Der Frankreich-Blues

Georg Blume: Wie Deutschland eine Freundschaft riskiert

Ja, die deutschen und französischen Befindlichkeiten! Ganze Bücher füllen sie. Jetzt hat der „ZEIT“-Korrespondent in Paris, Georg Blume, unter dem Titel „Der Frankreich-Blus“  im Verlag „körber stiftung hamburg“ einen 224-seitigen Diskussionsbeitrag auf den Markt gebracht, der das deutsch-französische Verhältnis auf der Regierungsebene (aber nicht nur) durchleuchtet.

„Deutschland lässt Frankreich schlecht aussehen!“ Die Aussage belegt der Autor mit vielen Fakten und Begebenheiten der letzten zehn Jahre. Es sind (zufällig?) die Regierungsjahre von Angela Merkel. Die Diagnose ist nicht falsch: beide Länder haben sich auseinandergelebt, die Elite in Deutschland sieht Frankreich nicht als ebenbürtig an, der Nachbar wird eher als zurückgeblieben empfunden. Eine Erklärung von Georg Blume: Merkel hat den französischen Präsidenten nicht mitgenommen, sondern lieber Alleingänge unternommen. Belege dafür sind der Atomausstieg nach Fukushima, den sie schneller realisiert als die französische Intelligenz überhaupt schauen konnte. Auch in der Flüchtlingskrise ließ die Kanzlerin mit der raschen Aufnahme von Millionen Flüchtlingen die französischen Linken als kleinkariert erscheinen. Noch dazu konnte sie sich im Licht der internationalen Politik sonnen: das US-Magazin Time ernannte sie zur „Person des Jahres“, was im Nachbarland viele zeitkritische Menschen als eine moralische Niederlage für die deutsch-französische Freundschaft empfanden.

Die deutsch-französische Freundschaft ist bei den jungen Menschen keine besonders wichtige Angelegenheit. Nach einer Umfrage der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik, auf die sich der Autor bezieht, nur nur mehr 29 Prozent der 18-29-Jährigen in Deutschland das deutsch-französische Verhältnis für „sehr wichtig“, bei den über 60-Jährigen sind es hingegen 60 Prozent. Georg Blume frag deshalb: „Ich die deutsch-französisch Ehe nach zehn belanglosen Jahren noch zu retten?“ In seinem Buch plädiert er für eine kritische Solidarität, für Hochachtung und Respekt für das immer noch so fremde, aber immer noch so liebenswerte Nachbarland.

Der Publizist findet, dass gerade jetzt die Zeit wäre, einen Neustart in den Beziehungen vorzunehmen. Die Partner müßten den Wert der gemeinsamen Stärke schätzen nach dem Briten und die Amerikaner keine verlässlichen Partner mehr sind. Ein wichtige Schritt ist: Wir Deutsche müssen die Franzosen als ebenbürtige Partner erkennen! Es bedürfe einer neuen pramatischen Liebe zu Frankreich.

Zum Autor:Georg Blume leitet seit 2013 das Büro der ZEIT in Paris und berichtet regelmäßig über politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Zusammenhänge. Nach seinem Zivildienst in Paris blieb Blume in Frankreich und wurde Korrespondent der taz. Von 1997 bis 2013 berichtete er als Korrespondent für die taz und die ZEIT aus China und Indien. Für seine couragierte Berichterstattung erhielt er den Liberty Award.

„Der Frankreich-Blues“ von Georg Blume; 224 Seiten; ISBN 978-3-89684-198-8; 18 Euro; Verlag Körber Edition, Hamburg.

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