Gräfin Agnes war eine „Ohmerin“

Patronatsherrin der Kirche in Aha im 12. Jahrhundert

Wer an der lokalen Geschichte interessiert ist, der findet immer wieder neue Aspekte, die ihn fesseln können.  Wissenschaftler helfen ihm dabei, die Ursprünge zu entdecken, die vielfältigen und oftmals verschlungenen Verbindungen zu erkennen. Sigrid Buchner widmet sich in der aktuellen Ausgabe von „Alt-Gunzenhausen“ der Agnes von Dollnstein. Das wäre vielleicht nicht weiter erwähnenswert, war sie doch geografisch dem oberen Altmühltal etwas entrückt, aber die Tatsache, dass sie anfangs des 12. Jahrhundert Patronatsherrin von Aha war, das lässt aufhorchen und macht neugierig.

Prozessakten von 1222 führen auf die Spur und sind für die Ortsgeschichte von Aha von Bedeutung. Siglinde Buchner, die ehrenamtliche Kreisarchivpflegerin, macht die Hochadeligen ausfindig, die  im 12. Und 13. Jahrhundert im Gunzenhäuser Land begütert werden und Herrschaftsgewalt hatten. Aus den Akten wissen wir, dass die damalige Kapelle von Pflaumfeld zur Pfarrei Aha gehörte, und zwar „zu ewigen Zeiten“. So besagt es ein Schiedsverfahren vor dem Eichstätter Bischof Hartwig.  Und man erfährt, dass zu dieser Zeit Gräfin Agnes von Dollnstein das Patronatsrecht über die Kirche zu Aha hatte. Das verwundert vor allem die Historikerin Siglinde Buchner, denn Agnes gehörte somit  zu den wenigen weltlichen Frauen, die damals das Patronatsrecht (heute: die Schirmherrschaft) ausüben durften.

Die Historikerin kommt zur Ansicht, dass Agnes von Dollnstein eine Tochter des Nürnberger Burggrafen Konrad von Raabs war,  denn als ihre Schwester wird Sophia von Raabs genannt, die mit dem späteren Burggrafen Friedrich I. aus dem Geschlecht der Hohenzollern verheiratet war.  Diese war damit zugleich die Stammmutter der Burggrafen von Nürnberg, ab 1415 der Markgrafen von Brandenburg-Ansbach, der preußischen Könige und der deutschen Kaiser.

Die Wissenschaft nimmt an, dass Agnes der edelfreien Familie der Truhendinger angehörte. Sie war in der Folge des Jahres  1180 mit Gebhard IV. von Dollnstein verheiratet. Beide hatten drei Kinder. Der Jüngste wurde übrigens  von seinem Hofnarren bei der Belagerung der Burg Nassenfels  im Altmühltal 1245 erstochen. Die Burg Hirschberg war damals die Stammburg derer von Dollnstein. Die Familie hatte seinerzeit noch Besitzungen in Dornhausen und Pfofeld (Wald „Jungholz“,  auch „Walchersberg“ genannt), verkaufte sie aber 1303 an den Eichstätter Bischof. Ein Urenkel der Agnes, es war Graf Gebhardt VII. von Hirschberg, veräußerte zur gleichen Zeit  stark verschuldet die  Burg Sandsee bei Pleinfeld ebenfalls an den Kirchenfürsten.

Es wird angenommen, dass die hochadeligen Vorfahren von Agnes am kaiserlichen Hof verkehrten und somit von hohem gesellschaftlichen Rang waren. In Urkunden werden ihr Vater und Schwiegervater als Zeugen in Urkunden des Kaisers Barbarossa genannt.

Agnes von Dollnstein  war nach der Forschung von Siglinde Buchner das Verbindungsglied zwischen den Grafen von Abenberg und den Grafen von Hirschberg, denn sie hatte einen Teil des Abenberger Besitzes ihrer Mutter durch Vermählung mit in die Familie von Hirschberg eingebracht. Das ist urkundlich bewiesen.

Das Jahrbuch „Alt-Gunzenhausen“ ist für 15 Euro im Gunzenhäuser Buchhandel erhältlich.

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