1200 „Zukunftsbäume“

Baumpflanzprojekt „1200 Zukunftsbäume für Gunzenhausen“

Vor 1200 Jahren wurde unser schönes Gunzenhausen erstmals urkundlich erwähnt und hat sich seitdem prächtig entwickelt. Damit die Stadt auch für unsere Kinder und deren Kinder lebenswerter Raum bleibt, möchten wir als zukunftsorientierte, umweltbewusste Verwaltung ein ganz besonderes Nachhaltigkeitsprojekt durchführen. In fachlicher Zusammenarbeit mit dem Landschaftspflegeverband Mittelfranken (LPV) wollen wir ab 2023 mindestens 1200 Obst- und Laubbäume in der Kernstadt und in den Ortsteilen pflanzen. Denn viel zu spät haben wir als Gesellschaft die Notwendigkeit eines zielgerichteten Schutzes erkannt. Neben dem Baumbestand hat die Biodiversität gelitten und wichtiger Lebensraum ist verloren gegangen. In Gunzenhausen haben wir bereits Gegenmaßnahmen ergriffen, beispielsweise werden Neueigentümer von Baugrundstücken mit Baumgutscheinen beschenkt, dazu auf städtischen Grundstücken regelmäßig Neu- oder Ersatzpflanzungen durchgeführt. 

Zum Stadtjubiläum sollen 1200 Bäume gepflanzt werden. Foto: StGun

Vom Jubiläumsjahrprojekt „1200 Zukunftsbäume für Gunzenhausen“ sollen möglichst viele Bürgerinnen und Bürger profitieren. Es locken u.a. attraktive Förderprogramme, wie das Landschaftspflegeprogramm, das bis zu 90% der Baumkosten plus Zubehör und Arbeitszeit finanziert. Bei einer Interessensbekundung wird sich der LPV mit den Antragstellerinnen und Antragstellern in Verbindung setzen und gemeinsam nach sinnvollen Lösungen bzgl. Baumsorten und Standorte suchen. Die Vorteile von neu gepflanzten Bäumen liegen auf der Hand: So leisten diese einen großen Beitrag zur biologischen Vielfalt, tragen – soweit es klassische Obstbäume sind – zum Fruchtsortenerhalt bei und erfüllen gleichzeitig den Generationenvertrag. Wir alle profitieren von den Pflanzleistungen unserer Großeltern. Gönnen wir unseren Enkeln einen ebensolchen Erfolg.

„Natürlich gibt es bei einem Projekt dieser Größenordnung auch Vorbehalte und Bedenken. So wird häufig gefragt, wer die Bäume pflanzen soll“, erläutert Wolfgang Eckerlein von der Tourist Information der Stadt Gunzenhausen. „Wir suchen bei jeder Pflanzung nach einer individuellen Lösung, z.B. gemeinsam mit Landwirten, Vereinen und Jugendlichen. Um die Pflege, also das Gießen und Schneiden, könnten sich auch Obst- und Gartenbauvereine, Baumkümmerer oder Bürgerinnen und Bürger kümmern, je nach Standort und Zugänglichkeit. Hier möchten wir ins Gespräch kommen und nach Lösungen suchen. Wir haben eine gesellschaftliche Aufgabe zu erfüllen. Packen wir es gemeinsam an!“

Jeder Baum trägt zur Sicherung des Lebensraums bei und verändert das Landschaftsbild. Was mit einer Pflanzung beginnt, kann später in gemeinsamen Pflege- und Ernteaktionen, beispielsweise mit Jugendlichen, fortgeführt werden und nach Jahren in Streuobstwiesenfesten auf Dorfebene einen vorläufigen Höhepunkt finden. „Wir freuen uns auf viele Ideen und Anregungen aus der Bevölkerung“, betont Wolfgang Eckerlein. „Zugegeben, jeder Baum macht Arbeit – die ist es aber auf jeden Fall wert und wir sind es unseren Kindern schuldig.“

Neben klassischen Laubbäumen und mittelfränkischen Obstsorten sind auch zahlreiche, weniger pflegeintensive Wildobstpflanzen förderfähig, darunter die Maulbeere, die Esskastanie oder die Mispel. Wichtig: Es sollen Hochstämme gepflanzt werden, der Platzbedarf pro Baum beträgt ca. 100 bis 120 Quadratmeter. Der Abstand zwischen zwei Bäumen sollte mindestens zehn Meter betragen.

Wer Interesse am Projekt „1200 Zukunftsbäume für Gunzenhausen“ hat, kann sich gerne über das Kontaktformular unter www.1200-gunzenhausen.de an den LPV oder die Stadt Gunzenhausen wenden. Nähere Informationen zu den staatlichen Förderprogrammen erhalten Sie unter www.lfl.bayern.de. Bitte beachten Sie: Nicht an jeder Stelle kann auch ein Baum gepflanzt werden. Auch eine Mindestpflege von Bäumen muss gewährleistet sein.“

Startschuss ins Jubeljahr

Eindrucksvolle Drohnen- und Lasershow am Gunzenhäuser Nachthimmel

Eine tolle Lasershow bot sich den Gunzenhäusern am Neujahrstag auf dem Marktplatz. Foto: StGun/Grosser

Mit einem Paukenschlag für Geschichtsfreaks, Technikfreunde und Fans opulenter Bilder ist am Abend des 1. Januar das Gunzenhäuser Jubiläumsjahr 2023 eingeläutet worden. 80 Drohnen zeigten sich von ihrer besten Seite und zauberten eindrucksvolle Bilder mit Bezug zur Stadtgeschichte an den Nachthimmel über der Altmühlstadt. Zeitgleich begeisterte eine ausgetüftelte Lasershow tausende Besucher auf dem Marktplatz. Erster Bürgermeister Karl-Heinz Fitz war dementsprechend beeindruckt: „Wir wollten das Festjahr mit einem Kracher beginnen. Ich denke, uns ist das mehr als gelungen!“

Über Monate haben die Drohnenspezialisten von DroneDreams aus Egenhofen an der Gunzenhäuser Jubiläumsshow gearbeitet. Themen aus der reichhaltigen Stadtgeschichte wurden im Laufe der Zeit zu digitalen Bildern, bereit von den Drohnen an den Himmel gemalt zu werden. Deren Flugbahnen mussten perfekt aufeinander abgestimmt werden, es galt eine passende Lande- und Flugzone zu finden, Lademöglichkeiten zwischen den Shows sicherzustellen und thematisch passende Leuchtmittel an den Drohnen anzubringen. Doch damit nicht genug: Für die Show selbst wurde ein aus Film und Fernsehen bekannter Synchronsprecher gewonnen – dessen Stimme gab dem Event nicht nur das gewisse Extra, es half sich auch mit allen Sinnen im Dargebotenen zu verlieren. Das Ergebnis war ein Stück moderne Science-Fiction auf und über dem Marktplatz. Die unzähligen Besucherinnen und Besucher erlebten Effekte auf höchstem Niveau, dazu ein fantastisches, durch Laser erzeugtes Farbenspiel und tolle, thematisch passende Musik. Eingeläutet wurden die beiden Shows jeweils durch einen visuellen Countdown, der in großen, digitalen Lettern an die Hausfassaden ausgewählter Bauwerke auf dem Marktplatz projiziert wurden. „Das Event wurde eigens für uns entwickelt“, freut sich Wolfgang Eckerlein von der städtischen Tourist Information. „Insgesamt waren 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Einsatz, darunter alleine zehn Ton- und Technikmitarbeiter. Die eingesetzte Technik war State of the Art, darunter moderne Laseranlagen mit hochwertigen Coherent Lasern und mehrere High Power Scheinwerfer mit Zoom und Gobo, die Bildinformationen perfekt transportieren können.“

Musikalisch eingeläutet wurde die Laser- und Drohnenshow schon vorher von den Lokalmatadorinnen und –matadoren der Gunzenhäuser Blous´n. Gute Laune war dementsprechend garantiert und ausreichend vorhanden, als Erster Bürgermeister Karl-Heinz Fitz mit seinem Grußwort den Startschuss ins Jubiläumsjahr gab. „Der Anfang ist gemacht und jetzt freuen wir uns auf ein abwechslungsreiches 2023 mit vielen Höhepunkten“, betont der Erste Bürgermeister. „Die Drohnen- und Lasershow hat unzähligen Menschen ein Lächeln ins Gesicht gezaubert und für einen Wow-Effekt bei Groß und Klein gesorgt. Wir freuen uns, dass das Event so gut ankam und dass der Marktplatz proppenvoll war.“

Nähere Auskünfte zum Gunzenhauser Stadtjubiläum erhalten Sie auf der eigens dafür eingerichteten Internetseite www.1200-gunzenhausen.de. Dort finden Sie auch alle Neuigkeiten und Events.

Ohne Verzicht geht es nicht

Hoffnung auf eine bessere Zukunft 2023

Seit einigen Jahren wage ich zu Beginn des jeweils neuen Jahres einen Blick auf die dann vor uns liegenden 12 Monate. 2020 hatte z.B. die „Generation Greta“ der „Generation Oma“ den Spiegel vorgehalten und massive Änderungen eines beklagten Wohlstandsdenkens angemahnt. Die Klimaleugner Trump, Bolsonaro und Morrisson (Australien) waren da noch an der Macht, die ohnehin immer nur von einem natürlichen Klimawandel sprachen. Aber trotz ihrer politischen Ablösung haben sich die globalen klimapolitischen Verhältnisse bislang kaum verändert und der – statt dem verharmlosenden „Klimawandel“ – deutlich zutreffendere Begriff einer Klimakatastrophe wird bisher noch meist vermieden. Immerhin stehen die Sicherung der als selbstverständlich angesehenen Lebensverhältnisse in den Bereichen Klima, Boden, Wasser und Luft nach wie vor nicht auf der politischen Agenda weit oben. Das hat mit brutaler Realität der vor allem von China zu verantwortende Misserfolg des Klima-Weltgipfels (COP27) von Scharm el-Scheich 2022 gezeigt. Da nützt der europäische „Green Deal“ ebenso wenig wie das US-Milliardenprogramm in eine Klimazukunft, wenn China – als weltweit größter Klimasünder – nun nicht mehr zu seiner verpflichtenden Verant-wortung aus dem Pariser Abkommen steht. Und wenn die daraus resultierende politische Isolierung Chinas alleine an der Vielzahl von ihm wirtschaftspolitisch abhängigen Verbündeten – obwohl selbst am stärksten unter der Klimaveränderung leidend – kläglich scheitert, dann sehen wir wie internationale Klimapolitik funktioniert und warum wieder wertvolle Zeit ergebnislos verstreicht!

Dieter Popp: „Die Natur interessiert sich nicht für politische Ränkespiele“

Die Natur interessiert sich nicht aber für solche politische Ränkespiele. Die Wissenschaft, das UBA und zahlreiche international tätige Organisationen haben seit Jahren deutlich gemacht, dass wir global nur noch die Zeit der Dekade von 2020 bis 2030 verfügbar haben, um wirkungsvoll klimapolitisch gegenzusteuern. Da ist jedes halbe Jahr, ja jeder Monat wertvoll, mit dem es gelingt tiefgreifend effiziente Veränderungsprozesse konkret einzuleiten. Es ist den Verantwortlichen auch bekannt, dass dies Prozesse sind, die uns allen sehr weh tun werden und die einen bisher sicher nicht gekannten solidarischen Verzicht auf bestimmte Wohlstandsattribute erforderlich machen.

Die Montrealer Konferenz 2022 zur Biodiversität hat dazu nochmals deutlich gemacht, wie stark die Zukunft der Erde – und damit auch der Menschen – von funktionierenden Ökosystemen abhängig ist. Und sie hat darauf hingewiesen, dass bestimmte Kippelemente wohl bereits überschritten sind. Das irreversible Abschmelzen von Meereseis und Gletschern wird dabei bereits als unumgänglich angesehen, vor allem weil wir aktuell auch nicht wissen, was die Schmelzwassermengen unter den globalen Eispanzern bereits bewirken. Es wurde daran erinnert, dass am Ende der letzten Eiszeit der Meeresspiegel durch eine Erwärmung von „nur“ 5°Celsius um etwa 120 m anstieg. Die aktuell gebundene Eismenge auf der Erde würde für einen erneuten Meeresspiegelanstieg um die 65 Meter ausreichen!

Das immer noch angestrebte globale Klimaziel von 1,5° Celsius werden wir aber schon nicht mehr halten können. Das haben die Ergebnisse vom Klimagipfel in Ägypten nachdrücklich gezeigt. Viele Wissenschaftler sehen angesichts der Erfolglosigkeit internationaler Klimapolitik daher eher eine Perspektive von 2,6 ° C und darüber. Wenn es daher nur zu einem Bruchteil des damit befürchteten Meeresspiegelanstiegs kommt, muss es allen an der Erhaltung unseres Lebensraums interessierten Menschen klar werden, dass selbst dieser „Bruchteil“ ein Ende zahlreicher vitaler Küstenregionen mit einer Vielzahl von Millionenstädten bedeutet. Denn technische Vorkehrungen gegen solche Dimensionen gibt es nicht und würden sie noch entwickelt werden können, stünden sie ohnehin nur wenigen Staaten zur Verfügung, die das dann auch finanziell stemmen können. Flüchtlingsströme in einem bisher nicht gesehenen Ausmaß wären aber die automatische Folge!

Vor diesem verzweifelten Hintergrund muss man die Motivation jener jungen Menschen sehen, welche nach der Erfolglosigkeit von Umweltverbänden, „Fridays for Future“ mit der „Generation Greta“ nun zu radikaleren Mitteln greifen und sich konsequent „Letzte Generation“ nennen. Sie sehen, dass national kaum noch etwas gegen diese drohenden Klimaveränderungen auszurichten ist. Sie nehmen wahr, dass selbst minimale sowie machbare Zugeständnisse nicht erfolgen. Daher resignieren sie angesichts der Tatsache, dass durch internationale Machtverflechtungen eine klimapolitische Kehrtwende in den uns verbleibenden wenigen Jahren ganz offenkundig nicht mehr realistisch ist! Wenn selbst das Bundesverfassungsgericht nun die Politik anmahnt beim Klimaschutz mehr tun zu müssen, sollte die Frage erlaubt sein, wer hier in der Verantwortung steht. Die in der puren Verzweiflung ob ihrer Zukunftsaussichten mit dem Rücken an der Wand stehenden Protestierenden der jungen Generation einerseits oder jene Menschen in der politischen Verantwortung andererseits, welche selbst eigene Gesetze nicht umsetzen oder gar missachten?
Auch wenn diese offensichtliche Ohnmacht sicher keinen rechtswidrigen Widerstand legitimiert, kann die unreflektierte Verurteilung bzw. Stigmatisierung dieser verzweifelten jungen Menschen keine adäquate Antwort der Politik sein!
Noch ist es aber Zeit, da mit einer starken EU sowie den sich wieder zukunftsfähig aufstellenden USA der klimapolitische Umschwung real noch erreicht werden könnte. Denn die Zeit spielt eindeutig für uns, weil der technische Fortschritt nun tatsächlich eine Energieversorgung ohne Kohle, Öl, Gas und Atom (bei dem wir ja auch wieder nur von autokratisch geführten Staaten abhängig wären) genau in diese Richtung zeigt. Klimapolitik bleibt Geopolitik, daher kann die konsequente Neuorientierung in erneuerbare Energien nun all jenen unschätzbare Marktvorteile, aber auch Lebensqualität bescheren, die offensiv auf diese Zukunftsenergie setzen.

Einen weiteren Rückschlag in diesem internationalen Kampf um das Überleben unserer Erde hat es in 2022 gegeben. Denn der mit nichts zu rechtfertigende Angriff des Putin-Regimes auf die Ukraine, bindet jetzt genau die finanziellen und personellen Ressourcen in unendlich zerstörerischer Energie, die für viele Lösungen der Klimaprobleme dringend benötigt werden! Daher ist es nicht nur das Weltklima, weswegen es seit Februar 2022 einen Epochenbruch – „Zeitenwende“ steht ja eher für eine zögerliche Politik – gegeben hat, mit dem das Völkerrecht mitten in Europa massiv verletzt wurde. Was haben wir da alles neu über Teile von Europa hinzulernen müssen. Wir haben erfahren, dass die Ukraine ein auf einer eigenen Geschichte beruhendes Volk im sich gerade dynamisch verändernden Grenzbereich byzantinisch-orthodoxer Kirchen ist. Wir wissen jetzt, dass die Ukrainer über eine sich eindeutig vom russischen unterscheidende eigenständige Sprache verfügen und dass in der Ukraine eine eher europäisch orientierte Kultur im Westen, der Mitte und dem Süden gelebt wird, während sich ein noch stark von lange andauernden russischen Kultureinflüssen dominierter äußerer Nordosten befindet. Man muss tief in die Historie des russischen Imperiums bis zum 15./16. Jahrhundert einsteigen, um auch die heute noch kommunizierten autokratischen Machtansprüche Moskaus ansatzweise nachzuvollziehen. Aber dann wird zumindest theoretisch transparent, warum die byzantinische Symphonie von Staat und Kirche dazu führte, dass in Russland das Ungleichgewicht zwischen einem dominanten Staat und einer schwachen Gesellschaft niemals zivilgesellschaftliche Strukturen ausbilden konnte. Und man wird auf ein im 16. Jahrhundert frei erfundenes kaiserliches Vermächtnis stoßen, nachdem Moskau der Anspruch zustehen soll, die ehemaligen Ländereien des Kiewer Rus (die heutige Ukraine und Weißrussland) zu beherrschen. Es ist tragisch, dass dies in der Tat einer der zentralen Gründe ist, warum sich Putin einem geopolitischen Verlust seiner Einflusssphäre so brutal mit militärischer Gewalt widersetzt und einen in Europa nicht mehr für möglich gehaltenen Angriffskrieg begonnen hat.
Wenn es EU und NATO gelingt, ihre Partner in der bisherigen Solidarität – mit allen daraus abzuleitenden Konsequenzen – zu halten, dann darf man wohl davon ausgehen, dass Putin diese Auseinandersetzungen nicht gewinnen kann, selbst wenn am Ende sein Imperium um eine weitere flächenmäßige Kriegsbeute – wie in dem schon seit etwa 350 Jahre anhaltenden russischen Imperialismus – vergrößert bleiben sollte.

Ungeachtet wie dieser Krieg nun noch ausgehen mag, es wird dann eine Ukraine daraus hervorgehen, die europäischer ist, als sie es vor diesem Überfall war. Es wird sicher auch eine Ukraine sein, welche die bisherigen und nicht zu unterschätzenden Probleme der Korruption besser in den Griff bekommt oder bekommen wird und die daher dann auch als ein sehr starker und selbstbewusst auftretender europäischer Partner den Weg in die EU suchen wird. Sicher wird sie beim Aufnahmeprozess keine Sonderregelungen erfahren, wenn der europäische Einigungsprozess nicht in Frage gestellt werden soll. Denn dieser ist -dazu reicht der Blick auf den Westbalkan – ohnehin schon schwierig genug.

Aber eines hat dieser Krieg auch gezeigt, denn nach der Flüchtlingswelle 2015 und den Corona-Belastungen seit 2020 haben wir eine weitere überwältigende Solidaritätswelle erlebt, hier in Deutschland, aber auch in der EU insgesamt. Es hat sich gezeigt, dass vor allem dieses europäische Netzwerk gut trägt, denn diese Solidarität ist immerhin ein bemerkenswerter Maßstab dafür. Das lässt zumindest hoffen, dass politische Fehlentscheidungen wie im Falle Ungarn, nun durch aktuelle Wahlentscheidungen in Schweden oder Italien nicht dazu führen werden, dass die große Richtung dadurch ins Wanken gerät. Wenn jetzt keine erheblichen handwerklichen Fehler in der Politik der EU gemacht werden, könnte ein durchaus europäisch geprägtes Zeitalter vor uns stehen.
Die Weichen in der Klimapolitik sind in Europa richtig gestellt, die Anziehungskraft für EU (und für den EURO – jetzt ist mit Kroatien der Schengenraum erweitert und ein weiteres EURO-Land dazugekommen) ist nach wie vor groß, wie die Zahl anstehender weiterer Bewerber zeigt.
Wieder mehr – vor allem junge  – Menschen fühlen europäisch und sehen neben Europa vorwiegend ihre Region, aber immer weniger ihren Nationalstaat als identitätsbildende Merkmale an. Die Folgen des Brexit machen das sich vom Kontinent abgewendete Großbritannien zu einem Fallbeispiel dafür, wie man sich in der Attraktivität und in der globalen Einflusswirkung Europas täuschen kann. Wir sollten froh darüber sein, mit der Ukraine mittelfristig einen bedeutenden europäischen Partner zu gewinnen, auch wenn der Wiederaufbau des Landes sowie die demokratische Integrierung große Herausforderungen darstellen werden.

Und ein abschließender Blick auf die Bilanz der „Begrüßungszeremonie“ für das neue Jahr fällt leider wieder einmal sehr ernüchternd aus. Trotz einhelliger Warnungen der Ärzteschaft, der Krankenkassen, des Pflegepersonals, der Polizeigewerkschaft, des Umweltbundesamtes, der Umwelt- und Naturschutzverbände und trotz eines eindeutigen Votums der Bevölkerung wurden erneut – trotz 70- bis 100-prozentiger Preisaufschläge – wieder Millionen verpulvert. Und der Respekt vor den Flüchtlingen aus der Ukraine oder anderen Kriegsgebieten hätte es eigentlich zusätzlich eingefordert, über sensiblere Formen von „Neujahrstraditionen“ nachzudenken.
Offenbar ist aber auch die Energiekrise doch noch nicht durchgeschlagen, wenn erneut 120 Millionen Euro trotz negativer ökologischer, ökonomischer und sozialer Folgeschäden für diesen fragwürdigen Zweck ausgegeben werden können.

Regionalberater Dieter Popp (Haundorf)

Alles Gute zum neuen Jahr

Das Brauchtum zum Jahreswechsel

Was bringt wohl das neue Jahr? Man mag an die große Weltpolitik denken, an den weltweit notwendigen Klimaschutz, den kriegerischen Konflikt in der Ukraine oder die fürchterlichen Naturkatastrophen. Aber natürlich wird sich jeder Gedanken machen, wie es mit seinem Leben und dem seiner Familie weitergeht.

Die  aufgeklärten Menschen des 21. Jahrhunderts rühmen sich, alle im Griff zu haben. Und doch müssen sie erkennen, dass ihnen das nicht immer gelingt. Sie müssen nicht an übersinnliche Dinge glauben, aber sollten auch in Demut hinnehmen, dass nicht alles von Menschenhand zu steuern ist. Vielen hilft der Glaube weiter. Dass es zuweilen auch der Aberglaube sein kann, das bestätigen die alten Bräuche, die sich mit dem Jahreswechsel verbinden.

Die Illustration „Neujahrsgruß des Merkendorfer Nachtwächters

Bereits im Mittelalter versuchten die Menschen, Einfluss auf das kommende Schicksal zu gewinnen.  Alfred Kriegelstein hat in seiner Brauchtumssammlung für Mittelfranken die Sitten und Gebräuche aufgelistet. Demnach waren Lärm und Getöse mit Glockengeläut, Lichterschein und Feuerwerk angetan, um die bösen Geister zu vertreiben. Das Knallen und Lärmen kannte mit der Zeit keine Grenzen mehr, so dass sich beispielsweise 1664 die Stadt Nürnberg veranlasst sah, ein Verbot auszusprechen. Und nach einer markgräflichen Polizeiverordnung von 1568 war das „nächtliche Singen zusammengerotteter Kinder und junger Leute“ am Neujahrstag verboten. Sonderbar stehen wir heute vor der gleichen Situation. Für den Umgang mit dem Feuerwerk haben die Städte eine Reihe von Reglementierungen erlassen. Aber immer noch gibt es in der Silvesternacht das Glockenläuten auf den Dörfern und an manchen Orten wird auch heute noch vom Posaunenchor das neue Jahr „angeblasen“.

Magische Bedeutung hatten – so bemerkt der Autor Alfred Kriegelstein, der u.a. Lehrer in Spalt und Ramsberg war – in der Vergangenheit wohl die Glück- und Segenswünsche verbunden mit reichlich Essen und Trinken. In Ornbau beispielsweise war der Stadtrat zu einem Festmahl eingeladen – ein schöner Brauch, dessen Vitalisierung sich heutzutage so mancher Kommunalpolitiker  vorstellen könnte.  Das Neujahrswünschen  war früher auf den Dörfern gute Tradition. Der Verfasser erinnert sich, dass ihn im Knabenalter sein Vater nach dem Gottesdienst zu etlichen Familien mitgeschleppt hat, wobei es dann  – natürlich nur für die Erwachsenen – vielfach einen Kartoffelschnaps gegeben hat. Später war es ihm erlaubt, ins Gasthaus zu gehen, wo der Wirt am „Altjohroumd“ traditionell für alle „Saure Zipfel“ servierte. Untereinander wünschte man sich per Handschlag „a guerds neis Jahr“. Noch in den sechziger Jahren standen die Kinder vor der Haustüre und sagten ihr Sprüchlein auf: „A gsunds neis Johr/Gib merr gleich mei Wor/konn net lang steh/muss glei widder geh“. Ein anderes lautete so: „Ich bin ein kleiner Mann/der nicht viel wünschen kann/ich wünsch euch alles Glück/was Gott vom Himmel schickt“. In vielen Dörfern zog der Posaunenchor am ersten Tag des neuen Jahres umher und spielte an etlichen  Stellen den Choral „Nun danket alle Gott“.

Der Gunzenhäuser Heimatforscher Dr. Heinrich Marzell hat 1954 in der Zeitschrift „Bayerland“ den alten Bauernkalender bemüht, um an die Bräuche zu erinnern. In den Tagen „zwischen den Jahren“, also von Weihnachten bis Dreikönig, durfte nach dem Aberglauben kein Holz gespalten werden, denn  soweit der Hall geht, sollte im kommenden Jahr kein Obst wachsen.  Man sollte auch keine Schuhe schmieren, sonst musste man im neuen Jahr „am Vieh schmieren und einreiben“, also vor Krankheiten schützen. In diesen zwölf Nächten durfte auch keine Wäsche aufgehängt werden, denn damit würde man die Häute des Viehs aufhängen, sprich das Vieh würde verenden. Ein anderes Orakel besagt: Man legt in der Silvesternacht ein Gesangbuch unter das Kopfkissen und macht beim Aufwachen in der Nacht ein Eselsohr an besagter Stelle. Am Morgen sieht man nach: Ist ein frohes Lied aufgeschlagen, dann  bringt das Freude im neuen Jahr. Ist  es aber ein trauriges Lied, dann gibt es reichlich Kummer. Der Glock & Lutz-Verlag in Nürnberg hat 1973  ein Büchlein mit dem Titel „Vom Aberglauben in Franken“ aufgelegt. Daraus wird zitiert: „Am Silvestertag darf man die Stube nicht auskehren, da man sonst das Glück für das ganze Jahr mit hinauskehrt.“  Ein weiterer guter Ratschlag: „An Silvester soll man siebenerlei Speisen essen, damit das Geld nicht ausgeht.“

WERNER FALK

Andersdenkende nicht „missionieren“

Zum Jahreswechsel äußert sich der Europapolitiker Dr. Ingo Friedrich

Wir alle leiden inzwischen unter den intensiven und vielfältigen Spaltungen der Gesellschaft: Zwischen Rechts- und Linksaußen zwischen Klimaschützern und Klimaleugnern, zwischen alten weißen Männern und modernen Gendervertretern, zwischen Effizienzmanagern und sich selbst verwirklichenden Familienmenschen, zwischen Akzeptanten der Flüchtlingszuwanderung und den Besorgten, die den Untergang der eigenen Kultur befürchten.

Dr. Ingo Friedrich, Gunzenhausen

Der Streit zwischen diesen Lebenshaltungen eskaliert sogar innerhalb des Freundes- und Familienkreises und ist eine Fehlentwicklung, die gestoppt werden muss.  Eine nüchterne Analyse kommt doch sehr schnell zu dem Schluss, dass in fast jeder dieser Haltungen zumindest ein Körnchen Wahrheit steckt und wenn das so ist, sollten alle bereit sein, die anders Denkenden nicht zu verteufeln, sondern in aller Ruhe darüber zu reden, wie es weiter gehen kann. Konkret: wir müssen aufhören, „die Anderen“ missionieren zu wollen, weil es unsere Pflicht wäre, die Abweichler auf den „richtigen Weg“ zu führen, eventuell sogar mit Zwang. Wir müssen aufhören, davon zu schwadronieren, dass die Welt untergeht, wenn sich „die Anderen“ durchsetzen.

Statt zu missionieren, muss in einer demokratisch fairen Weise über alles offen diskutiert werden und dann sollten konsensfähige Entscheidungen getroffen werden. Diese werden in der Regel Kompromisse sein, die auch immer wieder mal neu justiert und angepasst werden müssen.

Ein endgültiges Richtig oder Falsch hat sich immer erst durch den Lauf der Geschichte in der Praxis erwiesen und das wird auch im Jahr 2023 so bleiben. Manche Sprachfragen sollten allerdings dem sich selbst entwickelnden Sprachgebrauch ohne staatliche Eingriffe überlassen werden.

Insgesamt sind in unseren Diskussionen mehr Gelassenheit und Nüchternheit gefragt, eine Haltung, sich anbahnende neue Entwicklungen weder als endgültige Heilsbringer noch als drohende Untergangsymbole zu definieren. Eine grundlegende Hoffnung, dass sich auf Dauer das zukunftsweisende und das für die Menschen Richtige durchsetzen wird, ist dabei sicher kein falscher Ratgeber.

Also: mehr zuhören und weniger missionieren.

Die Magier aus Babylon

Musical wird am 6. Januar in Kalbensteinberg aufgeführt

Szene aus dem Musical „Weg vor mir“ von 2017 in der Kalbensteinberger Rieter-Kirche. Foto: Thomas Müller

Das neue Musical „Stern der Sterne“ aus der Feder von Dekan i. R. Helmut Müller wird am 6. Januar in Kalbensteinberg aufgeführt.

Der in Haundorf lebende Ruhestandspfarrer begeisterte bereits in den vergangenen Jahren mit den Musicals „Weg vor mir“ (2016) und „Was auch sein wird“ (2017), die u.a. bei den Kirchentagen am Hesselberg aufgeführt wurden. Sein neuestes Werk „Stern der Sterne“ ist in den Corona-Jahren entstanden und wird nun – passend zum Thema – am Dreikönigstag, den 6. Januar, in der Kalbensteinberger Rieter-Kirche aufgeführt.

Völlig neu erzählt Helmut Müller das bekannte Evangelium von den „Weisen aus dem Morgenland“ in lebendigen Szenen und Liedern, die von Solistinnen und Solisten, Chor und Band unter Leitung von Alfred Hofmann gestaltet werden.

Die Magier aus Ekbatana und Babylon betreten die Szene – und die spannende Geschichte ihrer besonderen Entdeckung und der darauffolgenden weiten und gefährlichen Reise zum fernen Jerusalem nimmt ihren Lauf.

Die Kirchengemeinde Kalbensteinberg lädt herzlich zu der eineinhalbstündigen Aufführung ein. Der Eintritt ist frei, Beginn ist um 18 Uhr.

Mit „Elbtonal Percussion“

Gunzenhäuser Konzertreihe ist am 29. Januar


Wenn vier urgewaltige Schlagwerker eine Bühne in ein Epizentrum musikalischer Außergewöhnlichkeit verwandeln, dann bestehen gute Chancen, dass gerade Elbtonal Percussion am Werk sind. Das Hamburger Akustik-Ensemble widmet sich mit viel Körpereinsatz meisterhaften Stücke aus der Klassik, kann bei Bedarf aber auch modern. Das Besondere: Zum Einsatz kommen Trommeln, Becken, Schellen und alle anderen Gegenstände, die in der Lage sind Rhythmus und Klang zu erzeugen. Wer Krach vermutet, wird zarte Klänge ernten, die jedoch unerwartet und schlagartig zum Orkan werden können. Elbtonal Percussion ist eine virtuose Urgewalt und tritt als Teil der 2. Gunzenhäuser Konzertreihe am Sonntag, 29. Januar 2023, um 19.30 Uhr in der Stadthalle auf.

Seit Mitte der 1990er-Jahre tourt Elbtonal Percussion durch die globalen Lande und ist dabei regelmäßig zu Gast bei international renommierten Festivals. Zahlreiche Schlagzeugstars lassen es sich nicht entgehen, einmal im Musikleben mit Elbtonal Percussion performen zu dürfen. Die Bühnenshow ist ein Erlebnis und nicht nur für Klassikfans eine Reise hinter den gewohnten Musikhorizont. In Gunzenhausen öffnet das Quartett ein paar neue Soundscapes
und mimt sogleich den Reiseführer. Bereiten Sie sich vor, auf ein Musikerlebnis, das mit allen Sinnen genossen werden kann.

Elbtonal Percussion tritt in Gunzenhausen im Rahmen der 2. Gunzenhäuser Konzertreihe auf. Der Auftritt wird von den Vereinigten Sparkassen Gunzenhausen unterstützt und ist Bestandteil des Klassik-ABOs 2022/2023. Einzelkarten können zudem im Vorverkauf und an der Abendkasse erworben werden.
Nähere Informationen zur 2. Gunzenhäuser Konzertreihe erhalten Sie unter www.gunzenhausen.info, beim städtischen Kulturamt direkt, oder per Tel. 09831/508 109 bzw. E-Mail an kulturamt@gunzenhausen.de.

Kehrbezirk wieder besetzt

Bestellung Bezirksschornsteinfeger auf den Kehrbezirk WUG 6

Ab dem neuen Jahr ist der Kehrbezirk WUG 6 wieder besetzt: Armin Fischer aus Ellingen wurde von der Regierung von Mittelfranken zum 01. Januar 2023 als bevollmächtigter Bezirksschornsteinfeger bestellt.

Der Kehrbezirk Weißenburg-Gunzenhausen 6 umfasst weiterhin die Stadt Pappenheim mit allen Gemeindeteilen außer Übermatzhofen, die Gemeinde Solnhofen mit allen Gemeindeteilen sowie die Ortsteile Laubenthal, Rothenstein, Suffersheim, Hammermühle und Potschmühle der Stadt Weißenburg.

Mit Ende des Jahres 2012 wurde das damalige Kehrmonopol in weiten Teilen aufgehoben. Seit dem Jahr 2013 können Eigentümer den Kaminkehrer für die vorgeschriebenen Kehr- und Überprüfungsarbeiten frei wählen (freier Schornsteinfeger). Eigentümer müssen die vom freien Schornsteinfeger durchgeführten Arbeiten dann beim bevollmächtigten Bezirksschornsteinfeger nachweisen.

Grundsätzlich werden die Schornsteine und Abgasanlagen in regelmäßigen Abständen vom Schornsteinfeger gereinigt. Für Ofenrohre und Verbindungsstücke, die nicht kehrpflichtig sind, ist der Eigentümer selbst verantwortlich. Diese sollten zur eigenen Sicherheit regelmäßig gereinigt werden, denn starke Verunreinigungen können schnell zur Gefahr werden. Durch einen Abgasrückstau etwa kann es zu einer Kohlenmonoxidvergiftung oder durch zu viel Ruß im Schornstein zu einem Schornsteinbrand kommen.

Weitere Informationen zum sicheren Heizen gibt es auf der Homepage des Bundesverbandes des Schornsteinfegerhandwerks unter www.schornsteinfeger.de.  Informationen zum Schornsteinfegerwesen im Landkreis und den 14 Kehrbezirken sind auf der Homepage des Landratsamtes unter www.landkreis-wug.de/umwelt/schornsteinfegerwesen zu finden.

Impfzentrum schließt

Ab dem 1. Januar 2023 werden bayernweit alle Impfzentren auf Weisung der bayerischen Staatsregierung geschlossen. Auch das Impfzentrum in Weißenburg ist davon betroffen und schließt zum Jahreswechsel.

Personen, die sich ab dem 1. Januar gegen das Corona-Virus impfen lassen möchten, haben nach wie vor die Möglichkeit eine niedergelassene Arztpraxis im Landkreis aufzusuchen.

Bitte beachten Sie, dass auch erforderliche Zweit- oder Auffrischimpfungen nicht mehr am Impfzentrum in Weißenburg durchgeführt werden können. Mit dem schriftlichen Impfnachweis, der nach einer Impfung am Impfzentrum ausgestellt wurde, können Zweit- oder Auffrischimpfungen auch problemlos bei Ihrem Hausarzt durchgeführt werden.

Sternenhimmel am Hahnenkamm

Faszination der Nacht an drei Standorten

Bürgermeisterin Susanne Feller vor einer der Tafeln, mit der das neue Projekt der Himmelsbeobachtung erläutert wird.

Die Marktgemeinde Heidenheim bietet als erste Kommune in Altmühlfranken einen aktiv kommunizierten Standort, um den Sternenhimmel – unbeeinträchtigt von störendem Lichteinfall – beobachten zu können. Susanne Feller, Heidenheims 1. Bürgermeisterin bezeichnete den Parkplatz unterhalb der Katharinenkapelle bei Hechlingen als einen von nur drei Standorten auf dem Hahnenkamm, an denen weitgehend ohne Fremdlichteinfall das faszinierende Sternenfirmament erlebt werden kann. Denn nach Sonnenuntergang kann man in Europa nur noch an ganz wenigen Standorten natürliche Dunkelheit als ein besonderes Naturerlebnis wahrnehmen. Die Zersiedlung, ein immer intensiver ausgebautes Straßennetz und das Zusammenwachsen der einzelnen Orte zu Siedlungsbändern oder gar riesigen Ballungsräumen führen dazu, dass zu viel künstliches Licht die Nacht zum Tage macht. Ein Blick von der die Erde umkreisenden Raumstation ISS macht deutlich, wie intensiv gerade in Mitteleuropa überschüssiges künstliches Licht den Nachthimmel aufhellt.
Einer dieser ganz wenigen Orte, an dem in unserer Region die Nacht noch Nacht sein kann, ist in der Tat der Bereich um die Katharinenkapelle bei Hechlingen.am See. Hier stört so gut wie kein Fremdlichteinfall, daher kann man bei unbedecktem Himmel an diesem Standort das Sternenfirmament und vor allem die Milchstraße sehr gut beobachten. Um dieses Erlebnis noch zu optimieren, wurde dort durch die Marktgemeinde zusätzliche eine Sternenliege installiert, die es den interessierten Gästen und Besuchern ermöglicht, den Sternenhimmel Hahnenkamm besonders
eindrucksvoll zu erleben. Dafür reicht der Blick mit dem bloßen Auge bereits aus. Aber noch eindrucksvollere Bilder liefert ein Fernglas oder gar ein mitgebrachtes Teleskop. Schon alleine mit bloßem Auge sind in einer klaren
mondlosen Nacht bereits über 4.000 Sterne zu erkennen. Das heute an kaum einem Standort in unserer dicht besiedelten Landschaft noch mögliche Beobachten eines solch dunklen Sternenhimmels stellt immer wieder ein faszinierendes Erlebnis dar. Es sollte daran erinnert werden,dass letztlich die Gestirne eine zentrale Grundlage für die Entstehung der Navigation oder des Kalenders darstellten.

Der Sternenbeobachtungspunkt an der Katharinenkapelle ist also keine ausgestattete Sternenwarte, sehr wohl aber eine Warte, die ein intensives Beobachten des Nachthimmels ermöglicht. Hinweise dazu werden an der Katharinenkapelle über Informationstafeln geboten, die auch auf Möglichkeiten verweisen, wie dieser Nachhimmel durch geeignete Fototechnik festgehalten werden kann.
Eine Beobachtungsgarantie bietet der Standort aber nur, wenn ein unbedeckter Nachthimmel vorhanden ist. Dieses dann erlebbare Himmelspanorama verändert sich dann auch im Laufe des Jahres, wozu es auf den Infotafeln entsprechende Hinweise, aber auch wertvolle Links gibt. Denn mittlerweile werden solche Sternenbeobachtungen auch über Apps unterstützt, bei denen auch Laien sich einen guten Überblick über die Sternenvielfalt am Himmel machen können. 1.Bürgermeisterin Susanne Feller hat diesen ersten Sternenbeobachtungspunkt in Altmühlfranken auch mit der Erwartung eröffnet, dass sich daraus evtl. später einmal ein „Sternenpark Hahnenkamm“ ergeben kann. Denn das bedeutet dann, dass auch in allen Kommunen einer solchen Region ihr gesamte Nachbeleuchtung darauf abstimmen, dass kein unnötiges Licht entsteht und vor allem kein Licht zum Himmel abstrahlt. Diesen Weg sind z.B. schon die Region um die Winkelmoosalm oder Teile der Rhön gegangen. Die Finanzierung des Sternenbeobachtungspunktes erfolgte durch Regionalbudget-Mittel aus dem Bereich der Ländlichen Entwicklung, welche über die ILE-Region Fränkisches Seenland-Hahnenkamm zur Verfügung gestellt wurden.

DIETER POPP, Regionalberater

Die International Dark-Sky Association (IDA) hat weltweit rund 40 Regionen aufgelistet, in denen künstliches Licht gebannt und der dunkle Nachthimmel geschützt wird. In Deutschland gibt es vier solcher Sternenparks (Rhön, Winkelmoosalm, Westhavelland und Eifel). Mit der Auszeichnung verpflichtet sich die Region um die konsequente Reduzierung von Lichtverschmutzung. Ziel ist es, durch eine umweltverträglichere und optimierte Beleuchtung die natürliche Nachtlandschaft zu bewahren und Lichtverschmutzung zu reduzieren. Die Kommunen, die sich zur Teilhabe an einem Sternenpark entschieden haben, setzen hierfür gezielt ein.