Apollo und Hyazinth

Die nachgeholte Opernaufführung

2019 konnte das Bergwaldtheater Weißenburg sein 90-jähriges Bestehen feiern. Seit vielen Jahren weist der Frankenbund Weißenburg wiederholt auf die weit überregionale Bedeutung der Bühne in ihrem historischen Kontext hin. Gerade um auch der herausragenden Rolle des Bergwaldtheaters im Zusammenhang mit der Freilichtbewegung seiner Entstehungszeit Rechnung zu tragen, unterstützte und finanzierte der Frankenbund im Jubiläumsjahr 2019 die Ausstellung und zugehörige Begleitpublikation „Von Altdorf über Weißenburg bis Zoppot. Kleinode der Plakatkunst aus der Sammlung Egon Schmid“. Anknüpfend an diese Grundgedanken plant die Gruppe für das Jahr 2022 als Brückenschlag von der Geschichte der bewegten Anfänge der Festspiele in die Jetztzeit eine historisch informierte
Opernaufführung in Eigenregie.

Im Jahr 1932, einer der herausragenden Spielzeiten in der Geschichte der Freilichtbühne, war die Aufführung der frühen Mozartoper Apollo und Hyazinth mit einem von Erika Mann, Tochter des Literaturnobelpreisträgers Thomas Mann, bearbeiteten Libretto geplant. Nach Intervention des NS-Kampfbundes für Deutsche Kultur wurden vor dem Hintergrund des pazifistischen und NS-kritischen Engagements Erika Manns, ja der gesamten Familie Mann, aus Furcht vor angedrohten Boykottmaßnahmen der erstarkenden NS-Bewegung Pläne zur Aufführung zurückgezogen. Unrühmliche Bekanntheit erreichte das Bühnenwerk in der Folge durch reichsweit beachtete Prozesse vor verschiedenen Arbeitsgerichten, welche Erika Mann in der Folge der Auflösung bereits geschlossener Verträge anstrengte.

90 Jahre nach diesen Ereignissen will der Frankenbund auf Hintergründe der damaligen Ereignisse hinweisen. Im Mittelpunkt der Veranstaltungen, die geplant sind, steht die „nachgeholte“ Opernaufführung mit der Musik Mozarts. Ähnlich wie das Singspiel zu seiner Premiere 1767 als „Interludium“ in einen Textteil integriert war, sollen jetzt in einem Wechselspiel von Musik und Wort die Hintergründe der Opernbearbeitung, der Ereignisse vor Ort, aber auch überregionaler politischer Entwicklungen der 30er Jahre dargestellt werden. Zusätzlich soll das thematische Umfeld in seinen vielgestaltigen Aspekten in einem Begleitprogramm aufgearbeitet werden.

Zur Umsetzung des zeitlich an der Grenze zwischen Spätbarock und Früh-Klassik angesiedelten Singspiels konnte das auf Originalklang-Konzerte spezialisierte Ensemble Neue Nürnberger Ratsmusik gewonnen werden. Nicht zuletzt als Tribut an die erfolgreichen Konzepte der ruhmreichen Geschichte der Bühne wurde bei weiteren Besetzungen großer Wert auf die Berücksichtigung von Künstlern mit Bezug zur Stadt Weißenburg, zur Region und dem Bergwaldtheater berücksichtigt. U.a. wird den Auftritt eines Chores ein lokales Ensemble (Weißenburger Vocalisten) übernehmen, eine der Gesangsrollen wird Katharina Susewind, Frau des aktuellen Stadtschreibers Clemens Berger übernehmen. Weitere Gesangsrollen werden von Künstlern übernommen werden, die aus der Region stammen und sich mit erfolgreichen Auftritten vor Ort beim Publikum bereits einen Namen gemacht haben (Corinna Schreiter, Christine Mitermair, Markus Simon).

Der „Textteil“ ist als szenisches Wechselgespräch zwischen zwei Personen (Erika Mann und einem fiktiven Intendanten) angelegt. Zum einen soll die Handlung der Oper, die unter Auslassung der weitschweifigen Passagen von Sprechgesang (Secco-Rezitative) des Originals ebenfalls szenisch gespielt werden soll, verständlich gemacht und zum anderen die historischen Zusammenhänge der „Weißenburger-Nicht-Aufführung“ des Jahres 1932 erlebbar gemacht werden. Die Umsetzung des szenischen Teils werden Schauspieler aus Weißenburg übernehmen, die sich bereits bei den Aufführungen des ersten Stadtschreiberprojekts (Der Lebkuchenmann, 2019) neben professionellen Künstlern bewährt haben.

Als Aufführungsort der Open-Air-Veranstaltung ist der Dr.-Martin-Luther Platz vorgesehen. Auch hier haben bei der Auswahl historische Vorbilder eine Rolle gespielt. Zum einen war die erste Aufführung für das Jahr 1932 nebenan auf dem Platz „Am Hof“ geplant. Zum anderen war zur Blütezeit des Bergwaldtheaters während der Festspielsaison immer die Anbindung der Stadt an die Bühne und umgekehrt ein wichtiger Gedanke. Des Weiteren sollen zusätzliche Veranstaltungen (Lesungen, Podiumsdiskussionen, Publikationen) das Projekt kontextualisieren.
Veranstaltungstermine sind der Samstag und Sonntag im letzten Juni-Wochenende 2022 (25./26. Juni 2022). Als Ort für eine eventuell wetterbedingt notwendige Innenraumveranstaltung ist das Kulturzentrum von den Organisatoren als am geeignetsten befunden und vorgebucht worden. Als Veranstalter tritt die Frankenbund-Gruppe Weißenburg auf.

Aufführungen am 25. und 26. Juni, 19.00 Uhr am Martin-Luther-Platz in Weißenburg. Karten zum Preis von 30.- / 25.- € über das Kulturamt der Stadt Weißenburg (link: www.bergwaldtheater.de) oder vibus (link: https://tickets.vibus.de)

MARTIN WEICHMANN

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