Tag Archives: Gunzenhausen

„Silo“-Abriss beginnt

Verkehr wird über viele Wochen umgeleitet

Dieses Areal wird in den nächsten Wochen abgerissen, um Platz zu machen für den Neubau. Foto: Falk

Nun rückt das wohl größte öffentliche Hochbauprojekt in der Stadt Gunzenhausen in eine konkrete Phase. In der Nürnberger Straße wird das Haus Silo abgerissen, um Platz zu machen für den Neubau des Landesamts für Schule. Nach dem bekannt gewordenen Bauzeitenplan beginnt der Abriss noch im November. Das bedeutet, dass der Verkehr an dieser Stelle über viele Wochen umgeleitet werden muss.

Die neue Gebäude für das Landesamt sollen nach der Räumung des Geländes erstellt werden. Die staatliche Hochbauverwaltung hat die entsprechenden Vorarbeiten erledigt. Das Amt wird sich in zwei Gebäude aufteilen, der Umgriff soll entsprechend gestaltet werden.

Die Jury, die vor zwei Jahren den Planungsauftrag an das Stuttgarter Planungsbüro Steimle vergeben hat, begründete ihre Entscheidung wie folgt:

Mit zwei gegeneinander versetzten und ineinander verschränkten, nahezu quadratischen Baukörpern gelingt es dieser Arbeit mit einfachsten Mitteln, den komplexen städtebaulichen und funktionalen Anforderungen gerecht zu werden. Über den Versatz werden zwei gut proportionierte Freibereiche definiert: der Stadt zugewandt entsteht ein großzügiger Vorplatz mit dem an dieser Stelle auch richtigliegendem Zugang. Der rückwärtige Versatz ist begrünt, gut geeignet für einen Aufenthalt zwischendurch und angebunden an eine mögliche Durchwegung hin zum Bahnhof … Der etwas höhere Baukörper besetzt die Ecksituation markant, aber ohne jegliche auftrumpfende Geste. Mit dem rückwärtigen, kleineren Baukörper gelingt der Übergang zur kleinteiligen Bebauung entlang der Bahnhofstraße.

In diesem Umfeld an der Nürnberger Straße/Bahnhofstraße entsteht das neue Landesamt für Schule.

Eine dominante Position im Stadtbild wird das neue Landesamt einnehmen. Foto: Büro Steimle

12 „Zukunftsbäume“ für die Stadt

Stiftung Lebensräume unterstützt das Gunzenhäuser Projekt

Von links nach rechts: Klaus Fackler vom Landschaftspflegeverband Mittelfranken, Bürgermeister Karl-Heinz Fitz, Dr. Miriam Stark und Jürgen Schröder von der Stiftung Lebensräume. Foto: Stadt Gunzenhausen

Vor fast 1200 Jahren wurde unser schönes Gunzenhausen erstmals urkundlich erwähnt. 2023 wollen wir dieses Ereignis gemeinsam mit unseren Bürgerinnen und Bürger feiern und dabei viele unvergessliche Momente schaffen. Damit sich die Stadt auch die nächsten 1200 Jahren zufrieden entwickeln kann, möchten wir als zukunftsorientierte, umweltbewusste Verwaltung ein ganz besonderes Nachhaltigkeitsprojekt durchführen. Beginnend im nächsten Jahr sollen in fachlicher Zusammenarbeit mit dem Landschaftspflegeverband Mittelfranken (LPV) mindestens 1200 Zukunftsbäume für Gunzenhausen in der Kernstadt und in den Ortsteilen neu gepflanzt werden. Die Münchner Stiftung Lebensräume ist auf diese tolle Aktion aufmerksam geworden und wird das Projekt aktiv unterstützen.

Regionale Baumpflanzungen sind Aufforstung mit großer Wirkung, denn Fichte und Co. sind natürliche Klimaschützer und wichtige Kohlenstoffspeicher. Es zählt dabei jeder einzelne Baum. Der Mensch hat das Sterben der Bäume vorangetrieben und zu spät die Notwendigkeit zielgerichteten Schutzes erkannt. Denn neben dem Bestand hat auch die Biodiversität gelitten und wichtige Lebensräume für Tiere sind im Laufe der Zeit verloren gegangen. In Gunzenhausen haben wir den Wert der Bäume schon länger erkannt und beschenken beispielsweise Eigentümer bei Erwerb eines Baugrundstücks mit einem Baum. Auch in Zusammenarbeit mit dem LPV werden regelmäßig Aktionen durchgeführt, beispielsweise zur Sensibilisierung von Kindern und Jugendlichen.

„Wir möchten nicht nur über Umwelt- und Klimaschutz reden, sondern uns auch aktiv bemühen, die Welt ein klein wenig besser zu machen“, erklärt Erster Bürgermeister Karl-Heinz Fitz. „Mit dem Projekt „1200 Zukunftsbäume für Gunzenhausen“ haben wir uns viel vorgenommen, sehen darin aber auch großes Potential, um unseren Lebensraum auf natürlichem Wege zu verbessern. Das Interesse an unserer Aktion ist riesig und wir freuen uns über die große Aufmerksamkeit.“

Die junge Stiftung Lebensräume wurde erst im letzten Jahr gegründet, hat aber mit „Seelenpelz“ und „regionale, urbane Wiederaufforstung“ zwei wichtige Projekte angeschoben. Die Wurzeln des Stiftung-Gesellschafters Jürgen Schröder liegen in der Region, daher war die Verbindung schnell hergestellt. Er und Projektleiterin Dr. Miriam Stark waren vor kurzem in Gunzenhausen und haben die Programme im Rahmen eines Pressetermins erläutert. Wichtige Info: Durch Spenden und Patenschaften werden Bäume gepflanzt, langfristig erhalten und gesichert. Auch Privatpersonen können helfen und die Stiftung bei ihrer wichtigen Arbeit unterstützen. Wer mit der Stiftung Lebensräume Kontakt aufnehmen möchte, findet auf der Website www.stiftung-lebensraeume.com die Kontaktdaten. Gut zu wissen: Die Zusammenarbeit mit regionalen Baumschulen ermöglicht die konzentrierte Verwendung heimischer, klimastabiler Arten.

Die Jubiläumsaktion „1200 Zukunftsbäume für Gunzenhausen“ wird sich noch in diesem Jahr konkretisieren. So werden in den nächsten Monaten viele Gespräche geführt, beispielsweise mit den ortsansässigen Obst- und Gartenbauvereinen. Zudem werden bereits für Pflanzungen geeignete Anbaugrundstücke im Eigentum der Stadt Gunzenhausen ermittelt. Jeder einzelne Baum zählt! 

Spatenstich für Wohnprojekt

Bosch GmbH baut in der Zufuhrstraße

Patrick Bosch und seine Frau Michaela (Mitte) nahm mit Bürgermeister KH Fitz und den Baufachleuten den Spatenstich vor. Foto: Falk

Dank einer kräftigen Wohnungsbautätigkeit in Gunzenhausen konnte die Stadt inzwischen die 17000-Einwohner-Schwelle überschreiten. Wie Bürgermeister KH Fitz beim Spatenstich der Firma Bosch-Bauträgergesellschaft in der Zufuhrstraße erklärte, wird die Stadt im Zentrum des Fränkischen Seenlands für Neubürger immer attraktiver. Das ist auch kein Wunder, denn schließlich liegt eine wunderschöne Erholungs- und Ferienlandschaft vor der Tür.

Das Unternehmen von Patrick Bosch (die Firma hat ihren Sitz in der Hensoltstraße und teilt sich auf in eine Planungsfirma und eine Bauträgergesellschaft) hat in Gunzenhausen den besten Ruf. Fitz hob das glänzende Renommee hervor und dankte für das bisherige Engagement. Nun steht für Bosch das bisher größte Wohnprojekt vor der Ausführung. 45 Wohnungen, aufgeteilt in zwei Gebäude, entstehen in der Zufuhrstraße ganz in der Nähe des Freizeitzentrums „Juramare“. Auf 3000 Quadratmetern gibt es auch 55 Pkw-Stellplätze, davon 45 unterirdisch.

Geplant hat die Anlage Architektin Katrin Ott (links im Bild), als Bauleiter wird in bewährter Weise Timo Gögelein (Zweiter von links) tätig sein. Wie Firmenchef Patrick Bosch erklärte, soll die ganze Anlage am Jahresende 2024 fertig sein. Zweifel an dieser Aussage nicht eigentlich nicht erlaubt, denn es ist bei den bisherigen Projekten des Bauherrn alles so pünktlich und zuverlässig abgelaufen wie geplant. Für die Verzögerung der baulichen Vorarbeiten hat im Fall des jüngsten Vorhabens eine Bodenuntersuchung des Landesamts für Denkmalpflege gesorgt, die sich auf das Vorhandensein eines mittelalterlichen jüdischen Friedhofs bezog. Die Untersuchung hat aber keine weiteren Erkenntnisse gebracht.

85 Prozent der Wohnungen sind bereits verkauft. Jetzt liegt es an Immobilienmaklerin Dunja Loy, die restlichen an den Mann/Frau zu bringen. Finanzierungspartner der Firma ist die VR Bank Mittelfranken Mitte, für die Direktor Erwin Einzinger (Zweiter von rechts) und Günter Weeger (rechts) an der Feier teilnahmen.

Das Döckinger Cateringunternehmen Stadelmann war von Patrick Bosch engagiert worden, um die Teilnehmer des Spatenstichs zu verköstigen, was mit mit einer neuen Kreation der traditionellen „Zwickten“ (nach Regensburger Vorbild: mit Kraut) trefflich gelang.

Neuer Recyclinghof

Der Umzug ist Gunzenhausen ist jetzt erfolgt

Der neue Recyclinghof in der Alemannenstraße ist ab jetzt geöffnet. Foto: Falk

Der Recyclinghof Gunzenhausen und die Verwaltung der Kommunalen Abfallwirtschaft sind an den neuen Standort in die Alemannenstraße 26 umgezogen. Das Landratsamt bittet darum, dies zu beachten und die neuen Kontaktdaten zu notieren.


Das neue Areal bietet mit einer überdachten Halle genug Platz für den Anliefererverkehr, einen großen Gebrauchtwarenmarkt und die Verwaltung der Kommunalen Abfallwirtschaft.

Die neue Anschrift lautet:   Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen

Kommunale Abfallwirtschaft

Alemannenstraße 26

91710 Gunzenhausen

Telefonisch ist das Abfallwirtschaftszentrum künftig unter 09831 8802-0 zu erreichen, der Recyclinghof unter 09831 8802-100.

Auch am neuen Standort bleiben die gewohnten Öffnungszeiten bestehen.

Recyclinghof und Gebrauchtwarenmarkt:

Dienstag, Mittwoch, Freitag:         08.30 bis 12.00 Uhr

und 13.00 bis 17.00 Uhr

Donnerstag:                              08.30 bis 13.30 Uhr

Samstag:                                  08.30 bis 13.00 Uhr

Konzert mit Ausnahmepianisten

Zum 2. Gunzenhäuser Konzertreihe kommt Kataro Fukuma

Kataro Fukuma kommt am 20. November. F: M.Hirag

Böse Zungen behaupten, dass egal wie gut man etwas kann, es immer jemanden aus dem asiatischen Raum geben wird, der es am Ende besser kann. Ob das stimmt, lässt sich nicht mit Gewissheit aufklären, bei Ausnahmepianist Kataro Fukuma möchte man der These allerdings ungeprüft zustimmen. Wenn sich der junge Japaner an den Flügel setzt und loslegt, dann scheinen da gleich mehrere Künstler zu sitzen, so intensiv und gewaltig ist seine Performance. Wie, das glauben Sie nicht? Dann überzeugen Sie sich doch selbst, und zwar am Sonntag, den 20. November 2022, um 19.30 Uhr in der Gunzenhäuser Stadthalle. Den Veranstaltern der 2. Gunzenhäuser Konzertreihe ist es tatsächlich gelungen, den Klassikstar in die Altmühlstadt zu holen.  

Schon als 20-Jähriger gewann der Anfang der 1980er-Jahre geborene Kataro Fukuma den Ersten Preis beim renommierten Internationalen Klavierwettbewerb in Cleveland. Für ihn, der sechs Sprachen spricht und heute in Berlin lebt, war dies der Startpunkt für eine große Karriere. So tourt er regelmäßig durch die Kontinente und begeistert mit seiner ganz eigenen Art des Klavierspiels. Auszeichnungen hat er viele bekommen, u.a. im Rahmen des Artur-Rubenstein-Wettbewerbs in Tel Aviv und beim Gina-Bachauer-Wettbewerb in Salt Lake City.

Am 20. November wird Kataro Fukuma Stücke von Chopin, Skrjabin oder auch Rachmaninow zum Besten geben. Der Auftritt wird von den Vereinigten Sparkassen Gunzenhausen unterstützt und ist Bestandteil des Klassik-ABOs 2022/2023. Einzelkarten können zudem im Vorverkauf und an der Abendkasse erworben werden.

Nähere Informationen zur 2. Gunzenhäuser Konzertreihe erhalten Sie unter www.gunzenhausen.info, beim städtischen Kulturamt direkt, oder per Tel. 09831/508 109 bzw. E-Mail an kulturamt@gunzenhausen.de.   

Kulturpreis für Alexander Serr

Lebenswerk des Kirchenmusikers gewürdigt

Landeskirchenmsusikdirektor Prof. Ulrich Knörr (links) und Bürgermeister Karl-Heinz Fitz mit Kulturpreisträger Alexander Serr. Foto: Kuhn

Mit einem einstimmigen Beschluss hatte sich der Stadtrat Gunzenhausen im Juni dafür ausgesprochen, dem Kirchenmusikdirektor i.R. Alexander Serr den Kulturpreis der Stadt Gunzenhausen zu verleihen. Jetzt ist ihm in der Stadthalle die hohe Auszeichnung in Gestalt einer Skulptur des Nürnberger Künstlers Christian Rößner übergeben worden.

Dem Festakt folgten zahlreiche Persönlichkeiten aus dem öffentlichen Leben der Stadt, darunter Vertreter der evangelischen Kirchengemeinden. Landeskirchenmusikdirektor Prof. Ulrich Knörr skizzierte die berufliche Entwicklung von Alexander Serr und spielte zur Ehre des Ausgezeichneten drei Orgelvorspiele aus dessen kompositorischem Schaffen. Bürgermeister Karl-Heinz Fitz dankte dem 72-Jährigen Kirchenmusiker für seinen Einsatz bei vielen offiziellen Anlässen der Stadt und hob dessen Engagement in vielen Kirchengemeinden des Dekanats hervor. Auch heute noch ist er auf der Orgelbank zu finden. In 37 Dienstjahren als Kantor hat er an die 100 Organisten ausgebildet, sechs von ihnen sind professionelle Organisten geworden.

Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung von der Kantorei unter der Leitung des Serr-Nachfolgers Bernhard Krikkay und dem Posaunenchor Gunzenhausen unter der Stabführung von Sabine Fischer-Kugler. In einem Videobeitrag von Helmut Lang und Bernhard Krikkay kam das starke Engagement Serrs für den Einbau einer neuen Orgel in der Stadtkirche zum Ausdruck. Florian Schachner, einer seiner Schüler, der heute in Höxter als Kantor tätig ist, gratulierte ihm per Video. Werke von Alexander Serr spielte Sebastian Pfahler auf dem Flügel.

Nach der Entgegennahme des Preises dankte Serr allen, die ihn auf seinem beruflichen Weg begleitet haben. Stets sei er von den politischen Vertretern der Stadt unterstützt worden.

Mit einem Empfang im Foyer, ausgerichtet vom Partyservice Nicole Vierheller aus Gundelsheim, klang die Feierstunde aus. Gäste waren u.a. die Bezirksrätin Ingrid Malecha (mit ihrer Schwester, der Mönchsrother Bürgermeisterin Edith Stumpf) und Bezirksrat Hans Popp (Merkendorf), die frühere Gunzenhäuser Pfarrerin Susanne Thorwart und Landratsstellvertreter Günther Obermeyer.

WERNER FALK

Fit für die Familie

Zwei Onlinevorträge vor der Winterpause

Die Veranstaltungsreihe „Fit für Familie – Rund ums Baby und Kleinkind“ schließt das Veranstaltungsjahr 2022 mit zwei Onlinevorträgen für junge Familien ab. Organisiert wird die Reihe durch die Schwangerenberatungsstelle und die Koordinierende Kinderschutzstelle-Netzwerk frühe Kindheit (KoKi) des Landratsamts Weißenburg-Gunzenhausen.

Zum „Babyschlaf im 1. Lebensjahr“ informiert die erfahrene Kinderkrankenschwester Jessica Rosner am Mittwoch, 09. November von 14.30 bis 16.00 Uhr. Junge Eltern und Interessierte erfahren Wertvolles über die Entwicklung von Babys und Besonderheiten in Bezug auf den Babyschlaf. Unter anderem gibt die Referentin Tipps, durch die das Thema „Schlafen“ entspannter betrachtet werden kann.

Am Donnerstag, 24. November von 10.00 bis 11.30 Uhr zeigt die KoKi anhand von Filmsequenzen auf, welche Feinzeichen Babys von sich geben. Denn auch schon ganz kleine Kinder nehmen Kontakt mit ihrer Umgebung auf und zeigen ihre Stimmungslage. Eltern erfahren im Onlinevortrag solche Signale zu erkennen und richtig zu deuten, um dann auf das Baby passend reagieren zu können.

„Das Programm für 2023 ist gerade am Entstehen“, erklären die KoKi-Mitarbeiterinnen und stellen in Aussicht, dass es auch im neuen Jahr wieder eine große Anzahl an informativen und wertvollen Veranstaltungen geben wird.

Interessierte können sich unter 09141 902-188 bzw. per Mail an koki.lra@landkreis-wug.de anmelden oder die Ticketfunktion im Familienportal des Landkreises www.familie.altmuehlfranken.de nutzen. Die Veranstaltungen sind kostenlos.

In 80 Tagen um die Welt

Gunzenhäuser Theaterspielzeit hat begonnen


Unser Alltag wird immer hektischer, charakterisiert von Erfolgsdruck, Fortschrittsdenken, Terminhatz und schier unendlichen Möglichkeiten, seine kaum vorhandene Freizeit möglichst sinnvoll zu verbringen. Permanent befinden wir uns im Wettkampf mit der Zeit, kleine Siege gegen die Uhr währen nur kurz und gehen im Rausch der Geschwindigkeit meistens unter. Persönliche Auszeiten, gar Niederlagen gestehen wir uns nur selten ein, gibt es in dieser unserer westlichen Industriewelt doch kaum Platz dafür. Die Uhr ist quasi der Bösewicht der Neuzeit, immer zur Schikane bereit. Wie das 1872 erschienen Literatur-Spektakel „In 80 Tagen um die Welt“ zeigt, handelt es sich allerdings nicht um ein neues Problem. In der Literaturvorlage schickt der französische Visionär Jules Vernes seinen Londoner Lebemann Phileas Fogg auf die Reise um die Welt. Im ausgehenden 19. Jahrhundert möchte er in 80 Tagen den Erdball umrunden, eine unnötige Wette unter Gentleman treibt ihn dazu. Sein riesiges Ego – auch das offenbar keine Erfindung der Neuzeit – verhindert, dass er das Abenteuer ablehnt. So begibt er sich mit seinem Diener Passepartout auf eine pausenlose Tour de Désespoir, die nun in einer Bühnenfassung im Rahmen der Gunzenhäuser Theatertage in der Stadthalle gezeigt wurde. Ob er es wohl in den 80 Tagen schaffen wird?
Das Münchner ENSEMBLE PERSONA ist in der Altmühlstadt kein Unbekannter und zeigte bereits in der letzten Theatersaison mit dem eher bürgerlichen Plot „Don Juan“, wie einer leichtangestaubten Vorlage neues Leben eingehaucht werden kann. So war damals der Tango-Tanz stilgebend, bei „In 80 Tagen um die Welt“ wurde dagegen inszenatorisch noch eins draufgesetzt und mit der retrofuturistischen Steampunk-Strömung geschwommen. Soll heißen: Die Kostüme waren ein wenig Cyberpunk, Sprache, Farben, Musik und Geräusche mechanisch und häufig technikaffin bzw. stakkatoartig rasant. Das passte ganz ausgezeichnet, gilt Jules Verne doch als einer der ersten Autoren, der Züge des Steampunks verwendete. Aus dem industriellen Zeitalter heraus beschrieb er eine mögliche Zukunft mit Hilfe technologischer Ideen und Visionen.
Zurück zum Stück: Aus Phileas Fogg wurde kurzerhand Philea Fogg, nicht nur um ein Statement in der aktuellen gesellschaftlichen Debatte um die Gleichberechtigung von Mann und Frau zu setzen, sondern weil Anja Neukamm einfach eine exzellente Schauspielerin ist, die in jeder Rolle brilliert. Ihre Mrs. Fogg ist gedankenschnell und draufgängerisch, scheut kein Risiko und kämpft gegen einen unsichtbaren Feind, der in der Bühnenfassung jedoch gar nicht so unsichtbar ist: Die Zeit. Als riesige Weltuhr mit lebendigen Zeigern thront sie über dem Setting und treibt die Schauspielerinnen und Schauspieler zu Höchstleistungen. Fast sportlich geht es zu, wenn der treue Diener Passepartout von Aufgabe zu Aufgabe hetzt, gehetzt von seiner manchmal dämonenhaft gezeichneten Chefin, die – so viel sei verraten – ihn im Laufe der Geschwindigkeit kurzzeitig in den Wahnsinn treibt. Yannick Zürcher spielt diesen armen
Tropf, der so wunderbar in die aktuelle Zeit des digitalen Fortschrittsgebaren passt. Im Rausch der Vielfalt geht er als Individuum unter und wird eins mit dem Diskurs.
Anfangs konnte einem das Publikum fast ein wenig leidtun, so schnell flogen die Wahrnehmungen um die Ohren. Ganz nahe an der Reizüberflutung öffnete sich jedoch plötzlich eine beeindruckende Welt stimulierender Eindrücke. Das Pendel kippte von Hektik zu Anker, die Geschichte begann mit großer Dampfkraft anzuschieben. Das Artistenduo Hannes Achim Langanky und Daniela Maier zog die Energie der um sie wuselnden Künstlerinnen und Künstler in sich und war mit ihren bewusst langsamen Bewegungen willkommene Plot-Bremse. Inszenatorisch war das großes Theaterkino, denn wie Passepartout sehnte sich auch der große und kleine Theaterfreund nach Stillstand und wurde zum perfekten Zeitpunkt erlöst. Pünktlich zum englischen Tee war die Wette gewonnen.
Live von Annette Riessner am Akkordeon und Donald Manuel am Schlagzeug begleitet, verfolgt vom Scotland Yard und immer die Zeit im Nacken, führte die Reise quer über denGlobus. Die verschiedenen Transportmittel aus der literarischen Vorlage wurden sehr kreativ interpretiert, sei es der Ballon, das Schiff oder der Elefantenrücken. Beispielhaft sei der Zug erwähnt, der die Reisetruppe u.a. durch Amerika führte. Auf Koffern sitzend und leicht vor sich
hin hüpfend fuhr der Zug bis kurz vor die gleisverstellenden Bisonherde, welche wunderbar und mit toller Komik klanghaft in Szene gesetzt wurde.
Als Analogie auf die moderne Gesellschaft funktioniert diese außergewöhnliche Theaterinterpretation von Soeren Voima hervorragend. Philea Fogg versucht mit jeder Entscheidung der Zeit zu enteilen. Die Uhr im Hintergrund dient als plastisches Bild, denn sie treibt an und verweist auf eines der großen Probleme unserer Zeit: Das Nicht- bzw. Niemalszeithaben.
Wer „In 80 Tagen um die Welt“ verpasst hat, dem sei das nächste Theaterstück im Rahmen der Gunzenhäuser Theaterspielzeit wärmstens ans Herz gelegt. „Schwiegermutter und andere Bosheiten“ wird am Samstag, den 12. November 2022, ab 19.30 Uhr gezeigt. Karten gibt’s u.a. bei reservix oder dem städtischen Kulturbüro, Tel. 09831/508 109 bzw. E-Mail an kulturamt@gunzenhausen.de.

Gelungener Auftakt

Gunzenhäuser Konzertreihe wurde eröffnet

Die Klassikliebhaber kamen beim Auftritt der Hamburger Bläser voll auf ihre Kosten. Foto: StGun/Grosser

Der klassikbegeisterte Franke ist gelegentlich ein seltsames Wesen und diesbezüglich auch nur schwer zu lesen. Wenn ihr oder ihm eine musikalische Darbietung gefällt, dann neigt sie oder er den Kopf leicht zur Seite und lauscht konzentriert. Manchmal umgreift die rechte oder linke Hand unterstützend den Unterkiefer, die Beine werden leger überschlagen und die Augen schließen sich für kurze Momente, offenbar zur Förderung der Konzentration. Spielpausen nutzt sie oder er, um erst – meist verhalten – zu klatschen, dann zum Sekt zu greifen und sich anschließend in die Ursprungsposition zurückzubewegen. Dass das auch anders geht, bewies das Publikum beim Auftakt der 2. Gunzenhäuser Konzertreihe am letzten Sonntag. Das international erfolgreiche Hamburger Bläserquintett gastierte in der Stadthalle, und dieses hochwertige Musikangebot wurde kräftig beklatscht.

Wer selbst zum Blasinstrument greift, der weiß, dass Musizieren zeitweise auch sehr anstrengend sein kann. Gerade klassische Musik will perfekt gespielt sein, und das verlangt höchste Konzentration und absolute Fingerfertigkeit. Ein Leichtes für die Truppe aus dem Norden, die innerhalb kürzester Zeit beweisen kann, was mit Blasinstrumenten so alles möglich ist. Das Hamburger Bläserquintett setzt sich aus Flöte, Oboe, Klarinette, Horn und Fagott zusammen, eine Mischung, die eine ganz eigene Klangkulisse hervorruft. Im Halbkreis sitzend, interpretieren die Künstlerin und die Künstler das anspruchsvolle Musikprogramm, nur in Ansätzen lässt sich überhaupt erahnen, dass sich wohl auch Profis beim Musizieren anstrengen müssen. Kleine Schweißperlchen zeugen vom Aufwand, aber auch vom hohen Niveau der Stücke, die u.a. von Anton Reicha und Jacques Ibert stammen.

Für Klassikliebhaberinnen und -liebhaber faszinierend, ist die hohe, fast filigrane Klangqualität und die Reinheit der Töne, die selbst am Ende eines sicher kräftezehrenden Konzertabends noch klar zu vernehmen sind. Wer sich zurücklehnt und sich konzentriert, der wird in andere Welten entführt. Die Stücke sind abwechslungsreich und ergänzen sich ausnahmslos. Überraschende, selten gespielte Stücke wie Astor Piazzollas „Oblivion“ werden durch bekanntere Werke wie Beethovens „Bläseroktett Es-Dur op. 103“ abgelöst. Die Vielfalt sorgt für Spannung und staunende Gesichter. Ein Highlight des Abends war sicher Jacques Iberts Trilogie „Trois Pièces Brèves“, denn es schien plötzlich, als würden die Instrumente sprechen können. In kurzen Momenten wähnte man sich gar in einem Stummfilm der 1920er Jahren mit musikalischer Begleitung. Ein ungewöhnlicher Hörgenuss, den nur Musik höchster Qualitätsstufe erzeugen kann.

Neben genannten Komponisten widmete sich das Hamburger Bläserquintett auch dem Romantiker Paul Taffanel. Dieser verarbeitete in seinem „Quintett g-Moll op. 56“ die persönliche Sehnsucht nach nüchterner Klassik, angereichert mit ein wenig Mystik und emotionalen Spitzen. Als Zugabe ging es dann nach Osteuropa und beschwingt mit Klängen von Ferenc Farkas in den Feierabend.

Wer das Konzert mit dem Hamburger Bläserquintett verpasst hat, der sollte sich Sonntag, 20. November 2022, vormerken, denn dann kommt Ausnahmepianist Kotaro Fukuma nach Gunzenhausen in die Stadthalle. Los geht es um 19.30 Uhr. Informationen und Karten erhalten Sie über das städtische Kulturamt unter Tel. 09831/508 109 oder per E-Mail an kulturamt@gunzenhausen.de.   

Königinnen & Nixen

Die Galelrie „korridor.art“ stellt den Bildhauer Hagga Bühler aus

Die „Königinnen & Nixen“ von Hagga Bühler sind in Gunzenhausen zu sehen

Nach dem großartigen Erfolg der Ausstellung „Corona Kunst Peep Show“ aus dem Jahr 2020, holt die Galerie korridor.art erneut den Bildhauer Hagga Bühler nach Gunzenhausen und präsentiert mit „Königinnen & Nixen“ eine nahezu komplette Werkschau des Künstlers.
Der gelernte Steinbildhauer Hagga Bühler aus Hafenlohr in Unterfranken arbeitet seit 2010 an seinen „Königinnen der Scheinzeit“, von denen im Corona-Jahr 2020 insgesamt fünf in den Schaufenstern der Galerie korridor.art zu sehen waren. Bereits ein Jahrzehnt zuvor begannen die Arbeiten an der Serie „Haifischfraß und Nixenkuß“, die aus insgesamt 14 Wandskulpturen in Form von freizügigen und skurrilen Meerjungfrauen besteht. Gemeinsam mit den Königinnen sind beide Serien in der Ausstellung „Königinnen & Nixen“ ab dem 4. November in der Gunzenhäuser Galerie zu sehen.
Wer nun denkt, dass die leicht bekleideten, weiblichen Figuren Lust ausstrahlen oder gar obszön sein sollen, irrt gewaltig. Die Frauenfiguren stellen ein Gegenstück zu den zahlreichen männlichen Heroen und Helden, für die seit der Antike triumphale, monumentale Denkmäler errichtet werden. Alle Skulpturen sind Träger diverser Allegorien und voller kunstgeschichtlicher, antiker und moderner Bezüge. Die Nacktheit in Haggas Arbeiten ist der universellen menschlichen Darstellung geschuldet, die seit jeher frei von Moden und Status ist und in vielen Kulturen und Epochen als selbstverständlich gilt. Dass die Königinnen und Nixen echte Blickfänger sind, ist kaum abzustreiten. Allen Besuchern und Fans der letzten Ausstellung dürften noch das weinende grüne Marsmädchen „Silent Fiction“ oder die Nofretete als „Litfaßmadonna“ mit LIDL-Tüte bekannt sein. Geschichten, Geheimnissen und Intentionen zu seinen Arbeiten wird Hagga Bühler bei der Ausstellungeröffnung persönlich vermitteln.
Der Künstler ist noch im Besitz der kompletten Nixen-Serie mit ihrem menschheitsgeschichtlichen Zyklus bestehend aus den 14 Figuren von der Hainixe bis zur Nixennixe. Hagga Bühler begründet seine Entscheidung, die Skulpturen nicht zu veräußern recht einleuchtend: „Wenn ich verkaufe, dann sollte es ein Museum oder Sammler sein, der eine Serie komplett übernimmt und auch beabsichtigt diese zukünftig auszustellen.“ Auch die zweite Serie „Königinnen der Scheinzeit“, passend zu einer „Zeit von Gier, Geld, Konsum und Oberflächlichkeit“ so Hagga, befindet sich nochzum Großteil im Besitz des Künstlers. Ausnahmen, wie die Figur „Souvenir vom Magdalénien“, die er seiner Künstlerkollegin und Vorsitzenden des BBK Unterfranken Christiane Gaebert überlassen hat und als Dauerleihgabe in der Galerie korridor.art verbleibt, finden ebenfalls regelmäßig ihren Weg in Ausstellungen. Die Galeristen Juliane Zeh und George Arauner sind der Überzeug, dass die Arbeiten des mehrfach für den Europäischen Gestaltungspreis nominierten Bildhauer so oft wie nur möglich einem breiten Publikum zugänglich sein sollten.
Die Ausstellungseröffnung findet am 4. November 2022, 18 Uhr, in der Galerie korridor.art, Dr.-Martin-Luther-Platz 13 in Gunzenhausen statt, zu der alle Kunstfreundinnen und Kunstfreunde herzlich eingeladen sind. Die Ausstellung wird bis zum 9. Dezember in der Galerie zu sehen sein. Die Skulpturen werden so platziert, dass sie größtenteils auch von außen in den Schaufenstern gut sichtbar sein werden.