Analyse: Islam und Rechtsextreme

Wie beide Lager unsere Demokratie gefährden

Extremismus und Terroranschläge nehmen weltweit zu und auch in Deutschland steigen Angst, Verunsicherung und Wut auf die Täter. Wie leicht fällt es da, Freiheitsrechte gegen mehr gefühlte Sicherheit aufzugeben. Aber spielen wir da nicht den Extremisten in die Hände? Die Extremismusforscherin Julia Ebner hat sowohl Rechtsextreme als auch Islamisten getroffen und ihre interne Kommunikation in geheimen Online-Netzwerken erforscht. In „Wut. Was Islamisten und Rechtsextreme mit uns machen“ liefert sie eine brandaktuelle Analyse, wie beide extremistischen Lager sich wechselseitig verstärken und unsere Demokratie gefährden. Das Buch erscheint am 8. März im Theiss Verlag.
Der Extremismus ist auf dem Vormarsch in Europa und den USA. In Deutschland etwa sind politisch motivierte Strafdelikte und Terror-Ermittlungsverfahren derzeit auf einem neuen Höchstniveau angekommen. Laut Bundeskriminalamt wurden im Jahr 2016 insgesamt 1698 rechtsmotivierte Gewalttaten und 995 Straftaten gegen Asylunterkünfte gezählt. Etwa 23.100 Personen sind in rechtsextremen Organisationen aktiv, die Hälfte davon werden als gewaltorientiert eingestuft. Gleichzeitig hat sich die Zahl der bundesweiten Salafisten seit 2010 auf ungefähr 8000 verdoppelt, davon knapp 700 gewaltbereite „Gefährder“.
Es stellt sich die Frage, ob sich westliche Demokratien in eine Spirale der Wut ziehen lassen, die sowohl Islamisten als auch Rechtsradikalen zugutekommt. Die Extremismusforscherin Julia Ebner beschäftigt sich länderübergreifend mit Gruppierungen unterschiedlicher Ausrichtung. Mit gezielten Undercover-Recherchen und Gesprächen mit Radikalen beider Seiten zeigt sie, wie sich die Strategien von Islamismus und Rechtsradikalismus wechselseitig ergänzen und verstärken. Mit hetzerischer Rhetorik – online wie offline – schüren sie Hass und treiben einen Keil in die Gesellschaft: die eigene Gruppe wird zum Opfer, die andere zum Feind. Die Autorin behandelt die Frage, ob der von beiden Seiten als „unvermeidbar“ propagierte Krieg zwischen dem Islam und dem Westen zur realen Gefahr wird. Sie geht den Ursachen der wechselseitigen Radikalisierung auf den Grund und zeigt, wie Extremisten Angst, Verunsicherung und Wut instrumentalisieren.

Julia Ebner: „Wut. Was Islamisten und Rechtsextreme mit uns machen“, Theiss Verlag – WBG; Aus dem Englischen von Thomas Bertram;  320 Seiten; Klappenbroschur; 19,95 Euro; ISBN 978-3-8062-3701-6; erscheint am 8. März 2018

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