Vietnam – Gesichter und Schicksale

Buch von Anna Mudry ist nun bereits in fünfter Auflage erschienen

Die Buchreihe „menschen unterwegs“ dies Pirmoni-Verlags versteht sich als „Weltenöffner“. Der Titel „Vietnam – Gesichter und Schicksale“  der ostdeutschen Journalistin Anna Mudry, die 1969 bis 1973 für die „Berliner Zeitung“  zweimal in Vietnam war. Die Auswirkungen des Vietnamkriegs (1955-1975), die sich in persönlichen Schicksalen ausdrücken, werden von ihr aufgezeichnet. Ihr Buch ist das Ergebnis vieler Begegnung mit Menschen „jenseits von politischer Ideologie“, wie sie bemerkt.

Eine kleine Geschichte-Nachhilfe für allen, denen der Vietnamkrieg heute nicht mehr präsent ist: Im Golf von Tonking soll ein US-Zerstörer von nordvietnamesischen Truppen angegriffen worden sein. Dieser Vorwand diente den USA für ein Bombardement und es war zugleich der Beginn eines grausamen Kriegs. Ähnlicher Tricks bedienten sich die amerikanischen Stellen übrigens beim ersten Golfkrieg, als der seinerzeitige Außenminister Colin Powell vor dem Weltsicherheitsrat fragwürdige Satelittenbilder präsentiert, die sich später als falsch erwiesen und den Politiker nach seiner Amtszeit veranlassten, sich dafür zu entschuldigen. Ein Vergleich zum „Staatsstreich“ in der Türkei liegt nahe. Diese „Revolution“ nimmt Erdogan als Vorwand, um sein autoritäres Regime zu perfektionieren.

Auf vietnamesischer Seite kostete der Krieg schätzungsweise zwei bis fünf Millionen Menschen das Leben (davon 1,3 Millionen Soldaten), 58000 US-Soldaten und 5200 Kämpfer der Verbündeten starben, Millionen von Zivilisten erlitten durch Anwendung des Entlaubungsmittels „Agent Orange“ körperliche Verstümmelungen.

Die heute 74 Jahre alte Autorin war 1969 und 1973 in Vietnam, und war nicht als Kriegsberichterstatterin. Darauf legt sie Wert.  Ihre Intention war es, die verheerenden Folgen dieses Kriegs in Vietnam darzustellen, bei dem die USA als Folge von Flächenbombardements mit Napalm und chemischen Kampfstoffen nur verbrannte (in diesem Fall auch:  bis auf viele Jahre verseuchte) Erde zurück ließen. Um den Vietkong zu schädigen nahmen die USA die Zerstörung von Feldern und Wäldern in Kauf. Sie entzogen dem Volk die Lebensgrundlage. Noch Jahre danach waren gesundheitliche Schäden sowie Missbildung von Neugeborenen an der Tagesordnung.

Die DDR hatte damals aus ideologischen Gründen bedingungslos für Nordvietnam Partei ergriffen. Anna Murdry orientierte sich bei der Aufarbeitung ihrer Erlebnisse und Begegnungn in Vietnam an der Erkenntnis des großen Asienkenners Peter Scholl-Latour, wonach der subjektive Bericht oftmals die ehrlichere Methode ist,  um der Wirklichkeit ein Stück näher zu kommen. Auf ihren Reisen war sie von einem Kollegen der Hanoi-Zeitung begleitet worden, der sie mit einem russischen Gasik-Jeep durch zerstörte Dörfer kutschierte und sie mit den Kriegsschäden in Städten und Dörfern konfrontierte.  Auf ihrer zweiten Reise hatte sie in beeindruckender Weise von den gewaltigen Überlebensleistungen der Frauen erfahren. „Der Krieg hat sich in ihre Seelen eingenistet“ – diese Aussage stammt von Claudia Borchers, einer deutsch-nordvietnamesischen Malerei, die  weiß, dass die Bevölkerung auch vierzig Jahre nach dem Krieg noch kein leichtes Leben hat.

Von den politischen Spannungen über die diplomatischen Bemühungen bis hin zu den aktiven Kampfhandlungen berichtet die Chronologie des Vietnamkriegs

Anna Mudry: „Vietnam – Gesichter und Schicksale“; Pirmoni-Verlag, 194 Seiten; fünfte Auflage; ISBN 9-783-981-746037, 14,90 Euro.

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