Gerechte Gesellschaft?

Debatte über den Wert der Arbeit ist notwendig

Der „Stern“ fragt in einer seiner letzten Ausgaben 2016, ob es in der deutschen Gesellschaft gerecht zugeht. Allein die Fragestellung inplizierte eigentlich schon die Antwort: Natürlich nicht! Die ungerechte Verteilung des Wohlstands wird nach einer Forsa-Umfrage von 75 Prozent der Deutschen beklagt. Wer so fragt, wird wohl nie eine andere Antwort bekommen.

Wie der „Stern“ meines Erachtens richtig feststellt, ist Deutschland heute die Stütze des Kontinents, wobei die Zeitschrift auch darauf hinweist, dass wir vor zehn Jahren  nach dem Urteil der so genannten Experten der „kranke Mann Europas“ waren.

Heute können wir mit Zufriedenheit und Stolz feststellen:

In Deutschland wächst gemessen an den anderen europäischen Ländern die Wirtschaft am stärksten.

Die Arbeitslosigkeit rangiert auf dem niedrigsten Stand der letzten 25 Jahre.

Die Zahl der Beschäftigten ist so hoch wie noch nie seit dem Zweiten Weltkrieg.

Jugendarbeitslosigkeit gibt es nicht mehr.

An den deutschen Universitäten studieren so viele Menschen wie noch nie zuvor.

Die Rentner freuen sich über die höchsten Rentenerhöhung der letzten 23 Jahre.

 

Mit dem „Stern“ stimme ich in der Beurteilung der Lage in Deutschland überein: „ Deutschland steht nicht am Abgrund und es schafft sich nicht ab, wie manche Populisten behaupten“.

Unternehmer, die nur darauf schauen, wie sie ihren Profit maximieren können und nichts hören wollen von der Sozialpflichtigkeit des Eigentums, sind nicht in der Überzahl, auch wenn das nach der öffentlichen Meinung so aussehen mag. Es hat in der Vergangenheit immer verantwortungsvolle Unternehmerpersönlichkeiten gegeben. Sie gibt es auch heute noch, nur räumt ihnen die veröffentlichte Meinung zu wenig Raum ein. Es ist eben bequemer, die schlechten Beispiele herauszupicken und auf die Unternehmer einzuschlagen.

Ein Beispiel für sozial verpflichtetes Unternehmertum ist Michael Otto, der Chef der Hamburger Otto-Group, der das Versandhaus seines Vaters als einen heute weltweit agierenden Handels- und Immobilienkonzert ausgebaut hat. Wie der „Stern“ zurecht rühmt, pflegt das Unternehmen Otto die Unternehmenskultur mit dem Grundsatz „Respekt vor Mensch und Natur“.   Michael Otto sagt ganz offen: „Wenn einer gut verdient, kann er auch mehr zahlen. Wer hierzulande Geschäfte macht, soll auch zur Finanzierung des Gemeinwesens beitragen. Für mich ist nicht nachvollziehbar, dass gerade US-Konzerne wie Apple kaum Steuern bezahlen.“

Bemerkenswert ist seine Aussage, dass heute Erzieherinnen und Krankenschwestern eine riesige Verantwortung tragen, aber noch immer schlechter bezahlt werden als jene, die den Computer bedienen. Seine Forderung wird von mir unterstützt: „Wir brauchen eine gesellschaftliche Debatte über den Wert der Arbeit!“

„Wir leben in einem großartigen Land, aber wir sind jetzt gefordert, die Vorteile von Freiheit und Demokratie, der europäischen Union und des freien Welthandels und der sozialen Marktwirtschaft zu verteidigen“, sagt Michael Otto.

Mag sein, dass die FDP zu lange den kritikwürdigen Erscheinungen des  Neoliberalismus angehangen hat. Wenn sie zu einer neuen Bewertung ihrer Gesellschaftspolitik fähig ist, dann ist das der richtige Ansatz, um im Rollenspiel der demokratischen Kräfte wieder eine wahrnehmbare Stimme zu sein. Wir stellen fest: die Welt verändert sich. Und mit ihr landen auch die politischen und wirtschaftlichen Konzepte auf  den Prüfstand. Mit Verleugnung seiner geistigen Wurzeln hat das nichts zu tun, sondern schon mehr mit der Bereitschaft, die Herausforderungen der Zukunft anzunehmen statt rechthaberisch auf alten Positionen zu verharren.

Werner Falk, Stadtrat der FDP, Gunzenhausen

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