Das Blaue Schloss von Obernzenn

Eine kleine Reise durchs Markgrafenland

Das Blaue Schloss von Obernzenn, vom Schlossgarten aus gesehen.

Während Markgraf Carl von Brandenburg-Ansbach, heute im Volksmund als Wilder Markgraf bekannt , auf der Falkenjagd in Triesdorf oder Gunzenhausen seinem großen Hobby nachging, besorgte sein Hofrat und Minister Christoph Ludwig von Seckendorff-Aberdar die Regierungsgeschäfte in Ansbach. Dies aber nicht im defensiven Sinn als Verwalter, indem er lediglich auf Aufträge wartete. Seckendorffs Arbeitsplatzbeschreibung lautete auf Projektemacher. Er leitete viele Initiativen selbst ein und führte sie durch. Seckendorff blieb aber gleichwohl weiterhin Hofrat im Auftrag des Kaisers in Wien, eine Stelle, die er schon vor seiner Ansbacher Zeit am preußischen Hof in Berlin ausübte. Dort, in Berlin, ließ sich Seckendorff vom dem damals angesagten Künstler Antoine Pesne gleich einem Fürsten selbst, wie der Historiker Arno Störkel aus Würzburg meint, malen. Dieses großformatige Gemälde hängt heute in der Barockausstellung des Gemanischen Nationalmuseums in Nürnberg. Nach seiner Ansbacher Zeit ließ er sich auf dem Stammsitz der Seckendorff in Oberzenn nieder und zeigte schließlich sein Können und seine Vorstellungen: Dem Blauen Schloss fügte er einen repräsentativen Westflügel an, der das Haus – vorher eher als Teil einer ehemaligen größeren Baugruppe – optisch zu einer eigenständigen Dreiflügelanlage erweiterte und dem ganzen mit einem Bildersaal die Krone aufsetzte. Das Blaue Schloss kann heute bei Führungen besichtigt werden, die der Nachkomme des Hofrats, Rainer Graf von Seckendorff-Aberdar, selbst organisiert. Tel.09844/978475. Quelle: Arno Störkel, unveröffentlichtes Manuskript über Markgräfin Friederike Louise, Würzburg 2017 und Edith Schoeneck, Der Bildersaal im Blauen Schloss zu Obernzenn, Ansbach 1997.
CARL-ALEXANDER MAVRIDIS

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