Der Westen ist gefragt

Dr. Friedrich: Es geht um das politische Leben nach Putin


Die Situation in Russland spitzt sich infolge der überaus erfolgreichen ukrainischen
Drohnenangriffe mehr und mehr zu. Die normalen russischen Menschen sind durch den
dramatischen Treibstoffmangel, der auch zu gefährlichen Ernteausfällen führen wird,
zunehmend persönlich betroffen. Diese schlimme Situation macht sie wütend. Sie verlangen
deshalb ein schnelles Ende des Krieges, aber ohne Niederlage. Das kann zu einer gefährlichen
Eskalation dergestalt führen, dass die russische Führung von vielen Bürgern dazu gedrängt
wird, endlich „Tabula Rasa“ zu machen und die „Samthandschuhe“ auszuziehen. Diese
Forderung könnte die verbrecherische Führung unter Putin dazu führen, dass gegen die
Ukraine noch brutalere Waffen – bis hin zu taktischen sog. kleinen Atomwaffen – eingesetzt
werden. Um diese mögliche fatale Entwicklung zu verhindern muss seitens des Westens jetzt
klug und zügig reagiert werden: Es muss versucht werden, die normalen Bürger durch
zukunftsweisende Botschaften des Westens von der verbrecherischen Führung abzukoppeln.
Dies kann gelingen, wenn den Bürgern vermittelt wird, dass für sie ein Leben nach und ohne
die jetzige Führung besser und sicherer sein kann. Es muss für die russischen Bürger denkbar
und vorstellbar werden, ohne die jetzige Führung auszukommen. Sie müssen die Chance
spüren, in Zukunft ein normaleres und nicht mehr staatlich unterdrücktes Leben ähnlich dem
europäischen „Way of Life“ führen zu können. Die Eröffnung einer solchen Perspektive für die
russischen Menschen würde die Gefahr einer eruptiven und gefährlichen Eskalation des
Konfliktes deutlich reduzieren. Und es würde sich auch eine ganz neue Chance für spätere
reale Entwicklungen auftun.

Dr. Ingo Friedrich, langjähriger Europaabgeordneter der CSU, Gunzenhausen

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