Simon Marius und seine Forschung

Der neue Forschungsstand wird in einem Buch festgehalten

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Die 15jährige Kunstschülerin Maria Dementeva von der Jugendkunstschule „Obraz“ in Protwino bei Moskau hat Simon Marius nach der Vorlage des einzig vorhandenen Porträts gemalt, allerdings mit künstlerischer Freiheit. Deshalb liegen vor ihm nicht sein Fernrohr und sein Buch, sondern der Orbitalplan der vier großen Jupitermonde. In der Hand hält er eine Beschreibung des Kometen.

Das Simon-Marius-Jahr ist 2014 auch in Gunzenhausen begangen worden. Und das mit gutem Grund, denn schließlich ist der berühmte Astronom in der Altmühlstadt geboren worden. Die Nürnberger Astronomische Gesellschaft  hat mit 66 Kooperationspartnern rund 60 Veranstaltungen angeboten, die sich in mehr als 250 Medienberichten niedergeschlagen haben. Zudem ist das Marius-Portal in vielsprachiger Menüführung eingerichtet worden (simon-marius.net). Die Website ist inzwischen die umfangreichste Präsentation zu Simon Marius, der als Mathematiker in den Diensten der Ansbacher Markgrafen stand.

Der jetzt in der Akademischen Verlagsanstalt Leipzig (AVA) erschienene Band „Simon Marius und seine Forschung“ (Herausgeber sind Hans Gaab und Pierre Leich) ist zugleich der 57. Band in der Reihe „Acta Historica Astronomiae“. Er ist für 34 Euro im Buchhandel erhältlich (ISBN 978-3-944913-40-0). Er fasst die mehr als zehn Beiträge einer Tagung  „Simon Marius und seine Zeit“ in Nürnberg zusammen und weist somit den aktuellen Forschungsstand auf.

Simon Marius wird gern der fränkische Galileo Galilei genannt. Der Streit, wer die Jupitermonde zuerst entdeckte, währt schon lange. Die Autoren des Buches wollen keinen inquisitorischen Prozess führen oder die liebe gewordenen Wissenschaftsmythen fortzusetzen, sondern ganz einfach um eine wissenschaftsgeschichtlich faire Behandlung von Simon Marius. Sie wollen nicht mehr und nicht weniger als diese Festschreibung: „Simon Marius war ein Zeitgenosse von Galileo Galilei und er hat von Franken aus ähnlich wichtige Beiträge zu unserem modernen Weltbild geliefert wie der Mann aus Pisa.“

Simon Marius wurde am 10. Januar 1573 in Gunzenhausen geboren. Wie Stadtarchivar Werner Mühlhäußer nachweisen kann, war Großvater Michael Mayr ein Büttner und Ratsmitglied. Vater Reichart (später: Reinhard) fungierte 1585 als Amtsbürgermeister und war somit höchster Repräsentant der Stadt. Die Mutter war Veronica Fischer aus Cronheim. Sie starb früh, so dass sich Mayr mit der Wirtstochter Elisabeth aus Sammenheim verehelichte.  Beide starben 1599 als Opfer einer Seuche.  Simon war das siebte und letzte Kind aus der zweiten Ehe (sein Bruder Jakob war Pfarrer in Gräfensteinberg und Pfofeld).

Der Meinheimer Lehrer und Pfarrer Georg Vogtherr führte ihn quasi in die Astronomie ein. Es aber mehr Legende als Wahrheit, dass der 13-jährige Simon dem Markgrafen Georg Friedrich durch seinen Gesang so stark beeindruckte, dass ihn dieser nur deswegen in die Fürstenschule im Kloster Heilsbronn aufnahm. Nicht bewiesen ist, ob er in Königsberg studierte, wohl aber in Prag und Padua (Medizin). Nach seiner Rückkehr aus Italien tafelte er 1606 in seiner Geburtsstadt mit den Räten, die ihm zu Ehren ein Festmahl gaben.  Als Mathematiker und Mediziner fand er im Ansbacher Hof eine Anstellung. Dort heiratete er Felicitas Lauer, mit der er sieben Kinder hatte. Im Jahr 1614 veröffentlichte er seine Fernrohrbeobachtungen  in seinem Hauptwerk „Mundus Iovialis“. Schüler des Simon-Marius-Gymnasiums Gunzenhausen haben es 1988 unter Anleitung ihres Lehrers Joachim Schlör ins Deutsche übersetzt. Simon Marius starb am 26. Dezember 1624. Er war „ein eifriger Verehrer der Religon“, der 19 mal die Bibel durchgelesen hat, wie Johann August Vocke im „Ansbacher Todten-Almanach“ schreibt.                                                                                                              WERNER FALK

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