Schwammspinner wird zur „Seuche“

Der Schwammspinner im Burgstallwald verursacht hohe Schäden

Der Schwammspinner verbreitet sich in Kürze überall. Foto: FR Presse

Am Hauseingang der Postlers „begrüßt“ der Schwammspinner die Gäste, zu denen bisher nicht die Angehörigen der Interessengemei nschaft gegen die Bekämpfung gehörten.

Inge, Ann-Kathrin und Gerhard Postler, die Eigentümer des „Pulverhauses“ ganz nah am Burgstallwald, sehen sich einem ausweglosen Kampf gegen den Schwammspinner gegenüber. Obgleich sie jeden Tag die Hauswände abkratzen werden es immer mehr Raupen. Wie gefräsig sie sind, das zeigt sich in ihrem hübsch angelegten Garten: Rosen und alle anderen Ziergehölze sind abgefressen, und  nur noch die wenigsten Bäume sind belaubt. Der Schwammspinner leistet „ganze Arbeit“. Die Höhe des Schadens können die Eigentümer nur erahnen, ausgerechnet haben sie ihn selbst ansatzweise nicht. Das wahre Ausmaß ist noch gar nicht abzusehen, denn wie es aussieht  dauert die Plage noch ein paar Wochen an. Gerhard Postler verrät seine Gemütslage: „Das macht dich hysterisch. Wir können gar nicht mehr abschalten.“

Wie den Postlers ergeht es auch anderen Grundstücksbesitzern in der Leonhardsruhstraße.  Elisabeth und Hans-Peter Lautner werden schier wahnsinnig angesichts des nicht enden wollenden Übergriffs auf ihren Garten und ihr Haus. Mehr als 80000 Raupen haben sie schon entfernt – und es werden täglich mehr. Kein Wunder, dass die Nerven der Hausbesitzer arg strapaziert werden. Die Geschädigten erwarten, dass man sie nicht allein lässt  mit der Folge der forstbehördlichen Entscheidung (zuständig: Staatsforsten in Allersberg), den Schwammspinner am Burgstallwald nicht aus der Luft chemisch zu bekämpfen und stattdessen den Wald in einem wissenschaftlichen Projekt fünf Jahre zu begleiten. Immerhin: Bürgermeister Karl-Heinz Fitz und etliche Stadträte nehmen sich der Sorgen der Geschädigte an, haben sich vor Ort ein Bild gemacht. Der Rathauschef hat zudem alle Stadträte für Montagabend eingeladen, sich am Pulverhaus ein Bild von der – inzwischen bedrohlichen – Lage zu machen.  Ohnmächtig muss auch Förster Stemmer zusehen, der sich ursprünglich für eine Bekämpfung aus der Luft ausgesprochen hatte.

Der Burgstallwald steht heute so da wie im letzten Jahr: Kahlfraß wohin man auch schaut!  Fraglich ist, ob sich die geschädigten Eichen wieder erholen können. Möglicherweise wird auch der zweite Trieb, der sogenannte Johannistrieb, vom Schwammspinner geschädigt. Als Anzeichen dafür gilt der Hinweis auf die vielen kleinen Raupen, die überall zu sehen sind. Sie werden sich in den nächsten Wochen vermutlich noch sattfressen an den jungen Trieben bevor sie sich verpuppen – und im nächsten Jahr wiederum massenhaft auftreten.

So sieht es aus am „Pulverhaus“ nahe dem Burgstall. Ich habe mich wiederholt vom Ausmaß der „Seuche“ überzeugen können.

Der Schaden, den die Grundeigentümer an der Leonhardsruhstraße haben,  ist jedenfalls beträchtlich. Ihnen gilt mein Mitgefühl. Ob das auch von denen gezeigt wird, die sich gegen die Bekämpfung ausgesprochen haben, nicht zuletzt den Anhängern der Interessengemeinschaft,  ist bisher nicht bekannt. Öffentliche Erklärungen dazu liegen jedenfalls nicht vor.

Gestern und heute: Meine Meinung ist gleich geblieben

So wie die Situation heute ist, sehe ich mich in meiner Auffassung bestätigt, die ich in der Stadtratssitzung dargelegt habe. Hier meine Erklärung vom 20. März 2019:

Der Schutz des Eigentums ist eine der klassischen liberalen politischen Positionen. Wir müssen sehen, dass im Fall eines Nichteingreifens gegen den Schwammspinner im Burgstallwald ganze Bestände von alten Eichen zerstört werden können. Zwar könnte der Einschlag wirtschaftlich verwertet werden, aber die Sparbüchse des Waldbauern wäre geleert.

Wir leben vom Prinzip Hoffnung, wenn wir uns der chemischen Bekämpfung verweigern und uns trösten: Es wird schon nicht so schlimm kommen! Aber wenn heuer wieder ein extrem trockenes Jahr wird, dann sieht es schlecht aus. Dessen müssen wir uns bewusst sein.

Es ist gut, den Burgstallwald in ein staatliches Wissenschaftsprogramm aufzunehmen. Aber bis ein Gutachten einen ausreichenden Erkenntnisgewinn bringt, kann der Burgstallwald längst tot sein. Hilfe dürfen die privaten und kommunalen Waldbesitzer aber von der Gesellschaft, sprich dem Staat, erwarten. Er muss sich im Fall einer unterlassenen Hilfeleistung der Entschädigungsfrage zuwenden und Wege aufzeigen, wie im gegebenen Fall die Wiederaufforstung gelingen kann.

Bei Abwägung aller Gesichtspunkte bin ich dafür, dass wir unseren Burgstall nicht dem – immerhin vorstellbaren – Verfall preisgeben. Der intakte Wald ist wichtig für unser Klima, der abgestorbene Wald kann es nicht sein.

Es geht mir vorrangig um das Wohl der Menschen, die hier Entspannung und Ausgleich vom Stress unserer Tage suchen und um die Ehrfurcht vor der jahrhundertealten Baumsubstanz – vor der fragwürdigen Gefährdung von Tieren, Vögeln und Kleinlebewesen. Fragwürdig deshalb, weil sich die Experten unterschiedliche Einschätzungen liefern, wie die Auswirkungen von Mimic auf Mensch, Tier und die Natur sind.

Ich zolle all jenen Respekt, die sich für unsere Natur leidenschaftlich einsetzen. Ich sehe mich in meinem persönlichen Verhalten auch als Natur- und Landschaftsschützer – und zwar nicht verbal, sondern in der Tat. Auch als Vorsitzender des historischen Vereins stehe ich in der Pflicht, dem Burgstall als identitätsstiftende und stadtbildprägende Einrichtung seine Vitalität zu erhalten.

Nach reiflicher Überlegung komme ich zu der Meinung, dass wir unseren Burgstall als funktionierendes Ökosystem nicht sehenden Auges ins Verderben schicken sollten. Das darf eigentlich auch die Staatsforstverwaltung nicht tun, wenn sie ihrer Verantwortung nachkommen will. Insofern erwarte ich, dass die Staatsforsten ihre Position überprüfen, zumal ja alle Forstleute vor Ort dafür sind, eine wirksame Bekämpfung des Schwammspinners vorzunehmen, um so einer ökologischen Katastrophe aus dem Weg zu gehen.

WERNER FALK, Stadtrat der FDP in Gunzenhausen

2 Thoughts on “Schwammspinner wird zur „Seuche“

  1. Gerhard Postler on 13. Juni 2019 at 22:49 said:

    Lieber Werner,
    Danke für Dein und Sybilles Mitgefühl, auch für Deine Unterstützung.
    Wenn Ihr uns auch nicht direkt helfen könnt, aber die mitfühlenden Worte tun in so einer Lage gut.

    Wo sind unsere grünen Politiker, voran Herr Schnell der den Antrag im Stadtrat eingebracht hat nicht zu spritzen. Auch die Gegner die sich gegen das besprühen ausgesprochen haben, schützen nicht die Natur sondern zerstören sie Wissentlich. Auch eine Frau Kresse, sie wollte mit einem Trupp Leute kommen und die Raupen einsammeln, keine Reaktion. Inzwischen bräuchte man eine Hundertschaft um sie Raupen ein zu sammeln
    Bisher hat sich noch keiner gemeldet.

  2. Hannelore Rienth on 16. Juni 2019 at 23:31 said:

    Es ist traurig – habe mehrmals die Verantwortlichen der Stadt -Bürgermeister Fitz – Forstamt Allersberg-
    und auch Regensburg angechrieben auch unseren Minister Söder — keine, oder nur sehr dünne
    und unwissende dumme Antworten. Mein Haus ist ringsum befallen, der Rasen ist schwarz. – Die Hausfassade ist übersät mit
    braunen Flecken – unser Wald hat keine Blätter, die Vögel haben Hunger und kein Wild ist mehr
    da. Aber eine Fledermaus muss man schützen – was ist mit uns Menschen. Diese Plage bestimmt
    unseren Alltag –
    Wo leben wir denn, wenn solche Dummschwätzer über uns entscheiden dürfen!!!!
    Vielleicht jetzt, wo die Plagegeister “ Tierchen“ schon alles aufgefressen haben und den Wald fast verlassen haben, wird evtl mal einer wach. Das kann es doch nicht sein.
    Meine Nerven sind am Ende —
    Grüsse

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