Max radelt den Radweg 10

33-Kilometer-Tour im Mönchswald und Rezattal

Das Fränkische Seenland ist eine ideale Ferienregion für die Radler. Es gibt keine großen Steigungen, in der Regel gut ausgebaute und markierte Radwege und verständliche Radwanderkarten. „Max radelt“ ist eine Serie des Altmühl-Boten. Der Autor und Test-Radler ist heute auf dem Radweg 10 unterwegs, den die Kommunale Allianz Altmühl-Mönchswald ausgewiesen hat.

Am Obererlbacher Brunnen sind alle Wanderer und Radler begeistert von der Top-Wasserqualität.

„Grüß Gott in Obererlbach“.  Die modern gestaltete und ansprechende Ortstafel begrüßt mich zur 33-Kilometer-Rundfahrt. Bevor ich als Gunzenhäuser aber in den Rundkurs einsteige, strampele ich rund zwölf  Kilometer auf dem gut ausgebauten Radweg, wobei ich staune, welche eine Wiesenblumenvielfalt meinen Weg flaniert. Für die kleinen Wunder am Wegesrand bin ich auf einer Wanderung in der Malo Fatra (Slowakei) sensibilisiert worden. Am Oberen Bachholzweg (beim Busunternehmen Böhm) fahre ich steil hoch, um dann drei Kilometer nur durch den Wald zu radeln (zunächst Mischwald, dann nur noch Nadelwald). Es ist Sonntagfrüh und auf der Strecke ist kaum jemand unterwegs. Eine dreiköpfige Familie macht hoch zu Ross einen Ausflug, später begegnen mir ein paar Wanderer und etliche sportliche Radler, die ob ihres Overdresseds bei mir Radler ein Minderwertigkeitsgefühl hinterlassen, bin ich doch ganz und gar nicht auffällig gekleidet. Ich gleite hinterunter nach Leidingendorf und Haundorf.  Die sonntägliche Ruhe empfinde ich als höchst angenehm. Die Menschen sitzen zu dieser Zeit auf der Kirchenbank oder haben noch nicht ausgeschlafen – die einen sind die Wenigeren, die anderen die Mehreren.  Junge Obstbäume flankieren meinen Weg nach Dematshof. Es ist ganz toll, dass die Menschen heute wieder den Wert der Streuobstwiesen erkennen.

Es ist noch zu bald für einen Frühschoppen. Obgleich ich als vom Gunzenhäuser Stadtrat ernannter Wirtshausreferent gewöhnlich kein Gasthaus links liegen lasse, können mich die Hinweisschilder auf einschlägige Lokalitäten in Mitteleschenbach und Selgenstadt heute nicht  verführen. An der modernen  „Reitanlage Mönchswald“  von Christian Meyer treffe ich die Reiterfamilie wieder.  Mehr als 40 Pferde sind in dem 1200-Quadratmeter-Stall untergestellt.  Beinahe peinlich ist es mir, in Mitteleschenbach an den Kirchgängern vorbeifahren zu müssen, die gerade vom Gottesdienst kommen.  Der Haselmühlweiher und sein Umfeld ist eine Idylle – und zwar nicht nur am ruhigen Sonntagvormittag. In Gersbach schweife ich kurz von der Strecke ab und schaue mich in dem kleinen Windsbacher Ortsteil um. Ich entdecke ist stattliches Anwesen und fotografiere den schönen Fachwerkbau. Das ganze Ensemble ruft den Denkmalschützer in mir wach. Auf der Weiterfahrt komme ich mit einem Landwirt ins Gespräch, der sein Anwesen mit modellierten Wildtieren und Vögeln ausgestattet hat.  Ich suche die Kugelmühle, denn der Kugelmüller in mir in Erinnerung als jemand, der in früheren Jahrzehnten sein Mehl auch in dem Orten des nördlichen Altlandkreises Gunzenhausen vertrieben hat.  Von der einstigen Mühlenherrlichkeit aber ist rein gar nichts mehr übrig geblieben. Das Areal  haben die Stadtwerke Ansbach erworben und  plattgemacht. Sie unterhalten im Gersbacher Grund etliche Tiefbrunnen. Mit einem zufällig vorbei kommenden Gersbacher Rollerfahrer bin ich mir sofort einig: Der im kleinen Ortsteil wohnende Windsbacher Bürgermeister Seitz könnte wenigsten eine Hinweistafel aufstellen, denn auf vielen Karten ist die Mühle noch eingezeichnet und deshalb fragen auch die Passanten immer wieder danach.

Eine uralte Linde prägt den Dorfplatz von Winkelhaid (mit Feuerwehrhaus, Kriegerdenkmal und Kapelle), in dessen Nachbarschaft die Gastwirtschaft Seitzinger zu finden ist. Imposant schaut das prächtige Hopfenhaus aus. Die Frühschöppler sitzen im Hof, aber mein selbst auferlegter Zeitplan hindert mich daran, mich zu ihnen zu setzen und eine Halbe zu trinken.  Auffallend ist die Ansammlung von stattlichen Sandstein-Bauernhäusern im Dorf.

Über die AN 59 komme ich an die Landkreisgrenze zu Roth, überquere die B 466 und sehe schon von weitem die Burg Wernfels, die seit 1925 im Besitz des CVJM ist. Meine Konfirmandenfreizeit habe ich dort verbracht –wie viele andere auch. Ich schreib mir auf, was ich an der Wand lesen kann: „ Dich Wanderer unbekannt, auf Wernfels hier im Frankenland. Genieß den Rundblick überall, besonders in das Rezattal.“ Vom Werzingerhof (von dort kommt das in der Region sehr geschätzte Bauernhofeis) strebe ich dem „Blumenthal“ zu, wo Sofia Kocher, meine Lieblingswirtin im Rezattal, an diesem Sonntagmittag im Stress ist. Ich will sie nicht aufhalten, obgleich es mich „gscheit drückt“.  Der Weg führt mich weiter und an „Brigittas Gartendesign“  vorbei zur kleinen Feldkapelle nach Untererlbach.  Das einstige Schloss (oder das, was von ihm übrig geblieben ist) suche ich vergeblich, dafür gefallen mir auch hier die landschaftsprägenden Sandsteinbauten, von denen aber einige ziemlich heruntergekommen sind. Niemand ist zur Mittagszeit auf der Straße, den ich fragen könnte und auch der Historiker Dr. Daniel Schönwald läuft mir nicht zufällig über den Weg.  Er kennt wie sonst keiner die Dorfgeschichte. Vorbei an einer schönen Fischzuchtanlage nähere ich mich Obererlbach, wo mich kläffende Vierbeiner begrüßen. Das muss mich nicht wundern, denn sie leben in einer Hundepension und freuen sich über jeden, der vorbei kommt.

Inzwischen scheint die Sonne und es wird mir warm. Wie gut, dass ich gleich die Obererlbacher Brunnen mit der schönen Kneippanlage erreiche. Das Schildchen „Kein Trinkwasser“ warnt mich zwar davor, das frische Quellwasser mit den Händen zu schöpfen, aber ich verhalte mich wie alle andern auch, die es als „Brunnquell“ ihres Wohlbefindens erachten und erfrische mich. Ich sehe, dass sich einige Passanten das „Kultwasser“ sogar in mitgebrachten Kanistern abfüllen. Dreimal muss ich im Dorf die B 466 überqueren, was heute bei geringem Verkehr kein Problem ist, aber das zu einem werden kann, wenn die Autos pausenlos vorbeidreschen.

Etwas mehr als drei Stunden bin ich ohne Pause auf dem Radweg 10 unterwegs und mein Tacho zeigt zweieinhalb Stunden reine Fahrzeit an, mithin 33,7 Kilometer. Auf dem Bänkchen an der Hessenmühle mache ich eine kurz Rast, um die nächsten zwölf Kilometer  abseits der Bundesstraße nach Haus zu kommen.

Es grüßt Euch: Max, der Radler

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