Die Bergmesse gibt es noch

Der Hesselberg und seine Geschichte hat viele Facetten

Nicht nur über die volkskundlichen Eigenarten, wie die Hesselberger Mundart, berichtet das Heimatbuch von Max Börner. Es ist 1927 erschienen. Die Illustration stammt von Conrad Scherzer, ebenso das Titelblatt.

„Es ereignete sich nicht ein einziger Exzeß. Dies ist jedoch der heiteren Bergluft und dem Genuß  im Freien ohnfehlbar am meisten beizumessen“. Hans Ernst Freiherr von Lüttwitz, Wassertrüdinger Kreisdirektor zu Anfang des 19. Jahrhunderts, quittierte mit diesen Worten das Debüt der Bergmesse auf dem Hesselberg vom 10. bis 13. Juni 1804. Ein Jahr zuvor, am 10. Juni 1803, hatte der Preußenkönig Friedrich Wilhelm III. den Hesselberg besucht und damit den Impuls für die Bergmesse ausgelöst, die – mit etlichen Unterbrechungen und starken Veränderungen – bis heute begangen wird.

„An 5 Stunden Weges, die eher nicht im besten Stande waren, wurden binnen 3 Tagen so ausgebessert und hergestellt, dass der König Allerhöchstselbst geruhte darauf aufmerksam zu werden und den Weg für gut zu erklären“, notierte der Kreisdirektor in seinem „Kreis-Zeitblatt“, das in 69 Ausgaben von 1802-05 erschien, von dem aber nur mehr zwei  Exemplare im Archiv schlummern. Wenn man Berichten aus jener Zeit glauben darf, dann waren zur ersten Bergmesse an die 20000 Menschen gekommen, es wird aber gleich eingeschränkt, dass es nur 12000 gewesen sein könnten. Wie dem auch sei,  zehn Wirte stellten „große Bretterbuden“ auf „worin auch getanzt wurde“.  Und in einem „engen Circus“ waren die Handelsbuden gruppiert.

Die Zeitläufte waren zunächst gegen eine große Tradition der Bergmesse. Wie der Heimatschriftsteller Max Börner in seinem  1927 erschienenen Buch „Im Bannkreis des Hesselbergs“  schreibt,  haben die „napeleonischen Wirren“ und der Übergang vom Fürstentum Brandenburg-Ansbach an das Königreich Bayern die Messe „vorderhand einschlafen lassen“.  Erst der Wassertrüdinger Landrichter Bartholomae reaktivierte sie am 18. Juni 1820, so dass es einen dritten Anlauf gab.  Die Resonanz war damals enorm: 254 Buden und Stände waren aufgebaut (ein Jahr später waren es sogar 385), die Besucher leerten 358,5 Eimer Bier, 432 Flaschen Wein, 76 Maß Branntwein, sie verzehrten 5940 Kreuzerbrote, 10600 Würste, 167 Stück Geflügel und 2,5 Zentner Fleisch.  

Der Chronist bemerkt, dass die Messe nach 1837, als sie an die Gemeinde Röckingen übertragen wurde,  „langsam ihrem Verfall entgegen ging“. Aber 1856 gab es noch einmal einen Höhepunkt mit der Einweihung des Gustav-Adolf-Denkmals, das die Gemeinden Röckingen, Ehingen, Gerolfingen, Lentersheim finanzierten. Realisiert wurde ein Entwurf des Steinhauermeisters J. Wengert aus Treuchtlingen, der eine vierkantige zinnenbekrönte Säule aus Kalkstein schuf. Sie erinnerte lange Zeit an den Besuch des Schwedenkönigs 1632 und an die Visite des Preußenkönigs 1803. 1936 wurde das Denkmal von den Nationalsozialisten zerstört.

Dauerte die Messe anfangs noch acht Tage, so wurde sie später auf einen Tag reduziert. Die Kriegsjahre bewirkten den völligen Stillstand. Dafür sorgten die Nationalsozialisten in den dreißiger Jahren (1933-1939) für riesige Aufläufe, wenn sie dort ihre „Frankentage“ als Huldigung an den „Führer“ und seiner nationalsozialistische Idee begingen. Bis zu 100000 Besucher sollen auf den „Berg der Franken“ geströmt sein, um dem gastgebenden Gauleiter Julius Streicher zuzujubeln. In den fünfziger Jahren versuchten die Hesselbergpolitiker, die alte Markttradition wieder zum Leben zu erwecken. Die Röckinger Vereine übernahmen die Ausrichtung der Bergmesse, die nach Mitteilung von Hesselbergkenner Hans Spatz aus Ehingen von einem volksfestähnlichem Betrieb begleitet war. An die zehn Aussteller sind es heute noch, wenn am ersten Sonntag im Juli der Berg ruft.

Der Heimatschriftsteller  Max Börner  („Ich lieb´ die Bauern, denen ich entstamme, und deren Mark aus deutscher Erde wächst“) rechtfertigt sein Porträt des Hesselberg in vielen Facetten, denn er erlebte seine Jugendjahre „mit Spiel und Arbeit“, genoss dort „die Vorzüge einer gewissenhaften und frommen Erziehung“ und lernte „Bauernart und Heimatsitte“ kennen.  

WERNER FALK

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