„Tüchtiger Musiker“

In Alt-Gunzenhausen wird Stadtmusikmeister C.L. Fürst porträtiert

Er war fleißig und in gleichem Maße geschäftstüchtig: Christian Ludwig Fürst, der Stadtmusikmeister von 1860 bis 1871. Privat aber hatte er schwere Schicksalschläge hinzunehmen, denn von seinen drei Kindern starben die beiden Töchter innerhalb von einer Woche an der damals grassierenden Keuchhusten-Epedemie.

Der Stadttürmer und der Stadtmusiker  wurden lange Zeit in Personalunion geführt, aber 1860 entschied sich der Magistrat die Ämter zu trennen. Fürst war also der erste Stadtmusiker, der sich allein auf den musikalischen Sektor konzentrieren konnte. Der gebürtige Heidenheimer (1831) litt offenbar nicht unter mangelndem Selbstbewusstsein, denn er empfahl sich als „tüchtiger Musikus mit perfekten Eigenschaften und Zeugnissen“. Zudem versicherte er, zusätzlich Unterricht zu erteilen und auf Kirchweihen zu spielen, um sich so seinen Unterhalt zu verdienen. Nicht ungern vernahmen die Gunzenhäuser Ratsherren, dass er über ein Vermögen von 400 Gulden verfüge. Damit war schon einmal sichergestellt, dass er nicht zu einer finanziellen Belastung werden würde.  Fürst hatte ohnehin von Anfang an gute Karten, denn der Magistrat war mit seinem Vorgänger Christian Friedrich Moebius nicht mehr einverstanden. Ihm wurde vorgehalten, seine Musik sei nicht mehr zeitgemäß.

Schon sein Vater war Musiker. Wie Dominik Rieger (SMG-Schüler aus Gnotzheim) in seinem Beitrag für das Jahrbuch „Alt-Gunzenhausen“ (Nummer 77)  schreibt, war das Anstellungsgespräch eine Sache von nur einer Viertelstunde. „Fleiß und sittliches Betragen“ bescheinigte ihm nicht nur die Werktagsschule Heidenheim, sondern auch der Pfarrer quittierte ihm den Besuch der Sonntagsschule (vom 14. Bis 18. Lebensjahr)  und die sonntägliche Christenlehre nach der Konfirmation.  Seinen „vorzüglichen guten Leumund“ bestätigte die Marktgemeinde Heidenheim, „befriedigende“ Noten gab ihm die Königliche Seminarinspektion Schwabach in den Fächern Musiktheorie, Generalbasslehre und Kunst des Instrumentierens.

Wie sein Vorgänger Moebius (er gründete später aus Verärgerung 1861 den „Sängerbund“) war auch Fürst musikalischer Leiter des 1934 gegründeten „Liederkranzes“. Den vorliegenden Dokumenten nach war er von der Musik beseelt, aber durchaus auch auf das Geld aus.  Das benötigte er auch, denn er leitete auch eine Kapelle und musste deren Akteure bezahlen.

Privat lief aber nicht alles zum Besten. Nach seiner Verehelichung mit der Heidenheimerin Rosalie Lutz und der Geburt seiner beiden Töchter 1864 und 1865. Innerhalb einer Woche verstarben sie an Keuchhusten, der im 19. Jahrhundert Tausende von Menschen hinweggerafft hat. 1866 kam Sohn Friedrich Max auf die Welt,  vier Jahre später Sohn Ludwig Wolfgang.

Das Umschreiben von Musikstücken brachte ihm zusätzliche Gulden und Kreuzer ein. Autor Dominik Rieger Erkenntnisse gewonnen, dass Fürst allein 1867 beim „Liederkranz“ an die 200 Gulden verdient hat., was für die Zeit damals viel Geld war. Dennoch war der Posten in der Nachbarstadt Weißenburg attraktiver, weshalb er 1871 dorthin wechselte. „Taktlos und verletzend“ soll er sich über seinen Liederkranz-Nachfolger Baumgärtner geäußert haben, weshalb es keinen offiziellen Abschied für ihn gab.  1893 verstarb Christian Ludwig Fürst.

WERNER FALK

Das Jahrbuch „Alt-Gunzenhausen“ (Nummer 77) ist für 15 Euro im Buchhandel erhältlich.

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