Alles Gute zum neuen Jahr

Das Brauchtum zum Jahreswechsel

Was bringt wohl das neue Jahr? Man mag an die große Weltpolitik denken, an den weltweit notwendigen Klimaschutz, den kriegerischen Konflikt in der Ukraine oder die fürchterlichen Naturkatastrophen. Aber natürlich wird sich jeder Gedanken machen, wie es mit seinem Leben und dem seiner Familie weitergeht.

Die  aufgeklärten Menschen des 21. Jahrhunderts rühmen sich, alle im Griff zu haben. Und doch müssen sie erkennen, dass ihnen das nicht immer gelingt. Sie müssen nicht an übersinnliche Dinge glauben, aber sollten auch in Demut hinnehmen, dass nicht alles von Menschenhand zu steuern ist. Vielen hilft der Glaube weiter. Dass es zuweilen auch der Aberglaube sein kann, das bestätigen die alten Bräuche, die sich mit dem Jahreswechsel verbinden.

Die Illustration „Neujahrsgruß des Merkendorfer Nachtwächters

Bereits im Mittelalter versuchten die Menschen, Einfluss auf das kommende Schicksal zu gewinnen.  Alfred Kriegelstein hat in seiner Brauchtumssammlung für Mittelfranken die Sitten und Gebräuche aufgelistet. Demnach waren Lärm und Getöse mit Glockengeläut, Lichterschein und Feuerwerk angetan, um die bösen Geister zu vertreiben. Das Knallen und Lärmen kannte mit der Zeit keine Grenzen mehr, so dass sich beispielsweise 1664 die Stadt Nürnberg veranlasst sah, ein Verbot auszusprechen. Und nach einer markgräflichen Polizeiverordnung von 1568 war das „nächtliche Singen zusammengerotteter Kinder und junger Leute“ am Neujahrstag verboten. Sonderbar stehen wir heute vor der gleichen Situation. Für den Umgang mit dem Feuerwerk haben die Städte eine Reihe von Reglementierungen erlassen. Aber immer noch gibt es in der Silvesternacht das Glockenläuten auf den Dörfern und an manchen Orten wird auch heute noch vom Posaunenchor das neue Jahr „angeblasen“.

Magische Bedeutung hatten – so bemerkt der Autor Alfred Kriegelstein, der u.a. Lehrer in Spalt und Ramsberg war – in der Vergangenheit wohl die Glück- und Segenswünsche verbunden mit reichlich Essen und Trinken. In Ornbau beispielsweise war der Stadtrat zu einem Festmahl eingeladen – ein schöner Brauch, dessen Vitalisierung sich heutzutage so mancher Kommunalpolitiker  vorstellen könnte.  Das Neujahrswünschen  war früher auf den Dörfern gute Tradition. Der Verfasser erinnert sich, dass ihn im Knabenalter sein Vater nach dem Gottesdienst zu etlichen Familien mitgeschleppt hat, wobei es dann  – natürlich nur für die Erwachsenen – vielfach einen Kartoffelschnaps gegeben hat. Später war es ihm erlaubt, ins Gasthaus zu gehen, wo der Wirt am „Altjohroumd“ traditionell für alle „Saure Zipfel“ servierte. Untereinander wünschte man sich per Handschlag „a guerds neis Jahr“. Noch in den sechziger Jahren standen die Kinder vor der Haustüre und sagten ihr Sprüchlein auf: „A gsunds neis Johr/Gib merr gleich mei Wor/konn net lang steh/muss glei widder geh“. Ein anderes lautete so: „Ich bin ein kleiner Mann/der nicht viel wünschen kann/ich wünsch euch alles Glück/was Gott vom Himmel schickt“. In vielen Dörfern zog der Posaunenchor am ersten Tag des neuen Jahres umher und spielte an etlichen  Stellen den Choral „Nun danket alle Gott“.

Der Gunzenhäuser Heimatforscher Dr. Heinrich Marzell hat 1954 in der Zeitschrift „Bayerland“ den alten Bauernkalender bemüht, um an die Bräuche zu erinnern. In den Tagen „zwischen den Jahren“, also von Weihnachten bis Dreikönig, durfte nach dem Aberglauben kein Holz gespalten werden, denn  soweit der Hall geht, sollte im kommenden Jahr kein Obst wachsen.  Man sollte auch keine Schuhe schmieren, sonst musste man im neuen Jahr „am Vieh schmieren und einreiben“, also vor Krankheiten schützen. In diesen zwölf Nächten durfte auch keine Wäsche aufgehängt werden, denn damit würde man die Häute des Viehs aufhängen, sprich das Vieh würde verenden. Ein anderes Orakel besagt: Man legt in der Silvesternacht ein Gesangbuch unter das Kopfkissen und macht beim Aufwachen in der Nacht ein Eselsohr an besagter Stelle. Am Morgen sieht man nach: Ist ein frohes Lied aufgeschlagen, dann  bringt das Freude im neuen Jahr. Ist  es aber ein trauriges Lied, dann gibt es reichlich Kummer. Der Glock & Lutz-Verlag in Nürnberg hat 1973  ein Büchlein mit dem Titel „Vom Aberglauben in Franken“ aufgelegt. Daraus wird zitiert: „Am Silvestertag darf man die Stube nicht auskehren, da man sonst das Glück für das ganze Jahr mit hinauskehrt.“  Ein weiterer guter Ratschlag: „An Silvester soll man siebenerlei Speisen essen, damit das Geld nicht ausgeht.“

WERNER FALK

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