Gibt es ein Leben ohne Smartphone?

Im Magazin „liberal“ äußern sich Fachleute zum Thema

Gibt es ein Leben ohne Smartphone? „Obwohl ich mich an ein Leben ohne Smartphone erinnern kann, kann ich es mir nicht mehr vorstellen“, räumt der noch junge Chefredakteur David Harnasch von das Magazins „liberal“ ein. Die Kids von heute werden auf die gestellte Frage einstimmig antworten: Nein! liberal3 001
Dabei sind die technischen Möglichkeiten durchaus zweischneidig, wie Harnasch in seinem Editorial zur neuen Ausgabe 4/2015 schreibt: „Dasselbe Smartphone, mit dem ein begabter und interessierter Teenager souverän auf das Weltwissen zugreift und für das er eine App schreiben kann, die ihm vielleicht viel Geld einbringt, ist in den Händen eines weniger begabten Teenager eine perfekte Ablenkungs- und Unterhaltungsmaschine, die ihm dank Diktierfunktion selbst rudimentärste Kulturtechniken abnimmt – um den Preis, dass er sie nie beherrschen wird. Da leistungsfähige Technik inzwischen spottbillig ist, vergrößert sie nicht mehr den Graben zwischen Armen und Reichen, sondern zwischen Schlauen und Doofen.“
Prof. Klaus Hurrelmann (Berlin) leitet daraus die politische Position ab: „Moderne Bildungspolitik ist gezielte Förderpolitik für Kinder und eben nicht nur Finanzausgleich für den Elternhaushalt mit Kindern.“ Das Magazin widmet sich dem Schwerpunkt Bildung. Der Anteil der Abiturienten an den Jahrgängen steigt. Allein 2010 (aus diesem Jahr stammen die letzten statistischen Zahlen) waren es 49 Prozent. Im Vergleich 2003: 39 Prozent. Bemerkenswert ist, dass aufgrund der demografischen Entwicklung der Zahl der Studienfanfänger dennoch zurückgehen wird, und zwar von 489044 im Jahr 2003 auf 459161 im Jahr 2019 (2015 sind es 467045).
Der PISA-Schock hat offenbart. Kinder aus sozial schlechter gestellten Familien liegen deutlich unter den Ergebnissen ihrer besser gestellten Mitschüler. Deutschland rangiert hinter Shanghai (China), Singapur, Hongkong (China), Japan, Schweiz, Niederlande, Finnland weltweit nur auf dem achten Platz.
Die Lehrer in Deutschland werden immer älter. Das ist schlecht, denn heut schon müssen Lehrer von den Schülern lernen, sich in der digitalen Welt zu bewegen. Von den 664659 Lehrkräften in Deutschland sind 31 Prozent älter als 50 Jahre (bis 59), 13 Prozent sind 60 und älter, 26 Prozent sind 40-49 Jahre, 23 Prozent sind 30-39 Jahre alt und nur 7 Prozent sind unter 30 Jahre.
Kritisch setzen sich im Magazin „liberal“ Karl-Ulrich Kohlo und Justus Lenz (junger Unternehmer) mit dem Verständnis der Schüler gegenüber wirtschaftlichen Belangen auseinander. „Wenn es um die Wirtschaft geht, dann lernen die Schüler auch Vorurteile“, sagt er. Das Interesse der Wähler am Schicksal ihrer Kinder erlische meist dann, wenn die Kleinen ihren Abschluss gemacht hätten. Dann ende die Betroffenheit der Eltern und damit auch das Interesse für das Thema Schule. Kuhlo glaubt sogar, dass die Schulbücher in verschiedenen Bundesländern den Kindern eintrichtern, dass Wirtschaftswachstum etwas ganz Schlechtes sei. „Wer schon im zarten Kindesalter lesen muss, dass dem Unternehmer die Maschinen wertvoller waren als die Arbeiter, der hat ein Feindbild für sein ganzes Leben“, stellt der Autor fest. Langfristig wirke sich diese schleichende Indoktrination auf den Kurs aus, den Deutschland in Zukunft einschlage. Deshalb seine Forderung. „Wer auch in 10,20 oder 30 Jahren Freiheit genießen will, muss dafür sorgen, dass unseren Kindern Freiheit vorgelebt wird und sie nicht einseitig ideologisiert werden.“
Prof. Wolf-Dieter Hasenclever, früherer Präsident des Landesamts für Lehrerbildung und Schulentwicklung in Niedersachsen, setzt sich in einem Beitrag dafür ein, mehr Freiheit im deutschen Schulwesen zu wagen und nennt auch gleich eines der Übel: „Historisch hat sich das deutsche Schulwesen als obrigkeitsstaatliche Einrichtung im Kaiserreich entwickelt und bis heute durchverwaltet. Es ist mit einem Übermaß an Erlassen und Vorschriften ausgestattet.“ Er fordert mehr Freiheit in der Verwendung der Ressourcen, mehr Freiheit in der Organisation des Unterrichts und in der Lehrstoffverteilung und mehr Freiheit bei Personalmaßnahmen.

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