Teuffel von Pirkensee war nicht der Satan

Siglinde Buchner stellt die markgräflichen Oberamtmänner vor

teufel

Auf den Oberamtmann Teuffel von Pirkensee bezieht sich der Text dieser Wandtafel in der Weißenburgerstraße.

„Der Teufel einst die Stadt regierte…“ So beginnt der auf Anhieb etwas seltsame Spruch an der Wand eines Hauses in der Weißenburgerstraße, der  aus einem Gedicht des Heimatkundlers Hans Bach stammt. Er skizziert die Gunzenhäuser Gesellschaft des Jahres 1721, in der die Namen des Oberamtmanns Carl Wilhelm Teuffel von Pirkensee, des Dekans Jacob Ernst Herrgott und des Wirts Georg Caspar Hunger in der Fortsetzung  einen schönen Vers ergeben: „…der Herrgott in der Höll‘ logierte, der Hunger aber, welch ein Graus, schaut zum Brückentor hinaus!“ Gemeint ist also keinesfalls der Böse in Gestalt des Satans. Siglinde Buchner stellt den Gunzenhäuser Oberamtmann, also den Statthalter des Ansbacher Markgrafen, im neuen Jahrbuch „Alt-Gunzenhausen“ vor.

Auf eine Reihe von markgräflichen Vollstreckern ist die Autorin bereits in früheren Jahrbüchern eingegangen. 1714 bis 1742 amtierte Carl Wilhelm Teuffel von Pirkensee im Gunzenhäuser Oberamtshaus, dem heutigen Rathaus am Marktplatz, wo Markgraf Carl Wilhelm Friedrich 1757 gestorben ist.  Übrigens: sein gleichnamiger Sohn war der letzte Verwalter in der Stadt. Beide leiteten das Oberamtmann 63 Jahre lang. Sie stammten aus einem oberpfälzischen Geschlecht. Vater Carl Wilhelm, um den es hier zunächst geht, besuchte in Ansbach die Kadettenkompanie und heiratete 1798 Maria Sophia Magdalena Groß von Trockau. Beide hatten acht Kinder. Die Frau starb schon mit 30 Jahren. Zehn Jahre danach heiratete er Freifrau Sibylla Franziska von Hessberg. Wie Siglinde Buchners genealogische Forschung aufzeigt,  heiratete die Tochter Charlotta Maria Sybilla Paul Martin Eichler von Auritz, der das Palais Zocha (heute Stadtmuseum) übernahm. Dieser ließ ferner Schloss Dennenlohe sanieren (1734). Die dritte Heirat von Carl Wilhelm mit Christina Eleonora von Seckendorff währte nur zwei Jahre, dann starb sie. Nur drei Monate danach folgte ihr der Ehemann (mit 62 Jahren).

Der „Platzhalter“ hatte offenbar bei Markgraf Carl Wilhelm Friedrich einen Stein im Brett, denn der Regent besuchte ihn als er krank war und versprach ihm, für seine Hinterbliebenen zu sorgen. Bei seinem Begräbnis erklang übrigens der Choral „O, du schnödes Weltgebäude…“

Der letzte Oberamtmann

In der Husarenkompanie des Markgrafen diente Sohn Carl Wilhelm bevor er Maximiliane Christiane von Arnim ehelichte, die ihm drei Kinder schenkte.  1764 kaufte der zweite Pirkensee-Oberamtmann (er diente von 1758 bis 1793 in gleicher Funktion wie der Vater) das Hofgartenhaus (heute Haus des Gastes).  Nach der Abdankung des letzten Markgrafen Alexander und dem Übergang des Landes an Preußen wurde er Justizamtmann. 1793 starb er. Seine Gruft kann heute noch am ehemaligen Friedhof (heute Ärztehaus) angesehen werden.

Das Jahrbuch „Alt-Gunzenhausen“ ist für 15 Euro im örtlichen Buchhandel erhältlich.

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