“Alte Vogtei”-Sanierung für 7,3 Millionen Euro

Wolframs-Eschenbach investierte in Traditionshotel

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Anfang März wird die “Alte Vogtei” eröffnet. Rathauschef Michael Dörr (rechts) und Geschäftsführer Siegfried Blank (links) können es kaum erwarten.

Wolframs-Eschenbach, die Stadt des mittelalterlichen Epikers, gilt bis heute als ein städtebauliches Juwel längst vergangener Zeiten. Mit ihrem geschichtlichen Erbe ist die Stadt immer sorgsam umgegangen. So gibt es heute noch Gebäude, die einst dem Deutschen Orden  (1220 bis 1806) gehörten.  Die „Alte Vogtei“ gehört dazu.  Sie war über viele Jahrzehnte eine herausragende gastronomische Adresse. Nach vierjährigem Umbau  mit einem Kostenvolumen von 7,3 Millionen Euro wird sie anfangs März als 3-Sterne-Hotel Superior wieder eröffnet.

Die Stadt ist die Eigentümerin des stattlichen Gasthofes. Sie hat ihn im Januar 2013 von einer regionalen Bank erworben. Im Eigentum der Familie Dörr war das Haus von 1933 bis 2010. „Auf der Suche nach einem privaten Investor, der das geschichtsträchtige und renommierte Haus weiterführen sollte, habe ich seriöse Bauunternehmer, aber auch dubiose Typen kennen gelernt“, sagt Bürgermeister Michael Dörr. Also hat die Stadt die Revitalisierung des Hauses selbst in die Hand genommen – und dazu jede Menge Geld. Mit Gastronomiefachleuten ist bereits im September 2012 ein Konzept entstanden, das der Nürnberger Architekt Wolfgang Albert unter Berücksichtigung hoher denkmalpflegerischer Auflagen umgesetzt hat. Er hatte seine Visitenkarte diesbezüglich schon bei der Sanierung der „Fuchs-Bräu“-Gastronomie in Beilngries hinterlegt.

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Bürgermeister Dörr und Geschäftsführer Blank im Rittersaal

„Wir wollten schon frühzeitig die Betreiber in die Planung mit einbeziehen“, sagt der Rathauschef. Deshalb hat er die erfahrenen Gastronomen Jürgen und Heike Knöchel (sie bewirtschaften Häuser in Ansbach und Rothenburg), die Hoteliers Jens und Emma Fuchs (Hotel „Frankenhöhe“ in Aurach) sowie Siegfried und Renate Blank (sie leiten die „Fantasie“  und das „Bürger-Palais“ in Ansbach) mit ihrem Sohn Jens vom ersten Tag eingebunden, weshalb er von einem „Unternehmenskonzept aus einer Hand“ spricht. Dahinter verbirgt sich der Sachverstand und die Erfahrung von drei Generationen.

Im Frühjahr 2013 begannen die Abbrucharbeiten mit dem Ziel einer vollständigen Entkernung des Gebäudes. „Wir haben an die hundert Container Bauschutt abgefahren“, berichtet der Bauherr, der im nebenstehenden Deutschordensschloss die Stadt regiert. Bis zu acht Meter musste aufgegraben werden, um die neuen Fundamente legen zu können. Dabei sind die Archäologen auf neue Erkenntnisse zur Stadtgeschichte gestoßen.  Sie gewannen die Erkenntnis, dass es schon drei Vorgängerbauten gegeben hat. Die Arbeiten waren schwierig, denn es konnte nur Meter für Meter betoniert werden, um das alte Konstrukt zu unterfangen. „Uns war es wichtig, die Substanz zu wahren, schließlich ist unsere ganze Altstadt seit 2010 ein einziges Bodendenkmal“, versichert Michale Dörr.

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Im hinteren Teil ist vieles neu entstanden.

Maurer und Zimmerer waren von Februar 2014 an ein komplettes Jahr auf der Baustelle. Danach haben sich andere Handwerker der Baustelle bemächtigt. Sie realisieren das Raumkonzept. Und das sieht so aus:

Im Keller ist die ganze Haustechnik konzentriert. Dort steht auch eine Trafostation der N-ERGIE, die ihren Platz bisher an anderer Stelle der Stadt hatte. Von hier aus kommt nicht nur die Energie für das Hotel, sondern auch das benachbarte Rathaus kann künftig  vom Blockheizkraftwerk versorgt werden. Die Gäste finden im Keller einen großzügigen Wellness-Bereich vor. Der Keller unter der Zehentscheune bietet Platz für 100 Gäste, im Biergarten (Schlosshof) können 90 Gäste bewirtet werden.

Die „Vogtstube“  ist der zentrale Gastronomiebereich. Ihr angegliedert sind  das „Tafelzimmer“, die vergrößerte Küche, der „Wolframsaal“ und die Toilettenanlage. Ein Erschließungstrakt verbindet barrierefrei und mit zwei Treppenhäusern (selbstverständlich mit einem Personen- und zwei Lastenaufzügen)  den vorderen und den rückwärtigen Gebäudeteil.

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Der Kellerraum unterhalb der Zehentscheune

Im 1. Obergeschoß  erstrahlt der „Rittersaal“ als Prunkraum und mit modernster Tagungstechnik, ergänzt wird er von der „Tafelrunde“ (kleiner Konferenzraum) und Lobbyräumen für Stehempfänge. Im rückwärtigen Bereich sind 22 Zimmer mit 45 Betten. Weitere Gästezimmer sind in den drei Dachgeschoßen, darunter drei Suiten, eine Dachterrasse mit Aussichtsplattform und Personal-Sozialräumen.

Als die Stadt noch von einer Sanierung mit geringerem Umfang ausging, da standen 2009 schon Kosten von 5,5 Millionen Euro in Rede. Als sich die Pläne konkretisierten summierten sich die reinen Baukosten auf 7,3 Millionen Euro, dazu kommen noch die 700000 Euro an Einrichtungskosten. Allein der Brandschutz bedingte Kosten von rund einer Million Euro.  Die Zwischenrechnung des Rathauschefs: „Wir haben bisher schon mehr als 100000 Arbeitsstunden. Und wir können sagen, dass das Raumvolumen 25 Einfamilienhäusern entspricht.“ Die Stadt erhält 4,6 Millionen Euro an Zuwendungen aus verschiedenen Fördertöpfen des Bundes, des Landes und auch einen Zuschuss der Stiftung Deutsche Denkmalpflege.  Dennoch bleiben der Kleinstadt  3,5 Millionen Euro, die sie an Eigenmittel aufbringen muss.

Betrieben wird die Restauration von der „Alte Vogtei  GmbH“. Sie tritt gegenüber einem städtischen Eigenbetrieb als Pächterin auf.  Die Firma ist der geballte Sachverstand der drei Familien mit großer gastronomischer und touristischer Erfahrung. Siegfried Blank, der Geschäftsführer, war beispielsweise 30 Jahre Referent der Stadt Ansbach für Tourismus und Kultur. Er ist in der ganze Region bestens vernetzt. Er schwärmt von der Stadt: „Wolframs-Eschenbach ist es wert, weiter erschlossen zu werden.“  Das Engagement der drei Familien ist generationenüberreifend und das gibt der Stadt auch Sicherheit.

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Geschäftsführer  Blank im Modellzimmer

Von der Zusammenarbeit mit den Betreibern ist Bürgermeister Michael Dörr regelrecht beglückt:  „Alle sitzen seit 2013 mit am Tisch. Aus den vierzehntägigen Fachgesprächen ist ein tolles Team erwachsen. Selten hat ein Pächter diese Möglichkeit, auf die Dinge Einfluss zu nehmen.“   In der langen Planungs- und Bauzeit habe es nie Konflikte gegeben, immer nur konstruktive Gespräche.  Zu denen, die für das geschmackvolle Interieur des Hauses zuständig sind, gehört auch die Wassermungenauer Innenarchitektin Heidi Frank.

Bis zur offiziellen Eröffnung am 3./4. März 2017 haben die Handwerker noch viel zu tun. Viele von ihnen kommen aus der Region. Zum Festakt  am 24. März wird auch der aus Franken stammende Heimatminister erwartet.  Das Hotel „Alte Vogtei“ bietet zehn Vollzeit-Arbeitskräften eine berufliche Position, dazu kommen etwas 20 Aushilfskräfte im Servicebereich.

Werner Falk (falk-report.de)

 

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