Verbraucher sind als Korrektiv gefragt

Ohne Tierhaltung keine attraktive Landwirtschaft

Das schleichende Wegbrechen von immer mehr tierhaltenden Betrieben in der Landwirtschaft führt nicht nur zur Aufgabe früher wettbewerbsfähiger Unternehmen im ländlichen Raum, zu einem dramatischen Strukturwandel in den Dörfern, sondern auch zu einem immer stärker sichtbar werdenden Verlust attraktiver Kulturlandschaften. Und mit ihnen schwindet auch das Bild jener von Bauern gewährleisteten Urlaubs- und Freizeitlandschaften, mit denen der Tourismus noch immer seine Gäste zu einer Buchung motiviert.

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Verschwinden die weidenden Rinder dann verändert sich die Landschaft und mit ihr auch die Struktur unseres Landes.

Laut den offiziellen Zahlen des Statistischen Bundesamts – zu Weihnachten veröffentlicht –  hat die nun schon seit über zwei Jahren schwelende Krise der Milch- und Schweinemärkte zu einem dramatischen Verlust an Betrieben geführt. So haben von 20014 bis 2016 im Bundesgebiet 10 % der Milchviehalter und 9 % der Schweinehalter aufgegeben. Das sind zusammen immerhin rund 10.000 Betriebe in diesem kurzen Zeitraum!

Dieser Strukturveränderungen kamen aber nicht unvorhergesehen. Die Erzeugerpreise für Milch, Schweinefleisch und Ferkel sind massiv gesunken und weder die Milch- und Fleisch-verarbeitungsindustrie, noch die Bundesregierung haben entscheidende Schritte unternommen, um den davon hauptsächlich betroffenen bäuerlichen Betrieben in dieser Zeit wirksame Hilfe zukommen zu lassen. Angesichts von über 300 EUR je Hektar Direktzahlungen und weiteren rund 100 EUR je Hektar und Jahr an Zahlungen im Rahmen von Agrarumweltprogrammen stellt sich für Slow Food Altmühlfranken die Frage, warum im Rahmen dieser von den Steuerzahlern finanzierten Hilfen für landwirtschaftliche Betriebe nicht kurzfristig wirksame – zusätzliche – Untertstützungen im Bereich der Tierhaltung möglich waren?

Bei der Milch war diese Entwicklung seit der Aufgabe der Quotenregelung absehbar, aber es wurden bis Mitte 2016 – und damit viel zu lange –  keine Anreize zur Vermeidung von preisdrückenden Überschüssen angeboten. Und im Bereich des Schweinemarkts bietet die Bundesregierung keine umfassenden Perspektiven an, um wirtschaftlich ertragreiche und gesellschaftlich akzeptable Lösungen zu unterbreiten.

Dabei wäre es angezeigt, dass EU, Bund und Land den Bauern bei der notwendigen Suche nach tierschutzgerechten Tierhaltungssystemen und der Gefahr der regionalen Überdüngung tatkräftig zur Seite stehen. Hier könnten von den über 400 EUR Steuergeldern pro Hektar je Jahr mehr für glaubwürdige Alternativen eingesetzt werden. Das wäre auch ein Beitrag, die zunehmende Verunsicherung bei den Landwirten abzubauen und auch damit zu helfen, potenziellen Hofnachfolgern Zuversicht zu vermitteln.

Aber es sind nicht alleine die Lebensmittel verarbeitende Industrie und der Staat gefragt. Auch wir alle als Verbraucher haben eine Verantwortung beim täglichen Lebensmitteleinkauf. Leider ist diese machtvolle Position den meisten als Kunden an den Theken und Kassen nicht bewusst.
Aber es liegt an uns als Verbraucher nach den Hintergründen der Lebensmittelpreise zu fragen, Nur wenn uns ehrliche und überzeugende Antworten geliefert werden, sollten wir auch entsprechende Preise akzeptieren können. Aber ein Schnitzel unter 1 EUR/100 g, eine Milch unter 0,70 EUR/Liter oder ein Apfelsaft für unter 1 EUR/Liter sollten uns signalisieren, dass wir hier weder einen fairen Preis für die Bauern, noch eine Würdigung der Kulturlandschaftsleistung oder einen Beitrag zur Umweltentlastung zahlen. Es muss in unser aller Interesse liegen, für Lebensmittel Preise zu zahlen, die alle mit ihnen im Zusammenhang stehenden Kosten abdecken.

Wenn wir z.B.  bereit wären, auf die zahlreichen Angebote bäuerlicher Betriebe und die handwerklichen Verarbeiter aus der Region zu setzen, könnten wir auch in Altmühlfranken eine zusätzliche regionale Wertschöpfung in einer Größenordnung von rund 450 EUR je Jahr und Hektar erzielen. Damit lägen wir als Verbraucher bereits über den staatlichen Zuwendungen.
Tatsächlich aber werden aktuell nur rund 200 EUR je Hektar (0,30 EUR/Tag/Einwohner) regionale Wertschöpfung durch gezielte Nachfrage nach bäuerlicher Qualität aus überprüfbarer Nähe erzielt. Da ist noch viel Luft nach oben, ohne das eigene Haushaltsbudget zu überziehen.

Slow Food Altmühlfranken
Dieter Popp, 91729 Haundorf, Vogelherdweg 1
altmuehlfranken@slowfood.de, Tel. 09837-975708

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