Kleinprojekte gefördert

Regionalbudget steht auch 2021 zur Verfügung

Dieses Projekt in Auhausen ist mit ILE-Mitteln gefördert worden.

Die beiden Kommunalen Arbeitsgemeinschaften Integrierte Ländliche Entwicklung (ILE) Altmühltal und Fränkisches Seenland-Hahnenkamm beteiligen sich erneut an dem vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten aufgelegten und vom Amt für Ländliche Entwicklung Mittelfranken angebotenen Programm „Regionalbudget für Kleinprojekte“ Den beiden Regionen steht vorbehaltlich der Genehmigung für das Jahr 2021 je ein Programm mit dem Umfang von 100.000 EUR zur Verfügung. Mit dem Ansatz von 2020 werden demnach in beiden ILE-Regionen insgesamt 400.000 EUR zur Förderung von Kleinprojekten zur Verfügung gestanden haben. Und auch für die beiden folgenden Jahre wird dieses Programm nochmals angeboten, so dass diese günstigen Rahmenbedingungen für die Unterstützung von Kleinprojekten von allen interessierten Gruppen nun aktiv in Anspruch genommen werden können.

Die beiden Vorsitzenden der Kommunalen Arbeitsgemeinschaften 1.Bgm´in Dr. Dr. Kristina Becker (Altmühltal) und 1.Bgm. Karl-Heinz Fitz (Fränkisches Seenland-Hahnenkamm) sehen in diesem Förderangebot eine gute Chance, um eine Vielzahl kleinerer Projekte aufgreifen und umsetzen zu können, die bislang nur wenige Fördermöglichkeiten erfahren hatten. Die Fördermittel in Höhe von 100.000 € je ILE-Region setzen sich zu 90 % aus dem Haushalt des Freistaats Bayern und jeweils zu 10 % aus den Haushalten der beteiligten Kommunen zusammen.
Gefördert werden jeweils Kleinprojekte, deren Gesamtinvestitionskosten netto 20.000 EUR nicht überschreiten. Und für diese Kosten kann eine Zuwendung pro Einzelprojekt bis zu max. 80 %, jedoch höchstens 10.000 EUR netto beantragt werden.
Für die Entscheidung über die Auswahl der Projekte wurde in jeder ILE-Region eine Projekt-Arbeitsgruppe eingerichtet, in der sich Bürgermeister, Vereinsvertreter, Vertreter von Zweckverbänden, Unternehmen oder auch fachlich ausgewiesene Einzelpersonen befinden.

Bis zum 15. Februar 2020 können entsprechende Anträge bei der VG Altmühltal in Meinheim (für die Kommunen Langenaltheim, Solnhofen, Pappenheim, Treuchtlingen, Markt Berolzheim, Meinheim, Dittenheim, Alesheim)oder bei der VG Gunzenhausen (für die Kommunen Markt Absberg, Muhr am See, Gunzenhausen, Pfofeld, Theilenhofen, Haundorf, Markt Gnotzheim, Markt Heidenheim, Polsingen, Westheim und Auhausen)ILE-Region Fränkisches Seenland-Hahnenkamm) eingereicht werden.

Gefördert werden können nur Kleinprojekte, die der Umsetzung des Integrierten Ländlichen Entwicklungskonzeptes dienen. Dies sind u.a.:

  • Unterstützung bürgerschaftlichen Engagements
  • Begleitung von Veränderungsprozessen auf örtlicher Ebene
  • Verbesserung der Lebensverhältnisse der ländlichen Bevölkerung
  • Umsetzung ländlich angepasster Infrastrukturmaßnahmen
  • Sicherung und Verbesserung der Grundversorgung ländlicher Bevölkerung

Alle tatsächlich bewilligten Projekte müssen dann bis zum 30. September 2020 komplett umgesetzt sein und zu diesem Zeitpunkt muss die Abrechnung zu Fördermittelauszahlung vorliegen. Bis dahin sind diese Projekte von den Maßnahmenträgern vorzufinanzieren.
Antragsberechtigt sind Kommunen, Zweckverbände, Vereine oder auch Unternehmen.
Die Antragsformulare sind über die Kommunen zu beziehen oder unter www.stmelf.bayern.de/foerderwegweiser (Link: Ländliche Entwicklung à Regionalbudget) direkt herunterzuladen. Sie können aber auch über die ILE-Umsetzungsbegleitung digital bezogen werden (dieter.popp@futour.com).

Kontakt:
ILE-Umsetzungsbegleitung
c/o FUTOUR Regionalberatung
Vogelherdweg 1, 91729 Haundorf
dieter.popp@futour.com

1870/71 war er dabei

Aus dem Kriegstagebuch von Christian Preu (1870/71)

Großvater Christian Preu in einer Aufnahme aus dem Jahr 1927 mit der Auernhammer-Familie der Tochter Ernestine mit deren Kindern Friedrich und Karl sowie der Vater Michael Auernhammer. Christian Preu verstarb in Markt Berolzheim am 31. Juli 1929 im Alter von 80 Jahren und sieben Monaten. Foto: privat

Ungeschönt und unzensiert ist das Kriegstagebuch des Markt Berolzheimer Bauern Christian Preu, der 3. März 1871 zu den deutschen Soldaten gehörte, die in Paris einmarschierten.  Von der heroischen Begeisterung war er voll erfasst: „Die Franzosen machten schiefe Gesichter auf uns. Der Hass und Groll der Pariser war arg, aber sie mussten sich geduldig dreingeben, denn es war eine große Schmach für sie, von den Deutschen besiegt zu werden“ notierte er in sein Tagebuch, das nach 150 Jahren von einem Berolzheimer zufällig entdeckt wurde. Daniel Burmann, der ehrenamtliche Gemeindearchivpfleger, spricht von einem absoluten Glücksfall und misst den Wert der Aufzeichnungen am Blickwinkel eines rangniederen Soldaten und eben nicht aus der Feder eines Politikers oder Militärs. Veröffentlicht ist das Kriegstagebuch in der aktuellen Ausgabe von „Alt-Gunzenhausen“, dem Jahrbuch des Vereins für Heimatkunde Gunzenhausen.

Der Deutsch-Französische Krieg von 1870/71 ist heute weithin vergessen. Wie Autor Daniel Burmann feststellt, liegt das wohl auch daran, dass die globalen Auswirkungen der folgenden Weltkriege ihn sozusagen in den Schatten stellen. Deutschland, das den Krieg gewann und sich das Elsaß und Lothringen einverleibte, ging gestärkt aus der Schlacht hervor und erlebe danach seine Reichsgründung.

Das ist die erste Seite des Kriegstagebuchs von Christian Preu. Der Text ist in der deutschen Kurrentschrift gehalten. Reprofoto: Daniel Burmann

Christian Preu war ein Bauernsohn, der 1879 Walburga Wiesinger aus Lengenfeld heiratete und mit ihr drei Töchter hatte. Es ist ungewöhnlich, dass ein einfacher Soldat die militärischen Geschehnisse so exakt festgehalten hat. Immerhin haben seine handschriftlichen Aufzeichnungen einen Umfang von 34 Seiten in einem alten Rechenbuch von 1764. Der Autor hat den Schreibstil Preus weitgehend beibehalten, die leichten Korrekturen nur vorgenommen, um den Text verständlich zu machen.

Der Soldat gehörte zur 4. Kompanie des 15. Infanterieregiments in Neuburg, das am 17. Juli 1870 zur Mobilmachung rief.  Schon zehn Tage später ging es fußläufig in Richtung Harburg (mit Ziel Speyer) los.  Über die Pfalz rückte die Truppe ins Elsaß ein, wo sie den Kanonendonner der „Schlacht bei Weißenburg“ hörten. Schrecklicher Regen begleitete das Biwak. Preu erlebte die Einnahme von Nancy. „Furchtbare Märsche, Hungersnot, Hitze und Elend stieg aufs Äußerste“, notierte der Berolzheimer. Zudem brach die Ruhr aus, so dass nicht mehr alle marschfähig waren. Die deutschen Kämpfer fanden in Frankreich sozusagen verbrannte Erde vor: „Die Franzosen marschierten vor uns ins Innere Frankreichs, plünderten und verzehrten fast alles, was da war“.  Die „Schlacht bei Sedan“ am 1. und 2. September war für die Deutschen kriegsentscheidend. Noch Jahre danach feierten die Sieger den „Sedanstag“.

Auf dem Marsch auf Paris machte der fränkische Biertrinker erste Bekanntschaft mit französischem Wein („…mehr als zehn Eimer“). Mit seinem Kameraden Rottenberger aus Pfofeld schleppte er noch ausreichend Rebensaft ins Quartier. Die französischen Kriegsgegner hatten alles liegen und stehen lassen bevor sie die Flucht ergriffen. Preu wähnte sich auf der  Berolzheimer „Buchleiten“ , denn ähnlich war sein Blick in den Pariser Vorort: „…nichts als Stadt und nirgends kein Ende“. Er geriet in ein schreckliches Geschützfeuer, wo neben ihm „zwei Mann gleich plötzlich tot waren“. Den 2. Weihnachtsfeiertag feierte er mit  seinen Landsleuten Georg Bieber, Georg Schmidt, Michael Guthmann und Georg Frank  in einer Weinrestauration.

Bei Matsch und Dreck mussten die Soldaten „schrecklich viel aushalten“. Christian beklagt in seinen Aufzeichnungen, dass er sich vom 8. September 1870 bis zum 13. März 1871 nicht ein einziges Mal des nachts vollständig ausziehen konnte. Nach der siegreichen Schlacht von Paris in den ersten Januartagen 1871 gönnte er sich mit Kameraden einen „Spaziergang nach Versailles“: „Wir konnten uns nicht genug sehen und kann auch die Pracht und Schönheit nicht beschreiben“. Preu war dabei, als der deutsche Kaiser am 1. März in Paris einmarschierte. Drei Tage gab es für die Sieger „Froh“ (Franc)-Zulage, die von den Parisern zu zahlen war, wie Preu notierte.

Auf dem Rückzug verbrachte der Deutsche das Osterfest bei einer französischen Familie („…des Abends mußte ich mich mit ihnen zum Feuer setzen“) und nach den 80 Tagen im Standquartier ging es Richtung Heimat. „Herzergreifend“ empfand er den Empfang in der Pfalz, wo er und seine siegreichen Kameraden von Neuburger Reitern und Mädchen mit Kränzen und Sträußen unter großem Jubel empfangen wurden.  Und natürlich erklang die „Wacht am Rhein“, als die Truppe über den Rhein marschierte. „Ich rühme die Güte Gottes, der mir Gesundheit geschenkt hat, so dass mir keine Stunde was fehlte“, dankt er  abschließend in seinen Notizen.

WERNER FALK

Das Jahrbuch „Alt-Gunzenhausen“ ist um Gunzenhäuser Buchhandel (telefonischer Bestell- und Lieferservice) für 15 Euro erhältlich.

Ein besseres Jahr!

Hoffnung auf gute Aussichten 2021

Mein Wunsch: Auf allen Wegen möge der Engel Begleiter sein.

In der Bilanz der letzten zwölf Monate ist man geneigt, von einem schlechten Jahr zu sprechen. Das hat seine guten Gründe, zumal die Corona-Pandemie das öffentliche Leben stark eingeschränkt und auch die privaten Kontakte reduziert hat. Die Menschen erlebten eine Ausnahmesituation. Und zwar in einem solchen Maße, wie das bisher seit dem Zweiten Weltkrieg und seinen folgenden Notjahren nicht der Fall war.

Die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen sind zum Teil gewaltig, schließlich mussten Schulen und öffentliche Einrichtungen schließen, die geschlossenen Einzelhandelsgeschäfte legten das sonst geschäftige Getriebe lahm und sogar manche Unternehmen haben ihre Tätigkeit zurückgefahren. Wir haben viele Einschränkungen unserer persönlichen Freiheit erfahren müssen. Aber was sind der Verzicht auf das Hallenbad oder das Fitness-Studio gegen die Beschwernisse, die unsere Eltern und Großeltern in Notzeiten hinzunehmen hatten? Eigentlich müssen sich jene schämen, die daraus heute ein Riesenproblem machen, denen ihr Egoismus wichtiger ist als die Verantwortung für die Mitmenschen.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass diese Erfahrungen in die Zukunft hinein wirken werden, nicht alle Begleiterscheinungen der Pandemie waren negativ. Es gibt auch die  positiven Seiten, indem sich die Menschen wieder näher gekommen sind.  Nachbarn haben sich sozusagen neu entdeckt, haben das bisher gelebte Nebeneinander gegen das Miteinander ausgetauscht. Es ist schön, von gemeinschaftlichen Aktivitäten zu hören, von denen man glaubte, die Bereitschaft dazu  wäre längst verschüttet gewesen.

Wir denken in diesen Tagen und Wochen an die jungen Eltern, die das Kunststück fertig schaffen müssen, die Kindererziehung und ihren beruflichen Alltag unter einen Hut zu bringen. Nicht in allen Familien sind Eltern und Großeltern helfend zur Stelle.

Eine Erfahrung lehrt uns die Pandemie:  Alles, was wir als so schrecklich wichtig empfinden, ist es eigentlich gar nicht! Es geht auch anders. So manche Vereinsaktivität erweist sich als substanziell nicht zwingend notwendig. Die Vorstandssitzung kann warten, die Jahresversammlung ist auch im Juni noch möglich, die Gymnastikstunde kann durch individuelle Betätigung ersetzt werden. Was den meisten Zeitgenossen wirklich fehlt, das sind die menschlichen Begegnungen. Der eine vermisst die Verwandtschaftsbesuche, der andere das Stammtischgespräch.

Ob das Leben nach der Pandemie anders aussehen wird?  Die Soziologen machen sich Gedanken dazu und manch einer glaubt oder hofft, dass die Menschen Konsequenzen aus der Coronazeit ziehen für ihr individuelles Verhalten ziehen in der Erwartung, dass künftig so manches besser wird.  Ich zähle mich als lebenserfahrender Mann mit 71 eher zu denen, die den Zeitgenossen (und sich selbst) nicht so viel zutrauen an Einsicht und Verständnis.

Euer

Historische Facetten

Aus der Geschichte von Laubenzedel

Die Warnung des Gunzenhäuser Stadtmagistrats von 1798: „Hier in diesem Hause herrschen die Blattern und wird Jedermann vor dem Zutritt desselben ernstlich gewarnt“. Foto: Stadtarchiv Gunzenhausen

2020 wird als das „Jahr der Corona-Pandemie“ in die Annalen eingehen. Dabei wird aber leicht übersehen, dass schon früher die Menschen von grässlichen Epidemien betroffen waren. Die „Blattern“ waren  gefürchtet und kosteten vielen das Leben, aber auch die Rote Ruhr und Scharlach waren Krankheiten, die sich seuchenartig verbreiteten. Davon berichtet Stadtarchivar Werner Mühlhäußer in seinem Beitrag zur Ortsgeschichte von Laubenzedel in der neuen Ausgabe von „Alt-Gunzenhausen“, der Jahrespublikation des Vereins für Heimatkunde.

Im 17. und 18. Jahrhundert waren die hygienischen Missstände allenthalben verbreitet, es gab Mangelernährung und auch die harte Arbeit war nicht dazu angetan, den Menschen ein angenehmes Leben zu schenken. In Laubenzedel brachen die Blattern beispielsweise 17 Mal aus. Mehr als zwanzig Männer und Frauen starben. Heute überschlagen sich die Warnungen via Fernsehen und Internet, damals gab es  den öffentlichen Aushang: „Hier in diesem Hause herrschen die Blattern und wird Jedermann vor dem Zutritt desselben ernstlich gewarnt“.

Conrad Babo, Heinrich Vogelein und Hermann de Lieboltessedele werden in der ersten schriftlichen Erwähnung Laubenzedels als Bürger genannt. In alten und glaubwürdigen Schriften fand Stadtarchivar Werner Mühlhäußer auch noch andere Namen: Lauboltsedel, Lubenzedle oder Labezedel. In der Topographie von Gottfried Stieber wird eine eigene Pfarrei erstmals 1565 genannt. Breiten Raum widmet der Autor der 1415 erbauten St. Sixtuskirche und den wiederholten  Sanierungen. Vom markgräflichen Hofbildhauer Giuseppe Volpini stammen die Kanzel  und der Altar. Die Kosten trugen die Laubenzedeler, die 1709 allerdings schockiert vernehmen mussten, dass der markgräfliche Kastner (Red: Finanzreferent) 368 Gulden aus ihrem „Heiligen“ (Geld der örtlichen Kirchenverwaltung) veruntreute bevor sich seine Spur in der Schweiz verlor. Immerhin meinte es Markgraf Carl Wilhelm Friedrich, der sich oft in der Wildmeisterei Lindenbühl bei Haundorf aufhielt, einigermaßen gut mit den Laubenzedelern und erstattete ihnen 200 Gulden. Und seine Gefährtin Elisabeth Wünsch, die mit den vier gemeinsamen Kindern im Schlößchen Georgental und im Walder Schloss lebte, schenkte ihnen wiederholt „gemödelte weiße Kerzen“.

Eine Feuersbrunst, wie sie zuletzt im Dreißigjährigen Krieg zu erleben war, brach 1755 auf den Ort herein. Beim Webermeister Jerg Leonhard Hörauf nahm sie ihren Anfang und griff auf neun Gebäude über. Der Markgraf, der sich in seiner Gunzenhäuser Residenz aufhielt, schickte seine Leibkompanie zur Hilfe. Verursacherin war übrigens die Ehefrau Höraufs, die gegen Mitternacht einem unruhigen Ochsen Futter bringen wollte, wobei das offene Licht Streu und Heu entzündete.  Den Meister selbst schleppten die Helfer durch eine Fensteröffnung ins Freie. Zwei Jahre später brannte das Wirtshaus von Johann Michael Huber. Auch in diesem Fall kam markgräfliche Hilfe schnell.  Erbprinz Alexander, der seinen in Gunzenhausen dahinsiechenden und drei Tage später sterbenden Vater beistand, ritt höchstselbst nach Laubenzedel, wobei der 21-Jährige aber unglücklich vom Pferd stürzte.

Wie Werner Mühlhäußer feststellt, ließen sich die Truppen des französischen Kaisers Napoleon auf ihren Eroberungsfeldzügen wiederholt von den Laubenzedelern verköstigen.  Pfarrer Frobenius vermerkte in seinem Kirchenbuch einen Vorfall der besonderen Art: „Grab bestohlen“. Das Grab des eineinhalbjährigen Bauernsöhnchens Pfeifer wurde aufgebrochen und aus dem Sarg  das Leichentuch gestohlen.  Hinter der Tat vermutete man einen französischen Soldaten, der wohl dem Aberglauben anhing, sich auf diese Weise gegen Verwundungen „durch Hieb und Schuß“  schützen zu können.

Unter den Wirten des Dorfes befand sich auch Simon Vogel vom „unteren Wirtshaus“, der 1725 starb „nachdeme  er ganz engbrüstig worden, vom Fleisch gefallen und daran gestorben“.  Besser erging es der Schuhmacherstochter Barbara Tröster, die nach ihrer Heirat mit Lorenz Winckler, einem im Dorf angesehenen Soldaten und Reiter, sechs Kinder gebar. Sie war 1716 in Gunzenhausen als Hebamme tätig und später am markgräflichen Hof in Ansbach. Die Geburtsheferin durfte mit nach England reisen, um der Ehefrau des englischen Thronfolgers bei der Geburt ihres Sohnes fürsorglich beizustehen. Weniger umsorgt entband 1784 die ledige Bauerstochter Katharina Barbara Meier auf dem Fußweg nach Schlungenhof mit Hilfe einer zufällig vorbeikommenden Frau ihre Tochter. In ein Schnupftuch gewickelt erblickte das Kind das Licht der Welt, die Kindsmutter gelangte auf einem Schubkarren nach Hause.

Eine „schöne Leicht“ gab es längst nicht für alle. Weil der Schluss seines Lebens „nicht zum besten, sondern böß und ärgerlich“ war, wurde beispielsweise nach fürstlichem Hofratsbefehl die Beisetzung des Bäckers und Branntweinbrenners Johann Leidel am 5. November 1709 um „gewisse Ceremonien“ gekürzt, d.h. es läutete nur eine Glocke und Sterbelieder durften auch nicht gesungen werden.

Einen Tadel des Gunzenhäuser Dekans handelte sich 1772 der verwitwete Schneidermeister Johann Christoph Engelhard ein, der seine verstorbene Frau nicht länger betrauern wollte und schon zehn Wochen und einen Tag nach deren Hinscheiden ein zweites Mal heiratete. Eine Bußpredigt des Ortspfarrers musste  sich Leonhard Ruep anhören, als er Apollonia Gerhäußer aus Büchelberg ehelichte. „Wegen der gros schwangeren Braut“ gab es keinen Brautkranz, keinen Tanz und auch kein Saitenspiel.

Weitere Beiträge in „Alt-Gunzenhausen“ sind: „Alte Friedhöfe an der Altmühl“ (Werner Somplatzki), „Kurzgefasste Ortsgeschichte von Schlungenhof“ (Siglinde Buchner), „Grabplattenfunde aus der Marienkirche in Großlellenfeld“ (Hermann Thoma), „Die Mühlen von Muhr“ (Günter L. Niekel), „Von Bettelvögten und Polizeidienern“ (Werner Mühlhäußer und Werner Neumann), „Christian Friedrich Möbius – Stadttürmer und Stadtmusikus in Gunzenhausen“ (Laura Meyer), „Die Grundungszeit des Sängerbundes 1861 Gunzenhausen“ (Annalena Brand), „Kriegstagebuch aus dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71“ (Daniel Burmann) und „Nationalsozialismus und Antisemitismus in Gunzenhasuen 1919 bis 1924“ (Werner Mühlhäußer).

WERNER FALK

Das Jahrbuch „Alt-Gunzenhausen“ ist im Buchhandel (telefonischer Bestell- und Lieferservice) sowie bei Getränke-Seifert in Schlungenhof und in der Raiffeisenbank Laubenzedel für 15 Euro erhältlich.

Solidarischer werden!

Wünsche für das neue Jahr 2021

Vor einem Jahr habe ich Wünsche für das neue Jahrzehnt formuliert, davon ist nun ein Jahr verstrichen. Nur wenige dieser Wünsche haben sich in den ersten 10 % dieser Zeitspanne erfüllen lassen. Das lag natürlich auch daran, dass niemand vorhersehen konnte, mit welcher Wucht uns ein Ereignis treffen würde. Aufmerksame Nachrichtenhörer hatten zwar schon ab November 2019 diese Meldung aus dem fernen Wuhan wahrgenommen. Mir war sie aber in meiner Perspektive für das kommende Jahrzehnt eben auch keine Erwähnung wert gewesen. Welch ein fataler Irrtum! Aber immerhin hat es dieser Virus bewirkt, dass einige – zunächst als unmöglich erreichbare –  Ziele umgesetzt werden konnten!

Regionalberater Dieter Popp


Aber in diesen Tagen verwünschen nun viele zu Silvester einfach nur dieses abgelaufene Jahr. Leider ist auch dies ein fataler Irrtum. Denn damit verdrängen wir die selbst verschuldeten Hintergründe, die zu diesem Corona-Jahr geführt haben. Wir sollten als dauerhaft wirkende Erfahrung aus diesem Jahr eben auch mitnehmen, dass man nun nicht weiter ungestraft immer tiefer in sensible Naturräume vordringen darf, dass grenzenloser Konsum, Hypermobilität und eine ausschließlich quantitative Wachstumsfixierung eindeutige Fehlorientierungen bedeuten, dass die global verwobenen Lieferketten eine enorme Krisenanfälligkeit bedeuten und dass vor allem unser Gemeinwesen  funktionierende öffentliche Infrastrukturen auch über das bisherige Maß hinaus braucht, die uns dieses Jahr immerhin noch besser als viele andere auf der Welt noch relativ gut haben überstehen lassen!

Dieses Jahr hat uns aber auch bewusst gemacht, mit welcher unvorstellbaren Überheb-und Selbstverständlichkeit einige von uns einen Alltagsrassismus an den Tag legen, der sich zudem sehr schnell in sein Gegenteil verkehren kann. Noch im Frühjahr mussten sich viele asiatisch aussehende Gäste in unserem Lande reflexhafte Vorwürfe anhören bzw. wurde mit peinlich anmutenden Gesten bedeutet, dass sie in „ihr Corona-Land“ zurückkehren gehen sollten! Es darf daher nicht verwundern, dass angesichts der mittlerweile eingetretenen Infektionszahlen ähnliches nun Europäern im asiatisch-pazifischen Raum widerfährt. Taiwan, Südkorea oder Neuseeland feiern den Jahreswechsel in einem Zustand großer Gelassenheit und einer wieder erlangten persönlichen Freiheit. Gerade Neuseeland gilt als Musterbeispiel im zukunftsfähigen Umgang mit dieser Krise. Eine uns offenkundig ungewohnte Disziplin als DNA eines funktionierenden Gemeinwesens prägt erfolgreich die Gesellschaften dieses Raums. Sie wissen und beherzigen, dass es ohne diese Disziplin keine Freiheit geben kann. Die Menschen dort fühlen sich von ihrem Staat – trotz verordneter sehr konsequenter Einschränkungen – gut beschützt und sind vor allem stolz, mit Disziplin und Vernunft auch einen eigenverantwortlichen Beitrag zur Normalität ihres Alltags leisten zu können. Maskenverweigerung oder Proteste wie hier bei uns mit einer sog. „Querdenker-Bewegung“ sind in diesen Ländern mit einer anderen Qualität des gesellschaftlichen Zusammenhalts schlicht undenkbar. Bei der hierzulande immer noch offenen Suche nach dem Weg aus dieser Krise und vor allem nach erfolgreichen Langzeitrategien, könnte uns ein offener Blick in diesen asiatisch-pazifischen Raum außerordentlich hilfreich sein.

Wenn wir uns einen schnellen Weg aus dieser Krise wünschen, dann müssen wir im neuen Jahr eine andere Form der Solidarität finden. Wer noch im Zuge des ersten Lockdowns über eine vorher nie wahrgenommene Form gegenseitiger Solidarität freudig überrascht war und völlig neue Charakterzüge im Wesen unserer Gesellschaft wahrzunehmen glaubte, musste im Verlauf des weiteren Jahres sehr enttäuscht werden. Es gibt sie zwar, diese evtl. vorher noch nicht so sichtbare Solidarität in unserer Gesellschaft. Aber es sind eben wiederum nur die grob geschätzt zwei Drittel, die auch bis jetzt von den beschlossenen Maßnahmen überzeugt waren, sich an die Empfehlungen gehalten oder auch stärkere Einengungen von Freiheitsrechten im Interesse des Gemeinwohl hingenommen haben. Das Denken, auch aus Sicht der Anderen  ist aber offenkundig noch nicht so vielen ein Bedürfnis!
So nimmt es nicht Wunder, dass diese zart aufblühende neue Solidaritäts-Welle in unserer Gesellschaft bereits wieder erkennbar verebbt!

Wir werden einen Weg aus dieser uns einengenden Krise mit Sicherheit frühestens gegen Ende dieses jetzt anbrechenden Jahres gewinnen können. Aber es bedarf dazu gerade des Willens zu dieser umfassenden gesellschaftlichen Solidarität. Viele Alltagserlebnisse dieser Tage lassen bei immer mehr Menschen Zweifel aufkommen, ob wir dazu wirklich bereit sind. Und wer vermeintlich seine verbürgten Freiheitsrechte dadurch eingeschränkt sieht und deswegen vor allem lautstark und auffällig demonstriert, verspielt dieses Recht auch gleichzeitig mit dem bewussten Verzicht auf eigene Schutzmaßnahmen, um vor allem ja andere vor irreparablem Schaden zu bewahren. Es sind gerade diese sich aktive gebärenden Solidaritätsverweigerer und die von ihnen ausgehende politische Gefahr, die auch zu dem nach wie vor fehlenden Mut der Politik zu tief einschneidenden, aber dafür dann auch wirksamen Maßnahmen führen könnten. Gerade in einer Pandemie – nicht in der Spaß-Gesellschaft  – zeigt es sich, wie weit Menschen bereit sind, sich einem gesamtgesellschaftlichem Ziel und einer am Gemeinwohl orientierten Solidarität unterzuordnen.

Auch wenn die Pandemie und deren Überwindung dieses Jahr 2021 weiter prägen werden, es sind aber auch noch andere Aufgaben da, die uns absehbar herausfordern werden.
Es muss uns weiter bewusst sein, dass wir seit etwa drei Dekaden sehr exakt wissen, was das Überleben auf dieser Erde bedeutet. Wir haben in dieser Zeit aber dennoch nicht alles dazu Notwendige unternommen. Wenn wir jetzt nicht endlich konsequent handeln, wird uns in sehr naher Zukunft – wir haben wohlweisliche noch Zeit bis zum Ende dieses Jahrzehnts – nur noch die Möglichkeit bleiben, schmerzhafte Sachzwänge zu exekutieren. Die jetzt bitter notwendigen klimapolitischen Entscheidungen werden und müssen – wenn sie erfolgreich sein sollen – uns allen wehtun! Wir brauchen dazu zum einen Politiker, die zu diesem „Harakiri“ den Mut haben und wir brauchen zum anderen Wähler, die dies eindeutig verstehen und auch aktiv mittragen. Die Akzeptanz solch tief einschneidender politischer Schritte steht und fällt mit der Frage, ob sie umfassend gut begründet sowie vermittelt wurde und als gerecht empfunden wird. Die Einsichtsfähigkeit einer verantwortungs-bewussten Mehr ist größer, als es viele der in der politischen Verantwortung stehenden Personen glauben!

Wir werden dann aber wirklich auch liebgewonnene Freiheiten verlieren! Dagegen war Corona wohl allenfalls ein blasser Vorgeschmack.  Und es wird dann auch dagegen von sog. „Querdenker“ und deren Gefolge einen vor allem lautstarken Protest geben.
Aber beides muss eine Gesellschaft aushalten, die – wie Corona gezeigt hat – an ihre Zukunft glaubt und dafür auch ernsthaft eintritt. Corona war eine Blaupause, die uns transparent macht, was da auf uns – in weit größerer Dimension – unabwendbar noch zukommen wird.

Wenn das Jahr 2021 zur Neige geht und wir dann die Gewissheit wieder erlangt haben, dass wir mit Viren wie Corona – es gibt rund 2.000 davon – leben können, werden wir wieder frei sein um uns dann endlich der Zukunft unserer Erde gemeinsam zu widmen.  Denn von ihr haben wir nur diese eine!

DIETER POPP, Regionalberater

Heimatoffensive für Bayern

Konkrete Vorschläge des Landesvereins für Heimatpflege

Dr. Olaf Heinrich ist der Vorsitzende des Landesvereins für Heimatpflege. Foto: Altschönau

  Der Bayerische Landesverein für Heimatpflege schlägt eine „Heimatoffensive für Bayern“ im neuen Jahr vor. „Die Pandemie zeigt uns allen, dass wir Menschen nicht alles planen und kontrollieren können. Die Achtung vor der Schöpfung und das Anerkennen der Grenzen des Wachstums sollte daher im kommenden Jahr zu neuen Schwerpunkten der Landespolitik führen“, so der Vorsitzende des Landesvereins, der niederbayerische Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich zum Jahreswechsel. Konkret benennt er gemeinsam mit Prof. Dr. Günter Dippold, dem stellvertretenden Vorsitzenden und oberfränkischem Bezirksheimatpfleger, drei Handlungsfelder, in denen die Landespolitik gefordert ist.   Kulturlandschaft erhalten –  neue gesetzliche Grundlagen schaffen Seit Jahren werde zu Recht über die Notwendigkeit diskutiert, den „Flächenverbrauch“ zu reduzieren.

Auch im Jahr 2020 wurden in Bayern täglich mehr als 10 Hektar pro Tag aus der land- oder forstwirtschaftlichen Nutzung genommen um Straßen und Siedlungsflächen zu errichten. „Wir fordern ein neues Raumordnungsgesetz, in dem klare Vorgaben für das Flächensparen gemacht werden“, so der stellvertretende Vorsitzende Günter Dippold. Er verweist darauf, dass im Bundesland Oberösterreich im Dezember 2020 ein neues Raumordnungsgesetz beschlossen werde, das für Lebensmitteleinzelhändler zwei neue Vorgaben enthält: Sie müssen bei Neubauten von Lebensmittelgeschäften über 800 Quadratmeter den Großteil der Parkplätze unter dem Neubau errichten, und die Gebäude müssen zwingend mindestens dreistöckig gebaut werden. „Mit solchen Vorgaben setzt Oberösterreich ein klares Zeichen für den Erhalt der Kulturlandschaft und für die Begrenzung des Neubaus von großen eingeschossigen Hallen, wie sie in Bayern mehr und mehr das Bild des Landes dominieren“, unterstreicht Heinrich.   Erhalt lebendiger Ortszentren Durch den schleichenden Funktionsverlust der Ortskerne in kleinen und mittleren Orten verlieren die ländlichen Räume in Bayern ihr Gesicht. „Der Markt- oder Stadtplatz ist die Visitenkarte eines Ortes. Wenn hier historische Gebäude ungenutzt bleiben, Geschäfte und Gastronomiebetriebe schließen, dann führt dies zu einem großen Imageverlust für den betroffenen Ort“, argumentiert Heinrich, der selber seit 12 Jahren Bürgermeister einer Kleinstadt im Bayerischen Wald ist. Vor diesem Hintergrund fordert er drei Maßnahmen zum Erhalt lebendiger Ortszentren: Die von der CDU/CSU-Bundestagsfraktion angestoßene Debatte über eine Paketsteuer müsse intensiv weitergeführt werden. Der immer weiter zunehmende Onlinehandel führe zum Verlust von Arbeits- und Ausbildungsplätzen vor Ort, zu immer mehr Verkehr durch Paketdienste und oftmals zu einer Ausbeutung der Mitarbeiter seitens der großen Internetkonzerne. Der gesellschaftliche Mehrwert des stationären Einzelhandels als Versorger und als Kommunikationspunkt vor Ort müsse deutlich mehr gewürdigt werden. Die beiden Vorsitzenden fordern daher für 2021 Entscheidungen über verpflichtende Gebühren für die Rücksendung von Waren, eine Paketsteuer oder eine Erleichterung bei der Mehrwertsteuer für Waren, die im stationären Einzelhandel gekauft werden. Die Ausweisung von städtebaulichen Sanierungsgebieten nach § 136 Abs. 1 Baugesetzbuch solle deutlich erleichtert und durch die jeweiligen Bezirksregierungen offensiv unterstützt werden. „Sonderabschreibungen für Investitionen im Ortskern auch von kleinen und mittelgroßen Orten sind ein geeignetes Mittel, das die Menschen aus der Region dazu motiviert, vor Ort zu investieren. Gerade in der aktuellen Niedrigzinsphase können dadurch Finanzmittel in die ländlichen Räume gelenkt werden“, so Prof. Dr. Günter Dippold.

Die beiden Vorsitzenden des Landesvereins schlagen weiterhin vor, im Bayerischen Wohnungsbauförderprogramm einen Förderbonus für „neue Sozialwohnungen in alten Mauern“ einzuführen. „Der Freistaat Bayern fördert seit Jahren mit erheblichen Mitteln den Neubau von Sozialwohnungen. Gleichzeitig stehen in vielen Kernorten historische Häuser leer. Wir schlagen daher vor, die Revitalisierung von bestehenden Wohnflächen in Sanierungsgebieten mit einem Sonderbonus zu unterstützen“, so Olaf Heinrich. Aktuell erhalten Kommunen bei Neubauten oder Sanierungen bestehender Gebäude 30 Prozent Zuschuss, wenn dadurch neue Sozialwohnungen entstehen. „Die Innenstädte Bayern bekommen aber auch dadurch mehr Leben, dass die Wohnnutzung zunimmt. Wir schlagen daher vor, die Schaffung von Sozialwohnungen in leerstehenden Gebäuden in Sanierungsgebieten mit 40% zu bezuschussen. Der Bonus von 10% wird dazu beitragen, dass bestehende Bausubstanz revitalisiert wird. Dies führt zu einer Belebung der Ortskerne und reduziert den Flächenverbrauch“, argumentiert Dr. Olaf Heinrich.   Immaterielles Kulturerbe zu den Schülern bringen In Zeiten der pandemischen Einschränkungen setzten die Schulen mehr und mehr auf die digitale Vermittlung von Lehrinhalten. Diese Entwicklung könne das Kulturministerium nutzen, um die Vermittlung von immateriellen Kulturgütern zu forcieren und das Vereinsleben vor Ort zu unterstützen. „Wir schlagen vor, dass im Jahr 2021 jedem Schüler die Möglichkeit eröffnet wird, mit einem Vertreter eines regionalen Trachtenvereins oder eines ortsspezifischen Handwerksberufs, mit einem Volksmusiker oder einem Heimatpflegern eine Schulstunde zu Themen des immateriellen Kulturerbes zu erleben“, so Prof. Dr. Günter Dippold. Dies könne nicht nur eine willkommene Abwechslung während des „Homeschoolings“ sein, es biete auch den engagierten Ehrenamtlichen in allen Regionen Bayerns die Möglichkeit, junge Menschen direkt zu erreichen und sie für die Anliegen der Heimatpflege zu begeistern. „Dies ist gerade jetzt wichtig, weil viele Vereine massiv darunter leiden, dass alle traditionellen Veranstaltungen aktuell untersagt sind“, unterstreicht Olaf Heinrich. 

  Hintergrund Der Bayerische Landesverein für Heimatpflege e.V. kümmert sich seit seiner Gründung im Jahr 1902 um Heimat-, Denkmal- und Baupflege, Volksmusik, Bräuche, Trachten und Mundart in Bayern. Der Entwicklung des ländlichen Raumes als lebenswerte Heimat kommt dabei eine besondere Bedeutung zu. Dabei arbeitet der Verein als Dachverband der Heimatpflege in Bayern mit zahlreichen Institutionen und Einzelpersonen zusammen. Denn das Leitbild des Landesvereins, die Heimat zu schützen, bedeutet nicht nur, sie zu bewahren und zu pflegen, sondern sie auch verantwortungsvoll weiterzuentwickeln.         

Waldwirtschaft trotzt Klimawandel

Unsere Wälder müssen nach den Ausfällen der letzten extrem trockenen Jahren zügig in ungleichaltrige und standortangepasst auch nach Baumarten gemischten Jungbeständen neu aufgebaut werden. Dies ist am kostengünstigsten und naturgemäß vor allem über die natürliche Verjüngung vorhandener heimsicher Baumarten zu erreichen, empfiehlt Dieter Popp von der FUTOUR Regionalberatung in Haundorf. Dort wo keine der als zukunftsfähig angesehenen Baumarten für eine Verjüngung vorhanden sind, können auch Ergänzungspflanzungen erfolgen. Und zur natürlichen Wiederbewaldung größerer Kahlflächen ist das bewusste Zulassen eines Vorwaldes aus heimischen Pionierbaumarten einer aufwendigen Pflanzung eindeutig vorzuziehen. Unter deren Schatten und Binnenklima spendenden Schutzschirm wandern in der Regel die gewünschten Baumarten auch wieder ein. Aber selbst für  Ergänzungspflanzungen bietet sich der Schutz eines solchen Vorwalds als eine optimale Alternative an.

Angesichts immer dramatischer klingender Klagen der Waldbesitzerverbände und der Staatsforsten über die Folgen einer für unsere Breiten außergewöhnlichen Trockenheit und etwa 285.000 ha weitgehend abgestorbener Wälder in Deutschland werden die die Forderungen immer lauter, dass hier der Staat einspringen möge, um den schlimmsten Befürchtungen Einhalt zu gebieten. Nahezu eine Mrd. EURO haben der Bund und die Länder aber bereits zur Wiederaufforstung und anderer Schutzmaßnahmen bereitgestellt. Bislang sind davon aber erst geringe Anteile von Berechtigten abgerufen worden. So wichtig diese Maßnahmen auch sind, nicht immer werden sie zukunfts-orientiert und im Sinne einer naturnahen Wald-Entwicklung eingesetzt. Und es muss auch kritisch hinterfragt werden, ob vergleichbare Leistungen nicht auch ohne diese finanzielle Unterstützung aus Steuermitteln erreichbar sein werden. Denn die 285.000 ha sind ja weiterhin Wälder, nur mit einer  eigenständigen natürlichen Waldentwicklung.

Denn viele dieser Fördermittel werden in die Aufforstung mit aus Baumschulen kommendem Pflanzmaterial gesteckt. Hier besteht die große Gefahr des Ausfalls dieser empfindlichen Baumzöglinge unter den realen Klimabedingungen. kann dieses Aufforstungssystem aber wieder in eine Sackgasse führen. Aber es entstehen dabei, vor allem bei größeren Flächen erneut wieder gleichaltrige Waldbestände. Das Ziel sollten aber stufig aufbaute und entsprechend altersklassengemischte Waldbestände sein.

Dagegen können waldbauliche Maßnahmen, die auf eine natürliche Verjüngung mit auf sich selbst ansamenden Jungpflanzen setzen, widerstandsfähige Jungwälder mit tiefgründigen Wurzeln und einer am Standort bereits bewährten genetischen Veranlagung erzielen. Und nur auf diese Weise entstehen dauerhaft stabile Wälder mit einer kleinräumigen Struktur sowie dem immer wertvolleren kühlen Waldbinnenklima. Nur solche vielfältig widerstandsfähigen Wälder haben dann auch die Chance, mit ihren laufenden Holzzuwächsen den CO²-Anstieg in der Atmosphäre zu nutzen, um ihn langfristig in Biomasse und Boden zu binden.

Unsere heimischen Waldbäume passen sich wesentlich besser an die klimatischen Veränderungen an, als wir das wahrhaben wollen. So ist z.B. die aktuell zu beobachtende Streuung der trocknis-bedingten Laub- und Nadelverluste unserer Rotbuchen und Weißtannen auf deren unterschiedliche genetische Ausstattung und damit Trockenheitstoleranz zurückzuführen. Es fallen also nicht – wie beklagt – sogar die standortheimeichen Buchen und Tannen aus, sondern sie differenzieren sich gerade über eine erfolgreiche natürliche Verjüngung aus genetisch bereits angepasstem Saatgut! Die Waldbesitzer müssen das Vertrauen und den Mut in diese Selbstregulationskräfte der Natur setzen und sollten nicht aufgeben. Die in diesem Herbst sogar Laien sichtbar gewordenen Bucheckern-Mengen – eine sog. Not-Fruktifikation – birgt jetzt die große Chance, dass diese in ihren genetischen Anlagen bereits besser an die veränderten klimatischen Rahmenbedingungen an diesem Standort angepasst sind, als alle anderen hier ggf. künstlich einzubringenden Baumsetzlinge fremder Herkunft.

Da wird dann viel zu leichtfertig auf Exoten aus Nordamerika und Nordafrika (Douglasie, Sitkafichte, Küstentannen, Thuja, Sequoia, Omorika, Zedern u.a.), statt auf viele hier in Europa bereits in Trockenregionen bewährte und sich ständig genetisch anpassende standortheimische Baumarten zu setzen. Das wären neben den Weißtannen, Rotbuchen und Eichen  auch weitere klimarelevante Baumarten, deren natürliche Zuwanderung aus Südosteuropa ohnehin zu erwarten ist. Denn nahezu alle unsere Baumarten sind nach der Eiszeit um die östlichen Alpenausläufer aus der appeninischen Halbinsel oder dem Westbalkan zugewandert. Und daher könnten wir – um klimaresistentere Baumarten als Ergänzung ggf. zu pflanzen – gerade auf solche potenziellen Zuwanderer setzen. Dazu zählen u.a. die Zerr- und die Flaumeiche, die Manna-Esche, der Burg-Ahorn, die Hopfenbuche oder die illyrische Buche, die alle weit mehr Trockenheit verkraften als unsere aktuell heimischen Baumarten.

Es stehen uns also eine beachtliche Anzahl trockenresistenter Baumarten aus dem südosteuropäischen Genpool zur Verfügung, der Heimat all unserer Waldbäume. Warum dann mit allen Risiken in die Ferne schweifen….? Problematisch ist nämlich bei allen Exoten von anderen Kontinenten, dass diese – auch wenn sie schon Jahrzehnte bei uns eigeführt waren –  keine Symbiose mit dem für den Boden- und Wasserhaushalt wichtigen Mykorrhiza-Pilzsystem eingegangen sind.

Aber eines stellt eine unabdingbare Voraussetzung für die Wälder der Zukunft dar, unabhängig ob Pflanzung oder Naturverjüngung, ob standortheimische oder nicht standortangepasste Baumarten:
Der Wald braucht eine zielgerichtete waldorientierte Jagdausübung. Das Wissen um die erfolgreiche Umwandlung in klimastabile Wälder ist vorhanden. Es braucht dazu nur den Willen, dieses Wissen nun auch konsequent umzusetzen.

DIETER POPP, Fotour Regionalberater (dieter.popp@futour.com)


Neuer Dienstleister

Vitolus übernimt des Testzentrum Gunzenhausen

Ab dem 01. Januar wird das Corona-Testzentrum in Gunzenhausen von dem neuen Dienstleister Vitolus betrieben. Zukünftig kann ein Wunschtermin direkt online gebucht werden. 

Leider wurde ein erneuter Betreiberwechsel notwendig, weshalb Ende des Jahres eine erneute Ausschreibung erfolgte. Gewinner dieser Ausschreibung war der auf die Pandemiebekämpfung spezialisierte Dienstleister aus München Vitolus. 

Von Montag bis Freitag wird das Corona-Testzentrum in Gunzenhausen an Werktagen von 10.00 bis 16.00 Uhr geöffnet sein. Die ersten Termine sind also nach dem Jahreswechsel am 4. Januar möglich. Wer einen Termin zur Testung vereinbaren möchte, kann sich vorrangig online unter www.vitolus.de/wug registrieren. Im Anmeldeformular kann direkt ein Wunschtermin angeklickt und gebucht werden. 

Personen ohne Internetzugang können auch telefonisch einen Termin vereinbaren unter 089 904 212 661 (Montag-Freitag 10.00-18.00 Uhr).

Der Ablauf bleibt wie bisher: Die registrierte Person fährt mit dem Auto zu der vorgegebenen Uhrzeit in die Drive-In-Station an der Alemannenstraße 26, wo in einem ersten Schritt die persönlichen Daten und die Registrierung überprüft werden. Die Krankenversichertenkarte muss dafür mitgebracht werden.

Im zweiten Schritt nimmt das medizinische Fachpersonal durch das geöffnete Wagenfenster den Abstrich. Für den Test auf das Coronavirus muss das Auto nicht verlassen werden. Die Teststäbchen werden anschließend an das zuständige Labor gebracht. Das Testergebnis wird den Betroffenen digital per E-Mail oder SMS mitgeteilt. Sollte keine digitale Zustellung möglich sein, ist auch eine postalische Mitteilung über das Testergebnis möglich. Sollte ein positiver Befund vorliegen, werden Sie über das Gesundheitsamt kontaktiert.

Wer den Verdacht hat, sich angesteckt zu haben, soll in keinem Fall ohne Registrierung oder zu Fuß zum Testzentrum kommen. Dies ist zum Schutz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sehr wichtig.

Personen mit Symptomen sollen sich weiterhin an ihre Hausarztpraxis wenden oder an den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117.

Impfstart ist erfolgt

Erste Aktion im Feierabendhaus Büchelberg der Stiftung Hensoltshöhe

Impfstart in Altmühlfranken (v.re.): Klinikvorstand Christoph Schneidewin als Betreiber des Impfzentrums, die Heimleitung des Feierabendhauses, das mobile Impfteam um Dr. Bernhard Göttler, Koordinierungsarzt Dr. Peter Löw und Landrat Manuel Westphal. Foto: LRA

Am 26. Dezember wurde der erste Impfstoff gegen das Corona-Virus am Impfzentrum in Gunzenhausen angeliefert. Somit konnte pünktlich am 27. Dezember mit den ersten Impfungen begonnen werden. Vorerst werden mit hoher Priorität die Bewohnerinnen und Bewohner von Senioreneinrichtungen geimpft. Die erste Einrichtung war am Sonntag das Feierabendhaus Büchelberg.

Die erste Geimpfte im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen ist Schwester Frieda Krauss. Rund 60 Impfungen wurden am Sonntag bereits durchgeführt. Am Montag folgt dann als zweite Einrichtung das Burkhard-von-Seckendorff-Heim in Gunzenhausen. Nach und nach werden dann alle impfwilligen Heimbewohnerinnen und –bewohner geimpft. Dies richtet sich nach dem verfügbaren Impfstoff und den Rückmeldungen aus den Einrichtungen.

Geimpft wird durch das mobile Impfteam, das aus einem niedergelassenen Arzt sowie einer medizinischen Fachangestellten besteht. In den Einrichtungen wird ein letztes Aufklärungsgespräch mit den Impflingen geführt und anschließend geimpft. Eine medizinische Fachangestellte, die direkt am Impfzentrum tätig ist, stellt vor Ort den Impfstoff her und begleitet den Impfprozess administrativ. 

Zu Beginn können nur wenig Impfdosen an die Impfzentren ausgeliefert werden, so dass derzeit nur mobile Impfteams im Einsatz ist, um die Bewohnerinnen und Bewohner in Heimen zu impfen. Voraussichtlich erfolgen 2020 noch zwei Lieferungen mit jeweils rund 260 Impfdosen. Diese werden mit hoher Priorität an die Heimbewohnerinnen und –bewohner verimpft, die in die Impfung eingewilligt haben bzw. deren Betreuerinnen oder Betreuer. Sobald mehr Impfstoff geliefert wird, wird auch eine Terminvereinbarung für das Impfzentrum möglich sein. Das Klinikum Altmühlfranken als Betreiber des Impfzentrums wird darüber auf der Homepage www.impfzentrum-altmuehlfranken.de informieren.

„Ich bin froh, dass wir nun mit dem Impfen der Bewohnerinnen und Bewohner in den Einrichtungen anfangen konnten. Dies ist ein sehr wichtiger Schritt, um unsere Heime vor einem Ausbruchsgeschehen zu schützen. Ich hoffe, dass wir sehr schnell genügend Impfstoff geliefert bekommen, um auch die über 80-jährigen sowie das Personal in den Einrichtungen, Kliniken und dem ambulanten Pflegedienst zu impfen“, so Landrat Manuel Westphal.

Schlungenhöfer “Gänsrupfer”

“Alt-Gunzenhausen” mit Beitrag über Ortsgeschichte

„Die Gänsrupfer“ werden heuten noch die Schlungenhöfer im Volksmund genannt. In einem Reisehandbuch stand bereits 1789 zu lesen, dass in Schlungenhof „Herden schönster Gänse“ gehalten werden. Im Ort ist man sich der Tradition bewusst, wie unser Foto zeigt. Foto: Ella Reichardt

Markus Schober, der junge Ortssprecher von Schlungenhof, wandelt auf den Spuren gleichnamiger Gemeindevorsteher aus dem 19. Jahrhundert: Johann Leonhard Schober leitet die selbständige Gemeinde von 1846-1855 und Johann Georg Schober war von 1869-1875 der Gemeindechef. Diese Erkenntnis hat Siglinde Buchner, die ehrenamtliche Kreisarchivpflegerin, gewonnen. Sie skizziert im jetzt erschienenen Jahrbuch „Alt-Gunzenhausen“ wesentliche Facetten der Schlungenhöfer Ortsgeschichte.

Landwirtschaftlicher Grundbesitz in Schlungenhof wurde erstmals 1364 nachweisbar verliehen. Historikerin Siglinde Buchner geht aber davon aus, dass es den Ort schon zuvor gegeben hat.  Bis zum 15. Jahrhundert nannte sich die Siedlung Slummenhof, Slummenhofen oder Schlumpenhoff.  Die Namensgebung  könnte auf den Familiennamen Slump (1497) oder auf die Bodenbeschaffenheit („schlammiger Hof“) zurück gehen. In der ersten urkundlichen Erwähnung wird Hainrich Schauchman zu Guntzenhusen“ erwähnt,  der bei „Slumenhof“ einen Acker von der Ellwanger Reichsabtei zur Bewirtschaftung bekam. Sie besaß schon 1364 drei Anwesen im Ort, die an die Herren von Lentersheim verliehen waren.  Zu den Flurstücken gehörten die Rorachwiese, die Mertinswiese (heute: Märtelwiese), die Bühl- oder Brügelwiese, der Brücklins- oder Bürglinsacker, der Strigelacker, der Tanacker und die Sinderlache.

Die Autorin widmet sich in ihrer Darstellung umfassend den Grundherren von Schlungenhof, also der Reichsabtei Ellwangen, den Herren von Lentersheim (sie hatten in Neuenmuhr ihren Sitz).  Bis ins 16. Jahrhundert hinein veränderte sich an den Besitzverhältnissen wenig.  Es gab 27 Anwesen und ein Hirtenhaus. Allerdings wütete der Dreißigjährige Krieg schwer, mehr als die Hälfte der Häuser wurden zerstört. Die Glaubensflüchtlinge aus Österreich kamen und bauten neu auf.  Einige ihrer Namen waren:  Schmidtöhl, Baumgartner, Oberhäuser, Binder, Jungmair, Kern, Schauer, Thalmann und Waldschlager. Etliche Nachkommen gibt es heute noch.

1431 ging der Ort in den Besitz der Markgrafen von Brandenburg-Ansbach über. Schlungenhof lag strategisch günstig zwischen der Gunzenhäuser und der Lindenbühler Wildfuhr. Die Herrscher schätzten die wasserreiche Gegend, zumal sie dort Reiher und Kraniche jagen konnten.

Nach der Abdankung des letzten Markgrafen (1792) gelangte Schlungenhof in preußischen Besitz, 1806 wurde der Ort bayerisch und fünf Jahre später mit Laubenzedel zu einer Ruralgemeinde (Red: Landgemeinde aus verschiedenen Siedungsteilen) zusammengelegt. Als die Adeligen 1848 alle gutherrlichen Gewalten einbüßten, weil sie an den Staat übergingen,  wurden die Schlungenhöfer Bauern aus ihrer mehr als 900-jährigen Knechtschaft entlassen.

Die Lehenbücher der Reichsabteil Ellwangen und das älteste Gunzenhäuser Stadtbuch sind für die Wissenschaftler von heute bedeutsame Grundlagen, die Fischereiordnung von 1447 regelte beispielsweise die Nutzung der Fischwasser zwischen Aha und Muhr. Von Walburgi bis Jakobi war den Fischern „mit tauppeln und hammen“ (Kerschern) freie Hand gegeben, nur Reusen durften sie nicht „darein legen“.  Immerhin gab es damals noch reichlich Hechte, Karpfen, Elten, Barben, Arauschen, Persinge, Ruppen, Weißfische und Krebse.

Bei ihren Forschungen ist Siglinde Buchner, die zum festen Stamm der Autoren des Vereins für Heimatkunde Gunzenhausen zählt, auf einen besonderen Zeitgenossen gestoßen: Matthes Bauer, der vom ärmlichen Gänsehirtenjungen aus der Laubenzedeler Nachbarschaft zum reichen Kaufmann in Nürnberg mutierte. Der „mit Steinen belegte Fußsteig von Schlungenhof nach Laubenzedel wurde 1770 als „sehr nützlich gegen Unfälle“ gewürdigt.

Dass die Schlungenhöfer im 17. Jahrhundert auch Tabak angepflanzt haben, das geht aus einem markgräflichen Dokument von 1693 hervor. Die Schlungenhöfer lehnten aber den verlangten Zehnt ab. Nach dem herrschaftlichen Ansbacher Reskript war den privaten Tabakbauern der Anbau unter Auflagen erlaubt, verkaufen durften sie den Tabak nur außerhalb des Landes. Aber reich wurden die Schlungenhöfer mit dieser Sonderkultur nicht, denn ihre Böden waren zu nährstoffreich. Die Blätter blieben schwarz-grün und hatten einen zu hohen Salpetergehalt, mithin war der Tabak zum Rauchen zu stark.

Große weiße Vögel, die man in „dasiger Gegend“ sah, und die größer als eine Gans waren, nannte der Volksmund „Nimmersatt“. Sie gehörten zur Familie der Störche. Von ihnen wusste man, dass sie mit ihrem eine halbe Elle langen Schnabel sogar einen dreipfündigen Karpfen verschlucken würden. Der Markgraf ließ sich zwei dieser seltenen Vögel aus dem Entenpfuhl „gefangen und lebindig“ in die Sommerresidenz nach Triesdorf bringen.

In der „Oberdeutschen allgemeinen Litteraturzeitung“ schwärmte der Rezensent eines Reisehandbuchs von 1788: „In dem Weiler Schlungenhof findet man Herden schönster Gänse – von Schwanengröße und Schwanenweiße“.  Und die „Neuen wöchentlichen Nachrichten“ aus Göttingen waren begeistert von „Heerden von tausend, anderthalb tausend Stücken der schönsten Gänse“. Seither ist es für die Schlungenhöfer eine Ehre, als „die Gänsrupfer“ geneckt zu werden.

WERNER FALK

„Alt-Gunzenhausen“ gibt es im Buchhandel (Bestell- und Lieferservice), aber auch bei Getränke-Seifert in Schlungenhof und in der Raiffeisenbank Laubenzedel (15 Euro).