Mobile Zukunft im ländlichen Raum

Integrierte Ländliche Entwicklung Fränkisches Seenland-Hahnenkamm

Die interkommunale Zusammenarbeit der elf Gemeinden wird fortgesetzt.

Die 11 Kommunen der „Arbeitsgemeinschaft Integrierte Ländliche Entwicklung Fränkisches Seenland-Hahnenkamm“  – neben der Stadt Gunzenhausen noch die Marktgemeinden Absberg, Gnotzheim, Heidenheim und die Gemeinden Auhausen, Haundorf, Muhr am See, Polsingen, Pfofeld, Westheim und Theilenhofen – haben sich einstimmig für die Fortführung der interkommunalen Zusammenarbeit ausgesprochen und werden ein neues Zukunftskonzept für diese Zusammenarbeit sowie für gemeinsame Projekte erarbeiten. Unter der Moderation von Joachim Reinderl und Wolfgang Heinlein vom Amt für Ländliche Entwicklung Mittelfranken diskutierten der Bürgermeister von Gunzenhausen, Karl-Heinz Fitz (auch Vorsitzender des Gremiums) mit Kolleginnen und Kollegen sowie weiteren Akteuren aus den Kommunen mit welchen Inhalten, Perspektiven und Strategien dieser Weg bis etwa 2028 in Angriff genommen werden kann.

Es hat sich in der Abwägung der Themen abgezeichnet, dass – neben der nachhaltigen Energieversorgung – die mobile Zukunft der Region eine absolute Priorität erhielt. Die beteiligten Kommunen waren sich in der Einschätzung einig, dass es vor allem die Qualität der Mobilität ist, welche bislang die Standortvorzüge des ländlichen Raums gegenüber den städtischen Agglomerationen benachteiligt und das deswegen genau hier der Hebel der strukturellen Veränderung angesetzt werden muss.
Da die Stadt Gunzenhausen mit ihren Verkehrsbetrieben, dem Stadtbus und dem Rufbussystem bereits über wichtige Module verfügt und mit den Planungen für ein Mobilitätszentrum in den Räumlichkeiten des Bahnhofs Gunzenhausen zentrale Kernelemente einer umfassenden Mobilitätsstrategie bereits aufgebaut hat, soll daran interkommunal angeknüpft werden. Das Angebot des Rufbus ist bereits mit der Gemeinde Pfofeld erweitert worden, zwei weitere Kommunen haben ihr konkretes Interesse bekundet. Es erscheint im Hinblick auf die von allen Kommunen gewünschte Aufwertung der Mobilitätsangebote daher aussichtsreich, dieses Rufbus-System gezielt um noch deutlich mehr Kommunen aus der ILE-Region in ein mobiles Zukunftsnetz zu erweitern. Dabei sollte aber im Auge behalten werden, dass es auch weitere vergleichbare Bestrebungen rund um Oettingen oder Wassertrüdingen gibt, die man ggf. sinnvoll miteinander verknüpfen kann. Es muss daher das Ziel bleiben, dass wohnortnah ein zuverlässiges, finanzierbares und für die Teilnehmenden leicht verfügbares Mobilitätssystem über enge Verknüpfungen zwischen Straße und Schiene mit flächendeckender Relevanz gewährleistet werden kann.

Verkehrssysteme verknüpfen

Die Kommunen der ILE-Region Fränkisches Seenland-Hahnenkamm sehen aber auch in dem im Entstehen befindlichen Mobilitätszentrum in Gunzenhausen einen weiteren Vorteil für eine bessere Ausnutzung und Verknüpfung unterschiedlicher Verkehrssysteme. Da hier auch der Beratung künftig eine sehr viel höhere Bedeutung zukommen wird, könnte der sehr zentral gelegene Standort am Bahnhof in Gunzenhausen diese Rolle als ein regionales Mobilitätszentrum optimal erfüllen. Dies bedeutet, dass dann nicht nur die Verkehre auf der Schiene ideal mit den unterschiedlichen Angeboten auf der Straße verknüpft werden, sondern dass dadurch auch eine effiziente Schnittstelle zum Radverkehr entstehen kann. Die Kommunen waren sich in ihrer Einschätzung einig, dass der Radverkehr in der Zukunft einen sehr viel größeren Stellenwert im Mobilitätsnetzwerk einnehmen wird. Dieses Ziel wird aber nur erreichbar sein, wenn das vorhandene und Radwegenetz gezielt ausgebaut wird und zusätzlich vor allem verkehrssichere Radwege konzipiert und mit den wesentlichen Netzwerkknoten verbunden werden. Das bedeutet dann nicht nur, dass z.B. der Standort am Bahnhof Gunzenhausen, sondern alle anderen Zug- und Bushaltestellen eine optimale Radwegeanbindung erfahren und dort auch eine sichere und vor Witterungseinflüssen geschützte Radunterstelltechnik angeboten wird, deren Errichtung durch eine finanzielle Unterstützung öffentlicher Programme bereits heute möglich ist. Dies wird eine umso größere Bedeutung gewinnen, wenn der Trend zu immer hochwertigeren Rädern, vor allem aber auch Lastenrädern anhalten wird. Denn gerade diese werden nur dann umfassend in Verbundverkehre integriert, wenn an den Schnittstellen zum Bus- oder Schienenverkehr auch für diese Räder sichere Unterstelloptionen angeboten werden. Erfahrungen aus anderen Regionen lassen erkennen, dass gerade solch attraktive Verknüpfungen von Mobilitätssystemen die Nachfrage nach öffentlichen Verkehrsdienstleistungen stark ansteigen lässt.

Neben infrastrukturellen Voraussetzungen halten die Kommunen der ILE-Region aber auch weitere organisatorische Angebote für unverzichtbar, wenn die umfassende Mobilität im ländlichen Raum – als zentrales Qualitätsmerkmal – künftig den Vergleich mit dem Ballungsraum auf einer ange-messenen Augenhöhe bestehen will. Dazu gehören vor allem leichter zugängliche Formen einer individuellen Mobilität, wie sie in den Städten längst ihren Einzug gehalten hat. Die sind z.B. Sharing-Angebote für Fahrzeuge aller Art, auch im E-Mobilitätsbereich. Der dafür notwendige – sicher privatwirtschaftlich aufzubauende – Koordinierungsaufwand wäre in ein Mobilitätszentrum optimal zu integrieren.

Mobilität ist große Herausforderung

Alle beteiligten Kommunen stimmten überein, dass die Mobilität im ländlichen Raum eine große Herausforderung im Hinblick auf die konkrete Umsetzung darstellt. Aber es bestand auch Konsens darüber, dass sie in der Tat alternativlos ist, will man die Lebensqualität des ländlichen Raums dauer-haft und umfassend sichern. Natürlich muss die Finanzierbarkeit dieser Zukunftsstrategie auch leistbar sein. Dies gilt auch – oder gerade – vor dem Hintergrund der momentan unkontrolliert steigenden Energiepreise.
Es hängt nicht mehr und nicht weniger als die Zukunftsfähigkeit unserer Region von der Qualität der Mobilität ab, fassten Karl Heinz Fitz als Vorsitzender und Susanne Feller (1.Bgm`in der Marktgemeinde Heidenheim) als stellvertretende Vorsitzende der ILE-Region die Diskussionen zusammen.

Das Instrument der Integrierten Ländlichen Entwicklung (ILE) hat sich in den letzten 10 Jahren als eine verlässliche Plattform herausgestellt, um Anliegen des ländlichen Raums sehr gut zu bündeln und gemeinsam umzusetzen. Die Mobilitätswende wird daher nur genau in dieser Gemeinschafts-verantwortung zu lösen sein.
Die Kommunen der ILE-Region Fränkisches Seenland-Hahnenkamm haben sich aber auch weitere ehrgeizige Ziele für die kommenden Jahre gesetzt. Diese werden – wie auch die Mobilität – in ein neues ILE-Konzept münden, das im Jahre 2023 erarbeitet werden soll und einen Zeitrahmen von weiteren fünf Jahren umfassen wird.

DIETER POPP

Kontakt:
ILE-Umsetzungsbegleitung c/o FUTOUR Regionalberatung
Vogelherdweg 1, 91729 Haundorf, dieter.popp@futour.com

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