„Kreativbier“ gewinnt immer mehr Freunde

Craftbier-Probe in Spalt

Für die traditionellen deutschen und speziell die bayerischen Brauereien waren die Biere, die außerhalb des Landes mit dem ältesten Reinheitsgebot (1516) nicht nach exakt den überlieferten Regeln gebraut werden, lange Zeit einfach unvorstellbar. Zum Teil gilt das auch heute noch für die allermeisten Brauereien. Sie wollen den Gerstensaft in seiner ganzen Reinheit und ohne jegliche Geschmackszusätze.

Die beiden Biersommelliers (rechts) und die Hoheiten gaben zusammen mit Moderator Alexander Höhn ihr Urteil ab.

Inzwischen aber formieren sich auch in Bayern die Craftbier-Produzenten. Es sind keine exotischen Spinner, sondern oftmals junge Braumeister, die einfach experimentieren wollen. Sie wissen, dass der traditionelle Biermarkt gesättigt ist, also braucht es neue Impulse. Und die kommen von ihnen. Im Landkreis ist die „Hechtbräu“ aus Zimmern experimentell unterwegs (der Falk-Report berichtet darüber), aber auch in der Fränkischen Schweiz, dem Stammland der handwerklichen Kleinbrauereien, mischen mutige Brauer nicht nur Hefe, Hopfen und Gerstenmalz ins Wasser, sondern auch Zusatzstoffe. Die sind nicht verboten, allerdings mussen sie entsprechend deklariert sein.  Aber das schmeckt der geübte Biertrinker ohnehin schon beim ersten Zug, ja bereits dann, wenn er seine Nase ans Glas hält.

Braumeister Uwe Schulz (links) und Moderator Alexander Höhn im Gespräch mit kreativen Braumeistern.

Für manchen Biertrinker, vielleicht auch für viele,  sind die Experimente „Teufelszeug“. Sie können sich nicht vorstellen,   ihre Kehle mit etwas anderem als mit „naturreinem“ Bier zu befeuchten. Wie gesagt, neuerdings gewinnen die „kreativen“ Biere Zulauf. Und das umso mehr, als die Konsumgewohnheiten sich ändern. Auf junge Leute und auch Frauen hat das Craftbier durchaus eine verlockende Wirkung. Der liberale Grundsatz „Jedem das Seine“ gilt auch in diesem Fall. Wir stehen zu unserem Reinheitsgebot, auf das wir als deutsche Biertrinker stolz sind, aber wir dürfen auch diejenigen nicht verächtlich machen, die sich den neuen Geschmacksvariationen hingeben. Für die Brauereiwirtschaft ist wichtig, dass der Absatz stimmt. Und den bestimmen längst nicht mehr die Handwerker (Brauer) allein, sondern ebenso die Marketingexperten, die auf der Suche nach neuen Absatzmärkten sind.

Die Spalter Stadtbrauerei hat das Craftbier „Heller Hans“ kreiiert. Braumeister Uwe Schulz präsentierte es zum Auftakt des Brauereifests. „1. Spalter CraftBier-Fest“ nannte sich das Event in der historischen Fasswichs, der schon nach kurzer Zeit ausverkauft war. Mit der Spalter Neuschöpfung zapften fünf weitere Brauereien für die Gäste ihr Craftbier: Braumanufaktur Hertl aus Schlüsselfeld, Hopferei Hertrich aus Feucht, New Beer Generation aus Nürnberg, Eppelein & Friends aus Nürnberg und Ravenkraft aus Nürnberg. Es gab vier Biere zum Verkosten (0,1-Liter), dazu durfte jeder Gast, der den Eintrittspreis von 15 Euro entrichtet hatte, ein schönes Craftbier-Glas mit heim nehmen. Vertreter der Craftbier-Brauereien äußerten sich gegenüber Moderator Alexander Höhn (Ellingen)  über das neue Angebot.

Knapp an einem Eklat vorbeigeschrammt

Die Veranstaltung in der Fasswichs ist allerdings nur knapp an einem Eklat vorbeigeschrammt. Die „Raith-Schwestern“, die jenseits der traditionellen Volksmusik ihren individuellen Style gefunden haben, gaben sich eingangs ausgesprochen „zickig“. Sie unterbrachen kurzerhand ihren Auftritt und drohten mit dem Abbruch, da ihnen der Geräuschpegel im Publikum („Haltet eure Papp’n“) zu hoch erschien. Der besserte sich nach einem Aufruf von Braumeister Schulz zwar, zugleich aber erhöhte sich die Leistung der Verstärkeranlage, so dass es für die meisten Zuhörer kein rechtes Vergnügen war, sich  zudröhnen zu lassen. Ihre Verpflichtung für das Bierevent war sicher falsche Entscheidung, was  die Raiths nicht in ein negatives Licht stellen soll. Die Localisation war einfach nicht geeignet für ihren Auftritt, der davon lebt, dass ihre Texte vom Publikum auch verstanden werden. Die Kabarettbühne ist für sie besser als eine bierseelige Community.

WERNER FALK

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