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Der zukünftige Weg Russlands

Dr. Friedrich: Die neue Ordnung der Welt


Je nach Ausgang des Krieges in der Ukraine zeichnen sich grundsätzlich zwei sehr unterschiedliche Wege ab, denen Russland zukünftig folgen wird. Dies rechtzeitig zu erkennen ist für den Westen wichtig, um jetzt Fehler zu vermeiden und auf die neue Ordnung der Welt vorbereitet zu sein. 

Szenario 1:
Der Krieg endet mit einem Ergebnis, das Putin zuhause irgendwie als eine Art Erfolg verkaufen kann und ihm die Beibehaltung der Position des russischen Präsidenten ermöglicht. (Neutralität der Ukraine, Krim und Donbas bei Russland, Landbrücke zur Krim und schlimmstenfalls eine Marionettenregierung in Kiew):
In diesem Fall bleibt Russland für Jahrzehnte ein Paria der Weltpolitik à la Nordkorea, muss ständig seine Bevölkerung in der Ukraine und in Russland unterdrücken und muss Schutz bei China suchen. Es wird eine Art Juniorpartner Chinas und bewirkt dadurch eine neue Zweiteilung der Welt in einen Westen unter Führung der USA (mit einem Juniorpartner Europa) und einem eurasischen Osten unter Führung Chinas. Alle Formen des altbekannten kalten Krieges und wirtschaftlicher Konkurrenz sind dann denkbar. Dass China in einer solchen Konstellation seine Hände nach Taiwan ausstrecken wird, ist absehbar. Die Welt würde bei diesem Szenario deutlich unsicherer und unkalkulierbarer werden. Ob sich Russland in einer solchen doch irgendwie ambivalenten Rolle auf Dauer wohl fühlen wird, ist außerordentlich zweifelhaft.

Szenario 2:
Der Ausgang des Krieges führt zu einem Ergebnis, dass Putin nicht mehr schönreden kann (große Verluste der Streitkräfte, Einbruch der gesamten russischen Wirtschaft, Anklagen vor internationalen Gerichtshöfen, Forderung nach Reparationszahlungen, Aufruhr bei russischen Bürgern):
In diesem Fall verliert Putin früher oder später sein Amt. Danach könnten heftige Nachfolgekämpfe auftreten, incl. Putschversuchen der Armee, neue Entwicklungen in Belarus und brutale innerrussische Auseinandersetzungen nach dem Motto „Wer ist schuld an dem Desaster?“. Zur Klärung der Verhältnisse müsste der Westen in diesem Fall über seinen Schatten springen und statt Vergeltungsgelüsten nachzuhängen den russischen Bürgern ein großzügiges wirtschaftliches Angebot machen. Ähnlich wie nach dem Zweiten Weltkrieg dem am Boden liegenden Deutschland die freundliche Versöhnungshand gereicht wurde, müsste dann mit Russland verfahren werden. Dann entstünde die Chance, dass westliche Werte wie Freiheit, Demokratie und Wohlstand nach Osten „diffundieren” und langfristig Russland Teil des Westens würde.

Voraussetzung einer solchen Entwicklung wäre natürlich ein gigantischer Lernprozess in Russland selber: Dieses größte Land der Welt müsste lernen zu akzeptieren, dass es auch nur eine von mehreren großen Nationen auf dieser klein gewordenen Welt ist. Ja dass es kein Imperium mehr ist, das über andere herrschen darf.

Diesen schwierigen Lernprozess haben immerhin England, Frankreich und Deutschland und ganz früher auch Spanien, Portugal und die Niederlande mit ihren Kolonien durchmachen müssen.

Die Ukraine würde sich voll nach Westen orientieren, incl. EU-Beitritt. Die neue Weltenteilung würde dann lauten: Der Westen inklusive des eurasischen Russlands steht im Wettbewerb mit dem asiatischen China.

Auch diese neue Ordnung der Welt wäre nicht spannungsfrei, aber die Erreichung der wichtigen globalen Ziele Klima, Hungerbekämpfung, Versorgung mit Wasser, Abschaffung von Folter und Unterdrückung wäre weniger gefährdet als beim ersten Szenario.

Insgesamt sieht es so aus, dass die Welt vor epochalen Veränderungen steht: Die nächsten Wochen entscheiden, ob es weltweit zu einer „2-zu-2-Situation“ (USA/Europa zu China/Russland) kommen wird oder zu einer „3-zu1-Situation“.

DR. INGO FRIEDRICH, langjähriges Mitglied des Europäischen Parlaments, Gunzenhausen

Neue Bäume

Im Gunzenhäuser Falkengarten Silberlinde gepflanzt

Wenn Bäume krank sind oder nicht mehr richtig sicher stehen, dann hilft meist nur die Fällung. Im Gunzenhäuser Falkengarten hat es nun zwei Linden erwischt, die eine litt unter dem heimtückischen Brandkrustenpilz, die andere hatte ihr Lebensende längst erreicht und musste bereits seit Jahren mit Spanngurten gesichert werden. Das heimische Unternehmen Hartmann Garten- und Landschaftsbau GmbH hat nun einen Austausch vorgenommen und zwei neue Klimabäume gepflanzt.

Tilia tomentosa ´Brabant´- was für den ein oder anderen möglicherweise wie ein italienisches Nudelgericht klingt, ist in Wahrheit der Name einer klimawandelresistenten Baumart, die auch unter der Bezeichnung Silberlinde bekannt ist. Das Tolle: Bei den Bäumen handelt es sich um Bienengehölze, die keine Honigtauabsonderung haben. Für die neuen Silberlinden wurde an den betroffenen Stellen im Falkengarten ein Bodenaustausch vorgenommen. Die ausgehobenen Gruben wurden mit Baumsubstrat gefüllt. Die Linden wurden mit Unterflurverankerungen gesichert. Beim Setzen der Bäume wurden um die Stämme sog. Ritter-Rosenwaben ausgelegt. Die Waben sind mit Splitt ohne Feinanteile aufgefüllt worden und vermindern nun den Wurzeldruck auf die Ballen.

Die beiden Silberlinden haben sich wunderbar in den bestehenden Baumbestand im Falkengarten integriert. Sie freuen sich auf Ihren Besuch, vielleicht ja im Sommer, bei einer der zahlreichen Kulturveranstaltungen der Stadt Gunzenhausen, die auch 2022 wieder dort stattfinden werden.

Gesundheitsamt: Keine Not

Kauf von Jodtabletten zum Zwecke der Vorbeugung gegen radioaktive Strahlung nicht notwendig

Aus Angst vor einer Gefährdung durch radioaktive Strahlung infolge des Krieges in der Ukraine steigt auch im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen in den Apotheken die Nachfrage nach Jodtabletten. Laut Gesundheitsamt ist allerdings von der Selbstmedikation mit handelsüblichen Präparaten dringend abzuraten.

Im Fall einer Gefährdung durch radioaktive Strahlung kann es sinnvoll sein, Jodtabletten einzunehmen, um die Schilddrüse vor einer Anreicherung mit radioaktivem Jod zu schützen. Durch die Einnahme mit hochdosierten Jodtabletten wird die Schilddrüse mit Jod gesättigt und kann das radioaktive Gegenstück nicht aufnehmen.

Die handelsüblichen Präparate bieten dabei allerdings aufgrund der deutlich zu geringen Konzentration keinen Schutz. Darüber hinaus birgt die unkontrollierte Jodeinnahme beträchtliche Gesundheitsrisiken.

Sollte es tatsächlich zu einer Belastung mit radioaktivem Jod kommen, steht dem Bund ein ausreichender Vorrat an nicht frei verkäuflichen, hochdosierten Kaliumiodid-Tabletten zur Verfügung, mit denen die Bürgerinnen und Bürger dann von den zuständigen Behörden versorgt werden würden.

Diese Jodtabletten sollten nur nach ausdrücklicher Aufforderung durch die Katastrophenschutzbehörden in der empfohlenen Dosis eingenommen werden. Eine voreilige oder verspätete Einnahme kann die Schutzwirkung aufheben. Auch von einer Eigenmedikation mehrerer handelsüblichen Präparate, um eine höhere Dosis zu erzielen, oder gar der dauerhaften Einnahme von Jodtabletten ist dringend abzuraten, da dadurch enorme Gesundheitsrisiken entstehen. Auch besteht durch einen zu starken unnötigen Kauf von handelsüblichen Jodtabletten durch die Allgemeinbevölkerung die Gefahr, dass nicht ausreichend Jodtabletten für Schilddrüsenerkrankte und Schwangere zur Verfügung stehen, die dringend auf die Versorgung mit Jod angewiesen sind.

Mineralwasser aus neuem Brunnen?

Allgemeine Vorprüfung bei Treuchtlingen

Das Landratsamt Weißenburg-Gunzenhausen informiert darüber, dass derzeit das wasserrechtliche Verfahren für einen Antrag der Firma Altmühltaler Mineralbrunnen GmbH für die Errichtung von zwei Versuchsbohrungen durchgeführt wird. Die von dem Unternehmen geplanten Bohrungen sollen Aufschluss darüber geben, ob in einem oberflächennahen Grundwasserstockwerk eine Mineralwassererschließung für den Standort Treuchtlingen möglich wäre.

Nachdem das Tiefengrundwasservorkommen im Sandsteinkeuper, aus dem die Firma Altmühltaler derzeit das Wasser zur Mineralwasserproduktion bezieht, Übernutzungstendenzen zeigt, soll an zwei Standorten durch rund 100 Meter tiefe Bohrungen in einem höherliegenden Grundwasservorkommen im Eisensandstein geprüft werden, ob dort Wasser in ausreichender Menge und in Mineralwasserqualität erschlossen und nachhaltig genutzt werden kann.

Hierfür ist geplant, die Bohrungen zu Grundwassermessstellen auszubauen und hydraulische Feldversuche sowie hydrochemische Untersuchungen durchzuführen. Werden die Erwartungen an Qualität und Quantität erfüllt, könnten in einem weiteren Schritt Förderbrunnen errichtet und betrieben werden. Durch eine nachhaltige Förderung aus dem Eisensandstein, könnte die Entnahmemenge aus dem Sandsteinkeuper kompensiert beziehungsweise reduziert werden. Damit würde ein Beitrag geleistet werden zur erforderlichen Entlastung des Tiefengrundwasservorkommens im südlichen Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen.

Das Landratsamt Weißenburg-Gunzenhausen führt derzeit als zuständige Genehmigungsbehörde das wasserrechtliche Verfahren für die Erteilung der beschränkten Erlaubnis durch, welches auch eine allgemeine Vorprüfung nach dem Umweltverträglichkeitsprüfungsgesetz (UVPG) beinhaltet. Die beteiligten Behörden wurden um fachliche Bewertung und Stellungnahme gebeten. Erst wenn diese vorliegen, kann die Prüfung des Antrags fortgesetzt werden. Die Feststellung zur Vorprüfung nach dem UVPG wird vom Landratsamt offiziell im Amtsblatt bekanntgegeben.

FabLab legt los

Zugang zu hochtechnischen Geräten für Jedermann

Auf 160 Quadratmeter macht sich FabLab in der Hetzner-Halle breit. Fotos: Falk

Vor drei Jahren ist das „FabLab Altmühlfranken“ in Gunzenhausen gegründet worden. Jetzt geht es sozusagen in Betrieb. Das „Fabrikationslabor“, dem inzwischen über 60 Mitglieder angehören, präsentierte sich kürzlich in der Halle des Onlineunternehmens Hetzner in der Industriestraße.  

Die Halle ist 2015 von der Stadt als Flüchtlingsunterkunft gebaut worden, war aber nie belegt. Sie wurde in der Folgezeit an die Firma Hetzner verkauft, die in der direkten Nachbarschaft ihren Firmensitz hat. Auf rund 160 Quadratmetern hat der Verein einen innovativen Gerätepark aufgebaut, den jeder gegen einen geringen Obolus nutzen kann. Wie Vorsitzender Fabian Müller erklärte, „haben die Leute nach Corona jetzt große Lust loszulegen“.

Vorsitzender Fabian Müller (rechts) dankte den Sponsoren mit einem selbst produzierten Präsent: Karl Betz (alfmeier), Wolfgang Pendelin (Bosch-Thermotechnik), Bürgermeister KH Fitz, Erich Herreiner (Koordinator) und Julia Herzog (Hetzner online). Foto: Falk

Gefördert wird das auf fünf Jahre angelegte Projekt mit rund 45000 Euro aus dem „Leader-Fond“ der EU, den gleichen Betrag bringt der Verein mit Hilfe von privaten Spenden auf. Der „harte Kern“ des Vereins hat in den letzten drei Jahren die von Hetzner-Online zu günstigen Konditionen bereitgestellte Halle eingerichtet. Finanzielle Unterstützung erhält er auch vom Freistaat Bayern sowie von der Stadt Gunzenhausen (5000 Euro jährlich). Einheimische Firmen wie Bosch-Thermotechnik, Alfmeier, Verpa oder die Gutmann-Stiftung in Weißenburg leisten ebenfalls ihren Beitrag.

„Jeder, der technisch etwas vorgebildet ist, kann sich bei uns ausbilden lassen“, sagt der Vorsitzender Müller, schränkt aber zugleich ein, dass das Angebot nur für Privatpersonen gilt, nicht für gewerbsmäßig Tätige. Mit Hilfe von 3-D-Druckern, computergesteuerten Fräsmaschinen, Lasercuttern oder Hochleistungs-Nähmaschinen können die unterschiedlichen Materialien (z.B. Metall, Holz, Textilien) bearbeitet werden. Die meisten Maschinen wurden neu gekauft, nur einige sind Gebrauchtgeräte, die „FabLab“ als Spenden erhalten hat.

Die meisten Maschinen sind neu. Die Mitglieder können sie ohne Kostenaufwand nutzen.

Der Verein will die Mitglieder in der Anwendung der modernsten Technik schulen. Die Sorge, dass nach den fünf Jahren der Förderung der Bestand gefährdet sein könnte, hat der Vorsitzende Müller nicht. Die Nutzer der Einrichtung  werden auch finanziell nicht über Gebühr in Anspruch genommen. Gerade einmal zwei Euro beträgt der Mitgliedsbeitrag im Monat. Demnächst sollen die ersten Kurse anlaufen. Dazu stehen große Bildschirme und Beamer bereit.

Dass das Sponorengeld gut angelegt ist, das bestätigte Wolfgang Pendelin von Bosch-Thermotechnik. Den Verantwortlichen des Vereins, zu denen auch Stellvertreter Michael Grüb, Dominic Weiß, Kathrin Kimmich, Uwe Mann, Leonhard Götz und Matthias Menhorn gehören, dankte Bürgermeister Karl-Heinz Fitz bei der Eröffnung und erklärte, dass im Fall der Realisierung des FabLab-Projekts viele Räder ineinander gegriffen haben.

In einigen Wochen will FabLab die regulären Öffnungszeiten bzw. die Kontaktdaten bekannt geben.

WERNER FALK

FDP lobt den Landrat

Nur eine Gegenstimme bei Verabschiedung des Etats 2022

FDP-Fraktionsvorsitzender Werner Falk (künstlerische Darstellung der Malerin Jutta Grünsteidel (Weißenburg).

Gegen eine Stimme (Klaus Fackler von den Grünen) hat der Kreistag Weißenburg-Gunzenhausen dem Etat 2022 zugestimmt. Bei der gesonderten Abstimmung über die Höhe der Kreisumlage votierten 51 für den in Vorgesprächen ausgehandelten Hebesatz von 40,5 Prozentpunkten, lediglich sechs Kreisräte wollten dem Kreis mehr gönnen (Reinhard Ebert, Margit Kleemann und Walter Bengel von der ÖDP sowie Fritz Hörner und Klaus Fackler von den Grünen sowie Felix Goldhorn von den Linken). Nach dem ersten Entwurf des Landrats war von einer Absendkung von 42,2 auf 41,2 Prozent die Rede, später ist Westphal auf Drängen der drei großen Städte auf 40,5 Prozentpunkte heruntergegangen. Die Besonderheit des Berechnungssystems will es, dass der Landkreis trotz der Verringerung des Hebesatzes unter dem Strich eine Dreiviertel Million Euro mehr an Kreisumlage einnimmt als 2021.

Für die Fraktion der FDP hat Vorsitzender Werner Falk folgende Erklärung abgegeben:

Wir konnten auch in diesem Jahr feststellen, dass es Kräfte außerhalb des Kreistags gibt, die es gerne sähen, wenn es wochenlange kontroverse Diskussionen über den Kreisetat und speziell über die Höhe der Kreisumlage gäbe. In früheren Jahrzehnten hat es diese oberflächlichen Hahnenkämpfe gegeben. Die wollen wir uns heute gerne schenken, denn es geht nicht um persönliche Profilierung, sondern um die gemeinsame Verantwortung für den Landkreis.

Die FDP-Fraktion schätzt es sehr, dass Landrat Westphal um einen Ausgleich der Interessen bemüht ist. Wir bestätigen ihm gerne taktisches und strategisches Geschick. Er hat in den letzten zwei Jahren durch seine Amtsführung bewiesen, dass die Suche nach guten Lösungen im gemeinsamen Streben eher zu erreichen ist als durch parteipolitische Rechthaberei. Er bezieht die Bürgermeister rechtzeitig in die Etatdiskussion mit ein und versucht in Verbindung mit den Fraktionsvorsitzenden frühzeitig, eine sachlich begründete Diskussion zu führen. Diesen Weg finden wir richtig und wir ermutigen ihn, so weiter zu machen.

Wir wissen, dass die drei Städte Gunzenhausen, Weißenburg und Treuchtlingen zusammen 55 Prozent der Kreisumlage zahlen. Folglich haben sie auch eine kräftige Stimme, aber sie bleiben dennoch immer nur ein Teil dieses Landkreises. Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir sitzen hier als gewählte Vertreter unserer Bürger und vertreten die Interessen des Kreises.  Etliche von uns Kreistagsmitgliedern sind zugleich Bürgermeister oder Stadt- und Gemeinderäte. Wir würden aber nicht unserer Verantwortung als Kreisräte gerecht, wenn wir uns vorrangig als verlängerter Arm unserer Kommunen verstünden.

Dennoch sagen wir: Den Städten im Landkreis tut es gut, finanziell entlastet zu werden. Sie bieten Leistungen der Daseinsvorsorge an, die auch von Landkreisbürgern in Anspruch genommen werden, die nicht in Gunzenhausen, Treuchtlingen oder Weißenburg leben. Das rechtfertigt eine Art Umverteilung. Konkret: eine finanzielle Entlastung der Städte in Gestalt einer reduzierten Kreisumlage. Das sage ich bewusst in meiner Doppelfunktion als Stadtrat und Kreisrat.

Ich möchte zwei Aspekte herausgreifen: Zunächst die Jugendhilfe. Wir haben mehr Einrichtungen der Jugendhilfe als andere Landkreise in Mittelfranken. Und wir spüren die Folgen der sozialen Verwerfungen in unserer Gesellschaft. In Deutschland haben sich die Ausgaben für die Jugendhilfe in den letzten zehn Jahren um 103 Prozent erhöht. Dass es bei uns nur 53 Prozent sind, ist wohl ein Signal dafür, dass in einem ländlich geprägtem Umfeld die Probleme nicht so krass auftreten wie in den Problemzonen der Großstädte.

Ein zweiter Aspekt: die Regionalförderung. Wir von der FDP begleiten mit großer Zufriedenheit die Arbeit der ZIA. Mit 562000 Euro werden in den nächsten zwei Jahren fünf Projekte angegangen und realisiert, die mit 450000 Euro bezuschusst werden. Es wäre schön, wenn wir einen funktionsfähigen Onlineshop in Altmühlfranken bekommen könnten, quasi eine regionale Alternative zu Amazon & Co. Aussichtsreich sind die bisherigen Bemühungen um Radwegenetz im Landkreis.

Was das Regionalbewusstsein angeht, möchte ich auf meine Erklärung zum Abschluss der Leitbild 2030-Diskussion verweisen, in der ich namens der FDP-Fraktion angeregt habe, das 50jährige Bestehen des Landkreises als Hinweis zu sehen, eine Änderung des Landkreisnamens herbeizuführen. Altmühlfranken erscheint uns jedenfalls griffiger und prägnanter zu sein als Weißenburg-Gunzenhausen, der 1972 als Kompromiss der seinerzeit widerstrebenden Interessen gewählt wurde. Wir müssen nichts übers Knie brechen, aber andenken sollten wir einen Änderungsprozess schon. Vielleicht wäre es gut, die Landkreisbevölkerung in die Namenswahl einzubeziehen.  Es freut mich, dass Kollege Fackler von den Grünen den Gedanken aufgegriffen hat.

Wir von der FDP haben den Eindruck gewonnen, dass die Tugenden des ehrbaren Kaufmanns in unserer  Gesellschaft nichts mehr gelten. Dr. Peiffer und ich sind bereit anzusparen, wenn wir wissen, dass gewaltige Investitionsaufgaben auf den Landkreis zukommen, die viel Geld verschlingen. Wir sehen aber auch, dass wir als Landkreis nicht alleine dastehen als Schuldenmacher. Bund und Land machen es ja vor.  Denken wir an die von der Gesellschaft offenbar als problemlos erachteten Milliarden-Ausgaben für die Coronamaßnahmen oder die 100 Milliarden Euro für die Bundeswehr, die einfach so von heute auf morgen aus dem Ärmel geschüttelt werden.

Im Augenblick können wir uns im Landkreis noch den Schuldendienst leisten ohne bei den Investitionen groß zurückstecken zu müssen, aber gilt das für alle Zeit? Ein Blick auf die weltpolitischen Veränderungen, deren Auswirkungen uns im Kreis auch noch einschneidender erreichen können, stimmt uns nachdenklich.

Storchennester „saniert“

Familie Adebar muss sich der Sicherheit beugen

Das Storchennest beim Gunzenhäuser Gasthaus Lehner ist immer einen Blick wert. Meister Adebar fühlt sich dort pudelwohl und baut was das Zeug hält. In den letzten Jahren wurde das Nest immer größer und lag zuletzt mächtig, aber auch ein wenig schief auf dem Turm. Auf Anraten des LBV wurde die Behausung nun von städtischen Bauhofmitarbeitern gekürzt.

Regelmäßig überprüfen LBV und der Storchenbeauftrage des Landkreises, ob die Fallsicherheit bei Nestern im Stadtgebiet Gunzenhausens gegeben ist. Störche bauen sehr großflächig und verwenden dabei allerlei Materialien wie Äste und Schlamm, aber auch Unrat wie Folien und anderen Müll. Da kommt einiges zusammen und die Nester werden immer größer. Am Ende sind sie sehr schwer und manchmal auch nicht mehr sicher. Zum Schutz von Tieren, Fußgängern und Gebäuden werden die Brutplätze regelmäßig auf ihre Sicherheit überprüft. Immerhin sollen niemand Schaden nehmen. Bei einem Nest in AHA und eben beim Lehner musste nun Hand angelegt werden. Ein weiteres Nest in Schlungenhof wurde auf einem Baum neu angebracht.

Da die Kürzungen im März vorgenommen werden mussten, wurde bei der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt Weißenburg-Gunzenhausen eine Sondergenehmigung eingeholt. Zwei Bauhofmitarbeiter hatten sich mit Kettensäge und Rechen ausgestattet und wurden mit einem Kran der Firma Rachinger zu den Nestern gehoben oder wurden mit der Leiter der Gunzenhäuser Feuerwehr hochgefahren. Nun können die Störche wieder einziehen und beschenken die Stadt Gunzenhausen hoffentlich schon bald mit Nachwuchs.

Nahwärme in Frickenfelden

CSU besuchte Nahwärme im Gunzenhäuser Stadtteil

Birgit (Sechste von links) und Harald Seitz (Achter von links) präsentierten den Vertretern der CSU-Gunzenhausen ihre Nahwärmeanlage. Foto: Müller

„Umweltfreundlich, zukunftsorientiert und weg von der Abhängigkeit der fossilen Brennstoffe“. So begrüßte die stellvertretende Vorsitzende des Ortsverbandes der CSU Gunzenhausen, Ingrid Pappler, die Parteimitglieder sowie interessierte Bürgerinnen und Bürger aus Frickenfelden und dankte dem Betreiberehepaar Harald und Birgit Seitz, dass sie sich die Zeit genommen haben, ihren Betrieb besichtigen zu dürfen.

Harald Seitz stieg gleich in die Firmenentwicklung ein und erläuterte den Besuchern die Entstehung seines und des Schwiegervaters Hermann Schachner Betriebes. So wurde mit 250 Mastbullen in den Jahren von 2005 bis 2009 eine Biogasanlage mit 75 KW in Betrieb genommen, die bis 2013 auf 160 KW erweitert wurde. 2016 wurde erstmals die Idee aufgegriffen, ein Nahwärmenetz zu errichten, scheiterte jedoch an einer zu gründenden Vorstandschaft. Mutig blickte Harald Seitz nach vorne und gründete 2020 zusammen mit seiner Frau Birgit die Firma „Nahwärme Frickenfelden GmbH“.
„Bereits nach kurzer Zeit gab es bereits 22 Interessenten“, so Seitz und ergänzte, „jetzt sind wir mit 47 Anschlussnehmer fast voll ausgelastet“. Dass die Nahwärme für den Verbraucher nicht nur kostengünstig ist, sondern vor allem die Umwelt schont, das freut nicht nur den Betreiber. Mit 1,5 Millionen KW Leistung werden 75.000 Liter Heizöl weniger bzw. nicht verbraucht. Dazu werden durch die Nahwärme gut 150.000 Tonnen weniger CO² eingespart, was bei den Teilnehmern einen großen Applaus auslöste.
Ergänzt wird die Biogasanlage durch eine Hackschnitzelheizung, die eine einwandfreie Sicherstellung der Energie in den angeschlossenen Gebäuden gewährleistet. Mit sehr viel Eigenleistung wurde am 3. Juli 2022 mit der Verlegung der Rohre begonnen und bereits nach drei Wochen waren alle Hausanschlüsse verlegt. „Nun sind wir so weit, dass die Übergabestationen in den Häusern eingebaut werden können“, freut sich Harald Seitz und fügt an, dass bei einer Vorlauftemperatur von 80 Grad die Versorgung für jeden gesichert ist. Rund 1,5 Millionen Euro musste das Ehepaar Seitz in die Hand nehmen, um ihr Vorhaben zu verwirklichen, das sich nach ihren Angaben erst nach ungefähr 20 Jahren amortisiert.
Nach einer ausgedehnten Führung über das Betriebsgelände und vielen Erläuterungen bedankte sich Ingrid Pappler bei Harald und Birgit Seitz: „Für solche Entscheidung gehören Mut und Engagement dazu. Das alles geht nur, wenn die Familie zusammensteht“ und überreichte im Namen des Ortsverbandes (der Vorsitzende Manuel Blenk war verhinderet) sowie der CSU-Stadtratsfraktion an das Ehepaar Seitz ein Präsent.

ALFRED MÜLLER

Wer kann Wohnraum anbieten?

Gunzenhausen sucht Wohnraum für Kriegsflüchtlinge

Der russische Angriff auf die Ukraine hat hunderttausende Menschen in die Flucht getrieben. Während die Gefechte weiter anhalten, sind Geflüchtete auch in unserer Region angekommen und suchen Schutz und einen sicheren Platz zum Ausruhen. Angst und Panik sind ständige Begleiter, und die winterlichen Temperaturen machen die Situation nicht einfacher. In diesen dunklen Zeiten gilt es zusammenzuhalten, Verantwortung zu übernehmen und solidarisch zu sein. Aus diesem Grund engagiert sich die Stadt Gunzenhausen im Rahmen der Flüchtlingshilfe und sucht weiter nach privatem Wohnraum für Geflohene.

„Was in und mit der Ukraine passiert, ist unerträglich“, so Erster Bürgermeister Karl-Heinz Fitz. „Wir können nur erahnen, was die Menschen dort aushalten und ertragen müssen. Viele verlassen ihre Heimat aus Angst und fürchten um ihr Leben. Dieses Schicksal hat sich niemand ausgesucht und als verantwortungsvolle Gesellschaft haben wir die Pflicht, den Flüchtlingen zu helfen. Bitte unterstützen Sie uns und melden Sie freien Wohnraum, in dem Sie Geflüchtete unentgeltlich aufnehmen können.“

Auf der Internetseite der Stadt Gunzenhausen (www.gunzenhausen.de) wurde ein Online-Formular eingerichtet, mit Hilfe dessen privater Wohnraum schnell und unkompliziert gemeldet werden kann. Alle Bürgerinnen und Bürger, die Kriegsflüchtlinge unentgeltlich aufnehmen würden, können sich dort registrieren. Bei Bedarf nimmt die Stadt Gunzenhausen oder das Landratsamt Weißenburg-Gunzenhausen Kontakt auf.

Konkrete Hilfe des Kreises

Notunterkunft in Treuchtlingen

Das Landratsamt Weißenburg-Gunzenhausen wird in der Turnhalle der Senefelder-Schule in Treuchtlingen eine Notunterkunft für Geflüchtete Menschen aus der Ukraine einrichten. Die Notunterkunft steht ab 11. März zur Verfügung.

Derzeit kommen zahlreiche Menschen, die vor dem Krieg in der Ukraine flüchten, auch im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen an. Um die kurzfristige Unterbringung der Menschen sicherzustellen, muss auch im Landkreis eine Notunterkunft errichtet werden. Nach der Erstunterkunft in Treuchtlingen können die Personen dann innerhalb weniger Tage an Unterkünfte, die das Landratsamt hauptsächlich über Beherbergungsbetriebe zur Verfügung stellt, weitervermittelt werden beziehungsweise private Wohnangebote genutzt werden. Die Notunterkunft in der Turnhalle der Senefelder-Schule bietet Platz für rund 120 Personen. Es wird damit gerechnet, dass schon am Wochenende erste Menschen dort vorübergehend untergebracht werden müssen.

In der Notunterkunft wird auch die Erstanmeldung der Geflüchteten erfolgen. Die Ausländerbehörde des Landratsamtes wird sich dann bei den Personen wegen der Registrierung und der Beantragung des Aufenthaltstitels melden.

Die Versorgung der geflüchteten Menschen ist durch das Bayerische Rote Kreuz beziehungsweise Privatunternehmen sichergestellt. Das Landratsamt steht zudem auch in engem Kontakt mit den Kirchen, der Flüchtlings- und Integrationsberatung der Diakonie sowie der psychosozialen Notfallversorgung im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen, die ebenfalls bei der Betreuung der Menschen unterstützen werden.

Es ist auch damit zu rechnen, dass viele unbegleitete Minderjährige in den Landkreis kommen. Das Jugendamt bereitet hier die Unterbringung der Kinder und Jugendlichen vor. Die Unterbringungsmöglichkeiten müssen natürlich gerade bei Kindern und Jugendlichen sehr streng geprüft werden und unterstehen strengen Regularien. Das Jugendamt erreichen viele private Angebote, diese werden registriert und gegebenenfalls auch kontaktiert. Vorzugsweise werden für unbegleitete Minderjährige allerdings aufgrund der sensiblen Situation zentrale Unterkünfte vorgesehen. Unbegleitete Kinder und Jugendliche, die zu Verwandten in den Landkreis kommen, sollen mit dem Jugendamt Kontakt aufnehmen. Das Jugendamt unterstützt dann bei allen Anliegen, damit das Kind oder der Jugendliche in dem Familienverband bleiben kann.

Bis zum 10. März sind in der Ausländerbehörde rund 250 Menschen, die aus der Ukraine geflüchtet sind, registriert worden. Alle Personen, die sich bislang noch nicht bei der Ausländerbehörde gemeldet haben, sollen dies bitte zeitnah erledigen. Zunächst reicht es, wenn die Ausländerbehörde ein Foto des Passes erhält, die Anschrift der Unterkunft im Landkreis sowie eine Telefonnummer einer Kontaktperson im Landkreis. Diese Unterlagen sollten schnellstmöglich nach der Ankunft an ausland@landkreis-wug.de geschickt werden. Die Mitarbeitenden der Ausländerbehörde melden sich dann wegen eines Termins zur Beantragung der Aufenthaltserlaubnis.

Zweck der ersten Kontaktaufnahme ist nur die Registrierung und die Klärung, ob eine Unterkunft benötigt wird und wenn nicht, wo die private Unterkunft erfolgt. Außerdem kann so der Anspruch auf Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz registriert werden.