FAU kooperiert mit Stadt

Auf den Spuren der römischen Vergangenheit

So finden die Römer von heute Aufmerksamkeit. Sie begleiten das wissenschaftliche Programm.


In und um Gunzenhausen haben die Römer deutliche Spuren hinterlassen. Die Altmühlstadt war aufgrund ihrer strategisch hervorragenden Lage der perfekte Ort um sich zu befestigen und ein Lagersystem zu errichten. Das römische Kastell Gunzenhausens war der nördlichste Außenposten der Ewigen Stadt am sog. raetischen Limes und bildete damit das geographische Ende des römischen Reichs in Europa. Jahrtausende später sind die Spuren verblasst und das moderne Gunzenhausen hat seine römische Vergangenheit überlagert. Doch Geschichte ruht nicht und möchte gehoben werden. Aus diesem Grund arbeiten die Stadt Gunzenhausen, die Europäische Union und die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) an einer Wiederbelebung des römischen Gunzenhausens.

Geschäftsleiter Zweckverband Altmühlsee Daniel Burmann, Professor Boris Dreyer, Leiter der städt. Touristinformation Wolfgang Eckerlein, Bürgermeister Karl-Heinz Fitz). Foto: StGun/Grosser

Neben dem Gewinn neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse und der Etablierung einer neuen Erinnerungskultur sind mehrere touristische Highlights in Planung. Nun wurde die Kooperation im Rahmen eines Pressetermins und Pilot Site Visits der Öffentlichkeit vorgestellt. Und zwar an einem ganz besonderen Ort, an dem sich Gunzenhäuser Geschichte förmlich atmen lässt: Im Burgstallwald vor den Grundmauern eines Limeswachturms. „Die historische Aufarbeitung unserer römischen Vergangenheit ist immens wichtig für die stadtkulturelle Identität“, so Erster Bürgermeister Karl-Heinz Fitz. „Bis heute sind zahlreiche Fragen offen geblieben und viele kulturelle oder wissenschaftliche Schätze gilt es zu entdecken. Von der Kooperation mit EU und FAU versprechen wir uns neue Zugänge zur eigenen Geschichte, u.a. durch den Einsatz digitaler Werkzeuge um beispielsweise den Limes virtuell wiederauferstehen zu lassen. Wir möchten der Erinnerung an Rom in Gunzenhausen neuen Aufschwung geben und nachhaltige touristische Angebote etablieren.“

So laufen bereits jetzt die Vorbereitungen für einen Gunzenhäuser Römermonat im Juni 2022 auf Hochtouren. Neben der Wiederauferstehung des LIMEStivals soll auch römisches Lagerleben nachempfunden werden oder authentische Ruderfahrten auf dem Altmühlsee möglich sein. „Kochen, backen, Waffen schmieden, Leben eben – künftig wird es in Gunzenhausen wieder römisches Leben zum Anfassen geben“, so Wolfgang Eckerlein von der städtischen Tourist Information. „Eine ganze Palette von touristischen Highlights sind für die kommenden Jahre vorgesehen und werden sukzessive auf- und ausgebaut. So können Interessierte z.B. in die Rolle eines Limes-Soldaten an der Reichsgrenze schlüpfen und dessen Alltag nachempfinden. Oder auf einem Nachbau eines spätantiken Römerboots tolle Abenteuer erleben. Vieles ist möglich, und soll nachhaltig Spaß und Freude machen, und zugleich das Wissen um die Römer erweitert.“

Doch was hat nun die Europäische Union von der römischen Geschichte Gunzenhausens? Die Altmühlstadt, genauer gesagt der Wachturm 14/4 und das Kleinkastell am Hinteren Schloßbuck, wurde als sog. Pilot Site ausgemacht, also als ein Ort, an dem Erinnerung an die römische Zeit möglich ist und auch wissenschaftlich eingeordnet werden kann. Das EU-Förderprogramm „Living Danube Limes“ will die gemeinsame römische Geschichte der Anreinerstaaten entlang des ehemalig römischen Grenzgebietes bis zum Schwarzen Meer durch wissenschaftlich fundierte Öffentlichkeitsprojekte in Erinnerung rufen. Gunzenhausen ist in diesem der westlichste Ort und war in römischer Zeit der nördlichste Punkt des raetischen Limes. Mittlerweile gilt der Limes nicht mehr nur als trennende Außengrenze oder Befestigungswall, sondern hatte vermutlich auch wichtige Funktion für den internationalen Handel mit Gütern und Informationen. Hier gilt es noch zahlreiche Thesen zu überprüfen und wissenschaftlich zu ergründen. Dass dies in Gunzenhausen gelingen kann, hat in jüngster Vergangenheit der Bau der spätantiken Römerboote am Altmühlsee bewiesen. Zahlreiche Freiwillige arbeiten bei Wind und Wetter, ob es kalt ist oder warm am Seezentrum in Schlungenhof an der Fertigstellung des wissenschaftlichen Projekts.

Unter Anleitung von Universitätsprofessor Boris Dreyer wird erlebbares Wissen zum Anfassen geschaffen. „Der Nachbau unserer Danuvina Alacris findet im Rahmen des EU Interreg DTP Projekts Living Danube Limes statt und war letztlich der Startschuss für eine vertiefte Kooperation von Stadt Gunzenhausen, EU und FAU“, so Professor Boris Dreyer. „Forschung überwindet Grenzen und soll nicht nur hinter verschlossenen Türen oder im Museum stattfinden, sondern mitten unter den Menschen, die zusammen ihre gemeinsame Geschichte wissenschaftlich erarbeiten. Gunzenhausen ist mit seiner Lage und der römischen Vergangenheit eine Fund- und Schatzkiste, die wir nur aufzumachen brauchen um Historie zu bergen. Die Kooperation ist für alle Seiten ein großer Gewinn.“

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