Gelungene Neuinterprätation

Heimatschauspiel „Das Kreuz im Altmühltal“ in zeitgemäßer Sprache

In den Hauptrollen agierten Anne Pößnicker (Hedwig) und Simon Schock (Burkhad) von der Weißenburger Bühne. Foto: StGun


Ganze sechs Jahrzehnte mussten die Gunzenhäuser auf eine Wiederaufführung des Heimatschauspiels „Das Kreuz im Altmühltal“ warten. Auch wenn die zahlreichen zeitlosen Motive wie beispielsweise Liebe, Eifersucht oder Rache eine große Rolle spielen, das Theatervorlage hatte definitiv Staub angesetzt und musste für eine Neuaufführung grundlegend bearbeitet werden. Stadtarchivar Werner Mühlhäußer und Pressereferent Manuel Grosser waren sich bereits Anfang 2022 einig: Zum Stadtjubiläum sollte die berühmt-berüchtigte Folklore auf die Bühne gebracht werden, hierzu braucht es jedoch ausgewiesene Theaterprofis, welche sich mit Herz und Verstand der Sache annehmen. Gefunden wurden diese im Schauspielensemble der Weißenburger Bühne und in Regisseur Thomas Hausner.
„Die Neuaufführung des Heimatschauspiels „Das Kreuz im Altmühltal“ lag mir ganz persönlich am Herzen“, erklärt Werner Mühlhäußer. „Bereits zum letzten Jubiläum im Jahr 1924 wurde das Stück aufgeführt. Bis in die 1960er-Jahre hinein begeisterte es und zog tausende von Gästen aus nah und fern ins Theater. Zuletzt war es auf der sog. Waldbühne am Röschelskeller zu sehen. In den Jahrzehnten meiner Stadtarchivarstätigkeit bin ich immer wieder auf das „Kreuz im Altmühltal“ angesprochen worden. Die Faszination wurde von einer
Generation an die andere weitergegeben, die Lust auf das Stück war riesig. Da kam uns das Stadtjubiläumsjahr 2023 ganz recht, denn solch ein Geburtstag ist der perfekte Rahmen für ein Stück Theatergeschichte. Es war uns Freude und Ehre zugleich, das „Kreuz im Altmühltal“ wieder mit Leben zu füllen.“
Eine 1:1-Kopie des Urtextes schlossen die Beteiligten von Beginn an aus. Der Inhalt sollte schlanker, die Sprache moderner werden und zusätzlich einige neue Gedanken Einzug erhalten. Bewusst gesetzte Handlungsbrüche sollten den Plot straffen und dem Publikum Spielraum für Interpretationen geben. „Die Fassung von Gustav Schneider fanden wir faszinierend, denn er hatte – frei nach Luther – den Menschen auf´s Maul g´schaut und eine Geschichte niedergeschrieben, wie sie derart passiert sein könnte“, so Manuel Grosser. „Das Stück berührt die Lebenswirklichkeit der Menschen, es fehlt ihm aus heutiger Sicht aber an Geschwindigkeit und Tiefe. In gewisser Weise ist es zeitlos, es geht um die Ständeordnung, um soziale Ungerechtigkeit und das menschliche Miteinander – diese Motive sind heute noch wichtig, allerdings hat die gesellschaftliche Entwicklung die Sichtweise darauf verändert. In Zusammenarbeit mit der Weissenburger Bühne haben wir den Stift angesetzt und die Kernideen in die Moderne transportiert. Der Korpus blieb, die Hülle haben wir teilweise neu befüllt.“
Kommen wir zur Aufführung: Wie Shakespeare´s weltberühmtes Liebespaar Romeo und Julia spielten sich Anne Pößnicker und Simon Schock als Hedwig und Burkhard in die Herzen der Gunzenhäuser Zuschauer. Intensiv liebte und litt die junge Frau unter einer Beziehung, die niemals funktionieren durfte. Vom Kummer über das enge Standeskorsett gezeichnet löst Burkhard nicht nur die enge Bande zum Haus Seckendorff, sondern in einem unglücklichen Akt das Leben der Geliebten aus. Die Fischerseltern Katharina und Anselm, gespielt von Edith und Mike Heckel, verlieren dadurch nicht nur die einzige Tochter, sondern auch das Versprechen auf den Fortbestand der eigenen Familie. Hartmut Röhl als Graf von Seckendorff sieht seinen Sohn schon für das Adelsgeschlecht verloren, der Tod Hedwigs führt ihn allerdings ins eigene Haus zurück. Doch am Ende bleibt auch dort nur der Schock: Burkhard wird auf einer Sühnereise tödlich verwundet. Vorher hat er zum Gedenken an seine geliebte Hedwig ein Kreuz, eben jenes Kreuz im Altmühltal, errichten lassen. Auch ein Spital schenkte er als Wiedergutmachung für das zugefügte Leid der Stadt Gunzenhausen.
Die Neuinterpretation des Heimatschauspiels „Das Kreuz im Altmühltal“ war ein voller Erfolg. Davon erzählen nicht nur zwei restlos ausverkaufte Vorstellungen im Falkengarten, sondern auch der anhaltende Applaus und die zahlreichen euphorischen Rückmeldungen. Positiv in Erinnerung bleiben, wird auch Herbert Guthmann, der als singender Akkordeonspieler den Inhalt immer wieder zusammenfasste und damit für den ein oder anderen Schmunzler sorgte. „Wir haben eine tolle, moderne Neuaufführung erlebt“, freut sich Stadtarchivar Werner Mühlhäußer. „Das Kreuz im Altmühltal lebt und wer weiß – vielleicht müssen diesmal keine 60 Jahre vergehen, bis das Stück das nächste Mal aufgeführt wird.

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One Thought on “Gelungene Neuinterprätation

  1. Hannfried Reinhardt on 1. August 2023 at 9:27 said:

    Gleich vorne weg: den besten Part als Akkordeonspieler und Souffleur hat Herbert Gutmann abgeliefert.

    Ansonsten war das Stück dank der „modernisierten“ Fassung ohne Esprit.
    Die schauspielerische Leistung war wohl den nur 2 geplanten Aufführungen geschuldet und zeigte Schwächen.
    Das hätte eine unserer zahlreichen Amateurbühnen im Landkreis sicher besser hinbekommen.
    Man hat sich einfach keine Mühe gegeben und mit dieser Beurteilung stehe ich nicht alleine da.
    Die Lobhudelei im Altmühlboten hat keinen Widerspruch bzw. keine kritischen Leserbriefe hervorgebracht (oder hat man keine gedruckt ?).
    Angesichts der nur 2 Aufführungen sagen sich bestimmt viele: lassen wir`s dabei bewenden, ist vorbei und kommt so schnell nicht wieder.

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