Zum Tod von Willi Kastenhuber

Er verkörperte die Freien Wähler in Gunzenhausen

Wenn jemand über Jahrzehnte in der Stadt politische Verantwortung trägt dann wird er nicht vergessen. Willi Kastenhuber, der Stadtrat der Freien Wähler, darf zu den markanten Persönlichkeiten gezählt werden, die in den letzten Jahrzehnten der Stadt gedient haben.  93-jährig ist er  nach einem erfüllten und selbstbestimmtem Leben gestorben.

Willi Kastenhuber war um seine Stadt besorgt.  Einige Daten markieren in aller Kürze seinen politischen Lebenswerg. Stadtrat war er von 1996 bis 1994, davon in den Jahren 1978 bis 1984, Zweiter Bürgermeister und von 1967 bis 1978 Fraktionsvorsitzender. Die „Freie Wählergemeinschaft“, wie sich die „Unabhängigen“ zunächst nannten, gingen später in den „Freien Wählern“ auf, die seither auch landesweit organisiert sind. Vorsitzender dieser Gruppierung in Gunzenhausen war er von 1966 bis 1972. Daneben war Kastenhuber auch noch Kreisrat der „Unabhängigen Wählergemeinschaft“, und zwar von 1972 bis 1998. Unvergessen ist sein Einsatz im Landratswahlkampf 1969, als die „Unabhängigen“  ihren Kandidaten Dr. Karl Friedrich Zink gegen den offensichtlichen Favoriten Willi Hilpert von der CSU durchsetzen konnten. Zu dieser Zeit sind etliche Gräben aufgerissen worden, aber auch hier hat sich das Sprichwort bewahrheitet: Die Zeit heilt alle Wunden.  Die Kommunalwahlen 1972 und 1978 waren für die Freien Wähler die erfolgreichsten auf Stadt- und Kreisebene. Und Willi Kastenhuber hatte einen enormen Anteil daran.

Ich habe Willi Kastenhuber in allen Jahren sehr geschätzt – als Kommunalpolitiker und als väterlichen Freund. Noch in den Jahren seines politischen Ruhestands durfte ich seinen Rat suchen und mit ihm die Vorgänge in der Stadt besprechen. Davon habe ich immer profitiert. Seine engagierten Auftritte im Stadtrat bleiben mir in fester Erinnerung. Er war ein mathematisches Genie, der dem städtischen Kämmern stets auf Augenhöhe begegnete, ungenaue Angaben von ihnen sofort korrigierte und der den Haushaltsplan lesen konnte wie kaum ein anderer. Vor allem aber war Willi ein charaktervoller Mensch, für mich ein edler Freund. Er hat sich nichts vormachen lassen von allen Wichtigmachern, die es natürlich auch schon zu seiner Zeit gegeben hat und die kein Produkt unserer Tage sind. Sein selbstgewählter Abschied vom Stadtrat 1994 war ein Verlust für den Stadtrat, ja die ganze Stadt. Im Ruhestand begleitete er die Vorgänge mit wachem Auge und kritischem Geist. Als seine Sehkraft nachließ las ihm seine Frau Renate aus der Zeitung vor. Er war bis zu seinem Tod ein Mann von geistiger Vitalität.

WERNER FALK

 

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