Nachruf auf Diethelm Schoen

Beliebter Kommunalpolitiker der FDP ist 85-jährig gestorben

Gunzenhausen hat am 21. Dezember von dem langjährigen FDP-Stadtrat und Kreisrat Diethelm Schoen Abschied genommen. An der Trauerfeier nahmen viele einstige Kollegen vom Simon-Marius-Gymnasium, ehemalige Stadtratskollegen, Mitstreiter der FDP, Landrat Gerhard Wägemann und Bürgermeister Karl-Heinz Fitz teil. Der Rathauschef war einst Schüler von Diethelm Schoen. Er wandte sich mit sehr persönlichen Worten an die trauende Familie. Ebenso sagte Tochter Uta ein vielfaches „Danke“ an ihrem lieben Vater. Die Anteilnahme gilt der Witwe Gertraud sowie den Töchtern Uta und Angelika und Sohn Christoph mit ihren Familien. Pfarrer Claus Bergmann skizzierte das Lebensbild des Verstorbenen: „Er war ein froher und humorvoller Mensch.“

Stadtrat Werner Falk (FDP) wandte sich in seiner Trauerrede an die Familie und die Öffentlichkeit:

Wir sind vereint in der Stunde der Trauer, aber auch das Dankes. Dank dafür, dass wir so lange mit Diethelm Schoen in guter Gemeinschaft sein durften. So wäre es nicht falsch, aus dem Trauergottesdienst einen Dankgottesdienst zu machen.

Die FDP im Landkreis verneigt sich vor einem edlen Freund, der von ihr gegangen ist. Liberalität war für Diethelm Schoen nicht nur politisches Programm, sondern Lebensmotto und eine Frage der Haltung.

Diethelm Schoen war über viele Jahrzehnte das Aushängeschild der Freien Demokraten in der Stadt und im Landkreis.  Wenn ich sage, dass er fünf Jahrzehnte der Partei angehört hat und lange Zeit ihr Ortsvorsitzender war, dann ist das nur eine nüchterne Zahl. In der Nachfolge des in Gunzenhausen unvergessenen Lehrers und Patrioten Karl Meidert war Diethelm Schoen von 1967 bis 2008 (mithin 41 Jahre) Stadtrat – so lange wie kaum ein anderer in der Nachkriegsgeschichte. Dem Kreistag gehörte er von 1972 bis 1996 und von 2002 bis 2008 an.

Unser Freund Diethelm war gleichsam das personifizierte liberale Gewissen der Stadt. Die bayerische Philosophie des Lebens und Leben-lassens war für ihn weniger Ausdruck eines barocken Stils als das Bekenntnis eines aufrechten Demokraten zur Toleranz.  Er verkörperte die Freiheitlichkeit in Gedanken und Werken glaubwürdig.

Als Stadtrat meinte er nicht, jeden Kanaldeckel kennen zu müssen und von parteipolitischen Ränkespielen hielt er sich fern. Seine historischen Kenntnisse und sein Wissen qualifizierten ihn als kulturpolitischen Berater. Gern war er Kulturreferent des Stadtrats. Und auch ohne den Titel galt er als der „Kulturpapst“ Gunzenhausens.

Diethelm war für Unsereinen immer ein großer Gewinn. Es war mir – und sicher auch vielen anderen – ein Vergnügen, mit ihm in entspannter Atmosphäre über die Zeitläufte reden zu können.  Auf sein abgewogenes Urteil konnte man sich stützen. Er war uns auch deshalb so sympathisch, weil er sich nicht zu wichtig nahm. Wir kennen alle an sein geflügeltes Wort: Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern, wenn ich es heute besser weiß!

Es steht mir nicht zu, Diethelm Schoen als Lehrer am Gymnasium zu würdigen, aber ich darf sagen, dass er eine überragende Lehrerpersönlichkeit war. Er hat Tausenden von jungen Menschen die Demokratie als die beste aller Staatsformen gelehrt.  Vor dem Hintergrund aktueller politischer und gesellschaftlicher Entwicklungen im In- und Ausland  erscheint das heute als sehr wichtig.

Wir verneigen uns heute vor einem Menschen, der uns als Sympathieträger in Erinnerung bleiben wird. Diethelm hatte für jeden ein gutes Wort übrig. Dass er ein exzellenter Witze-Erzähler war, möchte ich anfügen. Seine Gespräche mit  mir hat er immer mit dem neuesten Witz begonnen, wobei er ein glänzender Interpret jiddischer Witze war. So hat er stets eine angenehme Gesprächsatmosphäre geschaffen. Nachdenklich, aber auch spontan und impulsiv haben wir ihn erleben dürfen.

Im Namen der liberalen Familie verabschiede ich mich von ihm mit einem Wunsch seiner ehemaligen Schülerin Heidi Lüther: „Möge seine Seele in die unergründliche Weite fliegen und ihren Platz finden.“

One Thought on “Nachruf auf Diethelm Schoen

  1. Alexander Liebel on 31. Dezember 2018 at 10:55 said:

    Wir verneigen uns in Respekt und Anerkennung vor einem großen fränkischen Liberalen, dessen Haltung und Wirken weit über „seine“ Stadt hinaus geschätzt wird.

    Vielen Dank an Werner Falk für die Würdigung von Diethelm Schoen.

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