Das Leben auf der Festung Wülzburg

Dr. Daniel Burger schreibt dazu in der Publikation „villa nostra“

Viel ist geschrieben worden über die Wülzburg bei Weißenburg. Meist war die Baugeschichte das zentrale Thema. Der aus Weißenburg stammende Historiker Dr. Daniel Burger, der derzeit am Staatsarchiv Bamberg tätig ist, hat dazu sechs Beiträge veröffentlicht. Ihn hat schon als Schüler die Festung gefesselt. Ihm ist der 2002 erschienene Wülzburg-Führer zu verdanken.
Im neuen Heft „villa nostra“, das von der Stadt dreimal jährlich ausgegeben wird, befasst sich Dr. Burger mit dem Leben in der Festung. Er bezieht sich dabei auf ein Einzelbeispiel, nämlich das das katholischen Kuraten Nikolaus Mayer (1777-1845) und zitiert aus dessen kritischen Bericht „Leiden und Freuden auf Wülzburg“.
Der Geistliche ist 1825 dort aufgezogen, um die Soldaten und Gefangenen des Festungsgefängnisses zu betreuen (die Protestanten hatten eine eigene Pfarrei Wülzburg). Mayer aber wurde auf der Wülzburg nicht froh, so dass er schon nach einem Dreivierteljahr um Versetzung bat. Es muss gewaltig frustriert gewesen sein, denn er zerstritt sich mit dem Bataillonsarzt und auch den Offizieren, zudem hielt er bei seinen Beschwerden den Dienstweg nicht ein und äußerte sich über den Militärstand despektierlich. Tatsächlich wurde er abgezogen. Danach aber hatte die Kirche zwei Jahre Probleme, die Stelle wieder zu besetzen. Sein Nachfolger fand auch keinen rechten Gefallen an seiner dreijährigen Arbeit auf der Burg. Alois Meixner hinterließ, er habe Stoff genug für einen Roman. Autor Burger findet es schade, dass der Geistliche seine Kümmernisse nicht aufgezeichnet hat.
Kurat Mayer beklagte sich über das Offizierskorps: „Einige derselben gebährdeten sich wirklich wie die jungen Kälber, wenn sie weggebunden werden“. Der Bataillonsarzt machte sich beispielsweise betrunken in der Kirche an eine sittsame Jungfrau mit unzüchtigen Gebährden heran. Am Neujahrstag störten ihn die Soldaten mit „Geigen-Gekratze und Tanz“, so dass er Angst bekam. Der „Rumor“ bis 3 Uhr morgens machte ihm „ Bangigkeit vor dem Einsturze der Gespunddecke“.
Mit den Kommandanten der Festung Wülzburg befasst sich der zweite Beitrag in „villa nostra“. Stadtarchivar Reiner Kammerl hat dazu nicht nur im Stadtarchiv, sondern öauch im Staatsarchiv Nürnberg rechierchiert.
Die „Weißenburger Blätter“ (so der Untertitel) können bei der Stadtverwaltung kostenlos bezogen werden.

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