Vom Ornament zum Staatssymbol

Vortrag von Dr. Elisabeth Fuchshuber-Weiß in Hainsfarther Synagoge

Die blau-weiße Fahne mit dem Davidstein ist das Symbol der Zionisten und Sinnbild für den 1948 neu entstandenen Staat Israel. Ein magisches Schutz- und Abwehrzeichen war der Davidstern aber schon in vorchristlicher und vorislamischer Zeit. Die Nationalsozialisten missbrauchten ihn als „Judenstern“ und stigmatisierten damit Millionen von Menschen. Die Neuendettelsauer Historikerin Dr. Elisabeth Fuchshuber-Weiß skizzierte bei einem Vortrag in der Synagoge Hainsfarth den Weg von der Ornamentik bis zum Staatssymbol. Seit zehn Jahren hat sich die frühere Direktorin des Ansbacher Platengymnasiums in die Materie vertieft.

Dr. Elisabeth Fuchshuber-Weiß

Das Hexagramm besteht aus zwei blauen, ineinander verwobenen gleichseitigen Dreiecken. Es geht auf König David, also in vorchristliche Zeit, zurück.  Das „Schild Davids“, wie der Davidstern auch genannt wird, tritt erstmals im 13. Jahrhundert in Prag als jüdisches Fahnenemblem auf.  Über Böhmen, Süddeutschland und Preußen fand es allgemeine Verbreitung. Seit dem Mittelalter (damals tauchte das Hexagramm auch im Zunftzeichen der Brauer auf) gibt es eine latente Judenfeindschaft. Im Erfurter Dom ist beispielsweise der Josef in einer Krippendarstellung mit Judenhut zu sehen.

Theodor Herzl skizzierte die weiße Fahne mit sieben goldenen Sternen. Sie war die Vorläuferin der offiziellen blau-weißen Fahne mit dem Davidschild, die 1897 erstmals auf dem zionistischen Kongress in Basel präsentiert wurde.  Damals kam auch die Forderung auf, die Zionisten sollten in Palästina eine nationale Heimstätte bekommen. Das Symbol der Zionisten ist dann 1933 zum offiziellen Banner erklärt worden. Nur wenige Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs ist der Davidstern 1948 zum Sinnbild für den neu gebildeten Staat Israel und zum Markenzeichen jüdischen nationalen Bewusstseins geworden.

Die Nationalsozialisten bedienten sich des „Judensterns“ in vielerlei Hinsicht. Dr. Elisabeth Fuchshuber-Weiß spricht von einem „perfiden Missbrauch“. Den ersten Button gab es 1938, später auch den gelben Ring mit dem „J“.  Nach Kriegsbeginn setzte die Zwangskennzeichnung ein. Sogar Kleinkinder im Kinderwagen mussten die Armbinde mit dem Judenstern tragen. Der Polizeierlass vom 19. September 1941 besagte, dass schon Sechsjährige den gelben Judenstern auf der linken Brustseite zu tragen hatten. Damit war die Stigmatisierung dieser Volksgruppe perfekt, für die jüdischen Mitbürger war es die größte Erniedrigung.

Zur Veranstaltung mit Dr. Elisabeth Fuchshuber-Weiß eingeladen hatten der Freundeskreis der Synagoge Hainsfarth mit ihrer Vorsitzenden Sigried Atzmon und das Katholische Bildungswerk Donau-Ries mit ihrer Vorsitzenden Walburga Mehl.

WERNER FALK

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