Gute Ideen für die Dörfer

Gegen Leerstand und Verfall

Als Folge des Strukturwandels im ländlichen Raum, verbunden mit der Aufgabe vieler bäuerlicher Familienbetriebe steht eine zunehmende Zahl landwirtschaftlicher Gebäude leer oder wird unterwertig genutzt.

Ein Beispiel für sinnvolle Umnutzung: Vom Bauernhaus zum Ferienhaus.

Der Fortbestand derartiger, im Regelfall das Ortsbild positiv prägender Gebäude ist durch die fehlende Wirtschaftlichkeit stark gefährdet, wenn nicht zumindest die laufenden Erhaltungskosten durch die Nutzung gedeckt werden können.

Häufig fehlt einfach nur die zündende Idee und die notwendige Vorstellungskraft, neue wirtschaftliche Nutzungsmöglichkeiten für vakante Gebäude zu finden.

Umnutzungen tragen dazu bei, Ressourcen zu schonen, zusätzliche Einkommenschancen zu eröffnen, Investitionen anzustoßen, Arbeitsplätze zu erhalten oder zu schaffen sowie dem Verfall dörflicher Siedlungsstrukturen entgegenzuwirken.

Selbstständige Unternehmertätigkeit in umgenutzter landwirtschaftlicher Bausubstanz ist ein wesentlicher Baustein des Gesamtkonzepts zur nachhaltigen Entwicklung ländlicher Räume.

Die häufige Aussage: „Wer will denn heute noch so weit raus auf’s Dorf“, wird bereits allein durch die meist unsäglichen Neubaugebiete an den Ortsrändern widerlegt.

Anhand realisierter Umnutzungen wollen wir in dieser Rubrik Beispiele von gelungenen Umnutzungen ehemals landwirtschaftlich genutzter Gebäude (Stallungen, Scheunen, Speicher, Wohnwirtschaftsgebäude, usw.) zu Werkstätten, Läden, Büros, Wohnhäusern, Lagerräumen, usw. zeigen, um Anregungen zu geben.

Für den Erhalt historischer Baukultur

Die Interessengemeinschaft Bauernhaus (IgB) ist die einzige bundesweit tätige Vereinigung, die sich seit Anfang der 1970er Jahre für den Erhalt historischer Baukultur auf dem Land und in der Kleinstadt einsetzt.

Die Begeisterung für alte Häuser ist die große Gemeinsamkeit der rund 6.000 Mitglieder der IgB.  Sie engagiert sich  für dörfliche Gebäude wie Bauernhäuser, deren Nebenge­bäude sowie Landarbeiterkaten, städtische Ackerbürgerhäuser oder in der Feldflur gelegene Streusiedlungen. Die IgB sieht diese Wohnstätten als Ausdruck der Sozial- und Wirtschaftsgeschichte vergangener Zeiten und wichtigen Teil des nationalen Kulturerbes, den es zu erhalten gilt. Das praktische Beispiel dieser Bauten ermöglich überhaupt erst bau- und kulturgeschichtliche Hausforschung, die in der IgB groß geschrieben wird. Gleichzeitig vermitteln die in Fachwerkbauweise erstellten Häuser und Anlagen alte bewährte Handwerkstechniken wie beispielsweise Lehmbau und Holzständerbau, die zunehmend in Vergessenheit geraten.

Alte Bausubstanz ist heute vielfach bedroht. Sowohl Wohnhäuser wie auch Gebäudetypen wie beispielsweise Scheunen, Wind- und Wassermühlen werden durch veränderte Lebens- und Ar­beitssituationen überflüssig. Gleichzeitig droht Wohngebäuden bei schwindenden Bevölke­rungszahlen, insbesondere im strukturschwachen ländlichen Raum, Leerstand und Verfall. Hier gilt es, neue Konzepte zu entwickeln, denn ohne sinnvolle und wirtschaftlich tragfähige Nutzung ist der langfristige Erhalt historischer Bauten meist nicht zu verwirklichen. Die Devise lautet des­halb „nutzen durch umnutzen“, ohne dabei auf zeitgemäße Wohnbedürfnisse wie eine gute Heizung, angemessene Wärmedämmung und genügend Licht zu verzichten.

Die IgB versteht sich als Interessenvertretung für alte Häuser und deren Eigentümerinnen und Eigentümer. Gleichzeitig sind in der Wertegemeinschaft auch solche Menschen sehr willkommen, die alte Häuser einfach schön finden und für ihren Erhalt plädieren, ohne eines zu besitzen. IgB-Mitglieder machen kein Hehl aus ihrer Begeisterung für die alten Häuser als lebendige Kulturzeugen. Sie wollen andere Menschen ermuntern, diese Bauten wieder mit jungem Leben zu füllen und sich beherzt mit deren Geschichte, Krummheit und Charme auseinander zu setzen.

Die IgB unterstützt ihre Mitglieder mit ihrem Netzwerk auf Gegenseitigkeit beratend praktisch vor Ort und bietet vielfältiges Fachwissen. Hier kann Hilfe geholt, aber auch wertvolles Fachwissen weitergegeben werden. Die vielen regionalen Exkursionen geben Einblicke in den Bestand und die Kultur alter Häuser in Deutschland. Außerdem setzt sich der Verein bei den relevanten Entscheidungsträgern in der Politik und in der Öffentlichkeit für den Erhalt und die Pflege alter Bausubstanz ein. M. T.

 

Satzung der Interessengemeinschaft Bauernhaus e. V.

Die Interessengemeinschaft Bauernhaus e.V. (IgB) wurde im Jahre 1973 im damaligen Kreis Grafschaft Hoya, in der Nähe von Bremen, von 75 Bauernhausfreunden gegründet.

Seit dieser Zeit ist die IgB weit über den Gründungsraum hinausgewachsen. Sie kann jetzt bundesweit über 6000 Mitglieder zählen. Mit ihren annähernd 140 Außen- und Kontaktstellen ist die IgB in weiten Teilen der 16 Bundesländer mit engagierten und kompetenten Regionalvertretungen präsent, die vor Ort ansprechbar sind und eigeninitiativ tätig werden.

Die Interessengemeinschaft Bauernhaus ist als eine der bedeutendsten und mitgliederstärksten Organisationen auf dem Gebiet der ländlichen Hauserhaltung und ehrenamtlichen Denkmalpflege anerkannt. Die Initiativen und Aktivitäten der IgB werden von privater und öffentlicher Seite gleichermaßen geschätzt und in Anspruch genommen.

Die IG Bauernhaus versteht sich als Zusammenschluß von interessierten und engagierten Bürgern und sieht ihren Zweck in der Pflege und Erhaltung alter Bausubstanz vor allem im ländlichen Raum. Sie trägt dazu bei z. B. durch Beratung ihrer Mitglieder und der Öffentlichkeit bei der Instandhaltung und Sanierung, bei der Renovierung und Umnutzung alter Bauernhäuser und Nebengebäude.

Die IgB fördert überkommene Handwerkstechniken und bemüht sich um das Bewußtsein für den Wert landschaftstypischer Gebäude und Bauweisen. Die IgB hält das „gute Beispiel” für die überzeugendste Form, das Verhalten von Bürgern und Behörden zu verändern. Darum setzt die IgB bei ihren Mitgliedern ein hohes Maß an Verantwortung bei der Revitalisierung alter Bauten voraus.

Neben der praktischen Tätigkeit, der Vermittlung alter Techniken und Fertigkeiten, betreibt die IgB mit ihrem Mitteilungsblatt „Der Holznagel” die Bewusstmachung, um den kulturellen Beitrag der alten Hauslandschaft herauszustellen. „Der Holznagel“ berichtet über Probleme der Revitalisierung alter Bauten und der Denkmalpflege. Er bringt aktuelle Themen, kritische Beiträge und hausgeschichtliche Aufsätze mit Bildern und Zeichnungen.

Die IgB pflegt Kontakte zu anderen Organisationen, zu überregionalen und internationalen Verbänden, zeigt Beispiele, führt bautechnische Seminare durch, wirkt mit Lichtbildvorträgen und Ausstellungen und gibt Erfahrungen weiter. Sie will möglichst viele Bauernhausfreunde – auch die kein Haus besitzen – ansprechen und für die Mitarbeit gewinnen.

 

Kontakte:

Ulrike Bach, 2. Bundesvorsitzende, Johann-Pröschel-Straße 2, 97509 Kolitzheim (ulrike.bach@igbauernhaus.de)

Dr. Birgit Angerer, bayerische Landesbeauftragte, Neusatz 200, 92507 Nabburg (birgit.angerer@igbauernhaus.de)

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