Alle zahlten für den Kloster-Schafhof

Werner Kugler: Finanzierung mit „Vermögensabgabe“

schafhof

Diese Wandschrift stammt aus dem Jahr 1617, also 400 Jahre alt. Der Heidenheimer Bruno Nähr hat sie im Haus am Schafberg 10 entdeckt.

Informationen über die Heidenheimer Besitzverhältnisse im 18. Jahrhundert liefert der frühere Dekan Werner Kugler in der neuesten Ausgabe der heimatkundlichen Publikation „Alt-Gunzenhausen“. Unter dem Titel „Staatsgut veräußert“ schildert er die genauen Umstände des Verkaufs des klösterlichen Schafhofs.

1714 war es die Absicht der markgräflichen Verwaltung in Ansbach, den ehemals klösterlichen Schafhof (1200 Tiere) an die Gemeinde zu verkaufen, in der die Schäfer 1340 Tiere über die Weide trieben. Der Kaufpreis von 4500 Gulden war hoch, zu hoch für die damals schon sparsamen Heidenheimer. Sie mussten 2000 Gulden aufnehmen. Also ritten die Ratsherren nach Gunzenhausen, um das Geld zu holen. Sie finanzierten den Kredit mit einer „Vermögensabgabe“ der steuerpflichtigen Bürger von zwei Prozent (114 Gulden, 45 Kreuzer und drei Pfennig).  Unter den Bürgern gab es jedoch große Uneinigkeit wegen der Übernahme der Schafherde und den Zahlungsmodus. Werner Kugler veröffentlicht in seinem Beitrag eine Liste der zahlungspflichtigen Bürger von 1716, und zwar aufgesplittet nach den Quartieren: Ledergasser Viertel, Further Viertel, Steingruber Viertel, Krechelberger Viertel.  Darin enthalten ist auch die Zahl der Schafe, die jeder halten durfte, und ganz exakt der Betrag der „Steuer Massa“. Der Autor hat in dem Schäfereiakt keinen Hinweis gefunden, wann endlich die Heidenheimer ihre Schulden restlos beglichen haben. In der Registratur der Gemeinde fand sich jedenfalls kein Kaufvertrag. Das stellte 1749 der Heidenheimer Amtsrichter Boltz fest.

In der Sache äußerten die Metzger ihr Recht auf „Stechschafe“, ohne Weidegeld dafür zahlen zu müssen. Der Vogt und der Bürgermeister indes bezeichneten die Metzger als „ungehorsame Leute“,  die das beste Vieh nach Nürnberg verkauften, außerdem böten sie das Fleisch an anderen Orten „um zwei Pfennig wohlfeiler an als hier“.

Das 71. Jahrbuch „Alt-Gunzenhausen“ ist im örtlichen Buchhandel für 15 Euro erhältlich.

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