Das erste Auto

Eichstätter „Sammelblatt“ mit heimatkundlichen Beiträgen

Das Titelbild der Publikation zeigt in der Mitte “Isi” Frey mit seinem Opel-“Laubfrosch” und Freunden vor der Willibaldsburg Eichstätt.

Der Historische Verein Eichstätt hat in diesen Tagen sein „Sammelblatt“ 2020 (112. Jahrgang) herausgebracht, wobei der Titel der Schriftenreihe eine gewaltige Untertreibung ist, denn die heimatkundlich Publikation auf 176 Seiten ist natürlich mehr als nur eine Ansammlung von Blättern. Sieben Autoren widmen sich lokalgeschichtlichen Themen.

„Das erste Auto auf Eichstätts Straßen“ handelt von der Veränderung der Mobilität in der Altmühlstadt und geht von der Kutschenzeit bis hin zu den „heißen Öfen“ der Automobilisten heutiger Tage. Autor Josef Ettle bringt einen Eichstätter „Kilometermillionär“ in Erinnerung: Isidor Frey. Der Globetrotter war nicht nur Omnibusunternehmer, sondern auch Seifensieder und Amateurlandwirt. Sein Vater hatte eine Lohnkutscherei.  „Isi“, wie die Eichstätter das 1985 verstorbene Original liebevoll nannten, hat sozusagen Kraftfahrzeuggeschichte geschrieben. Seine weiteste Exkursion führte ihn 1929 mit einer Busgesellschaft 17 Wochen lang ins Heilige Land und in den Nahen Osten. Und weil es damals noch kein Handy gab, waren die Angehörigen daheim ratlos und sie jammerten: „Den Frey und seine Reisegesellschaft haben die Wilden aufgefressen“. Isi war ein durchtriebener und pfiffiger Zeitgenosse, von dem die alten  Eichstätter viele Episoden erzählen können.

Das Jahrbuch geht auch dem „Totschlag auf der Schafblöße in Dollnstein“ nach, einem heftigen Streit unter den Dorfburschen der Nachbarschaft (Autor: Hermann Bauch). Die Serie „Das Eichstätter Notgeld“ setzt Josef Schönwetter fort. Angesichts der Billionen von Dollars und Euros, die aktuell für die Aus- und Nachwirkungen der Coronapandemie fällig sind, ergibt sich beinahe schon ein Bezug zu den Unsummen der Inflationszeit in den zwanziger Jahren.

„Vom Viehbetrieb beim Blumenbesuch“ der der Beitrag von Prof. Dr. Konrad Tyrakowski betitelt, der sich mit einer Auseinandersetzung zwischen Schernfeld und Obereichstätt um Weiderechte im Spätmittelalter beschäftigt.

Ein Epitaph („Der stein des Jakob“) auf dem Eichstätter Ostenfriedhof untersucht Prof. Dr. Günther Blaicher und die Ordensschwester Dr. Maria Magdalena Zunker hat im ungeordneten Bestand des Klosterrichteramts der Abtei St. Walburg zu „Not und Armut im Hochstift Eichstätt im 18. Jahrhundert“ geforscht.

Das „Sammelblatt“ 2020 (ISSN 0936-5869) ist über den Historischen Verein zu beziehen (E-Mail: verwaltung@histver.de).

WERNER FALK

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