Natur als Marketingfaktor

Eindrucksvolle Präsentation der Center Park-Pläne

Auf der Karte sind alle Gebäude farblich markiert, die derzeit noch existieren und im Zuge der Erschließung geräumt werden.

Die Absicht, auf dem Gelände der einstigen Muna in Langlau am Brombachsee einen Center Park zu errichten, hat vor allem die Gegner dieses gigantischen Freizeitprojekts mit Investitionskosten von geschätzten 350 Millionen Euro auf den Plan gerufen. Dabei geht es vorrangig um die Fakten. Sie wurden auf drei Anhörungsveranstaltungen von der CP-Geschäftsführung geliefert. Bis weitere Erkenntnisse zur Erschließung  und zur Altlastenerkundung vorliegen, vergehen noch zwei Monate. Dann will Geschäftsführer Frank Daemen den Masterplan präsentieren.

Nach dem Erwerb des Gelände von der  BIMA/Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (die Rede ist von elf Millionen Euro) kommt das Projekt nun in die Gänge. Natürlich gibt es zunächst einmal eine umfassende Planung von CP, dann kommt das öffentliche Genehmigungsverfahren in die Gänge. Das dauert seine Zeit, denn Raumordnungsverfahren, Flächennutzungsplanung, Bebauungsplanung und Baugenehmigung sollen gründlich betrieben werden.

Jan Janssen, der Projektleiter für den CP Brombachsee, kennt die Situation in Bayern, denn er war bereits 2009 mit dem Park in Dennenlohe befasst, der aus Umweltgründen nicht realisiert werden konnte. Den Standort des ehemaligen Munitionslagers (Muna) hatte das holländische Unternehmen, das seit 2003 unter französischer Flagge fährt,  nicht aus den Augen verloren.  Die BIMA hat 2018 die einstige Militärimmobilie zum Verkauf ausgeschrieben. Damals war der heute 82-jährige Präsident Gerard Dremond vor Ort, ein Jahr später entschied der Aufsichtsrat, dass Langlau die erste Wahl für die Realisierung eines weiteren CP-Standorts in Deutschland sein soll. Die „Invest Bararia“, eine Agentur des bayerischen Wirtschaftsministeriums, half bei der Suche des Standorts, zumal noch 39 andere Orte in Nordbayern zur internen Diskussion standen. Danach sind vom Landratsamt Informationen abgerufen worden.  Am 30. Juli 2020 hat CP den Kauf öffentlich gemacht, am 10. August waren bereits die ersten Detailverhandlungen.

Die Group Pierre + Vacances Center Parcs in Zahlen: Sie zählt 12850 Mitarbeiter. Die 8 Millionen Gäste pro Jahr Gäste leben in 30000 Appartements und 17700 Häusern. Demnächst will das Unternehmen verstärkt in Osteuropa und in China einstiegen.  In Europa registriert Center Park allein 4,4 Millionen Gäste (Niederlande, Frankreich, Deutschland, Belgien). Die 28 europäischen Parks haben eine durchschnittliche Auslastung von 71 Prozent. Deutschland  ist für CP ein Wachstumsmarkt. Es bestehen bereits sechs Parks.

Wie Jan Janssen auf den drei öffentlichen Veranstaltungen (Zweckverband Brombachsee, Kreistag und Gemeinde Pfofeld) am 1. September mitteilte, wird CP einen etwa 75 Meter breiten Streifen am Kleinen Brombachsee, auf dem u.a. auch der Radweg verläuft) nicht nutzen.  Dies 4,2 Hektar  befinden sich jetzt im Besitz des Freistaats Bayern (Wasserwirtschaftsamt Ansbach). Eines stellte Jansson ganz klar heraus: der Center Park wird keinen Zugang zum See bekommen.  Die Gäste müssen die öffentlichen Zugänge nutzen.

CP will im östlichen Bereich eine neue Anlegestelle für die Brombach-Schifffahrt schaffen, dazu soll  auf dem rund 150 Hektar großen Areal ein „Mini-Brombachsee“ entstehen. Nicht etwa ein Zaun, sondern natürliche Barrieren sollen den öffentlichen Bereich vom Center Park trennen.  Landschaftsarchitekten und Biologen sind jetzt schon dabei, den Baumbestand (zumeist Kiefern) zu prüfen. Hochwertiger Bewuchs soll erhalten bleiben. CP will für eine gute Durchgrünung sorgen und zum Teil neu aufforsten.  Bis Ende Oktober soll es Klarheit geben über die  Schadstoffbelastung auf dem Gelände. Die beauftragte Nürnberger Firma geht davon aus, dass 70 Prozent der Fläche verseucht sind. Der Boden muss deshalb rund 30 Zentimeter tief ausgehoben werden („Große Operation“). Die Kosten dafür liegen in zweifacher Millionenhöhe.  Sollten sie bei mehr als zehn Millionen liegen, müsste nach Darstellung von Janssen der Staat mithelfen. Erste Erkenntnisse sollen Anfang November vorliegen.

Fest steht, dass 90 Prozent der noch vorhandenen 257 Gebäude geräumt werden müssen, dazu elf Sprengkessel.  Bis zu zwei Jahre werden wohl vergehen bis das Gelände altlastensicher ist und neu bebaut werden kann.  Von dem ganzen Areal sind etwa zehn Prozent bebaut, es gibt 22 Kilometer Straßen.

Die fachtechnische Planung für Wasser und Abwasser sowie die Erschließung will CP bereits bei der nächsten Informationsveranstaltung in zwei Monaten  vorstellen. Eines schickt Jansson bereits voraus: die Gemeinde Pfofeld wird mit der Erschließung nicht finanziell belastet.

Frank Daemen, der Präsident von CP Deutschland,  versichert: „Nachhaltigkeit ist unser höchstes Bestreben“.  Keinesfalls werden 70 Prozent des Waldes beseitigt, wie von den Kritikern lanciert wird. Sein Versprechen: „Wir bauen mit der Region und für die Region“.  Vorhandene Brunnen auf dem Gelände sollen nicht revitalisiert werden, eventuell wird CP an der Fernwasserversorgung „andocken“, um die Wasservorsorgung sicherzustellen.  Daemen weiter: „Die Bürger müssen nicht für die Ansiedlung von Center Park bezahlen.“

Der Park am Brombachsee wäre mit rund 150 Hektar ähnlich groß wie der Park in Leutkirch (184). Die anderen Parks in Deutschland sind 15 bis 96 Hektar groß,einer misst 400 Hektar.  Wie viele Häuser es werden, das steht noch nicht fest. In Rede stehen 600 bis 800. Es gibt Haustypen für jeden Geldbeutel (Comfort, Premium, VIP und Exclusive).  Die Gäste können sogar ihre eigene Wäsche mitbringen.  Der große Badefreizeitbereich „Aqua Mundo“ ist auch für die Menschen aus der Region zugänglich. Das gilt auch für Spielplätze und dergleichen.  Angeboten werden auch schwimmende Bootshäuser. Ein digitales Zugangssystem wird installiert, der Müll wird unterirdisch entsorgt. Zweimal  in der Woche wird es einen Regionalmarkt geben. Kooperation mit regionalen Unternehmen sind erwünscht. Ein Bus-Shuttle soll die Gäste und Mitarbeiter vom Bahnhof Langlau in den Park bringen. Ob auch Unterkünfte für Mitarbeiter geschaffen werden müssen, das steht noch nicht fest.

 Jeder Park in Deutschland wird als eigenständige GmbH geführt, so dass auch die Gewerbesteuer am Ort entrichtet wird, wenn ein Gewinn gemacht wird.  Selbstverständlich zahlt CP auch Kurtaxe an die Gemeinde.  Noch stärker als in Deutschland üblich wird die Barrierefreiheit und die Behindertenfreundlichkeit ausfallen, da sich das Unternehmen an den französischen Vorgaben orientiert.  Zudem gibt es speziell Häuser für Menschen mit Behinderung. Geplant sind am Brombachsee pro Hektar acht bis zehn Häuser (Janssen: „Die Architektur ist der Natur untergeordnet“).

Im Park soll es eine Infostelle des Tourismusverbands Fränkisches Seenland geben, die von CP betrieben wird. Für die nächsten Wochen kündigt das Unternehmen die Herausgabe einer Infobroschüre mit allen wesentlichen Informationen an.

Der Verkehr soll entzerrt werden. Anreisetage sind hauptsächlich Montag und Freitag, aber auch an anderen Tagen.  Zur „Dimilitarisierung“ des Muna-Gelände sagt Franz Daemen: „Wir geben den Leuten etwas zurück“. In den letzten Jahrzehnten sei die Fläche schließlich abgeriegelt und somit für die Öffentlichkeit nicht nutzbar gewesen.  Seine Prognose nach den Gesprächen mit der BIMA: „Wenn die Muna jetzt nicht entmilitarisiert wird, dann geschieht dies auch nicht in den nächsten hundert Jahren.“ Der Präsident ist insgesamt zuversichtlich: „Wir glauben daran, dass wir das Projekt stemmen!“

WERNER FALK

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One Thought on “Natur als Marketingfaktor

  1. Hubert März on 21. September 2020 at 16:59 said:

    Hallo Werner, da hast du dir viel Zeit genommen um zu informieren. Danke!
    Für uns sehr aufschlußreich beschrieben. Du bist sehr selten am MPlatz zu sehen!
    Bis bald, Gruß von Hubert mit Erna März

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