Archiv: Allgemein

Center Parcs prüfen

Das Projekt wäre auch ein weiterer Impuls

Was können sich die Menschen im Fränkischen Seenland von einem Freizeitpark in der Region versprechen? Diese Frage stellt sich, wenn das holländische Unternehmen Center Parcs tatsächlich das rund 150 Hektar umfassende Areal der ehemaligen  Muna in Langlau am Kleinen Brombachsee vom Freistaat Bayern für die in Rede stehenden zwölf Millionen Euro erwerben und dort bauen sollte. Ganz neu ist die Standortdiskussion nicht, wie der FDP-Kreistagsfraktionsvorsitzende Werner Falk erklärt, denn schon 2009 hatte der damalige Landrat Franz Xaver Uhl die Muna als alternatives Areal für die seinerzeit gescheiterte Bereich in der Heide bei Dennenlohe gescheitert war.

Die Frage steht im Raum, ob eine 150 Hektar große Freizeitanlage mit Hunderten von Ferienwohnungen nicht überdimensioniert ist in einem eher kleinteilig strukturierten Gebiet. Es wird öffentlich zu diskutieren sein, in welchem Maße die regionale Wirtschaft von dem Projekt profitieren kann. Ist ein Großprojekt mit einem finanziellen Volumen von etwa 350 Millionen Euro (im Allgäu hat das Feriendorf soviel gekostet) überhaupt für die Firmen aus dem Fränkischen Seenland interessant? Was können sie sich angesichts der gigantischen Größenordnungen davon versprechen? Stehen Aufträge für die eher kleinen regionalen Unternehmen in Aussicht? Können sie sich am Bau und am Unterhalt der Anlage beteiligen? Wie viele und welche Arbeitsplätze bietet die Investition den Menschen im Umland? Wie sind die sozialen Standards des Unternehmens?

Die Fragen gehen weiter. Wer kommt für die Altlastenbeseitigung auf dem einstigen Munitions- und Treibstofflager auf? Es wird sicherlich ein Gutachten notwendig sein, um die Belastung des Bodens zu ermitteln.  Wie steht es mit dem gesetzlich zugesicherten öffentlichen Zugang des Sees? Der Landtag hat ihn einst beschlossen, um zu verhindern, dass sich Investoren die schönsten Plätze unter den Nagel reißen, wie das an den oberbayerischen Seen geschehen ist.

Wie könnte die Verkehrserschließung des Center Parks aussehen? Das neue Projekt darf nicht dazu führen, dass das Umland im Verkehr erstickt, wie das in diesen Wochen von vielen voralpenländischen Regionen kritisch propagiert wird. Soll die Öffentlichkeit die Kosten für die eine höhere Besucherfrequenz an den Seen. Wieviel Zuwachs an Fahrzeugen kann die bestehende Verkehrsstruktur verkraften? Darf sich  die touristische Vor- und Nachsaison einen kräftigen Schub versprechen?

Die Politik muss sich mit der Frage beschäftigen, ob das Projekt den landesplanerischen Zielen entspricht, die im Landesentwicklungsplan für Westmittelfranken fixiert sind. Wie steht es mit den ökologischen, landschafts- sowie naturschützenden Belangen?  Entspricht das Projekt dem touristischen Konzept der Seenlandregion?

Erst wenn diese und noch mehr Fragen beantwortet sind, kann die Kommunalpolitik im Seenland dazu Stellung nehmen. Der Center Park mag in unserer kleinteiligen Struktur gigantisch erscheinen, aber er ist auch eine Chance für die Region. Ernst Lechner, der Vater des Fränkischen Seenlands, hat immer dazu aufgerufen, in der Entwicklung nicht stehen zu bleiben, sondern das Seenland mit neuen Impulsen und Investitionen attraktiver zu machen. Wichtig war ihm stets, dass die Menschen hierzulande von den Seen profitieren. „Das ist auch für mich die Richtschnur“, sagt  FDP-Kreisrat Werner Falk, der dazu rät, nicht gleich vom ersten Augenblick an in ein Pro und Contra zu verfallen.

Holm & Band begeisterten

In der Reihe der Gunzenhäuser Samstagskonzerte am Marktplatz,
die der Gunzenhäuser Unternehmer Heribert Heinzmann initiierte und sponsert, unterhielt das Trio „Holm & Band aus Treuchtlingen bei hochsommerlichen Temperaturen und vollen Biergärten am vergangenen Samstag von 10.30 bis 12.30 Uhr die Besucher am Marktplatz
in Gunzenhausen.
Der Treuchtlinger Musiker Holger Maurer ist seit 2005 als Musiker unterwegs. Mit seiner Gitarre, Mundharmonika und ausgebildetem Gesang kann er allein oder in den unterschiedlichen Formationen live seinen Zuhörern große Freude bereiten. Am Samstag wurde er von dem Multiinstrumentalisten Franz Pink und der neu zur Formation dazu gestoßenen Sängerin Tamara Hechler unterstützt. Geniale Geigensolos, rockige Gitarrenriffs oder Irisch angehauchte Mandolinenparts bereichern das Programm um Holm & Co und machen es so einmalig wie “vielsaitig”. Mit Tamara Hechler kam die Sängerin der Band „K 7“ erstmals mit nach Gunzenhausen auf den Marktplatz. Die Besucher des Samstagskonzertes am Marktplatz dürfen sich schon jetzt auf einen weiteren musikalischen Samstag Vormittag mit Country-Musik der Band „Country Gang“ bei hoffentlich trockener Witterung freuen.
KLAUS HEGER

Wohnungen statt Möbel

Sanierung des Böckler-Komplexes an Goethestraße

Das Möbelhaus Böckler, das 1977 als Erweiterungsbau des alten Möbelhauses an der Ecke Hensoltstraße/Goethestraße erbaut wurde, erhält nach vielen Jahren des Leerstands nun eine neue Funktion. Das Immobilien-und Bauträgerunternehmen von Patrick Bosch hat das Gebäude auf dem 3200 Quadratmeter großen Grundstück erworben und unterzieht es einer Generalsanierung. Das bedeutet, dass dort 25 Wohnungen (City Lofts) in der Größe zwischen 25 und 150 Quadratmetern geschaffen werden.

Die Wohnungen sind wegen der zentralen Lage sehr attraktiv. Im unteren Bereich werden zudem drei gewerbliche Einheiten (Büro- und Praxisräume) geschaffen. Sie können am Jahresende bezogen werden. Inzwischen sind die konstruktiven Umbauarbeiten fortgeschritten, so dass im Frühjahr 2021 die Wohnungen genutzt werden können. Ausreichend Parkplätze werden im östlichen Bereich des Grundstücks angelegt.   Fotos: Falk

Einkaufs- und Erlebniswelt Gunzenhausen

„Mut zum Wandel“ ist eine Studie von Dieter Popp überschrieben

Wie entwickelt sich der Einzelhandel in Gunzenhausen? Seit Jahren machen sich die Verantwortlichen in der Kommunalpolitik, aber auch in den Wirtschaftsverbänden und im Citymarketing Gedanken, wie der stationäre Handel in der Stadt angesichts der gesellschaftlichen Herausforderungen (Onlinehandel) weiterhin existieren kann. Regionalmanager Dieter Popp von der Agentur Futour in Haundorf hat sich Gedanken gemacht, wie die künftige Einkaufs- und Erlebniswelt in Gunzenhausen aussehen kann.

Welche Zahlen man auch für eine Analyse des Handels heranzieht, sie sind alles andere als rosig für die Geschäftsleute, die ihren inhabergeführten Handel oft schon seit vielen Jahrzehnten betreiben. Wie das Institut der Deutschen Wirtschaft ermittelt hat, werden heute (2018) 31 Prozent der Unterhaltungselektronik online gekauft, bei Mode und Accessoires sind es 27,7 Prozent, bei Freizeit und Hobby 26,4 Prozent, bei Büroartikeln und Schreibwaren 22,6 Prozent und bei Schmuck/Uhren 18,1 Prozent.  Der Umsatz in allen Branchen  ist heute 44mal so hoch wie vor zwanzig Jahren. Der größte Onlinehändler in Deutschland ist Amazon mit einem Anteil von 46 Prozent.

Einkaufen und Erleben – das ist das Zukunftskonzept für Gunzenhausen.

Die Handelslandschaft hat sich enorm verändert, das Kundenverhalten ebenso.Im Bekleidungseinzelhandel gibt es fast 30 Prozent weniger  Unternehmen als vor dreißig Jahren. Wie Popp diagnostiziert, wird der stationäre Einzelhandel weiter mit Umsatzeinbrüchen kalkulieren müssen. Bekleidung, Lederwaren, Schuhe, Unterhaltungselektronik  und Haushaltsgeräte werden mehr und mehr im Internet gekauft.

Die Zahlen sind eindrucksvoll: 1 Prozent der Einzelhandelsunternehmen erzielen 63 Prozent der Umsätze, 44 Prozent der Umsätze werden von 0,06 Prozent der Unternehmen erwirtschaftet. Und weniger als ein Prozent der Unternehmen stellen 60 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Einzelhandel.

Die Filialisten verdrängen den angestammten örtlichen Handel. Nach Popps Erkenntnissen hängt die Attraktivität einer Einkaufsstraße ganz entscheidend vom Alleinstellungswert einiger Traditionsgeschäfte  mit ausgefallenem Sortiment ab.  Er spricht von einer „hybride Konsumkultur“ und davon, dass das Streben nach Individualisierung und das  Abheben vom Massenkonsum zunehmen. Dazu gehört die Inszenierung von Shopping-Erlebnissen. Der persönliche  Ansprache des Kunden und der personifizierte Service sind für die klassischen Kunden entscheidend.  Das kommt dem Trend entgegen, wonach immer stärker Waren mit Individualcharakter nachgefragt werden. Diese Kunden wollen sich vom Massengeschmack abheben. Andere Kunden setzen auf die Nachhaltigkeit.

Die inhabergeführten Betriebe brechen weg, Online schlägt Offline. Popp findet: „Wer keine Produktnische findet und seine Angebote nicht kontinuierlich anpasst und zudem Internetpräsenz zeigt, der hat nur wenig Chancen im künftigen Wettbewerb.“ Wie die Statistik besagt, kauft inzwischen jeder zweite Deutsche auch im Internet ein. Die neuen Online-Marktplätze werden sich etablieren. Davon sind in der Hauptsache die kleinen Ladengeschäfte getroffen, die mit über 90 Prozent noch immer das Bild der Einkaufsstandorte prägen. Auf die Senioren dürfen die Geschäftsleute nicht setzen, denn diejenigen, die einen Internetzugang haben, nutzen 97 Prozent diesen für einen Einkauf.  Das Nürnberger GfK-Institut hat ermittelt, dass immer mehr Verbraucher das Einkaufen als Stress empfinden und deshalb auf das Onlinegeschäft ausweichen.

Popp sieht einen Trend hin zum Erlebniseinkauf, Erlebniskonsum und dem freizeitorientierten Einkaufen als Kontrast zur einen Versorgung mit existenznotwendigen Lebensmitteln. Und Trends zur Erfüllung exklusiver Konsumentenwünsche verstärken sich. Das vor allem im Lebensmittelhandel.

Als ein großes Hindernis auf dem Weg zu einer attraktiven Einkaufszone in der Innenstadt  sieht er die wenig bedarfsgerechten Öffnungszeiten, die nicht immer kundenfreundliche Servicequalität, die fehlende Aufenthaltsqualität und einen Mangel an Freizeitaktivitäten. Eine Antwort darauf sind die Markplatz-Events. Er empfiehlt, dass sich Kommunalpolitiker und Einzelhändler eng verzahnen und gemeinsam handeln, wie dies in Gunzenhausen praktiziert wird. Gute Noten hat er für das Seenlandzentrum parat, das eine funktionierende Wirtschaftsförderung hat, ein gutes Citymanagement und einen aktiven Stadtmarketingverein. „Gunzenhausen hat sich stärker profiliert als andere und gilt heute als starke Marke in Altmühlfranken.“

Für die Stadt Gunzenhausen hat er eine „Einkaufs- und ErlebnisWelt“ angedacht, die sich nicht nur auf den Marktplatz beschränkt, sondern auch die Nürnberger Straße die Bahnofstraße, die Gerberstraße und die Weißenburger Straße einschließt. Hinsichtlich des visuellen Marketings rät er den Geschäftsinhabern, sich externen Rat zu holen. Er schwärmt von einer Outdoor-Eventbühne, für die er bereits Anzeichen erkennt: Eislaufbahn, die Samstags-Marktplatzkonzerte und den KulturHerbst. Für sie müßten auch innerstädtische Parkplätze reduziert werden. Aber Grenzen hat seine Konzeption auch: der Marktplatz darf nicht zum Rummelplatz werden! Die Einkaufswelt in Gunzenhausen wird attraktiv sein, wenn sie auf ein Sortiment verzichtet, das es überall in den Filialgeschäften gibt.

„Nicht durchgängig wahrnehmbar“ ist für ihn sie Serviceorientierung in den Betrieben. Chefs und Mitarbeiter müssten mehr Beratungsqualität zeigen.

WERNER FALK

Umgehung auf der Agenda

MdL Brandl unterstützt Rothenstein-Projekt


Zu der im Ortsteil Rothenstein diskutierten Frage, ob der geplante Radweg vom Laubental bis nach Rothenstein südwestlich der B13 das Projekt Ortsumgehung zuwider läuft, erklärt der CSU-Landtagsabgeordnete Alfons Brandl:   „Ich habe mich schon vor Veröffentlichung der Radwegepläne an den Staatssekretär im bayerischen Verkehrsministerium Klaus Holetschek gewandt, um den Sachstand in der Frage der Ortsumgehung Rothenstein zu erfragen.
Aus der Antwort wird deutlich, dass die von Bund festgelegte Dringlichkeitsstufe „Weiterer Bedarf mit Planungsrecht“ eine aktuelle Realisierung nicht erwarten lässt. Wenn aber das Straßenbauamt die Maßnahmen des „vordringlichen Bedarfs“ für die Region abgearbeitet hat, kann für die Ortsumgehung von dem sogenannten „Planungsrecht“ Gebrauch gemacht werden. Ich bin daher zuversichtlich, dass wir hier beim Staatlichen Bauamt Ansbach gute Karten haben und die Ortumgehung Rothenstein aus dieser Sicht als nächste große Planung an die Reihe kommen kann.
Die Ortumgehung ist und bleibt kraft Fernstraßenausbaugesetz im „Weiteren Bedarf mit Planungsrecht“, auch wenn ein Radweg vom Laubental bis nach Rothenstein südwestlich der B13 gebaut wird. Jetzt gilt es auch politisch zu entscheiden, welche Maßnahmen als nächstes angegangen werden sollen. Dies wird entscheidend für die Realisierungschancen sein.
Dass die Ortsumgehung Rothenstein sinnvoll wäre, zeigen auch die neuesten Zahlen der durchschnittlichen Verkehrsbelastung von jetzt über 5.850 Fahrzeugen am Tag, wie die aktuelle Zählung Ende Juni bis Anfang Juli gezeigt hat.
Nun sollte in einem nächsten Schritt geklärt werden, ob die Verkaufsbereitschaft für die benötigten Flächen vorhanden ist und mit welcher Zustimmung zu diesem Verkehrsprojekt gerechnet werden darf. Hier gilt es, die Meinung der Bürgerinnen und Bürger zu dem Projekt einzuholen, zum Beispiel durch eine Bürgerversammlung.
Abschließend möchte ich feststellen, dass beim gemeinsamen Willen aller Beteiligten die Ortsumgehung Rothenstein realisiert werden kann. Bei allem Handeln müssen Belange einer nachhaltigen und verträglichen Ökologie genauso berücksichtigt werden wie der Mehrwert für die Wohn- und Lebensqualität im Dorf!“

Aus dem Stadtrat

Der Stadtrat hat in seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause grünes Licht gegeben für die Ertüchtigung der städtischen Kläranlage, die in den nächsten drei Jahren geplant ist und die rund 5,1 Millionen Euro kostet.

Das Zukunftskonzept sieht die Optimierung der Biologie, die Phosphorfällung und die stationäre Klärschlammentwässerung und –trocknung vor.  Die Planung macht das Nürnberger Fachbüro Miller, das seit Jahrzehnten zuverlässig für die Stadt arbeitet.

Realisiert wird die Konzeption in drei Schritten: die biologische Reinigungsstufe kostet 1,6 Millionen Euro, die Phosphatfällung 450000 Euro und die Schlammbehandlung  3,1 Millionen Euro.

Die alte Anlage ist nach Stand der Dinge „technisch verbraucht“. Experten gehen davon aus, dass die erneuerte Anlage wirtschaftlich und ökologisch ist, denn sie wird mit Solarstrom betrieben. Dadurch lassen sich die Betriebskosten senken, eine Amortisierung ist in elf Jahren möglich.

Mit Zuschüssen wird kaum zu rechnen sein, wenn sie doch gewährt werden, dann wäre das für die Stadt natürlich positiv – und auch für die Gebührenzahler, die sich auf eine Erhöhung der Gebühren einstellen müssen.

Keine Ersatzkerwa

Wiederholt hat Bürgermeister Fitz erklärt, dass es heuer keine Kirchweih und auch keine Ersatz-Kirchweih geben wird. Was die Stadt ermöglicht, das ist eine Sondernutzung  von verschiedenen Grundstücken. Sie wird es bereits ab August geben und länger als zunächst angedacht.  Die Gastwirte sollen nach dem Willen des Bürgermeisters spezielle Angebote machen. Im Falkengarten, wo es heuer coronabedingt keine Mittwochskonzerte geben kann, will der Betreiber des Kirchweih-Regionalzelts ein coronagerechtes Biergartenangebot (mit Musik) wochentags bis 20 Uhr machen. Angeregt hatte dies im Bauausschuss die FDP-Stadträtin Sigrid Niesta-Weiser.

Nun alle Ortssprecher gewählt

Mit dem Schlungenhöfer Markus Schober sind jetzt alle Ortssprecher gewählt. Bürgermeister KH Fitz verpflichtete den Neu-Schlungenhöfer, der bis zuletzt in Gunzenhausen wohnte.

Blütenreiche Straßenränder

Pilotstrecken im Kreis ausgewählt

Im Rahmen des Projektes „Vielfalt.Erleben.Altmühlfranken“ wurden fünf Kreisstraßen (WUG 1, WUG 5, WUG 11, WUG 16, WUG 18, WUG 28) als Pilotstrecken ausgewählt, deren Straßenränder seit Frühjahr 2020 anders als bislang gepflegt werden. Erste Ergebnisse und Beobachtungen können nun gemacht und anschließend ausgewertet werden. Die Erfahrungen, die gesammelt werden, sollen für weitere Projekte der Artenvielfalt genutzt werden.

Anstatt dreimal Mulchen wird versucht, auf ein- bis zweimalige Mahd umzustellen. Zudem werden ausgesuchte Teilabschnitte der rückwärtigen Straßenrandbereiche ebenfalls unterschiedlich gepflegt. Diese Abschnitte wurden mit Markierungsschildern versehen. Die Pflegeumstellung wird wissenschaftlich begleitet und die Ergebnisse sollen zeigen, welche Pflegemethode zu mehr Artenvielfalt und Reduzierung der Pflegekosten (weniger Pflegerhythmen) führen kann.

Seit einigen Wochen können Biologen entlang der Pilotstrecken beim Kartieren von Pflanzen, Schmetterlingen, Wildbienen und Hummeln, Zauneidechsen und Heuschrecken beobachtet werden. Bei allen ausgewählten Strecken gibt es sogenannte Referenzflächen, die wie bisher vom Bauhof gepflegt werden, um einen Vergleich bezüglich der Veränderung der Biodiversität messen zu können.

Dem aufmerksamen Auto- oder Radfahrer wird nicht entgangen sein, dass die Kräuter im Sommer einen enormen Blütenreichtum zeigen. Die später trockenen Stängel sollen möglichst auch über den Winter als Samenbank und Lebensraum für sich entwickelnde Insektenarten stehen bleiben können. Ob dies gelingen kann oder ob aus Verkehrssicherungspflicht doch noch eine zweite Mahd erforderlich wird, hängt auch maßgeblich vom Wetter ab. Anfang September wird darüber entschieden.

Der Kreisbauhof bittet ausdrücklich darum, von mahnenden Anrufen abzusehen, sondern die im Rahmen des Projektes beabsichtigte „Unordnung“ am Straßenrand zu tolerieren. Der Bauhof hat die Straßenabschnitte im Blick und kommt seiner Unterhaltspflicht nach, sobald dies aus Sicherheitsgründen notwendig sein wird. Es gab auch schon Rückmeldungen aus der Bevölkerung, die sich über die bunten Straßenränder gefreut haben.

Übrigens laufen ähnliche Pilotprojekte bereits erfolgreich beim Staatlichen Bauamt entlang der Bundesstraßen, beispielsweise im Landkreis Neustadt a.d. Aisch-Bad Windsheim entlang der B8 und B470. Auch im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen gibt es Pilotstrecken entlang von Staatstraßen, bei welchen die Pflege umgestellt wird.

Keine Kerwa ohne Festbier

Keine Kirchweih, aber immerhin: Kerwabier gibt es

Von links: Gambrinus Klaus Carl, Bierkönigin Johanna, Gerhard Stengel, Uwe Schulz, Christoph Maurer, Udo Weingart, Wolfgang Eckerlein und KH Fitz. Foto: Falk

Da kann noch so viel passieren, aber ihr Kerwabier lassen sich die Gunzenhäuser nicht nehmen – auch nicht von Corona. Die benachbarte Stadtbrauerei hat es vor etlichen Wochen eingebraut und jetzt zum „Test“ dem Bürgermeister und den Kirchweihverantwortlichen vorgesetzt. Im Garten des Gasthofes „Zur Post“ präsentierten Spalts Bürgermeister Udo Weingart (er ist der einzige deutsche Bürgermeister, der zugleich als Geschäftsführer einer kommunalen Brauerei  fungiert), Braumeister Uwe Schulz, Verkaufsförderer Christoph Maurer und Vertriebsleiter Gerhard Stengel  den Gerstensaft, den sie so charakterisieren: „Ein helles Vollbier mit dem typisch Spalter Hopfencharakter, herrlich frisch mit bernsteinfarbenem Glanz, angenehm vollmundig mit  feinen Malzaromen, die abgerundet  werden durch die Spalt-Spalter Aromahopfennote.“

Die Spalter Brauer waren im Begleitung ihrer charmanten Bierkönigin Johanna Merkenschlager gekommen. Natürlich war auch Gambrinus Klaus Carl in seinem ganzen Ornat mit von der Partie. Beide haben heuer kaum öffentliche Auftritte – auch in Gunzenhausen nicht, denn hier gibt es außer dem Kirchweihfestgottesdienst am 13. September keinerlei Kerwaaktivitäten. „Auch keine Ersatzkirchweih“, wie Bürgermeister Karl-Heinz Fitz definitiv erklärte. Die Stadt will aber gleichwohl einigen Schaustellern, die unter den Coronafolgen an die Grenzen ihrer Existenz geraten, unter die Arme greifen und erlaubt ihnen Sondernutzungen für einen längeren Zeitraum. Wörtlich sagte der Rathauschef: „Wir wollen die Akteure unterstützen und sie nicht im Regen stehen lassen, die bisher unsere zuverlässigen Partner waren, also die Schausteller, die Wirte und eben auch die Brauerei.“

Das Kirchweihbier aus Spalt soll in den nächsten Wochen in Flaschen über den Getränkehandel an die Kunden ausgegeben werden. Es geht auf Wunsch ausnahmsweise auch an Gasthäuser, die vertraglich an ein anderes Bier gebunden sind.

Für Gerhard Stengel  gilt das besondere Prädikat: „Wir haben gestern das erste Kirchweihbier abgefüllt. Sie genießen heute also eines der frischesten Bier der Welt“.

Wie es sich gehört, wurden zur kleinen Bierprobe auch Gunzenhäuser Bratwürste aufgetischt – natürlich in bester Qualität von Metzgermeister und „Post“-Eigentümer Josef Arnold und seiner lieben Frau Yvonne.

WERNER FALK

Virtueller Stadtführer

„Gunzenhausen mit dem Smartphone entdecken“

Die Besucher von Gunzenhausen können künftig die Stadt via Online-Stadtführer kennenlernen.   Achim Knöchel aus Marktbreit („mooobi”) hat eine App erstellt, die Informationen (Texte, Bilder, Videos)  zu den Sehenswürdigkeit und Attraktionen in Gunzenhausen liefert.

Die Handhabung ist ganz einfach: Mit der Kamera des Smartphones den QR-Code an den sieben Spots in der Altstadt scannen und den Inhalt auswählen.

Das Angebot ist vor allem für flüchtige Besucher interessant, die sich rasch einen Eindruck von Gunzenhausen machen wollen. Sie können anhand der Videoclips von je zwei Minuten Dauer einen virtuellen Stadtrundgang machen, der sie zu historischen Gebäuden (Zoacha-Palais, Haus des Gastes, Spitalkirche, Blasturm, Marktplatz, Stadtkirche und Färberturm), Freizeiteinrichtungen in und um Gunzenhausen sowie zu geschichtlichen Stätten (Kultur und Geschichte) führt. Mit der App können Gäste aber auch eine klassische Gästeführung buchen.

Touristikchef Wolfgang Eckerlein weist darauf hin, dass das Angebot nicht in Verbindung steht mit einer Offensive von drei Frauen, die einen Onlinestadtrundgang anbieten. Bei ihnen handelt es sich um Personen, die sich bemüht haben, Stadtführererinnen zu werden. Sie haben aber die Prüfung nicht bestanden und machen daher selbständig ein Stadtrundgangangebot.  Sie gehören also nicht zu den offiziellen 15 Stadtführern.

Corona kontra Kultur

Veranstaltungen fallen der Pandemie zum Opfer

Vom österlichen Natur- und Handwerkermarkt über das Bürgerfest, die Kirchweih und den Kulturherbst bis zum Weihnachtsmarkt reicht das Angebot von Veranstaltungen in diesem Jahr, die der Corona-Pandemie zum Opfer fallen. Wie Wolfgang Eckerlein, der Tourismuschef von Gunzenhausen, in der Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft, Tourismus und Kultur darlegte mussten heuer auch die beliebten Falkengarten-Konzerte gestrichen werden.  Die behördlichen Auflagen sind zu hoch. Anstelle von 92 Biertischgarnituren könnten nur 30 aufgestellt werden, statt 970 Menschen könnten nur 200 bewirtet werden.

Wie Eckerlein hochrechnete, sind die Ausfälle im Tourismus gewaltig. Allein bisher fehlen rund 45000 Übernachtungen von Januar bis Mai. Das entspricht einer finanziellen Einbuße von 4,7 Millionen Euro. Der Betrag ist nicht aus der Luft begriffen, sondern beruht auf einer Erfahrungsstatistik, wonach Urlaubsgäste 105 Euro am Tag ausgeben.  Hauptsächlich betroffen sind die Übernachtungsbetriebe mit einem Verlust von 1,7 Millionen Euro und die Gastronomie mit 1,3 Millionen Euro.

In aller Klarheit stellte Bürgermeister KH Fitz fest, dass s heuer keine Kirchweih geben wird, auch keine „Ersatzkirchweih“. Wohl aber bemühe man sich, den Anfragen von Schaustellern entgegenzukommen und eine Sondernutzung von geeigneten Flächen in der Altstadt über einen Zeitraum von drei Wochen (August/September) zu ermöglichen.

Zu den Ausfällen zählt auch das Theater- und Konzertprogramm 2020/2021 mit sechs Veranstaltungen und etlichen Veranstaltungen von freien Agenturen. Von den 700 Plätzen in der Stadthalle dürften nur 113 verkauft werden. Unter Coronabedingungen könne das Programm nicht durchgezogen werden. Jetzt will aber das Kulturamt überlegen, ob regionale Künstler bereit seien, vor einem reduzierten Publikum auftreten.