Fränkisches Gelbvieh ist Arche-Passagier

Erfolgreich in das internationale Slow Food-Projekt aufgenommen

Das Fränkische Gelbvieh wurde am Rande der großen Slow Food-Messe in Stuttgart in die internationale Liste der „Arche des Geschmacks“ von Slow Food aufgenommen. Mit diesem Biodiversitäts-Projekt werden mittlerweile über 1.00 regional wertvolle Lebensmittel, Nutztierarten und Kulturpflanzen vor dem Vergessen und Verdrängen gerettet. Aufgenommen werden vor allem solche  Arten, Rassen oder Lebensmittel, die unter den gegenwärtigen ökonomischen Bedingungen am Markt nicht bestehen könnten oder evtl. „aus der Mode gekommen„ sind.

Regionalberater Dieter Popp

Slow Food Altmühlfranken freut sich, dass sie sich mit dem Fränkischen Gelbvieh an diesem großen über den gesamten Globus gespannten Projekt an dieser verantwortungsvollen Aufgabe beteiligen kann. Das Gelbvieh-Projekt wurde gemeinsam mit der Regionalgruppe Hohenlohe-Franken vorbereitet und wird nun auch weiter gemeinsam betreut.

Um in die Liste der Arche-Passagiere aufgenommen zu werden, muss dessen Existenz bedroht sein, es muss eine einzigartige geschmackliche Qualität beinhalten, eine historische Bedeutung, die Tiere sollten artgerecht gehalten werden und die Produkte auch käuflich erwerbbar sein. Mit dem Wissen, dass biologische Vielfalt regionale Wurzeln besitzt, bewahrt die „Arche des Geschmacks“ das kulinarische Erbe der Regionen. Bisher sind in Deutschland 64 Passagiere in die Arche-Liste aufgenommen worden. In Bayern zählen dazu 23, unter anderem Augsburger Huhn, Bamberger Hörnla, Ismaninger Kraut, Ostheimer Leberkäs sowie das Allgäuer Braunvieh und das Murnau-Werdenfelser  Rind.
Der Freistaat Bayern unterstützt das Arche-Projekt mit dem Bewusstmachen der bayerischen Arche-Passagiere und der Aufnahme in die Datenbank regionaltypischer Spezialitäten (www.spezialitaetenland-bayern.de ).

Mit der Aufnahme in die Arche-Liste beginnt aber erst die eigentliche Arbeit. Nachdem diese sehr genügsame Rinderrasse trotz ihrer hohen Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche Klima- und Haltungsbedingungen,  ihres sehr ruhigen Temperaments und der sehr guten Mutterkuheigenschaften infolge des Strukturwandels in der Landwirtschaft immer mehr anderen auf Hochleistung gezüchteten Rassen weichen musste, hängt ihre weitere Existenz an der Leidenschaft ihrer Tierhalter und Bauern. Hier kann und will Slow Food Hilfestellung und Unterstützung bieten.

Zum einen wissen die Verbraucher zu wenig über diese uralte fränkische Rinderrasse und deren besondere Qualitäten, sowohl bei Milch- wie bei Fleischprodukten. Und zum anderen werden im Fachhandel – soweit dort überhaupt Gelbvieh angeboten wird – keine Unterschiede gemacht. Es werden Milchprodukte vom eigenen Hof oder Fleisch aus Weidehaltung angeboten. Zwar stellt dies schon eine hervorgehobene Positionierung dar, aber es erfolgt kein Hinweis auf diese besondere fränkische Rinderrasse mit ihren speziellen Qualitätseigenschaften. Hier wird Slow Food ansetzen und sowohl eine Bewusstseinskampagne wie auch gezielte Marketingaktionen für das Fränkische Gelbvieh starten.

Bei gerade einmal 1.500 reinrassigen und im Herdbuch geführten Tieren – darunter nur rund 250 Fleischrinder –  stellt dies eine sehr schwierige Aufgabe dar. Diese Erfahrungen haben auch schon die Halter anderer seltener Rinderrassen machen müssen, die selbst mit 1.000 vermarkteten Tieren pro Jahr Schwierigkeiten haben, sich den Regeln und Wünschen des Handels anzupassen. Daher sind alternative Formen eines offensiven Marketings notwendig, um den Produkten des Fränkischen Gelbvieh die vorhandenen Nischen des ja existierenden Spezialitätenmarkts umfassend zu öffnen.
Dieser Weg setzt aber voraus, dass sich die wenigen und von Idealismus getragenen Halter bzw. Züchter des Fränkischen Gelbvieh auf eine gemeinsame Vorgehensweise einigen. Nur dann wird es möglich sein, die Gelbvieh-Produkte für die Kunden gesondert zu markieren. Und nur dies wird dann auch dazu führen, dass die Verbraucher bereit sind, für so authentisch ausgewiesene fränkische Qualitätsware einen höheren Preis zu zahlen. Gelingt dies, dann könnte diese Anerkennung als „Arche-Projekt“ mittelfristig auch dazu führen, dass diese urfränkische Rinderrasse wieder eine Zukunft erhält und wir auch wieder öfters die gelben Rinder des Frankenvieh auf unseren Weiden sehen.

In Altmühlfranken wird mit dieser offensiven Bewusstseinskampagne bereits begonnen. Slow Food wird  am 4. Mai einen Fränkischen Gelbvieh-Menüabend im Landgasthof Schäferhof in Enderndorf am Brombachsee anbieten, damit sich die interessierten Kunden über diese besondere fränkische Lebensmittel-Qualität umfassend und aus erster Hand informieren können.

Slow Food Altmühlfranken
Dieter Popp, 91729 Haundorf, Vogelherdweg 1
altmuehlfranken@slowfood.de, Tel. 09837-975708

Slow Food Altmühlfranken wurde 2012 gegründet und widmet sich dem Bewusstsein für die vor Ort noch vorhandenen bäuerlichen Erzeuger sowie das Lebensmittel verarbeitende Handwerk. Die höchste Zahl selbst schlachtender Metzgereien in einem bayerischen Landkreis, eine Vielzahl an Mühlen und noch selbst backende Bäckereien oder die 15 handwerklichen Brauereien  zeugen von dieser Qualität, die es zu erhalten gilt. Damit all diese Produkte eine erlebbare Bühne erhalten und um zu unterstreichen, dass sie ihren Preis wert sind, bemüht sich Slow Food um die Sicherung dieser Lebensqualität.

 

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