Macht doch wieder einen “Brotfrieden”!

Parallelen von aktueller Ukrainekrise zur Situation vor fast 100 Jahren

Wer über den Ukrainekonflikt nachdenkt, der kommt nicht umhin,  an die politische und militärische Konstallation vor 98 Jahren zu denken. Damals hatten die Bolschewiken in Russland gerade die Revolution ausgerufen. Das Land lag wirtschaftlich am Boden, die Bevölkerung war kriegsmüde. Deshalb willigten sie in einem “Brotfrieden” von Deutschland mit der Ukraine ein (9. Februar 1918). Der bedeutete zwar noch  nicht das vollständige Ende des Ersten Weltkriegs, war aber doch ein Signal. Am 3. März 1918 kam es dann tatsächlich in der weißrussischen Stadt Brest-Litowsk zu einem Friedensvertrag, , 1919 zum Friedensvertrag von Versailles. Um “Brot und Frieden” sollten sich auch heute die verantwortlichen Staatsmänner bemühen. Die Bedingungen sind nicht die schlechtesten, denn Russland liegt heute wieder wirtschaftlich darnieder. Nur mit westlichem Know-how und Investitionen kann das Putin-Reich genesen. Das ist Klartext, aber in der diplomatischen Sprache wohl im Umgang mit Putin nicht realistisch. Die wirtschaftlichen Sanktionen sollten daher andauern. Eine politische Lösung wird kommen. Sie braucht nach aller Erfahrung Zeit, denn alle Beteiligten sollen schließlich  ihr Gesicht nicht verlieren. Wenn das nur die Scharfmacher auch endlich begreifen würden!

Die von Russland abgetretenen Gebiete sollten – so die Buchstaben des Vertrags – nicht von Russen bewohnt werden, sondern von den nichtrussischen Völkern, die auch damals schon nach Unabhängigkeit strebten. Wie wir wissen, hat sich die Geschichte einige Jahrzehnte später wiederholt, als nach dem Zusammenbruch der UdSSR die Regionen ihre Eigenstaatlichkeit anstrebten, die baltischen Länder endlich in die Freiheit gelangten.

Es war weitsichtig, dass sich der Westen nicht stärker eingemischt hat, als die Krim vor einiger Zeit an Russland ging. Das entsprach dem Wunsch der Mehrheit auf der Krim, die historisch gesehen schon immer russisch war. Aber von US-Staatsmännern ist soviel historisches Wissen offenbar nicht zu erwarten. Leider haben allzu frühe Festlegungen des Westens, vor allem “scharfer” Nato-Vertreter, dazu beigetragen, dass sich die Lage dramatisch verschlechterte. Zurückhaltung wäre besser gewesen. Es wäre richtig, in der Ukraine eine Volksabstimmung zu machen. Wenn die Menschen im Osten an die Seite von Russland sich besser aufgehoben fühlen, dann sollte man sie ziehen lassen. Wir sollten uns im Westen hüten, die neuen Herren in Kiew für Demokraten zu halten. Es ist einfach eine Nummer zu groß, wenn sie die Gefahr eines Dritten Weltkriegs hinausposaunen. Die sind in der Wahl ihrer Mittel nicht anders als die Freischärler oder die Russen. Für sie wäre es eine riesige Aufwertung, wenn sich der Westen stärker engagieren würde.

WERNER FALK

Kulturinitiative personell ergänzt

Europäisches Haus – ein Kulturjuwel in Altmühlfranken

Die Kulturinitiative Altmühlfranken (KIA) hält das „Europäische Haus“ in Pappenheim, das in den letzten Jahren mit Unterstützung der Europäischen Union, des Freistaats Bayern und der Stadt Pappenheim entstanden ist, für einen herausragenden Baustein des Kulturraums Altmühlfranken. Es rundet das bisherige Profil der „Bildungsregion Altmühlfranken“ ab und verleiht dieser damit eine wertvolle Alleinstellung. Zusammen mit der Evangelischen Landvolkshochschule in Pappenheim markiert das „Europäische Haus“ zudem für die Stadt eine Zukunftsperspektive als bedeutender Bildungsstandort.
Dr. Johann Schrenk dankte als Vorsitzender der Kulturinitiative Altmühlfranken Prof. Dr. Joachim Grzega – der ebenfalls Vorstandsmitglied der KIA ist – für dessen außerordentliches Engagement bei dem Betrieb dieses Hauses und verband damit die Erwartung, dass dieses Haus sowie dessen einmaligen Bildungsangebote noch stärker in das öffentliche Bewusstsein in Altmühlfranken sowie weit über dessen Grenzen hinaus gehoben werden können.
Im Rahmen dieser Mitgliederversammlung wurden auch die in der Satzung vorgesehenen Beisitzer berufen. Von deren Nominierung wurde bei der Gründungsveranstaltung vor gut einem Jahr noch Abstand genommen, weil erst einmal die Mitgliederentwicklung abgewartet wurde, um aus einem dann erweiterten Kreis eine wohl ausgewogene Wahl treffen zu können. Bei einer Enthaltung wurden folgende Personen einstimmig zu Beisitzern und damit in den Vorstand der Kulturinitiative gewählt:
Für die Wirtschaft: Dr. Karl Friedrich Ossberger, Klaus Horrolt und Susanne Gebhardt;
für die Politik: Bürgermeisterin Susanne Feller-Köhnlein, Bürgermeister Karl-Heinz Fitz und Bürgermeister Werner Baum;
für die Kultur: Kristina Schiegl, Justus Willberg und Rainer Zimmermann sowie
mit der Sonderfunktion des „Kultur-Botschafters Altmühlfranken“ Klaus Haeffner.

Die Mitgliederversammlung hat schließlich auch erste Gesprächskreise begründet, die sich mit spezifischen Fragestellungen etwas intensiver beschäftigen und daraus künftig entsprechende kulturpolitische Vorschläge unterbreiten werden. Dies sind die Gesprächskreise „Jugendliteraturpreis Altmühlfranken“ (Koordination Dr. Schrenk), Theaterwesen (Koordination Thomas Hausner), Kulturatlas Altmühlfranken (Koordination Dieter Popp) sowie Musikstandort Altmühlfranken (Koordination vorläufig über Dieter Popp). In diesen Gesprächskreisen – weitere zu anderen Kulturthemen sind in Vorbereitung – werden jetzt konkrete Projekte vorbereitet, strukturiert und in öffentliche Plattformen eingespeist bzw. unmittelbar umgesetzt. Und hier sind alle an Kultur interessierten Menschen der Region eingeladen sich aktiv einzubringen, betonte Dr. Schrenk in Pappenheim. Aus diesem Grunde sind diese Gesprächskreise auch ganz bewusst als „offene Runden“ definiert worden, wohl wissend und berücksichtigend das Kulturengagement nicht an eine formale Mitgliedschaft gebunden sein muss.

“Zutrinken” galt als Gotteslästerei

Vortrag von Prof. Wüst beim Historischen Verein

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Vortrag von Prof. Wüst beim Historischen Verein

Es war im 18. Jahrhundert: die fränkischen Fürsten und Bischöfe gebährdeten sich als absolutistische Herrscher. Die kleinen Leute hatten nicht zu sagen. Ihr Lebensmut äußerte sich in „bierseeligen Lustbarkeiten“. Die aber waren verfolgte die Obrigkeit mit äußerstem Missbehagen, denn schließlich waren sie „potenzielle Unruhestätten“ und „zwielichtige Einrichtungen“, wie das Fürstenhaus Schwarzenberg 1781 beklagte.
Lang ist die Liste von Publikationen fränkischer und schwäbischer Landesgeschichte, die Prof.Wolfgang Wüst von der Uni Erlangen-Nürnberg bisher vorgelegt hat. Seit 2000 hat er dort den Lehrstuhl für fränkische und bayerische Landesgeschichte. Vor Mitgliedern des Historischen Vereins für Mittelfranken referierte er über „Mittelfränkische Konsumgeschichte – Bier und Schnaps in Form landesväterlicher Fürsorge der Frühmoderne“.
Wirtshäuser boten damals (und sicher auch heute noch) das Podium für emotionale Aussweifungen und ketzerische Reden gegen die Herrschaft. Auf „missliebige, schädliche Schwärmereien und gröbliche Misshandlungen“ (Bamberg 1771) reagierten die Regenten den Wirten mit dem Entzug der Konzession. Die Ansbacher Spielleute waren angehalten, „nur sittsame Tänze“ zu spielen (1672). Wirtshäuser galten als Brutstätten der Gewalt und Zentren der Hehlerei und als „Quellen des Unheils“. Markgraf Georg der Fromme sah sich veranlasst, das „Zutrinken“, das er als Gotteslästerei empfand, zu verbieten (1532). Aber auch unter den bürgerlichen Herrschaften galten „Schwelgen, Fressen, Sauffen“ als ein verwerflicher Vorgang, den sie „panguetiren“ nannten.
Was bis heute Bestand hat, das ist das Deputationsbier. Die Mitarbeiter von Brauerein bekommen es als Haustrunk. Früher gab es Deputatiosnbier für die höheren Beamten in den herrschaftlichen Verwaltungen, das gemeine Volk musste sich mit dem „Nachbier“ (Dünnbier) abspeisen lassen.
Nicht ganz geklärt ist, ob es für das „Zutrinken“ (Zuprosten) nicht noch eine andere Deutung gibt. Oskar Geidner, der Stadtheimatpfleger von Wolframs-Eschenbach und Geschäftsführer des Historischen Vereins für Mittelfranken glaubt, dass der Begriff für das „Vollsaufen“ (heute: Komasaufen) gelten kann. -fr-

 

Ostereier – schön bestickt

Stocker Koenig, OstereierEs gibt viele Bücher über das Bemalen und Verzieren von Ostereiern, aber kein einziges über das Beziehen der Eier für den Osterstrauch oder die Osterdeko mit Kreuzstichmotiven.

Für die bestickten Ostereier stehen mehr als 300 Vorlagen zur Verfügung. Die Palette beginnt bei traditionellen christlichen Symbolen in Rot-Weiß und reicht bis zu bunten Blumen, Vögeln, Hasen und sonstigen Frühlingsmotiven. Ob klassisch oder lieblich, ob für die eigene Osterdeko oder für Geschenkszwecke – österliche Stimmung ist garantiert!

Die kleinen Bilder und Symbole sind rasch gestickt, einfache Anleitungen zeigen, wie man die Eier (die natürlich auch gerne aus Plastik sein können) perfekt bezieht. Eine durch und durch runde Sache also …

Die Autorin: Helga König hat im Leopold Stocker Verlag schon mehrere vielbeachtete Handarbeitsbücher vorgelegt. In ihrem Handarbeitsgeschäft in Bad Aussee hält sie den Kontakt zur Basis und spürt laufend gängigen Trends nach.
Helga König:: “Ostereier – schön bestickt”, 300 Kreuzstichmotive, ISBN 978-3-7020-1520-6, 60 Seiten, durchgehend farbig bebildert, 20 x 20 cm, broschiert, 9,95 Euro, Stocker-Verlag Graz.

Zum Tode von Dr. Hans Schneider

Der langjährige Chefarzt des Gunzenhäuser Krankenhauses ist 95-jährig gestorben

„Der Beruf war die Erfüllung meines Lebens, aber als Chirurg muss man wissen, wann man aufhören muss.“ Das hat Dr. Hans Schneider bei seiner Verabschiedung als Chefarzt 1983 gegenüber dem seinerzeitigen Landrat Dr. Karl Friedrich Zink gesagt, der zu seinem engsten Freund in vielen Jahren der Zusammenarbeit geworden war. Von 1957 bis 1983, also 26 Jahre, war er der unumstrittene Chef am Krankenhaus. Am 27. Februar ist er im gesegneten Alter von 95 Jahren in seinem Haus in der Jahnstraße friedlich eingeschlafen. Auf seinen eigenen Wunsch ist die Trauerfeier im kleinsten Familienkreis.
Dr. Hans Schneider war ein gebürtiger Nördlinger. Seine SchneiderEltern Max Schneider und Frau Christina, geb. Rosenwirth, hatten hohe Ansprüche an ihn. Während sein Bruder Max das Schuhgeschäft übernahm, sein Bruder Helmut seit dem Russlandfeldzug 1944 als vermisst gilt und Schwester Elisabeth nach ihrer Heirat in Lindau eine neue Heimat fand, absolvierte Hans in Lauingen die Oberrealschule und begann in Dillingen ein Lehrerstudium, wobei er Zugang zur klassischen Musik fand. Zeit seines Lebens war das Cello sein Lieblingsinstrument. Mit ihm begleitete er später viele Jahre den Kammermusikfreundeskreis Gunzenhausen. Nach dem Arbeitsdienst und dem Militärdienst entschloss er sich, Medizin zu studieren. Noch während des Studiums erlebte er die Bombenangriffe auf München. Er erhielt 1945 eine Notapprobation, musste das Staatsexamen aber nach dem Krieg nach amerikanischem Standard wiederholen.
Im Jahr seiner Verehelichung mit Hildegard Jung 1947 trat er seine erste berufliche Station im Krankenhaus in Memmingen an, dann war er von 1952 bis 1953 Assistent an der Urologischen Abteilung am Diakonissenkrankenhaus Augsburg. Danach wechselte er als Oberarzt an das Kreiskrankenhaus nach Krumbach. 1957 kam Dr. Schneider an das Kreiskrankenhaus Gunzenhausen. Er war für seine ärztlichen Kollegen, das medizinische und das pflegende Personal nicht immer ein bequemer Vorgesetzter, zumal er seine eigene „100-Prozent-Mentalität“ auch von den anderen einforderte. Die Arbeit am Krankenhaus war sein Leben, der Neubau des Krankenhauses auf dem Reutberg sein Werk. Aber er war immer ein gerechter Chef. Das haben ihm die Mitarbeiter anlässlich seines Abschieds bestätigt.
Für seine Verdienste ist er 1982 mit dem Ehrenteller der Stadt Gunzenhausen ausgezeichnet worden. Die Auszeichnung quittierte er damals mit den Worten: „Leben ohne freiwillige Übernahme von Pflichten durch die Mitglieder dieser Gesellschaft ist nicht möglich.“ Weil er viele Jahre Kreisvorsitzender des Roten Kreuzes und Präsident des Rotary Clubs Ansbach (später Weißenburg) war, ist er mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt worden.
Als sich Dr. Schneider 1983 aus dem beruflichen Leben zurückzog,  widmete er sich seiner Familie, das heißt den Söhnen Wolfgang und Helmut  und deren Angehörigen sowie seiner zweiten Frau Dr. Barbara Gercke, die er 2001 ehelichte. Noch am 17. September letzten Jahres war es ihm vergönnt, einen Urenkel seines Bruders in die Arme nehmen zu dürfen. Der war auf den Tag genau 95 Jahre jünger als er.
Dr. Hans Schneider lebte im Geiste der Humanität und des politischen Liberalismus. Der Landkreis verliert mit ihm eine großartige Persönlichkeit. Über seinen Tod hinaus wird sein Name verbunden bleiben mit dem Krankenhaus Gunzenhausen, das er wie kein anderer geprägt hat.

Aufenthaltsqualität muss sich verbessern

Auf die Wünsche der Kunden achten!

Es wird erheblicher Anstrengungen bedürfen, um dem Innenstadtbereich von Gunzenhausen die Attraktivität zu verleihen, damit “Leben wieder innen stattfindet”. Augenblicklich haben wir aber eine Situation, die weder für die einheimischen Bürger, die Tagesbesucher der umliegenden Gemeinden, die Tagesgäste aus den weiterentfernten Quellregionen oder die Urlaubsgäste während der Saison zufriedenstellend sein kann.
Eine Innenstadt braucht Leben, und dies während der gesamten Woche. Findet dies nicht statt – was auch immer der Grund dafür sein mag – dann hat eine solche Innenstadt keine Zukunft.
Lebendige Städte impulsieren ohne Mittagspause und am Wochenende bis in die Abendstunden. Gibt man diese Option für “aktive Erlebnisqualität” auf, dann verlagert sich das Einkaufsverhalten nach den Gesetzen des Marktes dorthin, wo dieser Handel geboten wird. In Gunzenhausen sind dies an den Samstagen die Handelszonen im Stadtrandbereich. Dort findet man allen Angebote des innerstädtischen Handelsportfolio mit der Folge, dass Gunzenhausen am attraktiven Wochenendbeginn innen verödet. Die Außenbereiche profitieren aber davon nur eingeschränkt, da sich ein nicht unerheblicher Teil des Konsumverhaltens an diesem Tag auf jene Standorte verlagert, die dafür in der Summe von attraktivem Handel, trendiger Gastronomie und Straßen-Leben ein stimmiges Gesamtambiente bieten.

Lebendige Innenstädte können aber nur zum Verweilen – Shoppen, Flanieren, Einkehren – einladen, wenn ihre Aufenthaltsqualität deutliche Vorzüge aufzuweisen haben.
Dies hat auch etwas damit zu tun, dass Teile der Innenstadt dringend eine umfassendere Verkehrsberuhigung benötigen. Dies bedeutet keine Fußgängerzone, aber auf jeden Fall weniger individualverkehrsbedingte Mobilität in diesem Bereich. Dass dies der Attraktivität der Stadt sehr gut tut, macht der Markt am Donnerstag transparent und hat die Eisbahn jetzt im Winter gezeigt. Die saisonal angebotenen Samstagvormittag-Konzerte sind ein Anfang, aber da ist in jeder Hinsicht noch viel Luft nach oben, vor allem wenn sich diese Impulse auch auf den weiteren Nachmittag erstrecken. Der Samstag ist nicht mehr nur der Tag der Gartenarbeit, es gibt genügend Haushalte, die gerne mehr Abwechslung suchen und die Touristen würden eine Ausdehnung solcher Angebote und eine kundenorientiertere Regelung der Geschäftsöffnungszeiten am Samstagnachmittag bis zum -Abend zum längeren Verweilen im Innenstadtbereich nutzen.
Die saisonale Sperrung des Verkehrs vom Rathaus bis zur Sparkasse bietet den Vorteil, dass eine beruhigte Kernzone entsteht und dass dennoch die weniger mobilen Individualverkehrs-Teilnehmer ihre Parkmöglichkeiten gesichert sehen. Es sollte dabei aber auch einmal betont werden, dass eine so großzügige und innenstadtnahe Parkoption wie das Parkhaus in Gunzenhausen den Attraktionsgrad der Einkaufsszenerie schon bisher erheblich beflügelt. Natürlich nehmen dies all jene Automobilsten nicht wahr, die unbedingt nur vor den Geschäften sowie den dennoch vorhandenen Straßencafés parken müssen. In Nürnberg wäre jeder Innenstadtbesucher über eine solche Parkhaus-Regelung mehr als dankbar.

Ein saisonaler Test mit einer Sperrung dieses Raums würde die Chance eröffnen, einmal zu sehen was sich dann tatsächlich im Einkaufs- und Flanierverhalten ändert. Mit Fotos eines menschen- und autoleeren Innenstadtbereichs wie höchst unrealistisch kürzlich im “Altmühlboten” dargeboten, wird dies nichts zu tun haben. Schon eher mit Bildern, wie hier im “Falk-Report”, denn eines ist natürlich auch klar: eine Erklärung zur “verkehrsberuhigten Zone” (nicht autofreien Zone) macht den Unterschied alleine noch nicht aus. Hier muss dann Leben inszeniert werden. Aber das ist nicht alleine Aufgabe der Stadt. Hier sind der Handel und die Gastronomie gefordert, um zusätzliches Leben – bis weit nach Geschäftsschluss – in die Straßen zu bringen. Dies bedeutet auch die Akquirierung und nicht nur die Duldung von Straßenmusik, Straßentheater und die Ausweitung der Freiausschank-Flächen.

Wenn es dann noch in Gunzenhausen gelingt, mit durchaus Aufsehen auslösenden Angeboten des Handels – gemeint sind damit keine Schnäppchen-Preisorgien – auch der Online-Nachfrage des nicht stationären Handels eine effektive Alternative zu bieten, dann können wir wieder von einer wirklichen Innenstadtbelebung sprechen. Der Kulturherbst hat gezeigt, dass und was alles möglich ist. Dies muss und darf nicht auf ein Wochenende beschränkt bleiben.

DIETER POPP, Regionalberater, Haundorf

Vorteile des berufsbegleitenden Studiums

 Thema des zweiten Unternehmerfrühstücks “altmühlfranken”

Zahlreiche Persönlichkeiten aus der hiesigen Unternehmerlandschaft nutzten die Gelegenheit, sich in außergewöhnlichem Rahmen über das Thema „EFQM und BWL am Studienzentrum Weißenburg – Vorteile für Unternehmen und Mitarbeiter beim berufsbegleitenden Studium vor Ort“ zu informieren.
„Unternehmerfrühstück altmühlfranken“, so lautet der Titel einer Veranstaltungsreihe, die bereits zum zweiten Mal in Kooperation von der IHK Geschäftsstelle Ansbach, dem IHK Gremium Weißenburg-Gunzenhausen sowie der Wirtschaftsförderung des Landkreises Weißenburg-Gunzenhausen durchgeführt wurde. Ziel ist es, Personen

Dr. Ossberger (rechts) mit dem Referneten Prof. Slama.

aus dem Wirtschaftsleben im Rahmen einer aufgelockerten Frühstücksatmosphäre zu vernetzen und jeweils über ein spezifisches Thema gezielt zu informieren.
Als Partner konnte diesmal die Sparkasse Mittelfranken-Süd gewonnen werden, weshalb sich bereits früh am Morgen die verschiedensten Persönlichkeiten aus dem gesamten Landkreis in der Hauptgeschäftsstelle in Weißenburg einfanden.
Nach dem Empfang stellte Prof. Dr.-Ing. Stefan Slama in seinem Fachvortrag die Vorteile des berufsbegleitenden Studiums am Studienzentrum Weißenburg detailliert dar. Prof. Slama, der sich am neuen kunststoffcampus bayern für den Studiengang „Strategisches Kundenorientiertes Management (SKM)“ verantwortlich zeichnet, betonte die praxisnahe Ausbildung während des Bachelorstudiums. Zahlreiche Module seien speziell auf die Unternehmen vor Ort zugeschnitten, sodass diese direkt in den Betrieben umgesetzt werden könnten.
Nachdem die Zuhörer den Vortrag mit großem Interesse verfolgt hatten, bestand im Anschluss die Gelegenheit, in einer von Dr. Karl-Friedrich Ossberger moderierten Fragerunde noch weitere interessante Informationen zu erhalten. Besonders die Angst, die Absolventen könnten nach Bestehen des Studiums das eigene Unternehmen verlassen, wurde den anwesenden Entscheidern dabei genommen. „Es liegt uns fern, die Studierenden aus dem Unternehmen heraus zu qualifizieren; im Gegenteil sie werden gerade für Führungsaufgaben in ihren eigenen Unternehmen fit gemacht“, betonten Slama und Ossberger gleichermaßen. Dies gelinge vor allem durch Praxisaufträge und studienbegleitende Projekte, die direkt in den Betrieben vor Ort durchgeführt werden. Ergänzend – so Prof. Slama – werde es künftig möglich sein, auch nur einzelne Module des Studiums auszuwählen und als Seminar am Studienzentrum in Weißenburg zu belegen.

Im Anschluss an die fachbezogene Diskussion blieb den Anwesenden noch ausreichend Gelegenheit, sich bei einem Weißwurstfrühstück zu stärken und das Gespräch untereinander zu suchen. Der Grundgedanke der Veranstaltung wurde somit erneut erfüllt und viele Teilnehmer zeigten schon Interesse am Thema des 3. Unternehmerfrühstücks, das in Gunzenhausen stattfinden wird.

Die erste Solarbierbrauerei

Wirtschaftsjunioren aus Gunzenhausen und Weißenburg waren zu Gast

Die Wirtschaftsjunioren mit ihren Vorsitzenden Stefan Meier (rechts) und Stefan Kühleis (Zweiter von links) waren der Einladung von Brauereichef Werner Gloßner (Mitte) gefolgt.  Foto: FR Presse

Die Wirtschaftsjunioren mit ihren Vorsitzenden Stefan Meier (rechts) und Stefan Kühleis (Zweiter von links) waren der Einladung von Brauereichef Werner Gloßner (Mitte) gefolgt. Foto: FR Presse

Als erste „Solarbierbrauerei“ hat die Felsenbräu aus Thalmannsfeld bundesweit ein tolles Image. Sonnenkollektoren und eine Hackschnitzelheizung schaffen zu hundert Prozent die Energie für die mittelständische Brauerei heran, ja es kann sogar noch Energie an die dörfliche Nahwärme abgegeben werden.
Gunzenhäuser und Weißenburger Mitglieder der Wirtschaftsjunioren (WJD) waren kürzlich zu Gast in der Brauerei am geografischen Schnittpunkt von Mittelfranken, der Oberpfalz und Oberbayern. Was offensichtlich so „nebendraußen“ (so Chef Werner Gloßner) liegt, das ist doch eigentlich mittendrin. Zumindest was den Fokus der Umweltfreundlichkeit betrifft. Die Sonne und nachwachsende Rohstoffe liefern die Energie, das Wasser kommt aus den Juraquellen, die Braugerste von heimischen Bauern und der Hopfen aus dem nahen Spalter Land. Der 600 Kubikmeter große Eiskeller kühlt die permanent lagernden 7000 Hektoliter „Felsenbräu“, die 22 Meter unter der Erde in 90 Tanks sechs Wochen lang lagern.
Senior Werner Gloßner, sein Sohn Walter und noch ein Braumeister sind die Garanten für gutes Bier aus Thalmannsfeld (50 Prozent Vollbier, der Rest ist Weizen und Pils). Daneben werden noch 25 Sorten an Limonaden produziert. Das sind deshalb so viele, weil die Firma vor nicht allzu langer Zeit die Produktion der Treuchtlinger Firma Pledl übernommen hat. Der Gerstensaft geht größtenteils an den regionalen Markt, aber immerhin exportiert Gloßner inzwischen sogar die 5-Liter-Fässer nach China. Ein sizilianischer Partner holt monatlich mit fünf Lastwagen das „Solarbier“.
Hinter der Leistung des Unternehmens stehen 23 Mitarbeiter. In der modernen Abfüllanlage gehen stündlich 12000 Flaschen vom Band – und das in der Sommersaison an fünfeinhalb Tagen in der Woche. „Unser Bier ist mehr als nur gelbe Flüssigkeit mit Schaum“, sagt der Seniorchef stolz und verweist auf das traditionelle Brauverfahren, das eine viermonatige Haltbarkeit garantiert. Zehn firmeneigene Fahrzeuge schaffen 20 Prozent der Bierproduktion in Fässern vom Hof.
Stolz ist der Chef auf die innovativen Leistungen seines Brauunternehmens: „Durch konsequentes Umweltmanagement sparen wir 30 Prozent an Putz-, Reinigungs- und Konservierungsmitteln ein.“ Das Jurawasser wird in einem natürlichen Entkalkungsverfahren von 15 auf drei Härtegrade reduziert.
Stefan Meier und Stefan Kühleis, die Vorsitzenden der Gunzenhäuser und Weißenburger Wirtschaftsjunioren, äußerten sich bei der abschließenden Bierprobe im Bräustüberl beeindruckt von dem Unternehmen.

 

2016 gibt es neues Weißbuch der Bundeswehr

Diskussion des Grundlagenpapiers bei der Kameradschaft in Heidenheim

Das „Weißbuch der Bundeswehr“, das 2016 neu erscheinen soll, ist ein sicherheitspolitisches Grundlagendokument der Bundesregierung. Den Diskussionsprozess hat Mitte Februar Verteidigungsministerin Ursula von der Leyer angestoßen. Bei der Kameradschaft der Hahnenkammkaserne stand das neue Weißbuch im Mittelpunkt der Februar-Zusammenkunft.
Unter der Leitung ihres Vorsitzenden, des ehemaligen Kommandeurs Klaus Winter, diskutierten die Kameradschaftsmitglieder im Cafe Hahnenkamm in Heidenheim einige Eckpunkte der Sicherheitspolitik. Wie Winter in Anwesenheit von Bürgermeisterin Susanne Feller-Köhnlein und des ersten Kommandeurs Ernst-Christian Kluge

Vorsitzender Klaus Winter in angeregter Unterhaltung mit dem ersten Kommandeur Ernst-Christian Kluge und Bürgermeisterin Susanne Feller-Köhnlein.

Vorsitzender Klaus Winter in angeregter Unterhaltung mit dem ersten Kommandeur Ernst-Christian Kluge und Bürgermeisterin Susanne Feller-Köhnlein.

erklärte, müsse die innere Struktur der Streitkräfte zehn Jahre nach dem letzten Weißbuch der Bundeswehr neue interpretiert werden. „Die Gesellschaft darf der Bundeswehr nur Aufträge geben, die sie auch erfüllen kann, ansonsten müssen wir die Ansprüche an die Streitkräfte herunterschrauben und bescheidener werden“, sagte der Vorsitzende. Es müssten die Fähigkeiten beschrieben werden, die die vorhandenen Truppen hätten. Vor dem Hintergrund der jüngsten Kontroverse zwischen dem Westen und Russland, ausgelöst durch den Krieg in der Ukraine, meinte Winter: „2006 haben wir die Russen unsere Partner genannt, daraus dürfen 2016 keine Gegner werden.“ Er äußerte auch kritische Gedanken zur westlichen Führungsmacht USA: „Sie haben nicht immer eine Vorbildfunktion dargestellt.“ In der Diskussionsrunde äußerte Rudolf Laux (Pfofeld) sein Unbehagen wegen der geheim gehaltenen Ergebnisse der „2+4“-Verhandlungen im Vorfeld der deutschen Einheit. Möglicherweise sei es gewollt, dass Deutschlands Militärverfassung eingeschränkt werde.
Ernst-Christian Kluge, der erste Kommandeur auf dem Hahnenkamm, der heute zeitweise in Gräfensteinberg und in Madison (Wisconsin/USA) lebt, gab ein Stimmungsbild, wie die Menschen in den Vereinigten Staaten die politische Lage sehen. Demnach sehen die Intellektuellen im Lande durchaus, dass es ein Fehler war, im Irak und anderen Ländern militärisch zu intervenieren, aber die meisten Politiker gäben sich der Stimmung in der Bevölkerung hin. Und die sei geprägt von der Meinung, die USA seien noch immer die Weltmacht Nummer 1.

Stadt nicht den ewigen Zweiflern überlassen

 Stellungnahme zum Haushaltsplan der Stadt 2015 von Stadtrat Werner Falk, FDP

Der Stadtrat hat sich für die Amtszeit bis 2020 viel vorgenommen. Die Investitionen sollen sich auf rund 36 Millionen Euro beziffern. Ob es so kommt, das wissen wir heute noch nicht exakt. Ich stehe zur Sanierung der Stadthalle und der Schulturnhalle, möchte mich aber nicht damit begnügen, zu reparieren, sondern Akzente setzen. Das müssen nicht immer Millionenprojekte sein. Wir können auch durch die Kreativität unserer Gedanken den Gunzenhäusern signalisieren, dass wir Neues schaffen wollen. Die ersten Schritte, die wir im ersten Jahr unternommen haben, stimmen mich zuversichtlich. Ich nenne nur das aktive Citymanagement, das sich bemüht, Gunzenhausen als Einkaufs- und Erlebnisstadt attraktiver zu machen. Wir sollten mutig vorangehen und nicht den ewigen Zweiflern das Feld überlassen.
An den Fremdenverkehrsbeitrag sollten wir vorsichtig herangehen. Dazu sind umfangreiche Vorarbeiten der Verwaltung notwendig. Unter dem Strich, also nach Abzug der Verwaltungskosten, soll aber Geld übrig bleiben, das gezielt für den Tourismus ausgegeben werden kann. Aber heute schon zu sagen, das gehe nur mit einer Personalaufstockung, ist für

Dr. Kress, der Begründer des Steindruck- und Fossilienmuseums in Gunzenhausen. Die Einrichtung soll auf den Prüfstand gestellt werden.

Dr. Kress, der Begründer des Steindruck- und Fossilienmuseums in Gunzenhausen. Die Einrichtung soll auf den Prüfstand gestellt werden.

mich kein Dogma. Es muss möglich sein, in der Verwaltung die Kräfte so zu organisieren, dass die Erhebung der Daten mit dem vorhandenen Personal erledigt werden kann. Ich will mich jetzt nicht zur unterschiedlichen Intensität der Arbeit in öffentlichen Verwaltungen und produzierenden Betrieben äußern, werde das aber tun, wen wir den Fremdenverkehrsbeitrag diskutieren.
Dass sich die Stadt von Immobilien trennt, die nichts einbringen, halte ich für das richtige Vorgehen. Ich bin auch dafür, dass wir das Grundstück in der Frankenmuther Straße zur Bebauung freigeben und dafür auf der Bullenwiese einen attraktiven Spielplatz bauen.
Das kommunale Jugendzentrum, das Streetworking und die Jugendsozialarbeit sollten noch stärker unter dem Dach des Diakonischen Werks zusammengeführt und verzahnt werden. Wir sollten aber auch die jährlichen Kosten von rund 90000 Euro für das Jugendzentrum im Auge haben, dessen Frequenz im Laufe der Zeit nachgelassen hat. Sein Charakter hat sich mehr und mehr zu einem „Jugendmigrationszentrum“ hin bewegt. Den begonnenen offenen Dialog sollten wir fortsetzen und auch die Arbeit des Stadtjugendpflegers mit einbeziehen. Von ihm verlange ich mehr operative Arbeit mit den Jugendlichen. Ich denke, wir haben gerade auf diesem Sektor genügend Häuptlinge, aber zu wenig Indianer.
Für wenig effektiv halte ich auch die Nutzung des Fachwerkstadels. Inzwischen ist zwar die Nachbarschaftshilfe mit einem kleinen Büro eingezogen, aber die restliche Nutzung als Weiperter Heimatstube und Endler-Krippe halte ich für nicht zeitgemäß. Ich möchte die Weiperter Landsleute nicht vertreiben, bejahe aber, den seit 1954 bestehenden Kontakt durch eine offizielle Städtepartnerschaft mit der tschechischen Stadt Vjperty aufzuwerten. Auch hier empfiehlt sich eine vorsichtige Herangehensweise. Der Fachwerkstadel könnte gewissermaßen zu einem „Haus der Partnerschaften“ werden, also zu einer Begegnungsstätte unter Einbeziehung der Partnerschaften mit Frankenmuth und Isle.
Wir sollten auch das Museumskonzept angehen, für das schon im letzten Jahr 30000 Euro etatisiert waren. Dass die Stadt jährlich 28500 Euro an Miete an die Hospitalstiftung als Eigentümerin des Hauses in der Sonnenstraße 4 bezahlt, in dem das Fossilien- und Steindruckmuseum sein Siechtum fristet, veranlasst mich, über das Museumsangebot des Vereins nachzudenken.
Die Vereine sind das Gerippe unseres Gemeinschaftslebens. Sie sollen so unterstützt werden, wie dies nach dem Gesetz der Zweckmäßigkeit geboten ist. Die Feuerwehren in den Ortsteilen sollen weiterhin technisches Gerät haben, aber abgestuft nach der Größe der Orte und dem Auftrag der Wehren.
Wenn es der Verwaltung möglich ist, dann sollte sie in diesem Jahr die seit Jahren hinausgeschobene Hundebestandsaufnahme (die letzte war 1999) vornehmen, zumal es Hinweise für eine heute kostengünstigere Erhebung durch private Anbieter gibt.
Bei der Durchsicht des Haushaltsentwurfs bin ich auf die Mitgliedschaft der Stadt in Vereinen aufmerksam geworden. Ich halte es für erforderlich, die Liste kritisch zu überprüfen, zumal mir eine Mitgliedschaft im Verband der Restauratoren, der Evangelischen Beschäftigungsinitiative, dem Landesverband für Strafgefangenenfürsorge, der Gesellschaft für Agrar- und Umweltstudien, dem Europäischen Verband der Veranstalter oder dem Bundesverband Mittelständische Wirtschaft ziemlich überflüssig erscheinen. Das sind die vom Kollegen Schnell angesprochenen „Papiertiger“.
Das neue Beschilderungskonzept sollten wir realisieren, auch die Neubeschilderung der Wanderwege, plus Herausgabe einer neuen Radkarte.
Ja, und noch etwas ist mir aufgefallen. Wir lassen uns eine neue Ruhebank in Unterwurmbach 6500 Euro kosten. Ich gehe einmal davon aus, dass sie nicht aus südamerikanischen Edelhölzern gebaut wird, eher glaube ich, dass in diesem Fall der Ortssprecher Winter über den kostenbewussten Stadtrat Winter gesiegt hat.
Noch ein Wort zur Finanzierung des Etats. Den Vorschlag des Kämmerers, den größten Teil zur Defizitbegleichung aus der Rücklage zu entnehmen und einen kleineren Teil als Darlehen mit sagenhaft günstigen Konditionen aufzunehmen, halte ich für zustimmungsfähig.
In der Summe aller Überlegungen sage ich Ja zum Haushalt 2015.