Den Klerikalismus erst spät besiegt

Reform der Lehrerbildung war ein langer politischer Kampf

Die Lehrerausbildung in Bayern in den fünfziger Jahren skizziert der Historiker Florian Geidner in der „Zeitschrift für Bayerische Kirchengeschichte“. Sie wird vom Verein für bayerische Kirchengeschichte herausgegeben, dessen Vorstandschaft Pfarrer Thomas Schwab als Schatzmeister angehört.

Die „Christliche Gemeinschaftsschule“ gilt heute in Bayern als ganz selbstverständlich. Bis 1968 war das aber längst nicht so. Der kirchenpolitischen Auseinandersetzungen währten lange, wobei die Lehrerbildung eine zentrale Rolle spielte. Grundlage war das Konkordat (Vertrag) der katholischen Kirche mit dem Freistaat, wonach die Lehrkräfte nach konfessionellen Grundsätzen auszubilden warn. Wesentlich moderater gab sich damals die evangelische Kirche. Über die Reform der Lehrerbildung  ist in der neue Ausgabe der „Zeitschrift für Bayerische Kirchengeschichte“ (94. Jahrgang /2025) eine umfassende Darstellung des jungen Historikers Florian Geidner  zu lesen.

Der Autor, ein Sohn des Wolframs-Eschenbacher Stadtarchivars Oskar Geidner, doziert gegenwärtig an der Technischen Universität Chemnitz. Er nimmt sich unter dem Titel „Strategische Intransigenz“ schwerpunktmäßig der Rolle des katholischen Episkopats (Bischöfe) und des Vatikans an und geht auf die landespolitischen Konstellationen ein. In Sachen Lehrerbildung geht der Streit zwischen Konservativen und Fortschrittlichen im Freistaat auf die fünfziger Jahre zurück. Die CSU, die stets überragende Wahlergebnisse in den vorwiegend katholischen Bezirken Altbayerns erzielen konnte, musste 1954 erleben, dass die vier bisherigen Oppositionsparteien SPD, Bayernpartei, GB/BHE (Gesamtdeutscher Block/Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten) und FDP nach Geheimverhandlungen ein Koalitionsbündnis schlossen („Viererkoalition“), die drei Jahre mit dem konfessionslosen SPD-Ministerpräsidenten Dr. Hoegner Bestand hatte. Sie versuchten, die bisher ausschließlich konfessionell gebundene Lehrerbildung zu ersetzen durch eine wissenschaftlich fundierte Ausbildung an den bayerischen Universitäten anzubieten.

 Den langen Weg bis zur Bildung der christlichen Gemeinschaftsschule 1968  zeichnet Florian Geidner nach. Im Nachkriegsbayern  gab es schließlich noch 71 Prozent Katholiken und nur 27 Prozent Protestanten. Die CSU war quasi der Schutzpatron der konservativen Katholiken mit ihrem klerikalen Kultusminister Alois Hundhammer, einem erklärten Befürworter der Bekenntnisschule (katholisch oder evangelisch).  Eine Akademisierung der Lehrerausbildung lehnte die CSU unter seinem Einfluss ab. Das Konkordat mit der katholischen Kirche von 1924/1933 sollte weiterhin uneingeschränkt gelten.

Im Gegensatz dazu drängte die amerikanischen Besatzungskräfte darauf, die Lehrerausbildung an staatlichen Universitäten vorzunehmen. Neben den Parteien der Viererkoalition wollten auch die Lehrerverbände eigenständige pädagogische Hochschulen, doch die Landesuniversitäten wollten das eigentlich nicht.  Nach langen Debatten im bayerischen Landtag gab es im Juni 1955 sogar eine Mehrheit für die Reform. Aber hatte kaum Bestand, denn die altbayerisch ausgerichtete Bayernpartei bangte um die Zustimmung ihrer Stammwählerschaft und scherte aus.  Es kam 1957 zu einer Nachfolgeregierung  unter Führung von Hanns Seidel  mit CSU, BHE/GB und FDP ohne die BP und ganz unspektakulär zur Gründung von Pädagogischen Hochschulen, die in die Landesuniversitäten integriert wurden.  Der Historiker Florian Geidner spricht von der „Dynamik der 60er Jahre) mit seinem Wandel der Gesellschaft, in der die konfessionelle Lehrerausbildung und die Bekenntnisschule an Bedeutung verloren. Der lange Kampf um die Gemeinschaftsschule endete erst 1968.  –fa-

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