Flächendeckend Tempo 30: Entgegnung der Grünen

Stellungnahme zum Artikel des „Altmühl-Bote „Unsinn von Grünen“ vom 29. Januar 2014

Stadtratskandidaten der FDP outen sich mit  Auslassungen gegen eine flächendeckende Einführung von Tempo 30 als kategorische Ablehner  einer zeitgemäßen Verkehrspolitik. Noch immer sehen sie den Straßenverkehr durch die alleinseligmachende Brille des Autofahrers. Doch der Straßenverkehr besteht nicht nur aus Autofahrern, sondern auch und vor allem aus Fußgängern, Radfahrern und Menschen, die eines besonderen Schutzes bedürfen wie Kinder, Menschen mit Behinderung, Senioren.

Tatsache ist, dass bei Tempo 30 sich deutlich weniger Unfälle  ereignen. Eine Beschränkung der Höchstgeschwindigkeit innerhalb geschlossener Ortschaften auf 30 km/h ist keine willkürliche Gängelung von Autofahrern, wie die FDP suggerieren will, sondern eine vernünftige und sinnvolle Maßnahme zur Erhöhung der Verkehrssicherheit für FußgängerInnen  und RadfahrerInnen, aber auch für motorisierte Verkehrsteilnehmer. So sank z.B. in der Stadt München die Anzahl der Unfälle mit Personenschäden um 62% und die Anzahl der Schwerverletzten sogar um 72%. Ähnliche Auswirkungen von Tempo 30 finden sich in vielen Städten Europas.

Verkehrslärm belastet und macht krank. Tempo 30 senkt den Lärmpegel des Straßenverkehrs um die Hälfte. 50 Autos, die mit Tempo 50 unterwegs sind, sind ebenso laut wie 100 Autos, die Tempo 30 fahren. Tempo 30 – für mehr Ruhe im Straßenverkehr und für die AnwohnerInnen ist unser Anliegen.

Wir sind gerne unterwegs in unserer Stadt. Aber dort wo nach wie vor Tempo 50 gilt ist es laut und hektisch. Tempo 30 entspannt die Situation. Wir können Straßen besser queren. Wir stehen weniger im Stau. Der Verkehr fließt gleichmäßiger. Wir wollen Unfällen vorbeugen mit Tempo 30. Denn da,  wo das Fahrzeug bei Tempo 30 längst steht, fährt das Auto bei Tempo 50 noch. Tempo 30 bringt für alle Verkehrsteilnehmer mehr Sicherheit im Straßenverkehr.

Im Übrigen sind wir mit unserer Forderung nicht allein auf weiter Flur. Auch der Deutsche Städtetag, grünem Denken sicherlich unverdächtig,  macht sich  für eine flächendeckende Einführung von Tempo 30 stark.

In Großbritannien sammeln die ersten Kommunen seit einigen Jahren Erfahrung mit großflächigem Tempo 20, dem britischen Pendant zu Tempo 30 in Deutschland. In Portsmouth , einer Hafenstadt an der Südküste, gilt etwa seit 2008 auf fast allen Straßen 20 miles per hour , das entspricht 32 Kilometer pro Stunde. Auch Stadtteile von Bristol , Newcastle und sogar London führten das Langsamfahren ein.

Zu welchen Erkenntnissen gelangten die britischen Städte? Auch großflächige Tempo-30-Bereiche verlängern die durchschnittlichen Fahrzeiten nur um 40 Sekunden. Gemeinsames Langsamfahren verbessert den Verkehrsfluss, zeigen Untersuchungen des britischen Verkehrsministeriums . Die Abstände zwischen den Fahrzeugen würden geringer. Dadurch werde der verfügbare Straßenraum effizienter genutzt, erklären Experten.

Als Ende der 1980er Jahre der Ortsverband der Grünen ein Verkehrskonzept mit Tempo 30-Zonen, Radwegen und einer Stadtbuslinie für die Stadt Gunzenhausen der Öffentlichkeit vorlegte, hieß es sinngemäß im „Altmühl-Bote“, dass Gunzenhausen nicht in Holland liege und die Gunzenhäuser Grünen mit ihren utopischen Vorstellungen völlig daneben lägen. Nun, einige Jahre später wurde unser Verkehrskonzept nahezu identisch umgesetzt.

Wir verstehen es als billige Polemik, uns Bündnisgrünen das Mäntelchen der Verbots- und Gängelungspartei umzuhängen.  Wir Bündnisgrünen streiten für eine Stadt für alle, für eine Gleichberechtigung aller Verkehrsteilnehmer. Nicht Gängelung der Autofahrer ist unser Anliegen, sondern wir wollen mehr Sicherheit für die Schwachen im Straßenverkehr, wollen mehr Lebensqualität in der Stadt.

Peter Schnell, Fraktionssprecher, und  Christoph Mötsch, Ortsvorsitzender der Grünen

 

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