihre letzte Ruhe.

Von seinem einzigen Sohn Ludwig IV  (1920 geboren) konnte sich der Vater nichts erwarten, denn der schwärmte von einer Offizierslaufbahn, bekam im Zweiten Weltkrieg höchste Auszeichnungen und fiel 1944 auf dem östlichen Kriegsschauplatz.

Tochter Elisabeth war lange Zeit die Chefsekretärin von Nürnbergs Waffenproduzenten Karl Diehl, die zweite Tochter Friedel heiratete den Zahnarzt Reinhard Carben, deren Sohn Rainer ist 83-jährig heute der letzte Nachkomme des Geschlechts. Geblieben sind noch die Initialen L. F. am Haupteingang des Hauses am Marktplatz 17. Das Familiengrab befindet sich am alten Friedhof.

Ende und Anfang:  Der wirtschaftliche Niedergang bedingte den Verkauf des Großhandelsgeschäfts an Ferdinand und Auguste Zuber (1937). Damit endete die Ära Faulstich. Die neuen Eigentümer setzten das Werk fort. 1958 übernahmen Fritz und Inge Zuber die Geschäftsführung. Nach dem Tod von Fritz Zuber, der dem Schützenwesen eng verbunden war, führte die Witwe das Unternehmen 1976 mit ihrem Sohn Wolfgang weiter. Neben dem Altstadtmarkt entstand das „Altmühlcenter“ in Frickenfelden (1974, Vermietung an Edeka 1989) und daneben gab es noch vier kleinere Filialen in der Stadt und ihrer Umgebung. Das Geschäftshaus am Marktplatz 17 befindet sich nach wie vor im Besitz der Familie Zuber.

WERNER FALK

Das Jahrbuch „Alt-Gunzenhausen“ ist im Buchhandel für 25 Euro erhältlich. Es enthält 21 Beiträge von 18 Autoren zur Geschichte der Stadt und ihres Umlandes.

Griff nach den Sternen

Der diesjährige Kirchweih-Festzug huldigt Simon Marius


Kerwafreunde, Feierbiester und Freunde traditioneller Volksfeste aufgepasst – vom 7. bis 15. September findet die diesjährige Gunzenhäuser Kirchweih statt. Das Fest ist längst fränkisches Kulturgut und feiert 2024 bereits seinen 623. Geburtstag. Unter dem Motto: „Simon Marius – Aufbruch zu den Sternen“ wird auch wieder der beliebte Kirchweih-Festzug durch die Innenstadt stattfinden. Anmeldungen hierzu sind ab sofort möglich.
Die Vorbereitungen für die Kerwa laufen auf Hochtouren und nach und nach werden Details und Planungen auf www.gunzenhausen.info/kirchweih bekannt gegeben. Regelmäßig reinschauen lohnt sich also. Wer beim Festzug mitmachen möchte, der kann sich das Anmeldeformular auf der angegebenen Internetseite downloaden oder es ausgedruckt in der Tourist Information, Rathausstraße 12, 91710 Gunzenhausen abholen. Bitte beachten Sie, dass Anmeldungen spätestens bis Freitag, 26. Juli 2024, erfolgt sein müssen.
Für Rückfragen stehen Anna Kleemann und Barbara Weichert unter Tel. 09831/508-300 oder per E-Mail an kerwa@gunzenhausen.de gerne zur Verfügung.

Ein Fest für alle

Gunzenhäuser Bürgerfest ist vom 5. bis 7. Juli


Feste feiern mit Freunden und Fans – unter diesem Motto steht das diesjährige Gunzenhäuser Bürgerfest. Das Highlightevent findet 2024 am Wochenende 5. bis 7. Juli statt, versprochen wird ein unvergleichlicher Mix aus Musik, Erlebnis und Spaß. Es bleibt bei den drei Bühnen, musikalisch bewegen wir uns querbeet. Zahlreiche Bands aus der Umgebung sorgen für gute Unterhaltung, dazu werden Vereine, Verbände und die örtliche Gastronomie für eine innerstädtische Eventmeile sorgen. Hier sollte wirklich für jeden etwas dabei sein. Das Beste: Der Besuch des Gunzenhäuser Bürgerfests bleibt kostenlos.
Mehr als vierzig Jahre gibt es das Bürgerfest in der Stadt Gunzenhausen bereits. Das friedliche Event wird von Bürgern für Bürger mitgestaltet. Die Stimmung an den drei Tagen ist traditionell herausragend, dazu locken zahlreiche Stände mit einem bunten Angebot. Über Sport, Spiel, Dienstleistung oder Handwerk ist hier die komplette Bandbreite vertreten. Besonders schön: Am Sonntag, 7. Juli 2024, wird an der Hauptbühne um 14 Uhr der Startschuss für das STADTRADELN gegeben.
Bands, Bühnenstandorte, Programm und Parkmöglichkeiten können der Internetseite dasbuergerfest.de entnommen werden. Nähere Informationen erteilt die Tourist Information der
Stadt Gunzenhausen unter Tel. 09831/508 300 (E-Mail: touristik@gunzenhausen.de). Wir freuen uns auf Ihr Kommen!

Süße Überraschung

Die Richtigparker in Gunzenhausen werden überrascht sein

Normalerweise schreiben die Mitarbeiter des Zweckverbands Kommu-nale Verkehrssicherheit Oberpfalz Strafzettel für Falschparker. Rund um den Tag der Verkehrssicherheit, der in diesem Jahr am Samstag, 15. Juni stattfindet, verteilen sie auch Süßigkeiten – und zwar an Auto-fahrer, die ihr Fahrzeug korrekt geparkt haben.
Wer falsch parkt, muss mit einem Knöllchen rechnen. Wer sein Fahrzeug hingegen richtig parkt, findet normalerweise kein Zettelchen an seinem Auto. Anders in den kommenden Tagen: Die Verkehrsüberwacher des Zweckver-bands Kommunale Verkehrssicherheit belohnen rund um den Tag der Ver-kehrssicherheit (Samstag, 15. Juni 2024) Richtigparker mit einer süßen Überraschung. „Der Großteil aller Verkehrsteilnehmer stellt sein Auto vor-schriftsmäßig und rücksichtsvoll ab – wir wollen deshalb mit einer kleinen Aufmerksamkeit dafür mal Danke sagen“, erklärt Simone Reinhardt, Ge-schäftsführerin des ZV KVS Oberpfalz.


Die süße Mission hat beim Zweckverband bereits Tradition: Seit mittlerweile acht Jahren führt dieser regelmäßig Dankeschön-Aktionen für Richtigparker durch, unter anderem auch an den Tagen vor Weihnachten mit Schoko-Ni-koläusen. Am Tag der Verkehrssicherheit dürfen sich vorbildliche Parker über eine Dankeschön-Karte mit einem Päckchen fruchtiger Kaubonbons in FSC-zertifizierter Papier-Verpackung freuen.
Wenn Fahrzeuge falsch stehen, müssen beispielsweise andere Verkehrsteil-nehmende auf die Straße ausweichen. Kinder, Senioren, Eltern mit Kinder-wägen, Menschen mit Rollstühlen, aber auch Fußgänger jeden Alters gera-ten so häufiger in Gefahr. Außerdem verlieren Feuerwehr und Notarzt statis-tisch gesehen bei jedem vierten Einsatz wertvolle Minuten, weil kein Durch-kommen ist. Es sind aber nicht nur die Falschparker in der Feuerwehran-fahrtszone, die den Rettungskräften den Weg versperren, auch falsch ge-parkte Autos in engen Gassen und im Kreuzungsbereich machen es den Rettern oft schwer.
Insgesamt verteilen die Außendienstmitarbeiter des ZV KVS Oberpfalz in diesem Jahr in 76 Verbandsgemeinden über 5.000 süße Überraschungen an Richtigparker.

Über den Zweckverband Kommunale Verkehrssicherheit Oberpfalz Gegründet wurde der ZV KVS im November 2014 von 11 Gründungsmitglie-dern als „klassischer“ Überwacher des ruhenden und fließenden Verkehrs. Heute erfüllt der Zweckverband diese Aufgabe für mittlerweile über 150 an-geschlossene Städte, Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften in der Oberpfalz, Niederbayern sowie Mittel- und Oberfranken. Bedingt durch die-ses Wachstum hat sich der Zweckverband in den letzten Jahren ständig wei-terentwickelt – vom reinen Verkehrsüberwacher zum kommunalen Dienst-leister. Schließlich hat er sich ein Ziel gesetzt: Seinen Kommunen, die sich insbesondere im ländlichen Raum befinden, als Dienstleister rund um die Themen (Verkehrs)Sicherheit, Mobilität und Ordnung zur Seite zu stehen und gemeinsam mit ihnen an dieser anspruchsvollen Aufgabe zu arbeite