Von der Kuhmagd zur Professorin

Christa Olbrich beschreibt ihr Leben voller Herausforderungen

Das Titelbild des Buches, das die Autorin Christa Olbrich demnächst auch in Altmühlfranken öffentlich vorstellen will.

Das Buch ist die Lebensgeschichte einer Frau, die stets eine Suchende war. Ihr ist es nie auf die Ansammlung materieller Reichtümer angekommen, auch nicht auf den Genuss des Lebens, wie ihn die Menschen gemeinhin verstehen.  Ihr Weg ging nicht kerzengerade nach oben. Sie ist viele Schlaufenwege gegangen. Man kann sagen, dass der Weg ihr Ziel war. Und sie hat viele Höhen und Tiefen erlebt. Christa Olbrich, die als „Flüchtlingskind“ in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen ist, lässt unter dem Titel „Von der Kuhmagd zur Professorin“ ihr Leben auf 292 Seiten Revue passieren.

„Kindheit in Armut und Scham“ – so beschreibt sie ihre ersten sieben Jahre. Und dieser Terminus begleitet ihr ganzes Leben, weshalb sie von „Sieben-Jahres-Abschnitten“ spricht, wenn sie die Struktur ihres Lebens  darzustellen. Triebfeder war stets das ehrgeizige Streben, dass die individuelle Leistung prägender sein muss als die Herkunft. Mit ihren Eltern, die 1946 aus ihrer Heimat im Sudetenland vertrieben wurden,  ist Christa nach Haundorf gekommen. Der Vater war schwerkriegsbeschädigt, schlug sich zunächst als „Pfannenflicker“ durch.  Mutter und Tochter standen unter dem Schirm einer gütigen Bauersfrau. Im Milch- und Gemeindehaus hat es oft „gerachert“, wenn der Herd verpuffte. Wasser holte die Flüchtlingsfamilie mit der Schöpfkeller aus dem nahen Brunnen.

Christa Olbrich, die heute 75-jährig mit Katzen, Hunden, Schafen und Hühnern in einem von ihr umgebauten Holzhaus nahe einem kleinen Dorf in der Oberpfalz lebt, hat ihre Herkunft als Herausforderung verstanden, es den anderen zu zeigen und sich zu beweisen. Das Mädchen hat sich mit dem ersten Lohn, den sie als Hopfenbloderin bekommen hatte, ihr erstes Fahrrad gekauft.  Erste sexuelle Erfahrungen gingen an der 13-Jährigen vorüber, denn der fensterlnde Bauernbursche („Lou mi halt amol“) erwies sich als harmlos. Ihre jugendliche Prägung erhielt Christa im Internat einer Kinder- und Haushaltungsschule in Nürnberg („Stapf“). Als sie 21 war, starb die Mutter mit 47 Jahren, der Vater wurde nur 66 Jahre alt.  Schwer zu verkraften waren für sie die familiären Umstände nach dem Freitod ihres jüngeren Bruders, der dem Alkohol verfallen war. Für sie stellte sich immer wieder die Frage nach dem Sinn des Lebens.

Vom Ehrgeiz getrieben holte sie im Telekolleg die Mittlere Reife nach, erwarb das Begabtenabitur, lernte als Krankenschwester, studierte Medizin und Krankenpflege, später auch noch Pädagogik. Sie kam an ein Institut für Fort- und Weiterbildung in der Krankenpflege und musste sich schon bald der männlichen Konkurrenz erwehren, denn als diplomierte Krankenschwester verdiente sie so viel wie der Oberarzt, den sie früh heiratete.  Die zunehmende Akademisierung der Pflegeberufe setzte sich auch in Deutschland durch. Und so ergaben sich für Christa reichlich Chancen.  Den dualen Studiengang Pflegemanagement und Pflegepädagogik  schloss sie mit der Promotion ab. Fortan setzte sich Dr. Olbrich gegen Widerstände für das berufsbegleitende Bachelor- und Masterstudium für Kranken- und Altenpflege ein.  Wie in allen ihren „Sieben-Jahres-Phasen“ musste sich auch hierbei diskriminierende Reaktionen der wissenschaftlichen Männerkonkurrenz erleben. Höhepunkt ihrer beruflichen Laufbahn war schließlich eine Professur, die einher ging mit intensiver Vortragstätigkeit im In- und Ausland, ja sogar die Chinesen wollten von ihrem Wissen profitieren.

Bei allen beruflichen Höhenflügen ist Christa Olbrich immer auf dem Boden geblieben, hat gezeigt, dass ihr menschliche Werte mehr bedeuten als möglicher Reichtum. Als die Flüchtlingswelle auf Deutschland hereinbrach, hat sie sich einen jungen Georgier geheiratet und ihm so nach dessen abgeschlossener Schreinerlehre trickreich die Abschiebung erspart.  In ihrem naturnahen Refugium steht sie in Zwiesprache mit allerhand Tieren, aber der oberpfälzische Dialekt ihrer Nachbarn ist ihr fremd geblieben.

WERNER FALK

Christa Olbrich: „Von der Kuhmagd zur Professorin – ein Leben voller Herausforderungen“, 292 Seiten, novum-Verlag, ISBN-13: 978-3958409750, 22,90 Euro (auch als E-Book erhältlich).

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One Thought on “Von der Kuhmagd zur Professorin

  1. Roger Winterott on 8. Dezember 2020 at 8:59 said:

    Interessant. Christa und Bernhard waren meine früheren Nachbarn in Haundorf. Zuerst waren sie nach der Flucht bei Messerer. Wieder einiges erfahren!

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