Wechselspiel der Gefühle

Wünsche an die Zukunft – Hoffnungen für 2022

Vor einem Jahr habe ich mit Gedanken über das neu anbrechende Jahr die Vermutung geäußert, dass uns diese Pandemie über das gesamte Jahr begleiten wird. Leider hat sich diese Befürchtung bestätigt. Und vor einem Jahr hatte ich zu den Feiertagen die Hoffnung gehabt, dass die Solidarität in unserer Gesellschaft auch stärkere Einschnitte – als die damals nur halbherzig gewagten – aktiv mitträgt. Auch in diesem Jahr hat eine neue Bundesregierung diesen Mut wieder nicht aufgebracht, obwohl leider erneut deutlich war, wie bedrohlich uns immer noch diese Pandemie die Lebensqualität nimmt. Wissenschaftler von Hendrik Streeck bis Chirstian Drosten – sonst selten einer Meinung – zeigten sich einhellig alarmiert. Das Robert-Koch-Institut hat klare Worte gefunden und dennoch sind die über die Feiertage in unser aller Interesse gebotenen und notwendigen Maßnahmen weit hinter den damit verbundenen Erwartungen einer eindeutigen Mehrheit in unserer Bevölkerung zurückge-blieben. Ein Karl Lauterbach in der Rolle des Talkshow-Gastes vertritt nun mal eine andere Auffassung als der jetzt in eine Kabinetts- und Koalitionsdisziplin eingebundene Gesundheitsminister Karl Lauterbach. Wir werden aber diese Krise nur überwinden und unsere Freiheit sowie die ersehnte Lebensqualität wieder gewinnen können, wenn wir in umfassender Solidarität einmal auf die – sicher nicht für alle gleichermaßen spürbaren – Vorzüge unserer Freizeitgesellschaft zeitlich befristet verzichten könnten. Es ist wirklich schwer zu verstehen, dass solche unpopulären Entscheidungen nicht im – von Wissenschaft geforderten und einer Gesellschaftsmehrheit ja ersehnten – Maße konsequent getroffen werden. Will uns das politische Berlin tatsächlich noch einmal in dieses Wechselspiel der Gefühle entlassen und ein weiteres Jahr mit nur teilweise wirksamen Schritten gegen diese sich breit etablierende Pandemie verstreichen lassen?

Angesichts der uns noch sehr viel stärker als diese Pandemie und ebenfalls global bedrohenden Gefahren des Klimawandels, wird ebenfalls eine umfassende Solidarität von uns erwartet. Das wir diese aufbringen können, haben die Sturzflutereignisse dieses Jahres eindrucksvoll bewiesen. Freilich hatten die mit dem Klimawandel nur teilweise zu tun, die Gründe für das Ausmaß dieses Flutereignisses lagen wohl eher in der Missachtung von ausgewiesenen Überflutungsbereichen im Zuge der Bebauungsplanung früherer Jahrzehnte. Gleichwohl konnten wir hier diese großartige und bis heute anhaltende Solidarität erleben. Eine Solidarität, die uns bis jetzt auch gut durch die Pandemie getragen hat. Denn es entspricht nicht der gängigen Wahrnehmung, dass unsere Gesellschaft gespalten sei. Ein überwältigender Teil der Bevölkerung zeigt auch in der Pandemie eine umfassende Solidarität gegenüber jenen, die sich nicht oder noch nicht schützen können. All diejenigen, die sich aus diesen Gründen für eine Impfung entschlossen haben und damit auch ihre Solidarität unter Beweis stellten, stehen für die gemeinschaftliche Verantwortung unseres Gemeinwesens. Und sie sichern uns damit auch die Freiheit, in absehbarer Zeit wieder die Annehmlichkeiten des Lebens umfassend wahrnehmen zu können. Wer Freiheit mit „Freiheit zur Unsolidarität“ verwechselt, kann nicht den Anspruch haben, den gesellschaftlichen Dialog konstruktiv bereichern zu wollen. Auch wenn uns die Medien täglich Bilder von demonstrierenden Menschen liefern und sich manche beängstigt fragen, warum so viele hinter diesen hohlen Phrasen mitlaufen oder gar vorgetragenes populistisches Gedankengut unkommentiert hinnehmen, dürfen wir die Dimensionen nicht aus den Augen verlieren. Das ist eine Minderheit!
Uns muss nur endlich bewusst werden, dass es in dieser freiheitlichen Gesellschaft – und das ist nicht nur in Deutschland der Fall – einen Teil der Bevölkerung gibt, die einem solchen Gemeinwesen kritisch bis teilweise auch militant gegenüberstehen. Das ist aber nicht neu, Corona hat dieses Missverhältnis nur sehr transparent gemacht.

Mit dem Klimawandel und den zu seiner Bewältigung zu ergreifenden Maßnahmen werden wir nämlich in sehr naher Zukunft vor sehr viel größeren Aufgaben und Herausforderungen stehen. Und auch hier wird es wieder eine – in den letzten Jahren immerhin stark geschwundene – Minderheit geben, die zum einen den Klimawandel leugnet und zum anderen dann natürlich auch alle Strategien dagegen ablehnt. Aber auch das wird weder unsere Gesellschaft in Deutschland, noch in Europa spalten. Wir dürfen uns – wie bei der Pandemie – der immer stärkeren Unterstützung aller wissenschaftlichen Disziplinen sicher sein und davon ausgehen, dass auch hier einschneidende Schritte von der Solidarität der Vernunft getragen werden. Deswegen wird auch hier wieder unsere Solidarität gefragt sein, aber nicht nur. Sicher aber nicht nur im Inneren wie bei der pandemischen Lage und den Sturzflut-Ereignissen. Denn gerade hier liegen die umfassenden Lösungen auf der globalen Ebene, wie – um nur zwei Beispiele in Anspruch zu nehmen – das kontinuierliche Abschmelzen der Pole, das Auftauen der Permafrostböden oder die bis in die entferntesten Ozeane der Welt reichende Plastikflut unserer Industriegesellschaft offenbaren.

Solidarität heißt hier, auch dann zu beginnen und Fakten zu setzen, wenn noch nicht alle in der Lage oder bereit sind, diesen Weg jetzt schon zu bestreiten. Die Welt ist aber überall über die Folgen des Klimawandels alarmiert. Dort, wo Meinungsfreiheit herrscht, wird dies unüberhörbar deutlich. „Fridays for Future“ war dazu beileibe nicht der Anfang, aber der Beginn eines weltweit wahr-genommen Weckrufs der jungen Generation. Diese – die all diese Folgen vor allem noch ausbaden müssen – erwarten hier nun unsere Solidarität. So wie sie sich in der ersten Phase der Pandemie überzeugend solidarisch mit den Ängsten und Erwartungen älterer Generationen gezeigt haben. Auch hier geht niemand davon aus, dass unsere Gesellschaft gespalten ist. Natürlich gibt es jene, die es als ihre Freiheit ansehen, die nicht mehr zu leugnenden Argumente der Wissenschaft weiter hartnäckig zu ignorieren. Diesen Widerspruch muss eine freiheitlich orientierte Gesellschaft aber aushalten. Sie muss mit Argumenten dagegen konstruktiv vorgehen. Das gilt gerade jetzt auch für den Weg, der nun aus dieser Klimakrise gesucht werden muss. Auch da gibt es noch etliche Optionen, aber der wissenschaftliche Mainstream ist eindeutig. Die Gesellschaft ist nicht gespalten, dass wir an einem kritischen Punkt stehen und noch Entscheidungen notwendig werden, die weit – sehr weit – über politische Legislaturperioden hinausreichen. Es wird und es muss darum weiter gerungen werden, welche Schritte uns möglichst schnell und effizient zu den global notwendigen Zielen führen werden.
Hier aber wird unsere Solidarität auch global gefordert sein. Und dies darf keine Einbahnstraße bleiben. Denn wir können bei diesem Thema nur solidarisch Erfolg haben, wenn vor allem afrikanische, südamerikanische und etliche südasiatische Völker nicht alleine von Europa, Kanada und Japan, sondern auch von den USA, Russland, China, Indien und Brasilien massiv und effizient unterstützt werden. Hier vor allem gilt es noch einen politischen Konsens zu finden, wie auch diese – in der Tat gespaltenen – Länder in eine globale Solidaritäts-Strategie für die Zukunft unseres Planeten eingebunden werden können.

Die Herausforderungen des Klimawandels sind zu schaffen – auch jetzt noch – aber nur mit dem Willen, diese Aufgabe in globaler Solidarität anzugehen. National wird diese Aufgabe nicht zu stemmen sein – auch nicht von jenen, die das momentan noch als Perspektive sehen.

In diesem Sinne, auf 2022 liegen viele Hoffnungen……

Dieter Popp (Haundorf), Regionalberatung

Teile diesen Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Post Navigation