Der Einzelhandel im Internet-Zeitalter

Stadt bietet den Geschäftsleuten ihre Hilfe an

Über die Zukunft des Einzelhandels im Zeitalter des Internets hat am 17. März in der Stadthalle der Citymanager von Freising, Christian Kramer (CIMA Citymanagement- und Beratungs GmbH) referiert. Von ihm war eine gute Diagnostik der Handelssituation in Deutschland zu hören, ebenso therapeutische Vorschläge. Eindrucksvoll zeichnete er nach, wie sich der “Kuchen” für den Einzelhandel in den letzten Jahrzehnten verändert hat. Quintessenz: für den örtlichen Einzelhandel haben nach den Jahren nach dem Krieg und der ungebrochenen Wachstumsphase das Aufkommen der Verbrauchermärkte und der Discounter die Situation verschärft. Jetzt kommen auch noch das Internet und der Onlinehandel dazu.

Allein in den letzten fünf Jahren ist nach den Aussagen von Christian Kramer der Onlinehandel um 85 Prozent gestiegen. Und er nimmt weiter zu. Die Lage ist allerdings nicht ganz so hoffnungslos für den stationären Handel, wie es auf ersten Blick aussieht. Es gibt Erhebungen zum Kundenverhalten von heute. Danach  kaufen heute nur mehr 22 Prozent der Verbraucher im Geschäft ohne sich vorher im Internet zu erkundigen; 39 Prozent recherchieren zunächst im Internet und kaufen dann erst im Handel; 37 Prozent kaufen online ohne sich vorher in den örtlichen Geschäften zu erkundigen. Bis 2020 wird sich nach den Prognosen der  Umsatz des Onlinehandels auf 40 Prozent hochschaukeln.

Kramer stellte die Aussage eines erfolgreichen Onlineverkäufers in den Raum, der etwas profokant vorhersagt: 80 Prozent der Einzelhändler werden nicht überleben, wenn sie sich nicht verändern!

Wie Bürgermeister Karl-Heinz Fitz gegenüber den Einzelhändlern aus der Stadt ankündigte, werden das Citymanagement und die Wirtschaftsförderung der Stadt den Geschäften beratend unter die Arme greifen, wenn sie in ihren Bereich das Onlinegeschäft forcieren wollen. Dazu soll es demnächst einen Workshop geben.

Wie sehe ich die Dinge?

Es wird sicher nicht der Fall sein, dass alle Geschäftsinhaber von Gunzenhausen sich am Onlinegeschäft beteiligen. Viele Unternehmer sind entweder zu alt oder einfach aus vielerlei Gründen nicht in der Lage, darauf einzugehen. Für alle, die im stationären Handel bleiben müssen, ergibt sich nur eines:

–  Mehr Qualität bei Service und Beratung. Nur dadurch sind die Nachteile aufzuwiegen, die durch die Konkurrenz Onlinehandel entstehen. Jeder Geschäftsinhaber muss in unserem kleinstädtischen Umfeld seine Persönlichkeit einbringen. Nicht jedem wird das gelingen, denn es wird nicht jeder Einzelhändler als Kommunikator und Motivator geboren. Er muss aber Vorbild für seine Mitarbeiter sein, vor allem in punkto Motivivation und Freundlichkeit. Wenn er natürlich morgens sein Umfeld “runterzieht”, weil er schlechte Stimmung hat, dann darf er nicht erwarten, dass die Mitarbeiter besonders motiviert in den Tag gehen. Auch bei der Einstellung des Personals ist darauf zu achten, dass die Leute zur Branche und zum Geschäft passen. Das ist sicher nicht immer einfach, aber es bringt auch nichts, den sprichwörtlichen Trampel in die Eingangstür zu stellen oder auf den Erstkontakt mit dem Kunden loszulassen. Hier ist eine konsequente Schulung des Personals notwendig, wenn die Menschen nicht schon eine entsprechend gute charakterliche Befähigung für den Job mitbringen. In manchen Fällen wäre es sicher auch nicht schlecht, der Chef selbst würde einmal ein Führungsseminar besuchen.

Ich denke: Die Gesamtkeit guter Geschäfte in Gunzenhausen nützt allen und macht Gunzenhausen zu einer attraktiven Einkaufsstadt, in der die Kunden gerne auch verweilen. Es kommt sicher auf die Qualität der Geschäfte an, aber auch andere Faktoren (beispielsweise: entspanntes Einkaufen) bestimmen die Aufenthaltsqualität in einer Stadt.

Bei der Ansiedlung von neuen Geschäften darf es keine Versuche der Ausgrenzung geben. Die freiheitliche Gesellschaft und die freie Wirtschaftsordnung unseres Landes geben jedem Tüchtigen eine Chance, erfolgreich zu sein. Ich meine das vor allem auch in bezug auf die Ansiedlung und Vergrößerung des Expert-Geschäfts in der Ansbacher Straße. Einen Schutzwall um den bestehenden Einzelhandel kann es nicht geben.

Das Citymanagement muss für die Stadt ein Konzept für die intensivere Nutzung des Marktplatzes  ausarbeiten (“Marktplatz aktiv”). Ich möchte, dass in dem neu zu gründenden “Marketing Gunzenhausen” alle relevanten Kräfte mitarbeiten, damit wir aus unserer Stadt etwas Schönes machen. Mit den Gedanken an eine ganzjährgie Fußgängerzone sollten wir die Diskussion nicht länger befrachten. Auch Christian Kramer hat bestätigt, dass für eine solche Erlebniszone in einer Kleinstadt wie Gunzenhausen einfach die Resonanz an Besuchern (und Käufern) fehlt.

Deshalb ist es mir wichtig, alle für einen Konsens zu gewinnen. Und der sieht so aus: Im Marketing Gunzenhausen” entwickeln wir gemeinsam ein Konzept, wie der Marktplatz (ganz allgemein: der Handel in der Stadt) noch attraktiver werden kann. Das ist am ehesten möglich, wenn wir das bisherige Angebot (Samstagskonzerte, Eisbahn, Kulturherbst) ausdehnen. Vor allem in den Sommermonaten könnten wir noch etliche Veranstaltungen mehr auf dem Marktplatz machen und so Besucher (und Käufer) anlocken. Das dürfte auch im Interesse des Handels sein. Wir müssen aber auch erkennen, dass es in diesem Fällen  sinnvoll ist, den Durchgangsverkehr für Stunden, habe Tage oder ganze Tage umzuleiten. Wenn wir diesen Konsens erreicht haben, dann ist schon viel geschehen in punkto “Gemeinschaft in unserer Stadt”. Sollte sich bei allen Beteiligten im Lauf der Jahre die Erkenntnis durchsetzen, dass es vorteilhafte wäre, den Marktplatz saisonal vom Durchgangsverkehr zu entlasten, dann könnte immer noch mit weitergehenden Maßnahmen reagiert werden.

WERNER FALK, Stadtrat

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