Revolution, die nichts brachte

Über den Bauernkrieg in unserer fränkischen Heimat

Von dem Dittenheimer Maler und Kunsterzieher Ulrich Winter stammt diese Darstellung des Bauernkriegs. Gezeigt wird Bauernführer Peter Sauler (mit gesenktem Schwert) und seine Mitstreiter, die die Bundschuh-Fahne mit sich führen.

Der Bauernkrieg von 1525 war die „Revolution des gemeinen Mannes“.  Geknechtet und unterdrückt begehrten die Bauern gegen die herrschenden weltlichen und kirchlichen Fürsten auf, gingen sozusagen  auf die Straße, um gegen Unterdrückung und für Freiheit zu kämpfen.  Im Fürstentum Brandenburg-Ansbach gehörten der Hesselberg und der Hahnenkamm zu den Schauplätzen. In die Geschichte eingegangen ist die „Schlacht bei  Ostheim“, die Hunderten von Aufständischen das Leben kostete. Die siegreichen Fürsten des Hochadels rächten sich, auch der Ansbacher Markgraf Casimir, der zunächst zurückhaltend agierte, drohte den Uneinsichtigen unter den Aufrührern, sie „erwürgen, erstechen und alles was sie haben, verbrennen zu lassen“.

In der Sprache von heute waren es die Menschenrechte und die Selbstbestimmung, die von den Bauern damals eingefordert wurden. An die 75000 Männer auf der Seite der Bauern überlebten die  in Süddeutschland (hauptsächlich Franken) ausgetragenen Kämpfe nicht.  Was vor 497 Jahren konkret abgelaufen ist in unserer Region, das hat 1925 der geschichtskundige Pfarrer Hermann Clauß aus Gunzenhausen in „Alt-Gunzenhausen“ niedergeschrieben. Er wird in der Literatur stets als „Lizenzat“ (Lic.) genannt, was bedeutet, dass er die Lehrbefugnis an einer theologischen Fakultät hatte und berechtigt war, eine Promotion anzustreben.  In der Publikation „Alt-Gunzenhausen“ (1958/28) geht  Wolfgang Rathsam den Ostheimer Vorgängen nach und ausführliche Schilderungen entnehmen wir auch dem Buch von Thomas Greif („Der Hesselberg“), das 2011 im Schrenk-Verlag erschienen ist.

Zu den Vorläufern des Bauernkriegs zählt die Reformation. Bereits 1523, also sechs Jahre nach Martin Luthers Thesenanschlag wurden arme Leute in Absberg, das damals zum Amt Spalt gehörte, bestraft, weil sie sich „aufrührerisch“ gezeigt hatten.  Zwei  Jahre später rollte die Revolution gegen die regierenden weltlichen und kirchlichen Fürsten von Schwaben her ins Ries und nach Franken. Weil er eine Versammlung am Ipf besuchte, wurde der bauernfreundliche Pfarrer Melchior Schafbinder aus Nördlingen in Haft genommen. Nicht geheuerlich war dem Ansbacher Markgrafen ein Fest mit dem originellen Namen „Säusack“ in Weiltingen am Hesselberg (19. März 1525). Er ließ „durch die Köpfe hauen“, aber auch die Bauernkrieger waren nicht zimperlich mit denen, die sich weigerten, für die Sache der Freiheit zu marschieren, also „sich wegig zu machen. Vor den anrückenden meuternden Bauern öffneten die Dinkelsbühler ihre Tore (6. Mai), Oettingen war bereits am 3. Mai „besetzt“ worden, die Bibliothek des Maihinger Klosters wurde zerstört.

Der Widerstand gegen Fürsten und Klerus formierte sich fortan auf breiter Front. Beim „Mässinger Haufen“ (Thalmässing) war Kaplan Endres von Pfofeld dabei. Er soll seiner Gemeinde „Rüstgeld“ versprochen haben und im Erfolgsfall wollte er sogar seine Köchin ehelichen, „wie wohl es vor Gott vorhin ein Ehe sei“. Der Ansbacher Markgraf Casimir machte anfangs wohl Zugeständnisse an die Freiheitskämpfer,  verlangte aber von jeder Stadt, dass sie ihm helfen müsse, eine Reitertruppe zusammenzustellen („mit Ross und Reisigen“), weil auf die Fußtruppen kein Verlass sei.  Die alten Herrschaften unter den lokalen Regenten wollten ihm aber nicht so recht folgen. Georg Ludwig von Eyb, der seinen Sitz auf der Eybburg bei Lellenfeld hatte, entschuldigte sich beispielsweise mit seinen leiblichen Gebrechen („Bin schier daub im Haupte“).

Einer der namhaftesten Aufrührer war der „Müllerthomas“ von der Schmalzmühle (bei Wassertrüdingen).  Er ritt nach Geilsheim, Westheim, Hohentrüdingen, Hechlingen, Hüssingen und Ostheim, um Mitkämpfer zu rekrutieren und sammelte seine Leute in der Lehmgrube von Obermögersheim.  Die Wut schlug zu: Verwüstet blieb das Kloster Auhausen zurück, Abt Truchseß zog es vor, ins Neuenmuhrer Schloss zu flüchten.  Unterstützung versprachen sich  die Aufständischen auch von den Gunzenhäusern („gemeinsame Sache machen“). Die aber hielten sich zurück, denn Markgraf Casimir war mit 400 Berittenen und 500 Mann Fußtruppe unterwegs in das Oberamt Gunzenhausen und in das Amt Heidenheim, das mehrmals Hilfe angefordert hatte. Der Regent konnte sich der Treue seiner Gunzenhäuser sicher sein, aber Stadtschreiber Hans Rummel  entschuldigte sich bei ihm, nicht die verlangten 100 Bewaffneten nach Kammerforst schicken zu können, weil er den Anmarsch des Bauernhaufens fürchte.

Die markgräflichen Soldaten trafen auf dem „Gailbuck“ bei Ostheim  auf die Bauern. In der ungleichen Auseinandersetzung wurden die Aufrührer „völlig geschlagen“, das Dorf brannte nieder, viele Menschen wurden auf der Flucht erstochen.  Während es auf markgräflicher Seite nur geringe Verluste gab („ein Adeliger und wenige Knechte“), sollen 1000 von den 8000 Bauern „auf der Wahlstatt geblieben sein“. Auf ihrer Seite kämpften vor allem der Schmalzmüller, aber auch Peter Sauler aus Westheim, Hans Reulein  und Lienhard Sauler aus Geilsheim, Hans Pinsel aus Hechlingen, Lienhard Wiedemann aus Hüssingen, Hans Mayr aus Hechlingen (Beutemeister). Die „allerpösten Püben“ waren – so der Auhausener Abt Georg Truchseß von Wetzhausen  („… das hat alles der lutherische teufel fressen“) die Geilsheimer und Westheimer. Der Sieg der fürstlichen Truppen bei Ostheim war sozusagen die Trendwende, es kam zur „Ernüchterung der vom Freiheitstaumel Ergriffenen“.

Casimir sicherte den in ihre Dörfer zurückkehrenden Aufständischen zwar  Straffreiheit zu, aber in der Folgezeit kam es doch zur Überprüfung, wer sich am Bauernhaufen beteiligt hatte. Die Plünderer des Klosters Auhausen sollen auch aus Aha, Nordstetten und Maicha gekommen sein. Von den Gemeinden verlangte der Regent eine „Bußsumme“ als Schadensersatz. Beispielsweise mussten die 40 Cronheimer Haushalte 190 Gulden aufbringen, noch dazu jedes Haus 2,5 Gulden für Schadensregulierung am Kloster Auhausen. Dem in Ansbach eingesperrten Schmalzmüller wurde ein Viertel seines Besitzes genommen. Der Ostheimer Bader Kraft Knoll, Vater von acht kleinen Kindern,  musste ein Viertel seiner mütterlichen Erbschaft von acht Gulden abtreten. Außer ihm traf die persönliche Bestrafung fünf Geilsheimer, drei Westheimer, einen Ostheimer, zwei  Hechlinger, vier Hüssinger, zwei Ursheimer und 25 Wassertrüdinger.  Markgraf Kasimir  warnte die Bauern, „kein Schloss oder sonst nichts“ abzubrennen, „so lieb ihnen sei ihr Leib, Leben und Gut“, andernfalls werde er sie „erwürgen, erstechen und alles was sie haben verbrennen lassen“.

Das Fazit von Pfarrer Hermann Clauß: Wenn die Fürsten den Weg der Mäßigung und Gerechtigkeit hätten finden können, wäre die klaffende soziale Kluft überwunden worden.  Statt mit der eisernen Faust den Aufstand niederzuschlagen und die Menschen erneut in die Knechtschaft zu zwingen, sei  die Befreiung eines unterdrückten Standes nicht gelungen und die sozialen Gegensätze seien noch verschärft worden.  Die Leibeigenschaft in Bayern endete übrigens erst 1807. Der Autor befand 1925 in einem instabilen politischen Umfeld kluge Worte:  „Dass heute der staatsbejahende Wille und die Liebe zum Vaterland, die Erfurcht vor der Staatsgewalt stärker in unserem Volke wären, wenn nicht so oft in der Vergangenheit versäumt worden wäre, diese Kräfte zu wecken und zu pflegen.“

WERNER FALK

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