Neues Sammelblatt des Historischen Vereins Eichstätt erschienen

Die Namen entstammen vergangenen Jahrhunderten und Jahrzehnten und sind eher verwirrend: Solnhofer Stein, Solnhofener Marmorschiefer, Solnhofener Plattenkalk, Kelheimer Platten, Eichstätter Kalkstein, Treuchtlingen Marmor. Über allen steht heute der Begriff „Juramarmor“ für den Naturstein aus den Steinbrüchen im Altmühltal zwischen Langenaltheim im Westen, Eichstätt im Osten, Rupertsbuch im Norden und Gansheim im Süden.
Seit dem 15. Jahrhundert sind die Steinbrüche bekannt. Weltberühmt wurden sie durch Alois Senefelders Erfindung, den Steindruck, denn nur der Plattenkalk eignete sich für das neuartige Druckverfahren, das von 1796 an über hundert Jahre die führende Technik zur bildhaften Darstellung.
Beim Abbau des Steins wurden 1861, 1872 und 1956 bedeutende Versteigerungen, beispielsweise der Urvogel Archaeopteryx, gefunden, die heute im Museum „Archaeopteryxwelten Solnhofen“ zu bestaunen sind (bis 2026 war der Name „Bürgermeister-Müller-Museum“). Friedrich Müller hat zeitlebens die versteinerte Tier- und Pflanzenwelt gesammelt und den Weltruf der Sammlung begründet.
Der Juramarmor hat aber nicht nur die Kunst beflügelt, sondern war – und ist bis heute – ein wirtschaftlicher Faktor in der genannten Region. Schon 1458 gibt es Hinweise auf die Solnhofener Bodenplatten, die beim Bau der Hagia Sophia in Konstantinopel (heute: Istanbul) Verwendung fanden, auch auf der Würzburger Marienfeste wurde bereits 1536 verlegt. Die Legschieferdächer überstanden selbst den Dreißigjährigen Krieg und sind heute noch in den Dörfern des unteren Altmühltals anzusehen. Im Eichstätter Dom sind Werke des Bildhauers Loy Hering (1485-1554) und im Bamberger Dom gibt es ein Hochgrab aus Marmor von Tilman Riemenschneider (1460-1531)). Auch in der Benediktinerabteil Ottobeuren, einer der größten Klosteranlagen in Südbayern, ist der „Eystetter Stain“ verbaut. König Ludwig I. von Bayern hat seinen Ruhmestempel, die Befreiungshalle bei Kelheim, mit Jurastein gestaltet und selbst der „Starbaumeister“ Leo von Klenze hat 1823 die Säulen des Münchner Hoftheaters damit geschaffen.
Überdies ist der Juramarmor seit der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts in vielen namhaften Städten der Welt vertreten, auch bei der Sanierung des Berliner Reichstagsgebäudes (…) hat man auf den Juramarmor nicht verzichtet. In den letzten Jahrzehnten haben die arabischen Fürsten gigantische Architekturen realisiert – und dabei gern den Stein aus dem „steinreichen Süden“ (Altmühlfranken) in ihren sündteuren Projekten verbaut.
Eichstätter Bezüge zum Solnhofer Stein
Eine „Steinerkundung“ nimmt Dr. Victor Henle, ein in Mörnsheim geborener Jurist, in der neuen Ausgabe des „Sammelblatts“ des Historischen Vereins Eichstätt vor. Es ist überliefert, dass der Würzburger Rat schon im Mittelalter vom Eichstätter Bischof Gabriel von Eyb (1496-1535 reg.) einen „Eystetter Stain“ erzielt, den der Bildhauer Tilman Riemenschneider zu einer runden Tischplatte formte. Für Steinfußböden war das Material bestens geeignet, aber auch Eichstätter Sicht hatte der Stein ein gehöriges Manko: die Fundstellen befanden sich nicht im Bereich des Hochstifts Eichstätt, aber im benachbarten Mörnsheim oder im markgräflichen Solnhofen. Die evangelischen Steinbrecher und ihre katholischen Glaubensbrüder gerieten aneinander, so dass 1668 der katholische Steinbrecher Matthias Kelz nach Mörnsheim wechselte. Hier wurden die „blauen Steine“ gebrochen – eine nur auf das enge Gebiet beschränkte Besonderheit. Mit den Solnhofener Steinbrechern wollten sich die Katholiken fortan nicht einlassen. Der Legende nach (verbreitet von Karl Stöber, dem Erzähler aus dem Altmühltal) soll ein „Geißbub“ beim Hüten der Ziegen die Steinplatten gefunden haben. Die Geschichte hat sich später sogar in der wissenschaftlichen Publizistik verbreitet. –fa-