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Sicherheitswacht von damals

Die Nachtwächter Gunzenhausens in vergangenen Jahrhunderten

Man kennt die „Schwarzen Sheriffs“, die in den Städten ihre Runden drehen, um „für die öffentliche Sicherheit und Ordnung“ zu sorgen, wie es auch die Polizei tut. Ihre Kompetenzen sind allerdings begrenzt. Sie dürfen Personen ansprechen und Daten ermitteln, aber sie können über keine Strafen verfügen. Gunzenhausen hat auch eine Sicherheitswacht. Den Begriff der Sicherheitswacht hat es aber schon vor deren Einsatz in Bayern ab 1994 gegeben – und zwar als Nachfolger der Nachtwächter bis nach dem Ersten Weltkrieg.

Werner Neumann ist den Nachtwächtern von Gunzenhausen auf die Spur gegangen. Er hat die Namen der Männer eruiert, die in der Kernstadt, der Unteren und Oberen Vorstadt ihren Dienst verrichteten. Darunter sind im neuen Jahrbuch „Alt-Gunzenhausen“ viele Namen zu lesen, die heute noch im Einwohnerverzeichnis gemeldet sind: beispielsweise Deuerlein, Hertlein, Vorbrugg, Huber, Baron, Braun, Meyer oder Hummel.  In ihrem Diensteid bekundeten sie: „Ich schwöre zu Gott, dass ich in den Hauptgassen und Nebengässlein fleißig  nachschauen will, ob keine verdächtige, auf Diebereien, aber auch gefährliche Zänkereien, allerlei Frevel, Tumult, Feuersgefahr oder sonst dergleichen Unfall zu verspüren sind“. Sie versicherten, sich „eines nüchternen und ehrbaren Lebenswandels befleißigen zu wollen“.

Der Nachtwächter hatte – so eine Magistratsverpflichtung von 1876 – an 16 Plätzen die Stunden zu rufen, auf Feuer und Licht „besonders Acht zu haben“, offene Türen dem Hauseigentümer sofort anzuzeigen und sich gegenüber den Einwohnern „bescheiden und höflich“ zu benehmen.  Auch die Straßenlaternen waren von ihm zu kontrollieren.

Eine Änderung gab es 1897, als der Magistrat (heute: Verwaltung) und die Gemeindebevollmächtigten (heute: Stadträte)  eine neue Instruktion für die drei Sicherheitswächter beschlossen. Das „Gunzenhäuser Anzeigeblatt“ berichtete: „Endlich wird auch in Gunzenhausen der veraltete Brauch, die Nachtstunden laut pfeifend und singend durch die Nachtwächter ansagen zu lassen, von der Bildfläche verschwinden. Es ist diese Neuerung mit Freude zu begrüßen, denn es kann doch auch nichts Verkehrteres geben, als dass Derjenige, welcher berufen ist, über die Nachtruhe der schlafenden Einwohner zu wachen und sie vor Dieben zu schützen, lärmend durch die Straßen zieht.“ Folglich traten die Männer künftig als „Stillwache“ auf und mussten keinen „Warnruf“ mehr von sich geben. Zudem wurden „patent. Wächter-Controle-Uhren“ installiert. Jeder Wächter hatte sechs Stationen in eineinhalb Stunden zu durchlaufen und ein in der Uhr befindliches Kontrollblättchen zu markieren. Eine Ausnahme gab es dennoch für den Fall, dass ein Wächter „insulfiert“ (beleidigt) oder bedroht wurde: er durfte mit der Pfeife Notrufe machen, so dass die andern beiden Wächter oder Polizeimannschaften „zueilen“ konnten.

Mit der Einberufung der Männer zum Militärdienst während des Ersten Weltkriegs war ein Ersatz für sie schwer zu finden.  Wie Werner Neumann recherchiert hat, funktionierten die Nachtwächterdienste 1919 nicht mehr.

WERNER FALK

Das Jahrbuch „Alt-Gunzenhausen“ ist für 25 Euro im Buchhandel erhältlich. In der 480 Seiten starken Jubiläumsausgabe sind 21 Beiträge von 18 Autoren enthalten.