Zurückversetzt in eine andere Zeit

„Max, der Radler“ ist unterwegs im Hesselberg-Land

So präsentiert sich das Land am Hesselberg: Ruhe liegt über der Landschaft, die noch landwirtschaftlich geprägt ist. Foto: FR Presse

Für die Serie des Altmühl-Boten tritt „Max, der Radler“ kräftig in die Pedale und erkundet das Fränkische Seenland samt Umgebung auf zwei Rädern. In diesem Beitrag hat es ihn erneut in Richtung Hesselberg gezogen. Start seiner Tour ist Wittelshofen.

 Wer in dieser frühlingshaften Zeit, beglückt von den ersten sonnigen Tagen des Jahres, das Land um den Hesselberg zu seiner Radtour wählt, der wird reichlich entlohnt. Ich liebe die Stille dieses Landes. Sie unterscheidet sich durchaus von der Betriebsamkeit in den Kerngemeinden des Fränkischen Seenlands. Stundenlang fahre ich entlang von ausgewiesenen Radwegen, leider muss ich auch auf Straßen unterwegs sein, auf denen der Luftdruck der Laster mich zur Seite drückt. Aber in der Regel herrscht nur wenig Verkehr. Ausflugsverkehr wie an den Seen gibt es hier nicht. Mich beglückt es, dass mein flüchtiger Gruß im Vorbeifahren von den Menschen erwidert wird, die gerade die Straße kehren, auf dem Gartenbänkla die warmen Sonnenstrahlen genießen, auf dem Schlepper sitzen oder auf der Baustelle werkeln. Ich fühle ich mich irgendwie zurückversetzt in eine andere Zeit.

An der Kirchenmauer von Burk lehnen die zehn Gebote – ein Beitrag der Konfirmanden für die Gemeinde. Foto: FR Presse

Wittelshofen empfiehlt sich als Ausgangspunkt schon allein deshalb, weil ich hier am Gasthaus „Wörnitzgrund“ mein Auto abstellen kann. Und nach der Rückkehr freut sich der Wirt natürlich auf meine Einkehr, allerdings erst um 17 Uhr. Ich entscheide mich für eine 24 Kilometer lange Tour, die mich über Untermichelbach, Dorfkemathen, Langfurth, Matzmannsdorf, Burk, Beyerberg, Grüb und Dühren wieder zum Ausgangspunkt zurückführt. Am Ende registriere ich eine reine Fahrzeit von 1:34 Stunden, aber natürlich bin ich zweieinhalb Stunden auf der Strecke, denn ich gönne mir viele Pausen, um die Eindrücke auf mich wirken zu lassen.

In Untermichelbach überquere ist den Fluss. Ein Blick auf die Radkarte verrät mir, dass es der Sulzbach ist – und nicht die Wörnitz. Schon nach drei Kilometern komme ich am Sulzachhof vorbei, einem riesigen Bauernhof mit schwarz-bunten Kühen. Gigantische Traktoren mit ebensolchen Feldgeräten begegnen mir. Idyllisch ist nur mehr die Landschaft, die wirtschaftliche Situation der Bauern ist anders. Dorfkemathen lasse ich links liegen, was nicht verächtlich gemeint ist.  Bald bin ich in Langfurth, wo ich mich als „Sulz“-Liebhaber ärgere, denn das Gasthaus „Grüner Baum“ bewirbt auf seiner Tafel „hausgemachte Tellersülze ab 16 Uhr“. Ich bin aber zu früh dran, rede mir aber ein, Wirtshaus nicht geografisch wie sprichwörtlich links liegen zu lassen.  Dem Hinweisschild, das mich nach Matzmannsdorf führt, entnehme ich eine zweite Langfurther „Location“, die sich „Zweite Heimat“ nennt.

Mit seinen 1200 Einwohnern ist Burk ein eher stattlicher Ort inmitten der kleinen Dörfer. Das Rathaus hat einen gebührenden Platz: gleich neben der Kirche. Wie ich der Gedenktafel entnehme, ist das Gebäude das Geburtshaus von Georg Friedrich Christian Bürklein (1813-1872), dem Erbauer des Maximilianeums in München. Der in Burk geborene Architekt und Städtebauer entwarf das Ensemble der Maximilianstraße, der heutigen Promi-Meile, ferner die Eingangshalle des Münchner Hauptbahnhofs. In die Kritik des bayerischen Königs geriet er wegen seines „Kachelofenstils“, so dass der Dresdner Baumeister Gustav Semper sein Nachfolger wurde. Friedrich Bürklein stark in einer oberfränkischen Heilanstalt in geistiger Umnachtung. Sein Bruder Eduard war ebenfalls Architekt. Er schuf das Fürther Rathaus, die Synagoge in Heidenheim und die Schranne in Weißenburg.  Kaum habe ich die Kirche betreten, setzt ein Orgelspiel ein. Hier hat einst meine Freundin Inge auf Geheiß ihres strengen Pfarrers die Hauptstücke heruntergerasselt. Ich bin ganz gerührt, aber nicht so vermessen zu glauben, der Kantor würde mir zu Ehren ein kleines Konzert geben. An der Kirchenmauer gefallen mir die alten Dachziegel, die handschriftlich an die zehn Gebote erinnern. Wunderbar saniert worden ist auch das benachbarte Pfarrhaus.

Steil bergan strebe ich Beyerberg an. Gefühlt sind es 20 Prozent Steigung. Ich darf gar nicht daran denken, wie es wäre, hier ohne Elektroantrieb hinaufkeuchen zu müssen. Dennoch tut mir danach die Verschnaufpause geht. Auf einer alten gefällten Eiche strahle ich die Nachmittagssonne an – und die wärmt mich wunderbar. Der Panoramablick ist phänomenal. Königshofen an der Heide mit seinem hohen Kirchturm ist eine Landmarke, daneben macht sich Bechhofen breit.

Imposant erscheint mir in Beyerberg die Kirche. Inmitten des Dorfes hat sie ihren gebührenden Platz. Mit kommt aus Konfirmandenzeiten das Matthäus-Wort in den Sinn: „Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen.“ Umgeben ist das leider verschlossene Gotteshaus vom Friedhof und seiner mächtigen Mauer. Drei schwere Glocken flankieren meinen Weg.  Freunde haben mir geraten, den „Kapellbuck“ mit seinen herrlichen Streuwiesen zu besuchen oder beim „hortus insectorum“ von Markus Gastl vorbeizuschauen. Der Weltenbummler hat einen verzaubernd wilden Garten angelegt. Ich aber verschiebe die Begegnung mit dem „Insektenparadies“ auf ein anderes Mal – versprochen!

Ich nehme nicht den Radweg nach Ehingen, sondern will in die „Pampa“. Aber erst einmal stoppt eine Schafherde meine Tour. Sehr diszipliniert und von zwei Hunden flankiert überqueren sie den Weg. So komme ich vorbei an vielen Streuobstanlagen nach Grüb und Dühren, zwei kleine Wittelshofener Ortsteile. Die Obstbauern am Hesselberg lassen nichts verkommen, sie liefern ab, damit die Menschen in der Region die guten „hesselberger“-Produkte genießen können.  Bevor ich weiterradle halte ich an, um die einmalige Stimmung in einer so friedlichen Landschaft fotografisch einzufangen. Ich komme nach Dühren, dessen Dorfbild durch einige Neubauten nicht gerade in seinem landschaftstypischen Wert gesteigert wird. Es ist mit 30 Seelen übrigens die kleinste evangelische Kirchengemeinde in Bayern.

Die kräftigen Sonnenstrahlen, die ich auf einer Wirtshausbank an der Wörnitz genieße, stimmen mich zufrieden und ich nehme mir fest vor: Das war nicht meine letzte Hesselberg-Tour.

Es grüßt Euch: Max, der Radler

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