Ausstellung statt Theater

Wassertrüdinger Figurentheater war in Bücherei präsent

Eigentlich sind die Handpuppen des Figurentheaters Wassertrüdingen ständig im Einsatz. Aber wegen der Corona-Maßnahmen hat die Puppenspieler-Familie Rehne seit mehr als einem Jahr keine Auftrittsmöglichkeiten. Bis vor kurzem hatte die Stadt- und Schulbücherei Gunzenhausen die „beschäftigungslosen“ Handpuppen für eine stimmungsvolle Ausstellung ausgeliehen. Gemeinsam mit Kasperl und seinen Bühnengefährten waren zudem einige schöne Bühnenbilder und weitere Requisiten zu sehen.

“Fee Annabell” aus dem Atelier Berger.

Marc Rehne leitet seit zehn Jahren das Wassertrüdinger Figurentheater. Er kommt selbst aus einer Puppenspieler-Dynastie, die seit vier Generationen mit einer Tourneebühne deutschlandweit unterwegs ist. Derzeit probt Marc Rehne regelmäßig für seine YouTube-Aufführungen und lässt bei kleinen Theaterstücken seine Puppen auf dem Kanal des Wassertrüdinger Figurentheaters auftreten.

Bei der Ausstellung in der Stadt- und Schulbücherei kam auch ein Stück weit die Familiengeschichte, der aus der Nähe von Husum stammenden Puppenspieler zum Tragen. So wurde der sog. „Erstsatz“ präsentiert, die der Theatergründer, Urururgroßvater Rehne, im Jahr 1876 geschnitzt hat. Kasperl, Seppl, Großmutter, König, Hexe und Prinz gehörten dazu und mit dieser ausgewogenen Besetzung aus wagemutigen Typen, harmlosen Opfern und Bösewichten lassen sich allerhand Kasperlabenteuer auf die Puppenbühne bringen.

Doch nicht alle Puppen sind selbst geschnitzt. Viele stammen von namhaften Puppenschnitzern wie die Handpuppen zum Märchenstück „Hänsel und Gretel“. Diese kommen aus dem Atelier Til de Kock, der es mit den rund 30.000 von ihm geschnitzten Figuren weltweit auf die  Puppentheaterbühnen geschafft hat. Bekannt ist auch seine Interpretation der Hotzenplotz-Figur, die ebenfalls in der Stadt- und Schulbücherei Gunzenhausen zu sehen war. Einen guten Namen haben zudem die Handspielpuppen aus dem Atelier Berger wie die „Fee Annabell“ oder der „Graf Finster“.

Gezeigt wurden in der Bücherei auch einige Bühnenbilder, die Erinnerungen an Ausführungen des Figurentheaters weckten. Otto Wilhelm Rehne, der Senior der Wassertrüdinger Puppenbühne, hat einen Zauberwald aus Holz gefertigt, Christin Rehne malte den Wald für ein Umweltstück. Ein viel genutztes Märchen-Bühnenbild zu „Hänsel und Gretel“ hat schon einige hundert Aufführungen hinter sich und wurde vom Maler Michael Kropf entworfen.

Eine gute Ergänzung der Figurentheater-Ausstellung waren die fünf Schautafeln aus dem Stadtarchiv Gunzenhausen mit historischen Annoncen und anderen Archivalien zum Thema „Kasperltheater“. Puppenbühnen gehörten in früheren Zeiten nicht nur zu den fest gebuchten Unterhaltungsgeschäften bei der Kirchweih, auch auf Jahrmärkten waren Puppenspieler vertreten.

Oft zu Gast war die in der Region bekannte Puppenspieler-Familie Nenninger. Über Generationen hinweg unterhielten sie das Gunzenhäuser Publikum mit Kinderstücken wie „Drei Kasperl auf Reisen“, aber mit Aufführungen für Erwachsene. So standen 1929 „Der Raubritter Eppelein von Gailingen“ oder „Der bairische Hiasl“ auf dem Programm. Eben jene Familie Nenninger war auch bei der „Friedenskirchweih“ 1946 dabei.

Doch nicht nur auf dem Schießwasen gab es in früheren Zeiten Auftrittsmöglichkeiten. Im Saal des Fränkischen Hofs wurde im Jahr 1833  – so beweist die älteste von Stadtarchivar Werner Mühlhäußer gezeigte Annonce – ein Marionettentheaterstück aufgeführt „Doktor Fausts Höllenfahrt“. Interessant auch die damaligen Eintrittspreise: 30 Pfennig für den ersten Platz, der Stehplatz war für 10 Pfennig zu haben.

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