Die letzte Ansbacher Markgräfin

Werner Kugler: Markgraf war nicht bei ihrem Begräbnis

Die Entfremdung muss schon groß gewesen sein, denn der letzte Regent des Fürstentums Brandenburg-Ansbach, Markgraf Alexander, kam nicht einmal zur Beisetzung seiner Frau, der Markgräfin Friederike Caroline, die wenige Tage vorher, am 18. Februar 1791, verstorben war. Mit Friederike Carolines Tod befasst sich Werner Kugler in der neuesten Ausgabe von „Alt-Gunzenhausen“.

Es steht fest: der 18-jährige Markgraf musste die junge Herzogin Friederica Carolina von Sachsen-Coburg-Saalfeld gegen seinen Willen heiraten. Das war damals nicht unüblich, denn schließlich ging es nicht um die wahre Liebe zwischen zwei jungen Menschen, eher um Staatsgeschäfte und auch um die Einflussnahme auf politische Vorgänge.  Flitterwochen, wie sie von jungen Prinzenpaaren heutzutage als mediales Ereignis zelebriert werden, gab es wohl in dieser „Zwangsehe“ nicht, zudem musste Alexander schon mit 21 Jahren die Nachfolge seines verstorbenen Vaters, des „Wilden Markgrafen“ Carl Wilhelm Friedrich, antreten. Immerhin gab er sich weniger ausgiebig, was die öffentlichen Finanzen betrifft. „Das Wohlergehen des Staates ist meines“, war seine Devise in Anlehnung an die strenge Amtsführung seine Vorbilds Friedrich dem Großen. Die Ehe blieb kinderlos und glücklos. Die Markgräfin galt „als zu wenig lebhaft, um der gesellschaftlichen Unterhaltung ihres Gemahls den Reiz zu geben, der ihn in die Länge hätte fesseln können“.  Der Markgraf schob sie in das Schloss nach Unterschwaningen ab. Er  selbst widmete sich anderen, attraktiveren Frauen.  Zunächst fand er Gefallen an der dreizehn Jahre älteren französischen Schauspielerin Hippolyte Clairon. Sie ist die Namensgeberin der „Klärungsweggli“, einer lokalen Brötchensorte, die der Ansbacher Volksmund lange Zeit  kannte. Inzwischen ist der Begriff nur noch den Historikern geläufig. Aber die Launen der Madame ertrug Alexander nicht, so dass er sich 17 Jahre später der 14 Jahre jüngeren Lady Elisa Craven zuwandte.  Sie nahm ihren Markgrafen nach seiner Abdankung 1791 mit nach England, wo sich beide auf Schloss Benham der Pferdezucht hingaben.

Friederike Caroline starb am 18. Februar 1791. Der Trauerzug begleitete sie bei vollem Geläut zur Gemeindegrenze. Der Ansbacher Hof nahm am 25. Februar von ihr Abschied. Einer fehlte: Alexander.

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