„Mister Europa“ Dr. Ingo Friedrich wird 75 Jahre

Die Stadt zeichnet ihn mit der Ehrenbürgerwürde aus

„Mister Europa“, wie Dr. Ingo Friedrich von politischen und persönlichen Freunden genannt wird, vollendet am 24. Januar sein 75. Lebensjahr. Das ist für mich als FDP-Mann, aber auch als langjährigen journalistischen Wegbegleiter, ein Anlass,  den 30 Jahre amtierenden Europaabgeordneten der CSU  zu würdigen. Der Stadtrat Gunzenhausen erweist ihm die höchste  Ehre, indem er ihn zum Ehrenbürger ernannt hat. Die Verleihung ist im Rahmen einer Festsitzung am 25. Januar.

Der neue Gunzenhäuser Ehrenbürger Dr. Ingo Friedrich.

Der neue Gunzenhäuser Ehrenbürger Dr. Ingo Friedrich.

Friedrich hat Europa in seinen aktiven Jahren als Parlamentarier in Straßburg und Brüssel  in der Öffentlichkeit „verkauft“ wie es nur wenigen von den EU-Abgeordneten getan haben. Er ist überzeugt von der Idee, dass nur ein einiges Europa neben den Supermächten USA, China und Russland geopolitisch bestehen kann . Wo er auch immer aufgetreten ist, seine Argumente waren nicht die eines Wirtschafts- oder Verbandslobbyisten, der die 300 Millionen Europäer nur als Markt-Masse beurteilt.  Seine flammenden, pointierten und temperamentvollen Reden haben die Menschen für Europa eingenommen.  Ich bin mir ziemlich sicher:  Am Ende seiner Vorträge gab es mehr Überzeugte als Zweifler.  Hätten wir nur mehr von diesen leidenschaftlichen Werbern für Europa unter denen, die sich monatlich ein stattliches Abgeordnetensalär auszahlen lassen, dann stünden die europäischen Einrichtungen in der öffentlichen Wahrnehmung besser da.

Die meisten Menschen kennen die entscheidenden europäischen Gremien (Kommission, Ministerrat und Parlament) nur von außen. Die überzeugten Europäer haben heute einen eher schweren Stand unter so vielen Nationalisten und Populisten, die zunehmend Oberwasser bekommen. Wir erleben sie in den Niederlanden, Frankreich, England, Polen, Ungarn,  Tschechien, der Slowakei  – und auch in Deutschland. Die Europagegner sehen sich als Opfer der Globalisierung. Sie ziehen Menschen an, die sich auf der Verliererseite  in der Gesellschaft wähnen. Für die innere Stabilität der Nationalstaaten ist das nicht gut, aber auch nicht für Europa.

Ich wünsche mir ein Europa, das in der Welt neben den anderen politischen und wirtschaftlichen Blöcken bestehen kann. Das geht aber nur, wenn es mit einer Stimme spricht. Ich meine, wir müssen die Standardisierung in Europa nicht so weit treiben, dass der Eindruck entsteht, es gebe nur ein Europa der Bürokraten in Gestalt von Kontrolleuren. Die Erweiterung der EU durch Staaten wie Rumänien, Bulgarien, Ungarn, Slowakei, Tschechien mag nach dem Verfall des Sowjetimperiums aus strategischen Gründen geboten gewesen sein, der Attraktivität Europas hat sie nicht gedient. Eine ehrliche Antwort auf die Fragen der Zeit wäre wohl ein „Europa der zwei Geschwindigkeiten“ mit einem Kerneuropa, das politisch handlungsfähig ist und als starke Einheit auftritt. Mit dem luxemburgischen Ministerpräsidenten Xavier Bettel  sage ich: „Wir brauchen mehr EU für das Große und etwas weniger EU für das Kleine“.

Wie Dr. Ingo Friedrich sollten wir Europa im Herzen tragen und wenn wir über Europa reden, dann nicht immer nur in Verbindung mit dem lieben Geld. Wir sollten sehen, was uns verbindet und nicht permanent bis ins Detail sezieren, was uns trennt.

Werner Falk, Stadtrat der FDP in Gunzenhausen

 

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